Seminaristen mit zwei Gesichtern

Über die „Ergebnisse diözesaner Untersuchung von Missbrauchsfällen im Bistum Limburg“ schreibt Regina Einig in der TAGESPOST:

Dass erhebliche Defizite in puncto Transparenz im Bistum bestehen, geht aus der Befragung dreier Seminaristen hervor, die scharfe Kritik an der Situation der Ausbildung im Priesterseminar Sankt Georgen üben.

Das überdiözesane Priesterseminar an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main wird vom Jesuitenorden und den Diözesen Limburg, Hamburg, Hildesheim und Osnabrück getragen.

Den Angaben der Seminaristen zufolge fühlen sich die Seminaristen „kontrolliert und einer intransparenten Machtfülle der Regenten ausgesetzt“ und weder ernst genommen und noch wertgeschätzt. Die Anforderungen der Ausbildung seien „unklar beziehungsweise ihnen nicht bekannt“.

Wörtlich heißt es im Bericht: „Das gesamte Ausbildungssystem im Seminar ist intransparent.

Auch gehöre eine gewisse Verstellungstaktik für Seminaristen zum Alltag:

Man hat zwei Gesichter im Seminar:
eins, das ich zeige
und eins, wie ich wirklich bin.

DIE TAGESPOST, 18.06.2020

+

 

Ein Kommentar zu „Seminaristen mit zwei Gesichtern

  1. Interessanterweise sind die Aspekte „Kontrolle durch eine mit intransparenter Machtfülle ausgestattete Autorität“, „offen gezeigte Geringschätzung“ sowie „unklare Anforderungen“ als Techniken der psychischen Destabilisierung auf allen Ebenen zu verzeichnen. Fachbegriff dafür ist „Gaslighting“ (Kompositum aus engl. gas und lighting, dt.: „Gasbeleuchtung“), eine Form von psychischer Gewalt bzw. Missbrauch, mit der Opfer gezielt desorientiert und manipuliert werden und ihr Selbstbewusstsein allmählich deformiert bzw. zerstört wird (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Gaslighting).
    Naturgegeben ist dies nur umsetzbar, wenn die Zielpersonen dem Angreifer – zumindest begrenzt – (an)vertraut sind, etwa im Seminar oder im beruflichen Umfeld. Maßstäbe setzend ist heute in Wirtschaft und Verwaltung bereits ein Typus Vorgesetzter, der bezüglich Gestik, Vokabular und Erscheinungsbild beinahe identisch ist. Vorherrschend scheint der sich polyglott gebende, geschmeidige „Mann ohne Eigenschaften“, in der weiblichen (?) Ausgabe die „Business-Powerfrau“ im knapp sitzenden Hosenanzug mit aufgesetztem Dauerlächeln. Funktionsmasken, für welche Hobbies und Privatleben nur Spielmaterial für die Karriere sind.
    Bei Interesse habe ich zum Thema „Soziopathen in der Funktionsstruktur“ einige Beiträge auf kirchfahrter.wordpress.com gestellt.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s