Der Tod Jesu – 3/5

Mit Bargil Pixner OSB und Paul Badde auf dem Weg der Kreuzigung Jesu:

Jesus hat daran gelitten, bis zum Kreuz hin, bis zu den letzten Minuten. Jetzt sieht er also die Vertreter dieser beiden Familien vor sich. Da, der Jünger, den er liebt, der einer von seinen zwölf Aposteln war, und da Maria, seine Mutter, die als Braut Josefs ja auch Pflegemutter von dessen Söhnen war. Diese Nazoräer mit einem teilweise wohl radikalen Hintergrund, manche vielleicht auch mit fanatischen Streifen. Das waren die, von denen es bei Johannes heißt:

›Auch die Brüder glaubten nicht an ihn.‹

Sie waren nicht einverstanden, dass Jesus ihre Eigenart verlassen hatte, sondern einfach ein ganz gewöhnlicher normativer Jude geworden war, um allen zugänglich zu sein. Jetzt will er am Kreuz, dass die doch noch mit seinen Aposteln zusammenkommen.

Johannes nahm seine Mutter von da an bei sich auf, heißt es danach lapidar. Nicht Jakobus nahm sie zu sich, der Sohn Josefs, der ›Herrenbruder‹ aus dem Nazarethkreis, sondern ein Fremder, der sein Freund und Lieblingsjünger geworden war.

Beide Gruppen kamen von dieser Stunde an zusammen, unter denen es vorher auch große Verletzungen gab. Hier ist seine letzte Versöhnung und Aussöhnung gelungen, als Frucht seines Kreuzestodes.

Später bildeten dann tatsächlich diese beiden Gruppen zusammen die erste Urgemeinde auf dem Zionsberg. Sie beteten zusammen nach seiner Himmelfahrt im oberen Saal. Auf diese beiden Familien ist die Kirche gegründet worden. In diesen beiden Gruppen oder Familien waren auch schon die beiden ›Völker‹ spiegelbildlich vertreten, von denen es im Hebräerbrief heißt, dass Jesus sie in der Kirche vereint und versöhnt hat – und dass er die Mauer zwischen ihnen zum Einsturz brachte.

Jakobus, der Bruder des Herrn, wird der erste Bischof von Jerusalem. Er wird der erste Oberhirte der jüdischen Gemeinschaft, die glaubt, dass Jesus der verheißene Messias war. Er war kein Apostel Jesu gewesen. Die zwölf Apostel hingegen gingen bald hinaus in die ganze Welt, um diesen Glauben unter allen Völkern zu verbreiten.«

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Paul Badde
Heiliges Land.
Auf dem Königsweg aller Pilgerreisen
FE-Medienverlag 2020
ISBN: 978-3863572709
320 Seiten; 12,80 Euro

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