Joseph von Copertino – 18. September

Bruder Tod ist in der Nähe

Jahr um Jahr wurde sein Gesundheitszustand fragiler. Mit 60 Jahren war sein Körper von seinen Leiden und Bußübungen sehr verbraucht. Er war fast blind und das Essen bereitete ihm Mühe, weil er kaum mehr kauen konnte. Feste Nahrung konnte er nicht mehr zu sich nehmen.

Innerhalb weniger Wochen wurde er sehr krank. Er bekam das Wechselfieber. Das Fieber stieg hoch, ein Alarmzeichen einer schweren Krankheit. Am 15. August zelebrierte er zum letzten Mal die hl. Messe. Kreidebleich und total erschöpft kehrte er in die Zelle zurück. Die Brüder gaben ihm Medikamente, die er dankend annahm. Einer seiner Brüder sagte zu ihm: „Du hast immer für die Gesundheit der anderen gebetet. Bitte jetzt Gott, er möge doch dein Leben verlängern!“ Br. Josef gab zur Antwort: „Das werde ich nie tun. Ich gebe mich ganz dem Willen Gottes hin. Ich lebe oder sterbe, wann er will. Ich will nur ihm dienen.“

Nach einer kleinen Erleichterung sagte er: „Das Eselchen beginnt, den Berg hinauf zu steigen“ Kurz darauf bat er um die Sterbesakramente und bat dabei seine Brüder um Verzeihung für all seine Schuld. Während der Guardian P. Bernardo Buttari nach den Weisungen des Zeremonienbüchleins die fünf Sinne des Kranken mit Öl salbte, hörte man aus der Zelle Josefs Ausrufe der Freude: „O welches Licht, welcher Glanz! O was für schöne Worte! Was für tröstliche Stimmen! Welcher Wohlgeruch! Welche Süssigkeit! O welcher Vorgeschmack des Himmels! O welches Himmelsglück!“

Danach rief er:
„Das Eselchen ist am Ziel auf dem Berg angekommen!“

Am 12. September hatte er seine letzte Ekstase. Der Bruder, der ihm die hl. Kommunion brachte, war Zeuge davon. Dann rief er. „Schau die Freude, Ecco la gioia!“ und erhob sich empor. Am 17. September bat er um eine kleine Orgel, die ihm dann in die Zelle gebracht wurde, und die Brüder sollten für ihn singen. Sie sangen zur Ehre der Gottesmutter, seiner geliebten Mutter. Die Kräfte hatten sichtlich abgenommen.

Nun flüsterte er: „Gott sei Lob und Dank. Der Wille Gottes geschehe. Das Eselchen ist auf dem Berg angekommen; es kann nicht mehr weiter, es ist daran, den Balg zurückzulassen!“

Am 18. September umgab ein sanftes Lächeln seine Lippen. Plötzlich wurde sein Haupt mit einem ganz hellen Licht umgeben. Friedlich entspannt ruhte sein Leib, wie im Schlaf, ohne die Spur des Leidens oder eines Todeskampfes. So gab er am 18. September 1663 seine Seele dem Schöpfer zurück. Man öffnete seine Herzkammer und fand sie ohne Blut. Das Herz war ausgetrocknet, was den übernatürlichen Flammen zugeschrieben wurde, die ihn verzehrten. Sein letzter Wunsch vor dem Sterben war, man möge seinen Leib an irgendeinem verborgenen Ort beisetzen, so dass das Grab von niemandem gefunden würde. Dieser Wunsch ging für ihn, der zeitlebens von den Menschen abgesondert wurde, allerdings nicht in Erfüllung.

Aus: Gottfried Egger OFM: Hingerissen von der Liebe Gottes. FE-Medien 2020.

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