„Ratzinger sagte den Selbstmord des Westens voraus“

Caterina Mamaci stellt im Artikel „Ratzinger sagte den Selbstmord des Westens voraus“ das soeben erschienene Buch „L’ultimo Papa d’Occidente?“ (Der letzte Papst des Westens?) vor. […] In seinem jüngsten Buch hält Meotti, „inmitten der zerstörerischen Kraft der Wüste“, in den Schriften und Ansprachen Joseph Ratzingers und Papst Benedikts XVI. Ausschau „nach dem letzten Licht“ (Caterina Mamaci). Mit dem Fragezeichen hinter dem Buchtitel wollten Autor und Verlag offenbar vermeiden, in eine Anti-Franziskus-Ecke gerückt zu werden. Die gestellte Frage bleibt daher offen. Auch eine Bewertung, sollte die Frage mit ja beantwortet werden.

Das Vorwort steuerte der irische Journalist und Lebensschützer John Waters bei. Der ehemalige Lebensgefährte der Sängerin Sinéad O’Connor, mit der er eine Tochter hat, bezeichnet Benedikt XVI. als „Solschenizyn des 21. Jahrhunderts“. Als Priester, Theologe, Bischof und schließlich als Papst habe er erkannt, daß das Christentum in den vergangenen 400 Jahren ein einziges Rückzugsgefecht führte. Der Grund dafür, so Waters, den Joseph Ratzinger ausfindig machte, sei der zunehmende „Rückzug von der Wahrheit“.

Der letzte Papst des Westens?

Meotti sucht im Wirken des jüngsten deutschen Papstes nach Ankern, die in immer unruhiger werdenden Zeit festen Boden sichern. Anhand der ausgewählten Texte zeigt Meotti auf, daß Benedikt XVI. den Abschied Europas von der Katholizität voraussagte, ebenso den Relativismus und den Neomarxismus in der Kirche.

Joseph Ratzinger habe früher und deutlicher als andere erkannt, was sich in der Kirche und insgesamt in der Geschichte des Westens abzeichnete. Er sagte es auch, wenngleich auf seine leise, fast schüchterne Art und Weise. Gehört wurde er kaum. Nicht wegen seiner leisen Töne, sondern weil man ihn nicht hören wollte. Benedikt XVI. hatte frühzeitig verstanden, daß der Niedergang Europas und seiner Kultur einerseits und der Niedergang des Christentums andererseits die beiden Seiten ein und derselben Medaille sind.
Er habe sich auch nicht gescheut, diesem Niedergang einen Namen zu geben und vor seinen Folgen zu warnen: Sein Name ist Relativismus und sein Weg führt in die Diktatur.

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Fest des Heiligsten Herzens Jesu

Zum Herz-Jesu-Fest

Wundert es, wie wenig sich die Theologie bemüht, „die Tradition der Herz-Metapher als Symbol und nicht nur als theologische Aussage aufzuarbeiten“. Der langjährige Herausgeber der Zeitschrift „Geist und Leben“ Pater Josef Sudbrack SJ, veröffentlichte daselbst im Jahre 1997 eine Analyse:

Beim Durchmustern entsprechender moderner Lexika fand ich kaum Maßgebliches. Das Lexikon der Pastoraltheologie (kath., 1972), das Praktische Wörterbuch der Pastoralanthropologie (ev./kath., 1975), das Wörterbuch des Christentums (1988) oder das vierbändige Neue Handbuch theologischer Grundbegriffe (kath., 1991) schweigen sich über die Metapher „Herz“ aus, bringen höchstens Notizen zur „Herz-Lungen-Maschine“ und zum „Herz-Schrittmacher“. Letzteres Lexikon hat sogar einen aufschlußreichen „Symbolartikel“ über das Licht aus der Erst-Ausgabe (von H. Fries) eliminiert (weil er von dem unbeliebten Theologen J. Ratzinger stammt?).

Die Artikel im „Praktischen Lexikon der Spiritualität“ sind rückblickend konservierend. Das neue Lexikon für Theologie und Kirche (Bd. V) bringt nur historische und theologische Daten, geht aber auf die Problematik nicht ein.

Einen Lichtblick bringt der II. Band des „Evangelischen Kirchenlexikon“ von 1989, in dem Balthasar Fischer schreibt: Die Herz-Jesu-Verehrung hat trotz der genannten ikonographischen Unzulänglichkeit ihrer Ausdrucksformen beim einfachen katholischen Volk ohne Zweifel eine Verinnerlichung der Christusfrömmigkeit erreicht. Er benennt die Schwierigkeiten und fragt, „ob die jüngste theologische Vertiefung“ einen Ausweg daraus findet.“

Diese Krise wurde in den zum Tiroler Jubiläum im Stift Wilten ausgestellten Herz-Jesu-Bildern moderner Künstler sichtbar. Kein einziges ließ auch nur einen Anflug von „Frömmigkeit“ aufkommen, was nach Balthasar Fischer den Wert der Herz-Jesu-Verehrung ausmacht.

Ist dies den Künstlern anzulasten oder nicht vielmehr der Theologie, die mit Herz-Jesu-Frömmigkeit – trotz dogmatischer Korrektheit – nicht zurechtkommt?

(Josef Sudbrack, Herz-Jesu-Verehrung, Der moderne Auftrag einer klassischen Frömmigkeit, Geist und Leben 1997)

Traditionelles Herzjesu-Bild

Aus dem Volksmissale:

An zwei Stellen im Evangelium spricht Jesus von seinem Durst, nämlich am Jakobsbrunnen (Joh 4, 7) und am Kreuz (Joh 19, 28). Das erste Wort ist der Schlüssel zum zweiten:
Wenn du um die Gabe Gottes wüsstest und wer es ist, der da ruft: ,Mich dürstet!‘, dann würdest du ihn bitten, und ergäbe dir lebendiges Wasser.“ (vgl. Joh 4, 10).
Um dies zu veranschaulichen, ließ Jesus es geschehen, dass ein Soldat mit einer Lanze seine Seite öffnete, so dass Blut und Wasser daraus hervorquollen (Joh 19, 34). Aus dem Herzen Jesu ist die Kirche geboren. Es ist das Tor zum Leben und die Quelle, aus der die Kraft fließt, die den sieben Sakramenten der Kirche ihre Wirksamkeit verleiht.

