Papst Pius XIII. – Eröffnungsansprache zum Konzil

[Papst Pius XIII. spricht zu den Konzilsvätern vor den Kameras der Welt. Giuseppe Gracia dokumentiert im Roman seine Rede. Hier einige Ausschnitte:]

Christus Jesus sei die Mitte der Geschichte, so der Papst mit tiefer, klarer Stimme. Und die Menschen hängten entweder Christus und Seiner Kirche an, dann hätten sie Licht und Güte, dann hätten sie die Früchte der rechten Ordnung und des Friedens. Oder aber die Menschen – hier in Italien wie überall auf der Welt – lebten lieber ohne Christus, lebten gegen Gott und gegen die Kirche, dann herrsche Verwirrung!

Dann herrsche die Verbitterung der Beziehungen. Dann herrsche das Austrocknen und Verdorren der Liebe, durch den Krieg der Wünsche und der gegenseitigen Interessen. Dann herrsche die Zerrüttung der Seele durch Untreue und Verrat.

Verrat bis ins Innerste der Kirche, Verrat der Bischöfe und Kardinäle‘., ruft der Papst plötzlich aus, wobei seine Augen im Licht der TV-Scheinwerfer aufblitzen.

Nein, sagt der Papst, es sei jetzt nicht die Zeit, sich etwas vorzumachen! Es sei nicht die Zeit für Kuschelreden und den faulen Frieden der Heuchler. Z u drängend seien die Mächte der Gegenwart, mit denen sich die Menschen weltweit konfrontiert sähen. Zu groß die Wucht des globalisierten, digitalisierten Wettbewerbs, der Familien und Völker auseinanderreiße, der die Natur aussauge und die Würde des Lebens mit den Füßen der Gier zertrete.

[…]

Gewiss höre man oft, so der Papst, dass die Liberalen mit ihren Reformideen viel verändern könnten, dass sie dafür sorgen könnten, die Kirche näher ans 21. Jahrhundert heranzurücken.

Doch das stimme nicht, denn die Liberalen verstünden nichts vom 21. Jahrhundert und formulierten seit Jahrzehnten im Grunde nur Probleme, die sie selber mit der kirchlichen Lehre hätten. Sie seien weder mit dem Kopf noch mit dem Herzen jemals in der Gegenwart angekommen, sondern vielmehr in der sexuellen Revolution des letzten Jahrhunderts steckengeblieben, die heute kein Mensch mehr brauche. Und auch die Traditionalisten, die sich gern als Verteidiger der Wahrheit darstellten und die technische Zivilisation von heute angeblich mit neuer Gottesfurcht bekehren wollten, seien dazu, aufgrund ihrer Weltfremdheit, nicht in der Lage. Vielmehr seien sie im Schock der Französischen Revolution steckengeblieben und unfähig, den Vorrang der Person als Ebenbild Gottes vor jeder religiös-politischen Macht zu verstehen.

Dies alles, so der Papst, müsse sich heute, an diesem feierlichen Tage zu Rom, ändern!

[…]

Es gelte zu verstehen, dass die heutigen Weltmächte von einer falschen Vorstellung des Menschen ausgingen, nämlich von einem starken, sich selbst reinigenden, zur Hochkultur emporschwingenden Menschen. Statt mit dem wahren Menschen zu rechnen, dem Menschen, der stets ins schwache Fleisch der Bedürftigkeit gehüllt bleibe; dem Menschen der Niedrigkeit und Größe eines Geschöpfes, in dem immer zugleich die Lust des Tieres wie die Lust des Engels wohne.

Vor diesem Hintergrund müsse sich die Kirche neu ins Bewusstsein rufen, dass gerade eine technisch hoch entwickelte Gesellschaft in der besonderen Gefahr schwebe, sich selber genügen zu wollen, in Gleichgültigkeit oder Hochmut gegen Gott. Gleichgültigkeit oder Hochmut zum Schaden des Seelenheils – während doch die Welt dringend ein neues Verlangen nach Gottes Liebe brauche, ein neues Verlangen nach Christus Jesus, Mitte der Geschichte und des Lebens.

(aus: Giuseppe Gracia. Der letzte Feind. Roman. 134ff.)

 

Giuseppe Gracia
Der letzte Feind, Roman
Fontis-Verlag 2020
256 Seiten; 18 Euro
ISBN: 978-3038481966

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