Verklärung Christi – 6. August

Der innere Sinn der Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor erschließt sich, wie Origenes betont, nicht unmittelbar, »da die Verklärung Jesu nicht auf den ersten Blick einleuchtet, sondern ihren Glanz erst erhält durch das ganze Christusmysterium, das Leiden und Auferstehung einschließt«.

Origenes versteht die Verklärung des Herrn auf dem Tabor als Modell für den Aufstieg der Gläubigen durch Askese und Kontemplation.

Der Aufstieg findet »nach sechs Tagen« statt, ein Hinweis, den Origenes in Parallele dazu setzt, daß die Welt in sechs Tagen erschaffen wurde. Nur wer die sichtbaren und zeitlichen Dinge überschreitet, nämlich auf die unsichtbare und ewige Wirklichkeit Gottes hin, kann der Verklärung teilhaftig werden.

Jesus wird sich denen, die diesen Überschritt gewagt haben, in Gottesgestalt (in forma Dei) zeigen, in der er bereits vor seiner Menschwerdung war, während die anderen Jünger ihn nur in der Knechtsgestalt gesehen haben. Matthäus und Markus geht es in ihrem Bericht von der Verklärung des Herrn, wie Origenes betont, nicht allein um die Verklärung Jesu im allgemeinen, sondern daß er sich vor seinen drei Jüngern, die er mitnahm, verklären wollte: »Dementsprechend wirst du sagen, es sei möglich, daß Jesus zwar vor irgendwelchen mit dieser Verklärung verklärt wird, vor anderen aber zur selben Zeit nicht verklärt wird, sondern in Knechtsgestalt ist.«Deshalb soll, wer glaubt, nicht in den Niederungen des geistlichen Lebens stehen bleiben, sondern »durch aufsteigende Werke und die Übung geistlicher Worte auf den geistlichen Berg der Weisheit« steigen.

Wer diesen Aufstieg wagt, wird Jesus nicht mehr »dem Fleische nach« erkennen, sondern als Logos (theologoumenon, deus verbum) und ihn in Gottesgestalt anbeten und verehren.

Als die Jünger schließlich aufblickten, sahen sie nur noch Jesus allein, denn nach Origenes sind Mose (Gesetz) und Elija (Propheten) im Evangelium eins geworden. Wie die Toten nach der Auferstehung Jesu aus ihren Gräbern aufsteigen und in der Heiligen Stadt Jerusalem vielen erscheinen (Mt 27,52f.), so gehen Mose und Elija dorthin, woher sie gekommen waren, »um die Worte Jesu weiterzugeben an jene, die noch nicht seine Wohltaten erfahren hatten«.

Nach Tertullian ist die Gegenwart von Mose und Elija bei der Verklärung Jesu ein Beweis für das Überleben des Menschen nach dem Tod: »Mose erscheint im Bild jenes Fleiches der Auferstehung,das er noch nicht angenommen hat, Elija in der Wahrheit des noch nicht gestorbenen Leibes, denner wurde ja zu Gott entrückt, ohne den Tod zu erleiden (vgl. 2 Kön 2,1-18)«

Michael Schneider – VERKLÄRUNG DES HERRN

Kirche der Verklärung auf dem Berg Tabor, Apsis-Mosaik, Ausschnitt. – Foto: CNS/Greg Tarczynski.

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