Appell für die tägliche Schriftlesung

Hieronymus ist wirklich die „Bibliothek Christi“:
eine immerwährende Bibliothek,
die auch uns nach 16 Jahrhunderten weiterhin lehrt,
was die Liebe Christi bedeutet – eine Liebe,
die sich nicht trennen lässt
von der Begegnung mit seinem Wort.

Daher ist das gegenwärtige Jubiläum ein Aufruf, das zu lieben, was Hieronymus geliebt hat, indem wir seine Schriften neu entdecken und uns berühren lassen von der Wirkung einer Spiritualität, die in ihrem wesentlichen Kern beschrieben werden kann als das unruhige und leidenschaftliche Verlangen, den Gott der Offenbarung besser kennenzulernen. Wie sollten wir in unserer heutigen Zeit nicht das hören, wozu Hieronymus seine Zeitgenossen unablässig anspornte:

»Ließ fleißig in der Heiligen Schrift,
nie sollen deine Hände
die heilige Lesung beiseitelegen«?

Das leuchtende Vorbild darin ist Maria, die Hieronymus uns vor allem in ihrer jungfräulichen Mutterschaft, aber auch in ihrer Haltung als betende Leserin der Schrift vor Augen stellt.

Maria erwog die Worte in ihrem Herzen (vgl. Lk 2,19; 3,15), und »weil sie heilig war und die heiligen Schriften gelesen hatte und mit den Propheten vertraut war, da erinnerte sie sich, dass der Engel Gabriel zu ihr gesprochen hatte, was sich bei den Propheten geweissagt findet. […] Sie sah den Knaben daliegen, sie sah den Knaben in der Krippe weinen, sie sah den Sohn Gottes vor sich liegen, ihren Sohn, ihren einzigen Sohn. Wie sie ihn da liegen sah, verglich sie, was sie gehört hatte, mit dem, was sie gelesen hatte und was sie persönlich wahrnahm.«

Ihr wollen wir uns anvertrauen.
Sie kann uns am besten lehren,
Gottes Wort zu lesen und zu meditieren,
zu Gott zu beten und ihn zu betrachten,
der sich in unserem Leben
unermüdlich gegenwärtig macht.

Papst Franziskus am 30. September 2020,
dem Gedenktag des heiligen Hieronymus.

APOSTOLISCHES SCHREIBEN „SCRIPTURAE SACRAE AFFECTUS
ANLÄSSLICH DES 1600. TODESTAGES DES HEILIGEN HIERONYMUS

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