UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 2 / 28

Es ist wie mit einem Samenkorn, diesem hässlichen Ding,
das auf reines, weites, lichtes Land geworfen wird:
Es bleibt nutzlos
und ungleich der Pflanze, die es erzeugt hat,
wenn es nicht in eine finstere, enge Spalte gelangt.

In derselben Weise wird auch einer,
der durch die Sünde hässlich und faul geworden ist,
abstoßend bleiben,
ungleich dem, der ihn erzeugt hat in der heiligen Taufe,
wenn er nicht in den dunklen, läuternden,
schmerzenden Schoß der Umkehr kommt.

Und so, wie der leibliche Adam mit Eva Kinder gezeugt hat für sich in seiner Gestalt, für seine leibliche Welt, so hat sich auch Christus, Vater der geistlichen Welt, mit der Umkehr und der Taufe Kinder gezeugt nach seiner Gestalt, für seine geistliche Welt. Und in der Art, wie das Neugeborene, sobald es aus dem finsteren Mutterleib Evas herauskommt, sofort das Licht der Welt Adams erblickt, so wird auch den Kindern Gottes, sobald sie aus dem trüben Schoß der Buße heraustreten, das herrliche Licht der neuen Welt ins Gesicht scheinen.

Denn so verheißt es ihnen der Fürst des Lebens,
wenn er sagt:
„Kehrt um,
denn das Himmelreich ist nahegekommen!“ (Mt 3,2; 4,17).

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
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Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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