Das göttliche Herz Jesu wurde zu allen Zeiten in der Kirche hoch verehrt. Eine ganz besondere Förderung aber fand die Herz-Jesu-Verehrung durch eine einfache Ordensfrau des Heimsuchungsordens in Paray-le-Monial, die hl. Margareta Maria Alacoque (1647-1690). In drei mystischen Schauungen hat sich ihr das göttliche Herz Jesu geoffenbart und zur Sühne für die Zurückweisung seiner Liebe die Einführung des Herz-Jesu-Festes gefordert. Jesus sprach zu ihr:
„Siehe, das Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, das aber so wenig Gegenliebe fand.“

1856 wurde das Herz-Jesu-Fest durch Papst Pius IX. für die ganze Kirche geführt. Papst Leo XIII. erhob es zu einem Fest 1. Klasse und weihte im Jahr 1899 die Welt dem heiligsten Herz Jesu. Papst Pius XI. ordnete an, jährlich an diesem Tag das ,Sühnegebet zum heiligsten Herzen Jesu‘ zu verrichten.

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Ephrem der Syrer – 18. Juni

Nach dem liturgischen Kalender von 1962, dem wir bei tu domine folgen, ist heute der Festtag des heiligen Ephrem der Syrer. Er starb als Einsiedler und Diakon 373 in Edessa (Urfa, südliche Türkei).

Meine Kinder sind hingeschlachtet und meine Töchter, die außerhalb meiner Befestigung sind; ihre Mauern niedergerissen, ihre Kinder zerstreut, zertreten ihre Heiligtümer.

Dies ist der Beginn von Ephrems berühmten „Carmen Nisibenum“. Darin beschreibt er das Leiden der Vertriebenen, der Mütter, die ihre Kinder nicht mehr stillen können, und zahlreicher Menschen, die elendig verhungern und verdursten.

Die Besonderheit seiner Arbeit liegt darin, dass sich in ihr Theologie und Dichtung begegnen. […] Die Dichtung gestattet ihm, die theologische Reflexion durch Paradoxa und Bilder zu vertiefen. Gleichzeitig wird seine Theologie Liturgie, sie wird Musik: Er war in der Tat ein großer Komponist, ein Musiker. Theologie, Reflexion über den Glauben, Dichtung, Gesang, Lob Gottes gehen zusammen; und gerade in diesem liturgischen Charakter tritt in der Theologie Ephrems mit aller Klarheit die göttliche Wahrheit zutage.“ (Benedikt XVI. , 28. November 2007)

FAZnet widmete diesem Werk des Kirchenlehrers in einer Ausgabe des Jahres 2016 einige Aufmerksamkeit. Aus aktuellem Anlass, bezieht sie sich auf die aus Syrien kommenden Flüchtlinge. Doch wir verstehen Ephrems Aussagen darüber hinaus und erkennen seine prophetischen Schauungen in die heutigen und kommenden Zeiten:

Das Elend einer belagerten Stadt tritt vor Augen, dahinvegetierende Kinder und Erwachsene, Not und Sterben überall. Ephraim erspart dem Leser keinen Schrecken: Es herrscht Hunger und bei der Gluthitze sogar Durst, obwohl die Stadt an einem Fluss liegt. Faulende Leichen bedecken den Boden, der ihren Eiter aufsaugt. Mit solch verstörenden, drastischen Bildern schildert Ephraim das Geschehen wohl in Hanzit, einer Festung unweit seiner Heimatstadt Nisibis. Diese wiederum lag nahe der Grenze zwischen Römischem und Persischem Reich, in einer Landschaft zwischen Euphrat und Tigris, die immer neu von brutalen Kämpfen heimgesucht wurde. Nisibis mit seinen starken Mauern hatte mehreren Belagerungen getrotzt, noch furchtbarer als der Stadt erging es ihrer schlecht geschützten Umgebung.

Ephraim, der selbst keusch lebte, bekundet seine Nähe zu den Opfern, indem er sie als Verwandte anspricht, gar als seine Kinder; gerade Töchter – hier sind wohl zerstörte Bollwerke gemeint – standen in seiner Welt für Schutzbedürftigkeit. Die natürliche Ordnung hat sich verkehrt […]

FAZnet notiert Ephraim der SyrerCarmen Nisibenum 10“,
der wie ein Psalm klingt:

Meine Kinder sind hingeschlachtet und meine Töchter,
die außerhalb meiner Befestigung sind;
ihre Mauern niedergerissen, ihre Kinder zerstreut,
zertreten ihre Heiligtümer.

Refrain: Gepriesen sei deine Züchtigung!

Die Jäger haben von meinen Bollwerken meine Tauben gefangen,
die ihre Nester verlassen hatten und in Höhlen geflohen waren.
Mit einem Netz fingen sie sie!

Wie Wachs von dem Feuer schmilzt, so zerschmolzen
und vergingen die Leiber meiner Söhne
vor Hitze und Durst in den Befestigungen.
Anstatt der Quellen und der Milch,
die für meine Söhne und Kinder flossen,
fehlt nun die Milch den Kleinen und das Wasser den Entwöhnten.

In Todeszuckungen fiel das Kind von der Mutter,
denn es konnte nicht mehr saugen,
und sie vermochte es nicht mehr zu stillen;
sie beide gaben den Geist auf und starben.

Wie konnte deine Güte ihren eigenen Brunnen Zügel anlegen,
da doch der Überfluss ihrer Quellen nicht gehemmt werden kann?

Und wie hat da deine Güte ihr Mitleid verschlossen
und ihre Quelle dem Volk vorenthalten,
das danach schrie, seine Zunge zu benetzen?

Und ein Abgrund hatte sich aufgetan zwischen ihnen und ihren Brüdern,
wie bei dem Reichen, der schrie, und keiner war,
der ihn erhörte und seine Zunge benetzte.

Und gleichsam mitten ins Feuer waren die Unglücklichen geworfen,
und Gluthitze hauchte das Feuer inmitten der Dürstenden aus,
und in ihnen loderte es.

Es zerschmolzen ihre Leiber und wurden von der Hitze aufgelöst;
es tränkten die Verdursteten ihrerseits
die Erde mit dem Eiter ihrer Körper.

Und die Festung, die ihre Bewohner durch den Durst ermordet hatte,
trank nun wieder den Ausfluss der Leichname derer,
die vor Durst dahingeschwunden waren.

Wer sah je ein Volk, von Durst gequält,
während es eine Mauer von Wasser umgibt,
und es doch nicht seine Zunge benetzen kann?

Mit dem Urteil von Sodom wurden auch meine Lieben gerichtet,
und meine Kinder wurden heimgesucht mit der qualvollen Strafe Sodoms.
Die aber dauerte nur einen Tag.

