vronlichnam = Herrenleib

Die erste Anregung, wenn auch nicht den entscheidenden Grund zu einer eucharistischen Festfeier an diesem Tage, bot eine Vision der hl. Juliana von Lüttich (+ 5. April 1258). Für den Lütticher Sprengel führte Bischof Robert das Fest im Jahr 1246 ein; 1252 ordnete es der Dominikanerkardinal Hugo für Westdeutschland und die Niederlande an; 1264 wurde es durch Papst Urban IV., ehemals Erzdiakon zu Lüttich, als «Fest des Leibes Christi» (im Deutschen gut mit vronlichnam = Herrenleib wiedergegeben) dem Festkranze der ganzen lateinischen Kirche eingereiht. Der hl. Thomas von Aquin wurde beauftragt, die Texte für das Offizium und die Messe des neuen Festes zusammenzustellen. Einen weiteren Ausbau erhielt die Festfeier durch die Prozession (in Köln schon i. J. 1279), in der die glaubensvolle Einheit der Katholiken kraftvoll zum Ausdruck kommt.

Lesung (1 Kor. 11, 23-29)

Brüder! Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe: Der Herr Jesus nahm in der Nacht, da Er verraten wurde, Brot, dankte, brach es und sprach: «Nehmet hin und esset; das ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu Meinem Andenken.» Ebenso nahm Er den Kelch nach dem Mahle und sprach: «Dieser Kelch ist der Neue Bund in Meinem Blute. Tut dies, so oft ihr ihn trinkt, zu Meinem Andenken.» Denn so oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis Er wiederkommt. Wer also unwürdig dieses Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn. Daher prüfe sich der Mensch, und so esse er von diesem Brote und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht [von gewöhnlicher Speise] unterscheidet.

Sequentia

Lauda, Sion, Salvatorem,
Lauda ducem et pastorem,
In hymnis et canticis.

Deinen Heiland, Sion preise,
Lobe Ihn in Wort und Weise,
Der dir Hirt und Führer ist.

Quantum potes, tantum aude;
Quia major omni laude,
Nec laudare sufficis.

Was du kannst,das sollst du wagen;
Ihm gebührend Lob zu sagen,
man vergebens sich vermißt.

Laudis thema specialis,
Panis vivus et vitalis
Hodie proponitur.

Brot, des Lob das Lied verkündet,
Das, lebendig, Leben zündet,
Beut sich heute festlich dar.

Quem in sacræ mensa cœnæ,
Turbæ fratrum duodenæ
Datum non ambigitur.

Daß Er es im heil’gen Saale.
Den zwölf Brüdern gab beim Mahle,
Ist ohn‘ jeden Zweifel wahr.

Sit laus plena, sit sonora,
Sit jucunda, sit decora
Mentis jubilatio.

Lob erschalle, Lob ertöne,
Gott genehm, voll hoher Schöne,
Sei des Herzens Jubellaut.

Dies enim solemnis agitur,
In qua mensæ prima recolitur
Hujus institutio.

Denn das Fest wird heut begangen,
Von des Tages Glanz umfangen,
Der uns dieses Pfand vertraut.

In hac mensa novi Regis,
Novum Pasha novæ legis
Phase vetus terminat.

Neuen Königs Tafelrunde,
Neues Lamm im Neuen Bunde
Hat des Alten End‘ gebracht.

Vetustatem novitas,
Umbram fugat veritas,
Noctem lux eliminat.

Neues treibt das Alte fort,
Schatten scheucht der Wahrheit Wort
Und das Licht verbannt die Nacht.

Quod in cœna Christus gessit,
Faciendum hoc expressit
In sui memoriam.

Was beim Mahl durch lhn geschehen,
Das hieß Christus uns begehen
Zum Gedächtnis Seinem Tod.

Docti sacris institutis,
Panem, vinum in salutis
Consecramus hostiam.

Treu befolgend heil’ge Lehren,
Weihen, unser Heil zu mehren,
Wir als Opfer Wein und Brot.

Dogma datur Christianis,
Quod in carnem transit panis
Et vinum in sanguinem.

