Fall der Hagia Sophia – Warnung an Europa

Paulus hat einen Brief an die Galater geschrieben. „Galatien“ ist ein Gebiet im Zentrum Kleinasiens, in der heutigen Türkei. Der Apostel Paulus schreibt an diese große „Gemeinde“:

„Täuschet euch nicht,
Gott lässt seiner nicht spotten.“
Gal 6,7

Hagia Sophia fresco, © Heidi Jonker 25-OCT-2005. – http://www.pbase.com/image/51459837

Der Schriftsteller Stefan Zweig (1881-1942) hatte die symbolische Bedeutung der Eroberung der Kirche durch die Osmanen im Jahre 1453 in seinem Band „Sternstunden der Menschheit“ beschrieben. Den Fall Konstantinopels deutete er hier als historische Warnung an Europa, dem das gleiche Schicksal drohe, wenn es ihm an Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft gegenüber den radikalen Strömungen im Islam mangele, die es seit über 1400 Jahren bedrohen.

[…]

Während Europa in der Erzählung Zweigs gleichgültig gegenüber der Gefahr ist, dass die „Hagia Sophia, die herrlichste Kirche des Abendlandes, in Gefahr schwebt, eine Moschee des Unglaubens zu werden“ und „noch immer nicht die Gefahr für die Kultur des Abendlandes“ erkennt, bewahren nur seine Mauern Byzanz vorläufig noch vor dem Untergang. Diese Mauern, die „von jedem Kaiser der tausend Jahre abermals ergänzt und erneuert“ wurden, schützen die Stadt nicht nur vor „dem zügellosen Ansturm der Barbarenhorden und den Kriegsscharen der Türken“, sondern sind auch ein Symbol für seine Kultur.

[…]

Zweig schildert die letzten Tage von Konstantinopel als den Überlebenskampf einer sterbenden Kultur, die noch einmal alle Mittel mobilisiert, über die sie verfügt:

„Damit allen gewärtig sei, was ihnen zu verteidigen obliege: der Glaube, die große Vergangenheit, die gemeinsame Kultur, ordnet der Basileus eine ergreifende Zeremonie an. Auf seinen Befehl sammelt sich das ganze Volk, Orthodoxe und Katholiken, Priester und Laien, Kinder und Greise, zu einer einzigen Prozession.

[…]

Nicht kann er zwar wie Mahomet ihnen unermeßliche Beute versprechen. Aber die Ehre schildert er ihnen, die sie für die Christenheit und die ganze abendländische Welt erwerben, wenn sie diesen letzten entscheidenden Ansturm abwehren, und die Gefahr, wenn sie den Mordbrennern erliegen: Mahomet und Konstantin, beide wissen sie: dieser Tag entscheidet auf Jahrhunderte Geschichte.“

Während der Fall Konstantinopels im kollektiven Gedächtnis Europas kaum noch eine Rolle spielt, gilt dieses Ereignis im islamischen Kulturraum verbreitet als Symbol für den Sieg des Islam über das Christentum.

Zweig betonte diesen Aspekt in seiner Erzählung:

Siehe: – https://renovatio.org/2020/07/stefan-zweig-der-fall-der-hagia-sophia-als-warnung-an-europa/

+

 

2 Kommentare zu „Fall der Hagia Sophia – Warnung an Europa

  1. Vergleicht man die Gegenwart mit dem historischen Beispiel, wird deutlich, dass sich alle Diskurse über ein „christliches Abendland“ erübrigt haben. Europa sieht teilnahmslos seine Kathedralen abbrennen, vielleicht hebt noch hier und dort ein zielloses Lamentieren über „unersetzliche Kulturgüter“ an, die nun verloren seien.

    Die Umwandlung der Hagia Sophia wird gleichgültig zur Kenntnis genommen, da breite Bevölkerungsteile Europas zwischen Gotteshäusern und Museen keinen Unterschied machen: sie gehen an beiden teilnahmslos vorbei…

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