Die Qual des Feuertodes, Herr,
währt nur eine Stunde, aber das lange Verschmachten bedeutet
einen langsamen Tod und eine ausgesuchte Qual.

Nach meinen Schmerzen und bitteren Leiden, Herr,
– soll das ein Trost sein, der andere, den du mir gabst,
dass du meine Unglückseligkeit vermehrt hast?

Die Medizin, die ich erwartete:
der wirkliche Schmerz, der Verband,
nach dem ich ausschaute:
eine bittre Wunde. Das wollen sie mir antun.

Und als ich erwartet hatte, dem Sturm zu entrinnen,
wurde mir der Sturm im Hafengefährlicher
als der im offenen Meer.

Und wenn ich gehofft hatte in meiner Beschränktheit,
dass ich mich aus der Grube herausgearbeitet hätte,
da warfen mich meine Sünden wieder mitten hinein.

Sieh, Herr, meine Glieder!
Schwerter dichtgedrängt in mir
– sie haben meine Arme gezeichnet -,
und die entstellenden Wunden der Pfeile,
eingesät in meine Seiten.

Tränen in meinen Augen, Kunde in meinen Ohren,
Weherufe in meinem Munde, Trübsal in meinem Herzen
– kein neues Leid mehr für mich, o Herr!

Quelle: FAZnet

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Die Sekte heißt „Deutsche Nationalkirche“

Peter Winnemöller hat am 15. Juni in seinem Montagskick bei kath.net Stellung bezogen zur Aussage von Bischof Dieser aus Aachen: „Wenn der Synodale Weg scheitert, werden wir zu einer Sekte„. Winnenmöllers Antwort lautete: „Dann sind wir wohl schon eine Sekte„.

Kneipengottesdienst: 200 Gäste beten mit Bischof Dieser bei „Heute beim Bier“ – Foto: https://www.bistum-aachen.de/aktuell/nachrichten/nachricht/200-Gaeste-beten-mit-Bischof-Dieser-bei-Heute-beim-Bier-00001/

Der Wahlspruch von Bischof Dieser, der seit 2016 Diözesanbischof in Aachen ist, lautet:

Pax Dei omnem sensum exsuperat.
Der Friede Gottes übersteigt alles Verstehen“.

Offenbar ist es nur möglich, die Aussagen dieses Bischofs zu verstehen, wenn man  selbst ganz im Frieden Gottes beheimatet ist.

Auszüge aus dem Beitrag von Peter Winnenmöller:

Wie die meisten Bischöfe unserer Tage versteht sich Bischof Dieser darin, nicht die Lehre der Kirche in Fragen der Sittenlehre offensiv zu verkündigen und gegen Anfechtungen zu verteidigen. Vielmehr sucht der Bischof den Ausweg darin, die Sünde zu relativieren. Gerade der Komplex rund um das sechste Gebot ist heftig umkämpft. Das war schon immer so und wird auch bis zur Parusie so bleiben. Die Kirche lehrt, dass jede sexuelle Handlung außerhalb der Ehe sündig ist. Der säkularen Gesellschaft ist das ein Dorn im Auge.

Unter dem öffentlichen Druck in Folge der kriminellen pädophilen Handlungen einer ganzen Reihe von Klerikern sieht sich der Episkopat offensichtlich genötigt, über Frauen, Sex, Macht und Amt zu diskutieren. Das Problem an der Sache ist nicht die Diskussion. Das Problem ist auch nicht die Synodalität. Eine Synode ist ein geistlicher Prozess in der Kirche, um in einer Frage der Lehre oder der Praxis der Kirche die Wahrheit zu erkennen. Im Gegensatz dazu ist der synodale Weg von DBK und „ZdK“ eine Diskussionsveranstaltung mit dem Ziel die Lehre der Kirche in einigen Punkten zu dekonstruieren und dem Zeitgeist anzupassen. Dazu gehört auch die angebliche Macht in der Kirche.

Wer in den letzten Wochen aufmerksam war, konnte feststellen, das Bischöfe ganz ohne ihre sonst unverzichtbaren (Diözesan-)Räte und sogar ohne die diözesane Genderbeauftragte zu fragen, die Kirchen dicht machen und die Gläubigen aus dem Messen ausschließen. Das Coronainterdikt ist von keinem einzigen der ansonsten unverzichtbaren Gremien abgesegnet worden. Alle Entscheidungen sind top-down, d.h. streng entlang der kirchlichen Hierarchie gefällt worden. Die Entscheidungen müssen einem nicht gefallen. Klar ist aber, wer im Fall der Fälle in der Kirche entscheidet: Der Bischof, bzw. derjenige, den der Bischof dazu beauftragt. So viel zum Thema Macht. Man könnte eines von vier Foren schließen.

Das Amt in der Kirche ist nur so lange interessant, wie es gut dotiert ist und mit Einfluss und Ansehen zu tun hat. Wir haben, wie aus informierten Kreisen zu erfahren ist, Rekordaustrittszahlen in 2019, die in 2020 einzelnen Amtsgerichten zu Folge noch überboten werden. Wir werden erleben, wie nun, auf Grund der wegbrechenden Kirchensteuer ein Bistum nach dem anderen die finanzielle Reißleine zieht. Laien im kirchlichen Dienst werden sich daran gewöhnen müssen, dass ihr Posten unter Finanzierungsvorbehalt steht. Ob dann das Amt noch interessant ist, bleibt abzuwarten.

Der synodale Weg von DBK und „ZdK“ war dem Grunde nach schon gescheitert, bevor er richtig begonnen hatte. Mitgenommen auf dem Weg wurden nur die sogenannten reformorientierten Kräfte, die durch Verbands- und Diözesanfunktionäre repräsentiert werden. Mit Beginn der Krise war der Funktionärsapparat dann plötzlich verschollen. Durch Fehlentscheidungen haben die Bischöfe dazu beigetragen, dass die Kirche nun endgültig als systemirrelevant angesehen werden kann. Der Einbruch der Kirchensteuer und der Mitgliedszahlen geben der Kirche in diesem Land den Rest. Kein Zweifel, wir werden in den kommenden Jahren mit vollem Mediengetöse den synodalen Weg samt Rahmenprogramm genießen dürfen. Das wird so weiter gehen, solange man sich das Spektakel noch leisten kann. Inhaltlich ist dieser Irrweg längst gescheitert.

Eine Sekte ist die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche deshalb nicht. Die deutschkatholische Reformgruppe, wie auch immer sie sich nennen wird, dürfte dagegen weitaus eher Sektencharakter ausbilden.