Wie des Christen Glaube lehret,
Brot in Christi Fleisch sich kehret,
Und in Christi Blut der Wein.

Quod non capis, quod non vides,
Animosa firmat fides,
Præter rerum ordinem.

Sehen kannst du’s nicht, noch fassen;
Starker Glaube wird’s nicht lassen
Trotz Natur und Augenschein.

Sub diversis speciebus,
Signis tantum, et non rebus,
Latent res eximiæ.

Unter beiderlei Gestalten,
Die als Zeichen nur hier walten,
Birgt Sich göttliche Substanz.

Caro cibus, sanguis potus:
Manet tamen Christus totus
Sub utraque specie.

Blut als Trank und Fleisch als Speise:
Christus ist auf beide Weise
Bei uns ungeteilt und ganz.

A sumente non concisus,
Non confractus, non divisus:
Integer accipitur.

Wer Ihn aufnimmt, bei Ihm weilet,
Hat Ihn voll und ungeteilet,
Ungebrochen, unbrechbar.

Sumit unus, sumunt mille:
Quantum isti, tantum ille:
Nec sumptus consumitur.

Einer nimmt und tausend nehmen,
Gleichviel stets, soviel auch kämen,
Immer bleibt Er, was Er war.

Sumunt boni, sumunt mali:
Sorte tamen inæquali,
Vitæ vel interitus.

Gute kommen, Böse kommen,
Doch nicht jedem will es frommen,
Leben bringt’s und Todesbann.

Mors et malis, vita bonis:
Vide, paris sumptionis
Quam sit dispar exitus.

Bösen: Tod; den Guten: Leben;
Sieh, das Gleiche wird gegeben,
Doch nicht Gleiches man gewann.

Fracto demum sacramento,
Ne vacilles, sed memento,
Tantum esse sub fragmento,
Quantum toto tegitur.

Wird die Hostie gespalten,
Zweifle nicht! Laß Glauben walten:
Jedem Teile bleibt erhalten
Doch des ganzen Vollgehalt.

Nulla rei fit scissura:
Signi tantum fit fractura:
Qua nec status nec statura
Signati minuitur.

Brechen kann man nur das Zeichen.
Doch nie dessen Sein erreichen;
Nichts von Christus kann da weichen,
Weder Zustand, noch Gestalt.

Ecce panis Angelorum,
Factus cibus viatorum:
Vere panis filiorum.
Non mittendus canibus.

Sieh, das Brot, der Engel Gabe,
Wird den Pilgern hier zur Labe,
Wahrhaft ist’s der Kinder Habe,
Nicht den Hunden werft es hin.

In figuris præsignatur,
Cum Isaac immolatur:
Agnus paschæ deputatur:
Datur manna patribus.

Längst im Bild war’s vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet,
Osterlamm, zum Mahl bereitet,
Manna nach der Väter Sinn.

Bone pastor, panis vere,
Jesu, nostri miserere:
Tu nos pasce, nos tuere:
Tu nos bona fac videre
In terra viventium.

Guter Hirt, Du wahre Speise,
Dich barmherzig uns erweise;
Nähre uns auf unsrer Reise;
Deine Güter, Jesu, weise
Uns im wahren Lebensland.

Tu, qui cuncta scis et vales:
Qui nos pascis hic mortales:
Tuos ibi commensales,
Coheredes et sodales
Fac sanctorum civium.
Amen. Alleluja.

Du, der alles weiß und leitet,
Hier im Todestal uns weidet:
Dort, wo Licht Dein Reich sich breitet,
Sei uns Los und Tisch bereitet
In der Heiligen Verband.
Amen. Alleluja.

