UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 6 / 28

Auf die Wälle, die er erbaut hatte über lange Zeiträume, um in ihrem Schatten seine gefesselten Häftlinge ins Dunkel zu schließen, bläst sie mit geringer Bewegung – und sie stürzen ein.

Und über denen, die im Finstern saßen, wird es hell (Jes 42,7), ihre Ketten zerreißen, ihre Trauer verwandelt sich in Freude, ihre Tränen in Jubel (Ps 30,12).

Und der sie gebunden hatte, wird nun gebunden mit den Fesseln der Finsternis, und in ihre Hände überantwortet, ihn zu schlagen. Die Umkehr macht all seine Werke zunichte.

Alle Krankheiten, die er seinen Sklaven zugefügt hatte, die doch nicht die Seinen sind, behandelt sie und heilt sie. Alle von ihm Gemordeten erweckt sie zum Leben.

All seine Fallen zerbricht sie, all seine Netze zerreißt sie.

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
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Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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