Quelle und ganzer Artikel: kath.net

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Jean Raspail + (1925 – 2020)

Am 13. Juni 2020 ist der Schriftsteller Jean Raspail verstorben.

Jean Raspail durchlief eine Reihe katholischer Schulen, die ihm jedoch meist die Tür wiesen; das Abitur gelang erst im dritten Anlauf. Eine berufliche Orientierung scheiterte ebenso wie erste Schreibversuche, deren Mängel er aber intuitiv begriff. Das Nachkriegsfrankreich mit seinen schrumpfenden Horizonten eignete sich wenig zur Erweiterung des eigenen; es folgte „ein Abenteuer, das über meine Existenz entschieden hat“: Raspail durchmaß im Kanu über 4.500 Kilometer die einstigen französischen Besitzungen in Nordamerika, von Québec bis La Nouvelle-Orléans. Seine Leitsterne waren der Jesuitenmissionar Marquette und der Cavelier de La Salle, die Entdecker des Mississippis beziehungsweise seiner Mündung. Beide gingen nach ungeheuren Anstrengungen dabei zugrunde. Dann ging er nach Kanada und Louisiana, entlang der „Wasserwege des Königs“, allesamt 2005, 55 Jahre nach der Fahrt, im gleichnamigen Buch von Raspail in berückender Schönheit heraufbeschworen. Man findet darin schon den Kern von Raspails Faszinationen und Werk angedeutet – Königtum, Katholizismus, verlorene Sachen, ergänzt durch eine zärtliche Liebe zu untergehenden Kleinstvölkern, erworben auf einer weiteren Reise, diesmal vom Kap Hoorn nach Alaska und zu den Ureinwohnern Patagoniens, die in den Regenstürmen der Magellanstraße ein Dasein herzerweichender Kargheit fristeten.

Eine Laufbahn als Reiseschriftsteller folgte, bis Raspail sesshaft wurde und Frankreich in einem „radikalen Wandel kultureller Natur“ wiederfand, in seiner Substanz bedroht und wie so viele Völkerschaften davor „reif für den finalen Schlag“. Mit dem „Heerlager der Heiligen“ (Schnellroda 2015), dessen Übersetzungen allein mehrere Regalreihen füllen, nimmt er auch die Literatur wieder auf und die Gegenwart in beängstigend prophetischer Weise schon 1973 vorweg: Eine Million bettelarmer, aber entschlossener Boatpeople fällt als Vorhut der Dritten Welt gewaltlos in Frankreich ein, das ein Trommelfeuer der Indoktrination durch faktisch gleichgeschaltete Medien und politische Eliten zu jeglichem Widerstand und Selbstbehauptungswillen unfähig gemacht hat. Heute spricht man von „Willkommenskultur“ – und Raspail von der „altruistischen Idiotie, die Millionen deutscher Schwachköpfe, pardon, ‚Aber ja! Nur immer herein!‘ ausrufen lässt“.

Quelle: freilich-magazin – Es lebe der König – Nachruf auf Jean Raspail (1925 – 2020)

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Aktueller denn ja:

Das Heerlager der Heiligen“ – kein Allerheiligen- oder Allerseelen-Roman

Jean Raspails Roman „Das Heerlager der Heiligen“ ist 1973 in Frankreich erschienen. Eine deutsche Übersetzung erschien erstmals 1985. Zwanzig Jahre später, am 12.10.2005, nahm sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2005 dem Roman an. Denn der Papst, der in „Das Heerlager der Heiligen“ vorkommt, ist kein geringerer als Benedikt XVI., allerdings aus Brasilien stammend.

Dieser Papst Benedikt XVI. hat nicht nur wie Papst Paul VI. seine Papstkrone verschenkt, er hat auch ein III. Vatikanischen Konzil einberufen. Er ist ein Papst der Armen und der Barmherzigkeit und hat es geschafft, das gesamte Vermögen der römisch-katholischen Kirche zu verkaufen. Doch vom erzielten Verkaufserlös konnte nicht einmal der vergleichsweise kleine Landwirtschaftsetat von Pakistan auch nur für ein Jahr ausgeglichen werden.

Lorenz Jäger von der FAZ schreibt 2005 über den Roman:
„Raspails Roman ist grotesk-apokalyptisch bis zur Obszönität, er schwelgt im Häßlichen, Grausamen, und vielleicht war dies der Preis für die visionäre Kraft. Der Autor verlängerte, wie Orwell in der negativen Utopie „1984“, die Linien seiner Gegenwart. Die traurigste Rolle spielen die Kerenskis der multikulturellen Gesellschaft – jene, die an Dialog glauben, aber gleich vom ersten Ansturm am Strand überrannt werden. Zu diesen Gutgläubigen gehören im Roman auch die Vertreter der Kirche […]. Überall herrscht die neue Religion der Ökumene – für Raspail die Lehre des Antichrist. Man trifft sich zum Hungerstreik für die Migranten in einer Abtei, deren Leiter Dom Vincent Laréole eigens zu diesem Zweck von einem buddhistischen Kongreß in Kioto zurückgekehrt ist.“

Lorenz Jäger griff am 23.09.2015 erneut in die Tastatur seines PC:
„Das Heerlager der Heiligen dürfte ein Kultbuch werden.“ Warum?
Weil „Das Heerlager der Heiligen die aktuelle Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer in prophetischen und verstörenden Bildern vorweggenommen wird.

Das Buch ist erschütternd zu lesen; auch heute noch.

So ist tatsächlich aus ganz aktuellem Anlaß Jean Raspails Roman in den Schlagzeilen vieler Feuilletons und Zeitschriften, sowie mancher Blogs präsent. Vor wenigen Tagen, am 27. Oktober 2015, gab der Tagesspiegel gar „eine Lesewarnung“ heraus und bezeichnete „Das Heerlager der Heiligen“ als „Das Kultbuch der Neuen Rechten“ und sei „eine Blaupause von Pegida“.

Alexander Pschera schrieb im Vatican Magazin ein Essay, das zu lesen ich empfehle. Er zitiert Raspai, der über sich „mit anti-ökumenischer Verve“ sagte: „Ich bin Katholik, kein Christ“.

