Klara von Assisi – 12. August

Stärker als der Mann
fühlt sich die Frau
verbunden mit dem urewigen Schöpfungsplan Gottes –
im Strom des natürlichen Werdens und Vergehens
durch das Geheimnis der Mutterschaft,
im Gnadenkreis des übernatürlichen Lebens
durch das Geheimnis der Gotteskindschaft.

Alles echte Heldentum der Frau erwuchs aus diesen beiden Kraftquellen, – und es ward umso größer und leuchtender, je inniger der Gedanke der Mutterschaft und Gotteskindschaft zu einem einzigen Herzschlag zusammenschmolzen.

Als Klara von Assisi in der Nacht auf Palmsonntag 1212 die Balken und Steine von der Totenpforte des elterlichen Hauses wegräumte, um zu der verlachten, verfehmten Schar der Minderbrüder zu fliehen, verzichtete sie auf den adeligen Freier, auf ein Leben in Reichtum, auf das unerschöpfliche Glück fröhlichen Kinderlachens.

Über ihrem Haupte wölbte sich ein Firmament voller Sterne, als Franz von Assisi ihr im Kreise seiner Brüder das Haar abschnitt, sie zur Braut Christi weihte und in das nächste Frauenkloster begleitete.

Abend für Abend mahnte sie nun der Himmel Umbriens an das Gelübde, das sie getan.

Wie hätte sie vor diesen schweigenden Zeugen eidbrüchig werden können, als die Verwandten sie bestürmten, heimzukehren zu den silbernen Schüsseln und seidenen Kleider?

(aus: Hans Hümmler. Helden und Heilige)

Einkleidung d. hl. Klara (1194-1253)

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