Der Tod Jesu – 4/5

Mit Bargil Pixner OSB und Paul Badde auf dem Weg der Kreuzigung Jesu:

Bargil verschnaufte und erholte sich kurz von seinem Eifer.

Bargil (Virgil) Pixner OSB (1921-2002). Mitglied bei den Josefsmissionaren von Mill Hill. Priesterweihe 1946. Missionsarbeit auf den Philippinen. Pätere Missionseinsätze in Norditalien und Amerika. 1972 Eintritt in die Dormitio-Abtei der Benediktiner in Jerusalem. Seit dieser Zeit leitete er biblische Exkursionen und wurde bekannt als leidenschaftlicher und unkonventioneller Archäologe und guter Kenner der zeitgeschichtlichen Situation der Bibel. Ab 1982 lebte er im Priorat Tabgha. Die Entdeckungen und Ausgrabungen in Bethsaida gehen auf ihn zurück. Pater Bargil hat viele Publikationen zu seinen biblisch-zeitgeschichtlichen Thesen veröffentlicht. 1994 kehrte er in die Dormitio-Abtei auf den Berg Zion in Jerusalem zurück.

Dann setzte Bargil wieder an:

»Hier auf dem Golgatha hat Jesus diese Versöhnung vollbracht. So kommt er auch an das Ende seines langen Gebets. Wahrscheinlich hat er den Psalm dauernd wiederholt, bis zum Ende, wo es heißt: ›Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist.‹
Dann das letzte Wort:
›Es ist vollbracht.‹
Das entscheidende Wort kam aber doch aus dem Mund des römischen Hauptmanns, eines hartgesottenen Soldaten:
›Dieser war wahrlich Gottes Sohn.‹
Wie ich schon sagte:
Ein Gott, der leidet, das war in der Antike ganz und gar unvorstellbar. Und jetzt spricht ein Heide dieses Wort über diesen Gemarterten, den seine Soldaten noch mit verhöhnt haben. Das ist sehr, sehr bemerkenswert. Von den Aposteln war hier überhaupt nichts zu hören. Nur Johannes war da. Und die Frauen. Die Frauen haben am meisten standgehalten. Wahrscheinlich weinten und schluchzten sie nur durcheinander.«

»Lass uns gehen!«, sagte ich zu Bargil und zündete bei dem griechischen Mönch eine dünne Kerze an, die ich in das Sandbecken steckte. Draußen musste es bald dunkel sein. Am Fußende der Golgatha-Kapelle setzten wir uns dann aber doch noch einmal auf eine Holzbank und schauten zu der Felskuppe hinüber, knapp 15 Meter vor uns. »Und dann?« sagte ich nach einer Weile.

Bargil steckte das Taschentuch weg. »Jesus war tot. Es war das Ende. Die Frauen sind dort, aufgelöst und hilflos. Die Feinde sind auch dort gewesen. Sie haben ihn verspottet, sie gehen nach Hause. Sie bereiten sich vor, das eigentliche Pessach zu feiern und in ihren Häusern das Paschahmahl zu halten. Dann kommt ein Freund Jesu, Josef von Arimathäa, aus dem heutigen Rantis, am Rand des Westjordanlandes. Wahrscheinlich war er schon da. Er hatte das Ende kommen sehen und eigens ein großes kostbares Leintuch gekauft, um Jesus da hineinzuwickeln. Er geht zu Pontius Pilatus – es war ja nicht weit – und bekommt von ihm die Erlaubnis, die Leiche abzunehmen.

Von den Aposteln ist immer noch keiner zu sehen. Doch Nikodemus ist dazugekommen, der mit Jesus einmal eine ganze Nacht lang debattiert hatte, und er hat kostbare Öle und Spezereien und Duftstoffe mitgebracht. Es war eine Unmenge, mit der man einen König sehr würdig hätte bestatten können. Maria von Magdala hatte Jesus ja schon vorher, als Lebenden, gesalbt und schaute jetzt an sich herab, was sie ihm noch mitgeben könnte. So wird der Leichnam vom Kreuz abgenommen. Man lässt ihn mit dem Balken herunter. Der Nagel wird aus dem Fuß herausgedreht. Die Nägel, die i hm durch die Handgelenke und die Füße getrieben worden waren, sind brutal groß. Es war keine Kleinigkeit, sie wieder herauszuziehen.

Dann wurde er in das Tuch gewickelt. Das neue Grab des Josef von Arimathäa war ganz nah. Bevor der Abendstern am Himmel erschien, musste er da hineingelegt werden. Der Sabbat würde gleich beginnen, und Pessach, das höchste Fest des Judentums. Es ist das Fest vom Vorbeigang Gottes durch sein Volk.«

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Paul Badde
Heiliges Land.
Auf dem Königsweg aller Pilgerreisen
FE-Medienverlag 2020
ISBN: 978-3863572709
320 Seiten; 12,80 Euro

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