Pschera schreibt:

„Das „Heerlager der Heiligen“ ist sein bekanntestes und erfolgreichstes Buch. Es schildert
den Untergang und die freiwillige Unterwerfung Frankreichs unter eine Flut von Immigranten aus Indien. Das Land ist dabei nur ein Platzhalter. Es könnte auch ein afrikanisches oder lateinamerikanisches gemeint sein. Das Buch erzählt, wie eine Million ausgehungerter und kranker indischer Immigranten an der französischen Mittelmeerküste landet – an einem Ostersonntag, nachdem die Flotte vierzig Tage auf den Wüsten der Weltmeere umherirrte. Eine ins Negative gewendete Ostersymbolik durchzieht den ganzen Roman wie ein dunkler Basso Continuo. Die Ankunft der Flüchtlinge versetzt Kirche, Politiker und Journalisten in einen kollektiven Rausch des Gutmenschentums, der durch das postkoloniale schlechte Gewissen weiter angestachelt wird.

Die Immigranten gehen an Land und nehmen den ganzen französischen Süden in Besitz. Friedlich und gewaltfrei. Die Soldaten der Grande Armée desertieren. Die weiße Bevölkerung flieht nach Norden. Das Abendland hat keine Kraft mehr, sich zu wehren. In den südfranzösischen Städten werden die verbleibenden weißen Frauen in Bordelle für die Inder gesteckt. Umgekehrte Harems, sozusagen. In den Großstädten brechen Rassenunruhen aus.“

„Es gibt das Leben der Anderen, das nicht unser Leben ist, nicht unsere Geschichte, nicht unsere Kultur. Und es gibt unser Leben, unsere Geschichte, unseren Erfahrungsraum, den wir das „christliche Abendland“ nennen. Diese Unterscheidung hält Raspail für wesentlich. Ist er deswegen schon ein Rassist, wie es ihm linke Kritiker vorwerfen?

Zwei Jahrzehnte ist Raspail als Abenteurer unterwegs gewesen, hat bedrohte Völker besucht und in seinen Büchern ihre Bedrohung durch die moderne Zivilisation beschrieben. Das Fremde war ihm allzu gut bekannt, aber als Fremdes. Viele so genannte „Antifaschisten“, die sich lautstark zu Anhängern des „Anderen“, des „Fremden“ machen, haben ihr Kinderzimmer nie verlassen. Die Rassismus-Keule dieser Linken trifft Raspail durchaus in einigen Szenen, an denen er das Leben an Bord der Armada als ein wollüstig-animalisches Vegetieren schildert (wobei man ihm dabei aber auch den Geist der siebziger Jahre zu Gute halten kann, der ja auch die „rassistischen“ Blaxspoitation-Movies hervorbrachte). Sie trifft ihn aber nicht in seinem Versuch, das je Eigene der Kulturen herauszuarbeiten und auf einer kulturellen Authentizität der Völker zu beharren, was übrigens ein linker Ethnologe wie Lévi-Strauss auch getan hat.

Raspail formuliert die bedenkenswerte These, dass die Globalisierung, die mit dem Entstehen der so genannten „dritten Welt“ ihren Ausgang nahm, die Substanz des katholischen Selbstverständnisses angreifen und letztlich zerstören muss, weil sie die Identifikationsmuster dieses Katholischen auslöscht, das ja in seiner Geschichte immer auch mit einer Freund/Feind-Opposition gearbeitet hat.

Quelle: etnunc

Jean Raspail
Das Heerlager der Heiligen
Verlag Antaios 2015
ISBN: 978-3944422121

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Kardinal Sarah wird 75

Robert Kardinal Sarah
geboren am 15. Juni 1945 in Ourous, Guinea.
1979 Erzbischof von Conakry in Guinea.
2001 Sekretärs der Kongregation für die Evangelisierung der Völker.
2010 Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“.
20. November 2010 Kardinaldiakon.
2014 Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.

Robert Kardinal Sarah

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Der Kardinal spricht:

Gott ist still, der Teufel ist laut.
Seit jeher versucht Satan, seine Lügen unter der Maske einer trügerischen und lauten Geschäftigkeit zu verbergen.
Dem Christen ist es aufgetragen, nicht von der Welt zu sein.
Es gehört zu seinem Leben, sich von den Geräuschen der Welt abzuwenden, vom Lärm, der zügellos dahineilt, um uns vom Wesentlichen abzulenken:
von Gott.

Unsere ultratechnisierte und übergeschäftige Welt hat uns nur noch kränker gemacht.
Der Lärm ist wie eine Droge, von der unsere Zeitgenossen abhängig sind.
Mit seinem Anschein von Feierstimmung ist der Lärm ein Wirbel, der es vermeidet, sich ins Gesicht zu schauen, sich mit der inneren Leere zu konfrontieren.
Er ist eine diabolische Lüge.
Das Erwachen daraus kann nur eine brutale Erfahrung sein.

Im Schwall geschäftiger und hohler Worte scheint die Stille ein Zeichen von Schwäche zu sein.
In der modernen Welt wird der stille Mensch als einer angesehen, der sich nicht zu verteidigen weiß.
Er ist ein „Untermensch“ gegenüber dem sogenannten Starken, der den anderen mit seinem Wortschwall erdrückt und ertränkt.

Der stille Mensch wird als überflüssig empfunden.
Das ist der tiefe Grund für die schrecklichen Verbrechen oder für die Verachtung und den Haß der Moderne gegen die stillen Wesen, die die ungeborenen Kinder sind, die Kranken oder die Sterbenden.
Diese Menschen sind wunderbare Propheten der Stille.
Zusammen mit ihnen scheue ich mich nicht, zu bekräftigen, daß die Priester der Moderne, die der Stille eine Art Krieg erklärt haben, die Schlacht verloren haben.
Denn wir können stillbleiben inmitten des größten Durcheinanders, der schändlichsten Unruhe, inmitten des Krachs und des Schreiens dieser höllischen Maschinen, die zum Aktivismus einladen und uns jeder transzendenten Dimension und jeder Innerlichkeit entreißen.

Kardinal Sarah im Kreuzgang der Großen Kartause

Als einer der wenigen Kardinäle
spricht Kardinal Sarah
tatsächlich noch von Gott,
von Anbetung und Entsagung –
und nicht von Kirchensteuer,
Kirchenorganisation und Kirchenpolitik.

(Alexander Pschera)

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Hilaire Belloc – Gegen Mächte und Gewalten / Buchempfehlung am Sonntag

Von alten und neuen Feinden der katholischen Kirche

Zweifellos kann bereits der Titel des hier zu empfehlenden Buches kaum aktueller sein: „Gegen Mächte und Gewalten“. Und im Untertitel wird noch deutlicher, was damit gemeint ist, nämlich „Die alten und neuen Feinde der katholischen Kirche“.

