Hl. König Stephan von Ungarn – 2. September

Eine dermaßen desolate Epoche wie die unsere, lässt manche Menschen ihren Blick in die Vergangenheit richten. Sie überlegen, wie es war, als ihre Heimat von anderen Herrscherrn regiert wurde, als es heute ist.

Unser Blick wendet sich nach Ungarn, ohne dass auf den derzeitigen Staatschef eingegangen wird. Stattdessen betrachten wir das Leben des heiligen König Stephan von Ungarn:

Um 969 wurde dem ungarischen Großfürsten Géza ein Sohn geboren, der den türkischen Namen Vajk erhielt. Er entstammte dem Geschlecht der Arpaden, dessen Ahnherr der 907 verstorbene ungarische Großfürst Árpad ist. Unter seiner Regentschaft vollzog sich ab 895 die kriegerische Landnahme der sieben magyarischen Stämme. – Die Dynastie der Arpaden starb 1301 im Mannesstamm aus.

Um 973 wurde Vajk zusammen mit seinem Vater von einem katholischen Missionar aus dem Bistum Passau getauft. Vajk erhielt den Namen Stephan. – Die Firmung wird der junge Stephan durch den hl. Adalbert von Prag empfangen haben, als dieser in Ungarn missionierte und sich auch der Erziehung des hl. Stephan annahm.

St. Adalbert war es, der die Ehe vermittelte zwischen dem ungarischen Fürstensohn und der sel. Gisela von Bayern, einer Schwester St. Heinrichs II. – Die Ehe wurde 995 geschlossen.

Zwei Jahre darauf wurde Stephan der Heilige (997 – 1038) Nachfolger seines verstorbenen Vaters als Großfürst von Ungarn. Sogleich hatte er den Aufstand eines heidnischen Stammesfürsten zu bekämpfen (997 – 998), den er nur mit Hilfe von deutschen Rittern besiegen konnte.

Papst Silvester II. (999 – 1003) bestätigte den hl. Stephan als Herrscher Ungarns und übersandte ihm eine Krone. – Wie Karl der Große am Weihnachtstag des Jahres 800 zum ersten Kaiser im Westen gekrönt worden war seit der Absetzung des Romulus Augustulus 476, so ließ sich Stephan der Heilige im Einvernehmen mit Kaiser Otto III. am Weihnachtstage des Jahres 1000 mit der vom Papst übersandten Krone in Gran zum ersten König Ungarns – zum „Apostolischen König“ – krönen.

Noch einmal hatte Stephan der Heilige gegen einen aufständischen Stammesfürsten vorzugehen (1002 – 1003), nun gegen einen solchen, der sich dem byzantinischen Kaiser im Osten anschließen wollte. Doch wiederum siegte Stephan.

Der ungarische König förderte die Christianisierung seines Reiches. 1002 wurde das Kloster Martinsberg vollendet, weitere Gründungen folgten. Die Erzdiözesen Gran und Kalocsa wurde errichtet sowie acht weitere Bistümer. Neben der kirchlichen Organisation des Landes stand die politische. Ungarn wurde von König Stephan in Grafschaften gegliedert.

Über seinen Amtsgeschäften vergaß St. Stephan doch nicht die Bedürftigen. Arme hatten stets Zutritt zu ihm, und er verweigerte niemandem ein Almosen.

Der zum Thronfolger ausersehene Sohn Stephans und Giselas, der hl. Emmerich, starb bereits sieben Jahre vor seinem Vater durch einen Jagdunfall. Da der König daraufhin Thronwirren für die Zeit nach seinem Hinscheiden befürchtete, vertraute er das Land der Muttergottes an, der Magna Domina Hungarorum, der Großen Herrin der Ungarn.

Stephan der Heilige starb am Feste Mariae Himmelfahrt 1038. Am 20. desselben Monats wurde sein Leichnam in der Basilika von Alba regia, Stuhlweißenburg, beigesetzt. Bis in unsere Zeit wird der 20. August in Ungarn als Nationalfeiertag begangen, nur spricht man seit der Zeit der kommunistischen Herrschaft (1948 – 1990) nicht mehr vom Begräbnis Stephans des Heiligen, sondern von einem Verfassungstag, da man die Verfassung der Volksrepublik 1949 am 20. August verkündete. – Die Kirche aber gedenkt des heiligen Königs und Apostel der Ungarn am 2. September, da an diesem Tage im Jahr 1686 die Stadt Buda, Ofen, von den Türken zurückerobert wurde, die sie 1541 eingenommen hatten.

Nach dem Tode König Stephans nahm die den Deutschen feindlich gesinnte, heidnische Partei die sel. Gisela gefangen. Sie hatte Mißhandlungen zu erdulden, bis Kaiser Heinrich III. (1039 – 1056) sie 1045 befreite und ihr die Rückkehr in die bayrische Heimat ermöglichte. Gisela beschloß ihr Leben als Benedektinerin. Nachdem sie 1057 Äbtissin von Niedernburg bei Passau geworden war, starb sie am 7. Mai 1060 in ihrem Kloster.

Der heilige Stephan ist Landesapostel und Schutzpatron Ungarns; seine bis heute unverweste rechte Hand gilt in Ungarn als nationale Reliquie.

1083 wurde Stephan von Papst Gregor VII. heiliggesprochen.

„Wir bitten Dich, allmächtiger Gott:
gewähre Deiner Kirche die Gnade,
an Deinem heiligen Bekenner Stephan,
der sie als König auf Erden ausbreitete,
einen glorreichen Vorkämpfer im Himmel zu haben.
Durch unsern Herrn Jesus Christus …“

Hl. Stephan – Foto: sacerdos viennensis

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