Was wir tun können …

Erzbischof Viganò:

„Initium sapientiae timor Domini.
Wer die Gottesfurcht hat, will allein Gott gefallen
und denkt nicht daran, Lehre oder Moral zu ändern,
um den Menschen zu gefallen oder dem Irrtum zuzuzwinkern.“

Erzbischof Viganò schreibt an den 16jährigen Massimo, der ihm vorher einen Brief geschrieben hat:

 

Liebster Massimo,

Ich habe Deinen Brief erhalten, der mich wirklich beeindruckt hat. Er offenbart eine starke Persönlichkeit und noch mehr eine Klarheit der Ideen, die viele Erwachsene, darunter viele Kleriker und Prälaten, nicht haben.

Du hast den Kern des Problems mit einigen wenigen Zügen erfasst: die Krise, die die Kirche heute beunruhigt, ist darauf zurückzuführen, dass sie den heiligen „Timor Dei“ vergessen hat, der, wie der Psalmist lehrt, der erste Schritt der Weisheit ist. Initium sapientiae timor Domini. Es ist ein Vers aus Psalm 110, den wir bis zum Konzil sonntags bei der Vesper in unseren Kirchen widerhallen hörten.

Der heilige „Timor Dei“ ist, wie Du sicherlich weißt, eine der Sieben Gaben des Parakleten, dank derer die Gläubigen leben und handeln, indem sie sich ständig in den Augen des Herrn betrachten und danach streben, ihm mehr als der Welt zu gefallen, wie ein Kind, das der Liebe des Vaters entsprechen will, und nicht wie ein Untertan, der sich nicht beim Brechen des Gesetzes erwischen lassen will. Es ist das Bewusstsein von der Größe des Allmächtigen, von seiner Autorität, von seiner unendlichen Majestät: und von unserer Kleinheit, von unserer Pflicht, vor ihm niederzuknien, von dem Gehorsam, den wir ihm schulden.

Wer die Gottesfurcht vor ihm hat, will allein ihm gefallen und denkt nicht daran, Lehre oder Moral zu ändern, um den Menschen zu gefallen, oder dem Irrtum zuzuzwinkern: er wagt es nicht, die Liturgie der Kirche zu manipulieren, indem er das, was in ihr an die göttliche Majestät des Herrn der Heerscharen erinnert, annulliert, sondern er behütet sie mit Verehrung, weil auf dem Altar in unblutiger Form das Heilige Opfer wiederholt wird, das uns am Kreuz die Erlösung verdient hat. Wer die Furcht vor Gott hat, zittert bei dem Gedanken an den Skandal, den er den ihm anvertrauten Seelen zufügen kann, und um derer willen Unser Herr sein Blut vergossen hat. Diejenigen, die Gottesfurcht haben, sind entsetzt über die Vorstellung, ihn beleidigen zu können, indem sie im Namen des Dialogs die Götter der Heiden neben ihn stellen.

Und es stimmt, was Du sagst: wenn all dies geschieht und Gott nicht eingreift, dann deshalb, weil er daraus ein größeres Gut ableitet, das für uns unbegreiflich ist. In Wirklichkeit scheint es, dass der Herr uns uns selbst überlässt, aber genau in dem Moment, in dem der Irrtum die Wahrheit zu überwältigen scheint, in dem alles verloren scheint und die Hirten geflohen sind und die Herde den gefräßigen Wölfen ausgeliefert haben, in dem die Kirchen von den Gläubigen im Stich gelassen werden und die öffentliche Moral das Laster erhöht und die Tugend verurteilt, sieh an: da entstehen gottgeliebte Seelen, die mit ihrem Leben, mit dem stillen Beispiel guter Werke, mit Gebet und Opfer den göttlichen Zorn zurückhalten und neue Gnaden, neue Segnungen, neue undenkbare Wunder bewirken, zu denen nur der Allmächtige fähig ist.

Du fragst mich, was wir tun können, während wir auf den Triumph des Heiligsten Herzens Jesu und des Unbefleckten Herzens Mariens warten: wir können und müssen den heiligen „Timor Dei“ pflegen, in seiner Gegenwart leben, das unaussprechliche Wunder verkosten, mit dem unsere von der Wahrheit erleuchtete und von der Nächstenliebe entflammte Seele zum Tempel des Heiligen Geistes und zum Tabernakel wird, in dem die Heiligste Dreifaltigkeit sich niederlässt, um ihre Wohnung einzunehmen. Aus dem Leben im Zustand der Gnade bezieht die Seele die unentbehrliche Nahrung, um in der Heiligkeit zu wachsen, und je mehr sie in der Heiligkeit wächst, desto mehr entspricht ihr Handeln dem Willen Gottes.

Dass ist mein Wunsch für Dich, in der Gewissheit, dass dieses heilige Feuer, das Du in Deinem Herzen trägst, Deine Freunde erleuchten und sie mit der Liebe Gottes und zum Nächsten entflammen kann. Angesichts des Wunders junger, von Nächstenliebe brennender Seelen werden auch die verhärteten Herzen vieler Gläubiger und nicht weniger Kleriker von der Gnade berührt werden, und sie werden voll Furcht und zitternd in die Knie fallen, ihre Schuhe ausziehen und ihr Gesicht bedecken, wie Mose es vor der Majestät Gottes tat, die sich im brennenden Dornbusch verborgen hatte.

Möge Dich und Deine Familie, lieber Massimo, von ganzem Herzen mein väterlicher Segen erreichen.

+ Carlo Maria Viganò, Erzbischof

 

Quelle: kath.net

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