Nach „Der Sklavenstaat“ und „Die großen Häresien“ ist mit diesem Buch bereits das dritte von Hilaire Belloc im noch jungen Renovamen-Verlag erschienen. Die Krisen der Welt und jene der katholischen Kirche finden hier wie dort ihren Niederschlag. „Gegen Mächte und Gewalten“ scheint nun gerade für die heutige Zeit geschrieben worden zu sein; gerade für die Kirche.

Im Vorwort von Robert Hickson wird dies deutlich. Er weist auch darauf hin, dass Belloc „den modernen Geist als einen Geist, der nicht im Glauben verwurzelt ist“ ansieht und stattdessen „träge, blind und obrigkeitshörig“ sei. Hickson schreibt:

„Belloc beschreibt sehr treffend das den modernen Geist auszeichnende Prinzip, eine nicht auf Vernunftgründen beruhende Autorität blind zu akzeptieren, und stellt fest, dass dieses das ganze Elend durchziehe und verdichte: ‚Mode, Presse und die blinde Wiedergabe sind die Führer, denen unterwürfig gehorcht und vertraut wird‘.“

Der Autor des Vorwortes wirft einen Blick auf die katholische Kirche und lässt den Leser mit-überlegen:

„Vielleicht denken wir in diesem Moment an das fortwährende Wortgeklingel langatmiger amtlicher Schriftstücke, die teilweise ihren Ursprung den vielen und zwielichtigen Bischofskonferenzen mit ihren geschwätzigen Reden verdanken, und an die zuweilen anspruchslosen Predigten kirchlich Hochgestellter, nicht zuletzt begleitet von Presseinterviews, die progressistische, gelegentlich auch nach Ausflüchten suchende Prälaten geben? Erinnern wir uns hier nicht auch ihrer rabulistischen Parteigänger samt deren penetrant lautstarken Unterstützern aus dem Laienstand, die Neuerungen unterstützen und sich gegen altbewährte Tradition wenden?“

Belloc ermahnt, nicht unhinterfragt alles zu akzeptieren. Nicht blinder Glaube soll uns leiten, der völlig von der Vernunft getrennt wäre. Achten wir nur selbst einmal darauf, wie mit den derzeit drei wichtigen Themen der Kirche daselbst umgegangen wird: dem Klimawandel, dem Umbau der Kirche durch den Synodalen Weg und der Coronakrise.
Natürlich reflektiert Belloc (1870–1953) nicht die heutigen Krisen, er starb am 16. Juli 1953. Dennoch ist sein kritischer Geist auch für uns Heutige ein Ansporn, seinem denkerischen Weg nachzugehen. Nicht nur, dass tatsächlich so manche Parallelen festzustellen sind, auch seine Analysen sind so pfiffig wie aktuell. Im Übrigen ist Bellocs Sprache gut verständlich und nachzuvollziehen. Er hat „keine Geduld mit Leuten, die den armen kleinen Gesellen mit Wörtern wie ‚subjektiv‘ und ‚objektiv‘ verwirren“. Die Deutschen bezeichnet er als „benebelt“, da sie die Klarheit von René Descartes (Begründer des Rationalismus) „missverstanden“ hätten.

Interessant für den Schreiber dieser Zeilen sind die Erwägungen über das Ordensleben, die sich in dem Kapitel über den Antiklerikalismus finden. Dies im Besonderen darum, weil Papst Franziskus in den letzten Jahren zwei wichtige Dokumente über die Ordensfrauen erlassen hat, die die vorhergehenden, über viele Jahrzehnte bewährten Dokumente nun durch seine Schreiben ersetzen. Es handelt sich um die Apostolische Konstitution „Vultum Dei quaerere“ (2016) und die dazugehörigen Ausführungsbestimmungen, die in der Instruktion „Cor orans“ (2018) festgeschrieben sind. Auf diese neuartige Gesetzgebung soll hier nicht weiter eingegangen werden, außer dass gesagt werden muss, dass die Selbstbestimmungsrechte von Ordensfrauen, insbesondere derer in klausurierten, also abgeschlossenen, kontemplativen Orden, gravierend eingeschränkt worden sind.

Dies ist zu sehen vor dem Hintergrund des sogenannten Klerikalismus, dem heute sowohl vom Papst als auch von hohen Würdenträgern der Kirche der Kampf angesagt wurde. Und zwar dem Klerikalismus in der Kirche. Obgleich viele Würdenträger vielfach gerade jetzt massivst die Macht an sich ziehen, geben sie sich dennoch als Demokraten und Antiklerikale aus. Im Zusammenhang mit der neuen Ordensgesetzgebung sprechen wir also von einem Klerikalismus, der im universalen katholischen System beheimatet ist und hier auch das Ordensleben und das Mönchtum betrifft. Belloc stellt fest, dass Antiklerikale die Orden unbehelligt lassen müssten. Da dies unter dem Pontifikat des Bergoglio-Papstes nicht geschieht, stellt Belloc dazu passend die Frage, ob der „Antiklerikale ganz schnell zum Antikatholiken“ werden könnte. Und er behauptet: „Ganz ohne Zweifel.“

In Bezug auf mancherlei Klöster, die in den letzten Jahren durch Römische Anweisung ihre Pforten schließen mussten, liest man bei Belloc den Satz: „Wenn man aber die Ordensgemeinschaften aufhebt, erhält man die Gelegenheit, ihren Besitz zu plündern.“ Tatsächlich werden nämlich „Orden, die lediglich kontemplativ waren […] aus ihren Klöstern vertrieben“ und deren Besitz beschlagnahmt.

Zugegeben, Belloc formuliert harsch, und er denkt dabei nicht zuerst an die Hirten der Kirche. Doch wir sind heute fähig, die Gedanken und das Urteil von Hilaire Belloc weiterzudenken.

Vor dem Hintergrund der im Zusammenhang mit Covid-19 stark rückläufigen Kirchensteuereinnahmen entstehen den Kirchenverwaltungen gewaltige Finanzlücken. So passt auch jener Satz aus dem Buch „Gegen Mächte und Gewalten“ erhellend und angstmachend zugleich:

„Zuletzt gelangt man zum bewährten Prinzip, dass Klöster und Konvente unterschiedslos zu plündern seien. Sie seien zu enteignen, ihre Mitglieder seien zu zerstreuen oder, sollten sie sich nicht zerstreuen, zu exilieren.“

Gott bewahre uns davor. Auch von der gespenstischen Aussicht:

„Mönchen und Nonnen werden die bürgerlichen Rechte entzogen.“ … „Sie dürfen sich nicht zusammenschließen.“ … „Und so endet das Ganze: mit einer massiven Verletzung der fundamentalsten Prinzipien, von denen der „Liberalismus“ – anfänglich – ausgegangen war.“

Zuerst erschienen bei katholisches.info

Hilaire Belloc.
Gegen Mächte und Gewalten.
Die alten und neuen Feinde der katholischen Kirche.
Renovamen-Verlag 2020
ISBN 978-3956211386
248 Seiten; 16 Euro.