+

 

3 Kommentare zu „vronlichnam = Herrenleib

  1. Zu der von Ihnen veröffentlichten Lesung (1 Kor. 11, 23-29):
    Aus welcher Bibel-Fassung haben Sie das bitte entnommen, denn es muss richtig heißen: Tut dies zu Meinem Gedächtnis.
    Hier eine Erklärung dazu:

    Änderung der Wandlungsworte
    Auszug aus dem Buch der Wahrheit
    782. Eine neue Form des Kreuzes wird eingeführt werden. 30. April 2013

    „… Die neuen Regeln, die an Messgebeten vorgenommene Änderungen beinhalten werden, werden harmlos erscheinen. Viele werden die Tragweite der Änderungen nicht bemerken, doch sie werden im Zusammenhang mit der Heiligen Eucharistie stehen und mit Meiner Gegenwart in ihr. Das Wort ‚gedenken‘ (englisch: commemorate) wird verwendet werden, und alle Kirchen werden bald von ihren Schätzen entrümpelt werden. Das Abziehen von Kirchenschätzen, darunter goldene Tabernakel — die durch solche aus Holz und Stein ersetzt werden —, wird eines der Zeichen dafür sein, dass sie für die Neue-Welt-Religion zusammengetragen werden….“
    Hinter dem griechischen Wort, das sich an dieser Stelle findet (anamnesis), steht aber ein hebräischer Begriff – lezikkarôn (nicht zakar). Dieser meint die Vergegenwärtigung des Vergangenen, das nie bloße Vergangenheit bleibt, sondern gegenwärtig wirksam wird. „Gedächtnis“ bedeutet „Vergegenwärtigung“!
    *************************************************************************************************************************
    Der erste Brief des Paulus an die Korinther: 1 Kor 11,23-34
    https://www.welt-der-bibel.de/bibliographie.1.2.erste_Brief_Paulus_Korinther.44.html
    „… Der Hinweis auf Totengedächtnismahle in der hellenistischen Umwelt reiche nicht aus. Aufschlussreicher sei ein Blick in die at.-jüdische Tradition, wo das Verb zakar („sich erinnern“) und die Wendung lezikkarôn („zum Gedächtnis“), die eine Entsprechung zu der griechischen Formel eis tên anamnêsin darstelle, begegne. …“
    Matthias Dietrich: Dipl. Theologe; geb. 1971, absolvierte in Paderborn das Erste Staatsexamen ev. Theologie
    Gedenken (englisch: commemorate) Gedächtnis (englisch: memory)
    Gedenken ist ein rein psychologischer Vorgang, ein subjektiver Vorgang. Es sind nur Gedanken. Gedächtnis ist ein objektiver Vorgang. Ist eine Wirklichkeit! Eine Realität!
    Ein Gedenken, eine Gedenkfeier kann jeder machen, leiten, durchführen. Man gedenkt der Opfer der Kriege, der verstorbenen Angehörigen, des Tages der Erstkommunion, des Abiturs, einer Weltmeisterschaft im Fußball, des Tages der eigenen Geburt usw. usw. Diese Ereignisse sind abgeschlossen. Man erinnert sich und feiert.
    Die Protestanten gedenken des Abendmahles vor der Passion Christi.
    Man gedenkt der Ereignisse, die einmalig stattgefunden haben und die nicht mehr gegenwärtig sind und weiterhin nicht gegenwärtig sein können. Zum Gedenken braucht es keinen Priester. Jesus hat uns am Gründonnerstag Sein Testament hinterlassen. „Tut dies zu Meinem Gedächtnis!“
    Sein Abendmahl, Seine Passion, Sein Tod am Kreuz, Seine Auferstehung von den Toten und Seine Himmelfahrt werden in der Heiligen Messe gegenwärtig. Wir nehmen an diesem Geschehen teil. Es ist keine bloße Erinnerung, kein bloßes Gedenken, was in der Heiligen Messe stattfindet. Alles von damals wird gegenwärtig.
    Damit dies geschieht, ist ein gültig geweihter Priester notwendig, geweiht von einem Bischof. Dieser Bischof muss sich in der apostolischen Sukzession, der apostolischen Nachfolge befinden. Die apostolische Sukzession oder apostolische Nachfolge beschreibt die kontinuierliche Weitergabe des Sendungsauftrags der Apostel und deren Nachfolger bis in die Gegenwart und legitimiert die traditio apostolica, die Treue zur urchristlichen Tradition und die unverfälschte Weitergabe der Glaubensinhalte. Zur Erfüllung dieser Kontinuität wird vor allem in den vorreformatorischen Kirchen eine stetige Reihe von Bischofsweihen als konstitutiv für das Bischofsamt angesehen.

