UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 1 / 28

Wenn du nun fragst, mein Bruder,
wie denn die Umkehr, die Buße
einen verfaulten, verdorbenen Menschen
neu machen kann – dann erinnere dich,
betrachte, aus was und auf welche Weise
er ursprünglich gebildet wurde:
aus etwas Abstoßendem, Hässlichem,
und in einer dunklen und engen Bauchhöhle.
Und betrachte, wie die Güte unseres Gottes
sie zusammengefügt hat,
diese stinkende Masse in der dunklen Bauchhöhle:
als ganzes strukturiertes Geschöpf.
Und er hat es hinaustreten lassen ans Licht dieser Welt,
ein Bild von Reinheit, Schönheit, Lieblichkeit.

So ist es auch mit dem,
dessen Reinheit – die durch die heilige Taufe entsteht –
verdorben ist durch das Wirken Satans,
verfault, verunstaltet mit allerlei ekligen Geschwüren der Sünde.
Durch eine Geburt
aus dem dunklen, betrübten Schoß der Buße
tritt er wieder heraus ans Licht der Welt des Geistes,
deren Mysterium er in der Taufe empfangen hat.

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
HIER 

Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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