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Heiliger Antonius – „malleus hereticorum, Hammer der Ketzer“ – 13. Juni

Der hl. Antonius von Padua wurde 1195 in Lissabon geboren, er starb am 13.06.1231 in Arcella bei Padua.

Der 13. Juni ist das Fest des heiligen Antonius von Padua, Schutzpatron der verlorenen Gegenstände, der Armen und der Reisenden. Die katholische Kirche schreibt diesem Heiligen aus dem 13. Jahrhundert viele Wunder zu, von denen eines die Anwesenheit der Eucharistie einem Ketzer bewies.

Der heilige Antonius kämpfte und lehrte gegen Häresien, einschließlich der Ketzerei der Katharer, die die wahre Gegenwart Jesu in der Eucharistie leugnete. Man nennt den Heiligen auch malleus hereticourm, Hammer der Ketzer.

Toulouse, Italien, war der zentrale Punkt dieser Häresie, und der heilige Antonius nahm an mehreren öffentlichen Debatten gegen sie teil. Während einer Debatte stellte ein Mann namens Bononillo den Glauben des heiligen Antonius an die eucharistische Präsenz in Frage.

Während Antonius mit einem starrköpfigen Häretiker Bononillo über das rettende Sakrament der Eucharistie diskutierte, fordert er Antonius heraus, die echte Anwesenheit Christus in der geweihten Hostie mit einem Wunder zu beweisen.

Würde es Antonius gelingen, dass jener sich zum wahren, katholischen Glauben bekehrt?

Dann erklärte Bononillo seinen Plan:

Er würde sein Lasttier für drei Tage einsperren und es hungern lassen. Dann würde er es in Gegenwart der Leute herausholen und ihm Hafer zeigen. Antonius solle ihm ebenfalls mit der Hostie gegenübertreten. Wenn das ausgehungerte Tier den Hafer meiden und sich anschickt, seinem Gott zu huldigen, dann würde der Häretiker an die Botschaft der Kirche glauben.

Am dritten Tag feierte der heilige Antonius die Heilige Messe auf dem öffentlichen Platz der Stadt. Nach der Messe ging Bononillo dem heiligen Antonius voran und bot ihm sein vermeintliches Maultierfutter an.

Antonius zeigte also dem Esel die Hostie und sprach:

„Mit der Kraft und im Namen des Schöpfers, den ich, der ich seiner unwürdig bin, wahrlich in Händen halte, sage ich dir, o Tier, und befehle ich dir, dich ihm umgehend mit Bescheidenheit zu nähern und ihm die gebotene Verehrung zu Teil werden zu lassen!“

Und so geschah es:

Das Tier lässt das Futter liegen, neigt den Kopf bis zu den Hufen hinunter, nähert sich dem Heiligen und kniet vor dem Sakrament des Leibes Christi nieder.

Als Bononillo dies sah, verneigte er sich und kniete sich vor die Eucharistie. Viele andere Ketzer bekehrten sich an diesem Tag.

Eselwunder des hl. Antonius von Padua, Kapuzinerkloster Meran (Südtirol). © Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol

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Gregorianik: „Unsere Stimme schmettere dir Lieder“ – 2/2

(über die letzten Jahre in der Trappistenabtei Mariawald, bevor der „frische Wind des 2. Vatikanischen Konzils den Mief der Jahrhunderte“ Begann hinauszuwehen; darüber schreibt ein ehemaliger Mönch dieses Klosters, der 1966 eingetreten ist:)

Wenn ich mich an hohen Feiertagen nach zweieinhalb oder fast drei Stunden Gesang von den Vigilien zum Frühstück ins Refektorium begab, war ich ganz benommen von einer eigenartigen Mischung aus Erschöpfung und Euphorie.

Ich glaube, der gregorianische Choral konnte seine ganze Schönheit und Tiefe, ja hinreißende Gewalt nur vollkommen im Rahmen jener sprachlichen und kulturellen Ganzheit entfalten, die ich gerade noch einige Jahre erleben durfte. Das Latein, in dem er gesungen wurde, war die Sprache der Vulgata, in der wir auch die Bibel lasen, und genauso die Sprache der wenigen Literatur, die wiederum vorwiegend von biblischen Themen und Bildern durchsetzt war. Wir hoben also sozusagen all das Sprachliche und Gedankliche, womit wir den ganzen Tag beschäftigt waren, unmittelbar auf die Ebene des Gesangs. Die Ränder zwischen Lektüre, Sprache und Gesang waren fließend. Unser Choral erhob sich aus dem Schweigen, tanzte in jubelnde Höhen, spielte auf den Wellen seiner meditativen Melodien, tauchte in traurige Abgründe und glitt schließlich wieder ins Schweigen unseres Alltagslebens zurück. Mich fragte in diesen Jahren einmal jemand, ob ich es nicht als Entbehrung empfände, niemals Musik hören zu können. Mir kam spontan die Antwort: »Ich lebe doch den ganzen Tag in der Musik.«

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Bernardin Schellenberger
Gott suchen – sich selbst finden – Erfahrungen mit der Regel Benedikts
Verlag der Ideen 2016
ISBN: 978-3942006217
432 Seiten; 24,90 Euro

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vronlichnam = Herrenleib

Die erste Anregung, wenn auch nicht den entscheidenden Grund zu einer eucharistischen Festfeier an diesem Tage, bot eine Vision der hl. Juliana von Lüttich (+ 5. April 1258). Für den Lütticher Sprengel führte Bischof Robert das Fest im Jahr 1246 ein; 1252 ordnete es der Dominikanerkardinal Hugo für Westdeutschland und die Niederlande an; 1264 wurde es durch Papst Urban IV., ehemals Erzdiakon zu Lüttich, als «Fest des Leibes Christi» (im Deutschen gut mit vronlichnam = Herrenleib wiedergegeben) dem Festkranze der ganzen lateinischen Kirche eingereiht. Der hl. Thomas von Aquin wurde beauftragt, die Texte für das Offizium und die Messe des neuen Festes zusammenzustellen. Einen weiteren Ausbau erhielt die Festfeier durch die Prozession (in Köln schon i. J. 1279), in der die glaubensvolle Einheit der Katholiken kraftvoll zum Ausdruck kommt.