    Sobald es in den Wandlungsorten „Gedenken“ heißt statt „Gedächtnis“,
    ist es keine gültige Messe mehr. Die Eucharistie ist dann nicht mehr da !!!
    (Anmerkung: „Das Wort ‚gedenken‘ (englisch: commemorate) wird verwendet werden“ gehört nicht unmittelbar zu den Wandlungsworten. Dennoch wird es eine Rolle spielen, sonst würde es in dieser Botschaft 782 nicht vorkommen.)
    *************************************************************************************************************************
    Lehre des Trienter Konzils zum Heiligen Messopfer
    (13.12.1545 – 4. Dezember 1563):
    Die Messe ist ein wahres, sichtbares Opfer – nicht symbolische Vergegenwärtigung – , durch welches das, was ein einziges Mal am Kreuze auf blutige Weise zu vollbringen war, vergegenwärtigt und seine heilbringende Kraft zur Nachlassung der Sünden, die von uns täglich begangen werden, angewendet werden sollte.
    Das Messopfer ist ein wahres Sühnopfer und NICHT ein „bloßes Gedenken an das am Kreuz vollbrachte Opfer“.
    „Wenn jemand sagt, das Messopfer sei nur Lob und Danksagung oder ein bloßes Gedenken des am Kreuz vollbrachten Opfers, nicht aber ein sühnendes, oder es nütze nur dem, der es genießt, aber es dürfe nicht für die Lebenden und Verstorbenen, für die Sünden, Strafen, Genugtuungen und anderen Anliegen dargebracht werden, anathema sit ( = der sei verflucht = der sei ewig verdammt).“
    *************************************************************************************************************************
    In den Bibeln steht „Gedächtnis“
    https://www.anskar.de/medien/anskar-kirche-kurz-erklart/das-abendmahl-tut-dies-zu-meinem-gedaechtnis-kurz-gesagt-nr-3/
    Während der Feier werden die so genannten Einsetzungsworte gesprochen. Dort begegnet zweimal der Satz: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1 Kor 11,24-25). Für das moderne Verständnis bedeutet „Gedächtnis“ so viel wie „Erinnerung“. Es hat demnach den Anschein, als ob Jesus selbst das Abendmahl lediglich als eine Gedächtnisfeier verstanden hätte.
    Wichtiger Hinweis!!!
    Wenn wir uns nur auf das Wort „Gedenken“ fokusieren, um zu wissen, ob eine modernistische Zeremonie gültig ist oder nicht, dann könnten wir die Wesenswandlungsgebete außer Acht lassen.
    Es stimmt, dass Jesus uns auf das Wort „Gedenken“ aufmerksam macht. Aber auf den Rest muss man auch aufpassen, denn das ist das Wichtigste.
    Viele in der Restkirche wollen die modernistische Zeremonie gar nicht verlassen. Sie erkennen den Haufen von Sakrilegien und Häresien nicht (oder wollen diese nicht erkennen). Das merkt man immer wieder bei den Gesprächen. Viele Menschen sind freiwillig blind. Deswegen sollte man lieber immer wieder die ganze Formel auffrischen:
    Die eigentlichen Wandlungsworte sind rot markiert:
    An jenem Tag vor Seinem Leiden nahm Er Brot in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände, richtete Seine Augen gen Himmel zu dir, Gott, Seinem Allmächtigen Vater, sagte Dir Dank, segnete es, brach es, gab es Seinen Jüngern und sagte: Nehmet hin und esset alle davon:
    DENN DIESES IST MEIN LEIB.
    Auf die gleiche Weise nahm Er nach dem Mahle auch diesen wunderbaren Kelch in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände, dankte dir abermals, segnete ihn und gab ihn Seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und trinket alle daraus.
    Das ist der Kelch Meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes — Geheimnis des Glaubens —, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
    Tuet dies, sooft ihr dies tut, zu meinem Gedächtnis.
    (Die bisherigen Übersetzungen können geringfügig abweichen, so z. B. „Am Abend vor Seinem Leiden…“ oder „DAS IST MEIN LEIB“.)

    Freundliche Grüße und Gottes Segen

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