Lesung (1 Kor. 11, 23-29)

Brüder! Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe: Der Herr Jesus nahm in der Nacht, da Er verraten wurde, Brot, dankte, brach es und sprach: «Nehmet hin und esset; das ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu Meinem Andenken.» Ebenso nahm Er den Kelch nach dem Mahle und sprach: «Dieser Kelch ist der Neue Bund in Meinem Blute. Tut dies, so oft ihr ihn trinkt, zu Meinem Andenken.» Denn so oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis Er wiederkommt. Wer also unwürdig dieses Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn. Daher prüfe sich der Mensch, und so esse er von diesem Brote und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht [von gewöhnlicher Speise] unterscheidet.

Sequentia

Lauda, Sion, Salvatorem,
Lauda ducem et pastorem,
In hymnis et canticis.

Deinen Heiland, Sion preise,
Lobe Ihn in Wort und Weise,
Der dir Hirt und Führer ist.

Quantum potes, tantum aude;
Quia major omni laude,
Nec laudare sufficis.

Was du kannst,das sollst du wagen;
Ihm gebührend Lob zu sagen,
man vergebens sich vermißt.

Laudis thema specialis,
Panis vivus et vitalis
Hodie proponitur.

Brot, des Lob das Lied verkündet,
Das, lebendig, Leben zündet,
Beut sich heute festlich dar.

Quem in sacræ mensa cœnæ,
Turbæ fratrum duodenæ
Datum non ambigitur.

Daß Er es im heil’gen Saale.
Den zwölf Brüdern gab beim Mahle,
Ist ohn‘ jeden Zweifel wahr.

Sit laus plena, sit sonora,
Sit jucunda, sit decora
Mentis jubilatio.

Lob erschalle, Lob ertöne,
Gott genehm, voll hoher Schöne,
Sei des Herzens Jubellaut.

Dies enim solemnis agitur,
In qua mensæ prima recolitur
Hujus institutio.

Denn das Fest wird heut begangen,
Von des Tages Glanz umfangen,
Der uns dieses Pfand vertraut.

In hac mensa novi Regis,
Novum Pasha novæ legis
Phase vetus terminat.

Neuen Königs Tafelrunde,
Neues Lamm im Neuen Bunde
Hat des Alten End‘ gebracht.

Vetustatem novitas,
Umbram fugat veritas,
Noctem lux eliminat.

Neues treibt das Alte fort,
Schatten scheucht der Wahrheit Wort
Und das Licht verbannt die Nacht.

Quod in cœna Christus gessit,
Faciendum hoc expressit
In sui memoriam.

Was beim Mahl durch lhn geschehen,
Das hieß Christus uns begehen
Zum Gedächtnis Seinem Tod.

Docti sacris institutis,
Panem, vinum in salutis
Consecramus hostiam.

Treu befolgend heil’ge Lehren,
Weihen, unser Heil zu mehren,
Wir als Opfer Wein und Brot.

Dogma datur Christianis,
Quod in carnem transit panis
Et vinum in sanguinem.

Wie des Christen Glaube lehret,
Brot in Christi Fleisch sich kehret,
Und in Christi Blut der Wein.

Quod non capis, quod non vides,
Animosa firmat fides,
Præter rerum ordinem.

Sehen kannst du’s nicht, noch fassen;
Starker Glaube wird’s nicht lassen
Trotz Natur und Augenschein.

Sub diversis speciebus,
Signis tantum, et non rebus,
Latent res eximiæ.

Unter beiderlei Gestalten,
Die als Zeichen nur hier walten,
Birgt Sich göttliche Substanz.

Caro cibus, sanguis potus:
Manet tamen Christus totus
Sub utraque specie.

Blut als Trank und Fleisch als Speise:
Christus ist auf beide Weise
Bei uns ungeteilt und ganz.

A sumente non concisus,
Non confractus, non divisus:
Integer accipitur.

Wer Ihn aufnimmt, bei Ihm weilet,
Hat Ihn voll und ungeteilet,
Ungebrochen, unbrechbar.

Sumit unus, sumunt mille:
Quantum isti, tantum ille:
Nec sumptus consumitur.

Einer nimmt und tausend nehmen,
Gleichviel stets, soviel auch kämen,
Immer bleibt Er, was Er war.

Sumunt boni, sumunt mali:
Sorte tamen inæquali,
Vitæ vel interitus.

Gute kommen, Böse kommen,
Doch nicht jedem will es frommen,
Leben bringt’s und Todesbann.

Mors et malis, vita bonis:
Vide, paris sumptionis
Quam sit dispar exitus.

Bösen: Tod; den Guten: Leben;
Sieh, das Gleiche wird gegeben,
Doch nicht Gleiches man gewann.

Fracto demum sacramento,
Ne vacilles, sed memento,
Tantum esse sub fragmento,
Quantum toto tegitur.

Wird die Hostie gespalten,
Zweifle nicht! Laß Glauben walten:
Jedem Teile bleibt erhalten
Doch des ganzen Vollgehalt.

Nulla rei fit scissura:
Signi tantum fit fractura:
Qua nec status nec statura
Signati minuitur.

Brechen kann man nur das Zeichen.
Doch nie dessen Sein erreichen;
Nichts von Christus kann da weichen,
Weder Zustand, noch Gestalt.

Ecce panis Angelorum,
Factus cibus viatorum:
Vere panis filiorum.
Non mittendus canibus.

Sieh, das Brot, der Engel Gabe,
Wird den Pilgern hier zur Labe,
Wahrhaft ist’s der Kinder Habe,
Nicht den Hunden werft es hin.

In figuris præsignatur,
Cum Isaac immolatur:
Agnus paschæ deputatur:
Datur manna patribus.

Längst im Bild war’s vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet,
Osterlamm, zum Mahl bereitet,
Manna nach der Väter Sinn.

Bone pastor, panis vere,
Jesu, nostri miserere:
Tu nos pasce, nos tuere:
Tu nos bona fac videre
In terra viventium.

Guter Hirt, Du wahre Speise,
Dich barmherzig uns erweise;
Nähre uns auf unsrer Reise;
Deine Güter, Jesu, weise
Uns im wahren Lebensland.

Tu, qui cuncta scis et vales:
Qui nos pascis hic mortales:
Tuos ibi commensales,
Coheredes et sodales
Fac sanctorum civium.
Amen. Alleluja.

Du, der alles weiß und leitet,
Hier im Todestal uns weidet:
Dort, wo Licht Dein Reich sich breitet,
Sei uns Los und Tisch bereitet
In der Heiligen Verband.
Amen. Alleluja.

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