MARIA – einzigartig „voll der Gnade“ – 8. Dezember

Auch wenn um das Dogma der Unbefleckten Empfängnis (1854) lange gerungen wurde, bestand doch von Anfang an die durchgehende Überzeugung in West und Ost, dass Maria persönlich sündenlos, die „Allheilige“ sei. Besonders beeindruckend ist die Feststellung des Origenes, dass die Anrede „Begnadete“ (Lk 1,28) in der gesamten Heiligen Schrift singulär sei und daher auf eine singuläre Gnade Mariens schließen lasse.

Da der Engel Maria jedoch mit einer neuen Anrede begrüßte, die ich in der ganzen Schrift sonst nicht finden konnte, ist auch darüber kurz noch etwas zu sagen. Ich kann mich nämlich nicht entsinnen, irgendwo in der Heiligen Schrift gelesen zu haben, was der Engel sagt: „Gegrüßt bist du voll der Gnade“ (Lk 1,28), was auf griechisch heißt: kecharitoménē.

Auch einem Mann wurde nie eine Anrede solcher Art zuteil, etwa:

Gegrüßet bist du, der du voll der Gnade bist.

Maria allein ist dieser Gruß vorbehalten. Hätte Maria gewusst, dass eine Anrede dieser Art schon an irgend jemand anderen ergangen war – denn sie kannte ja das Gesetz, war heilig und wusste um die Weissagungen der Propheten auf Grund ihrer täglichen Betrachtung – , dann hätte diese Begrüßung sie niemals wegen ihrer Fremdheit in solchen Schrecken versetzt. Deshalb sagt auch der Engel zu ihr:

„Fürchte dich nicht, Maria.
Denn du hast Gnade gefunden in den Augen des Herrn.
Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären,
und du wirst ihm den Namen Jesus geben.
Dieser wird groß sein,
und man wird ihn
Sohn des Höchsten nennen“ (Lk 1,30-32).

(Origenes, ca. 185-254)

 

Der Text ist entnommen dem sehr empfehlenswerten Buch:

Marianne Schlosser, Hrsg.
Es haucht die Nacht ein neues Licht.
Der weihnachtliche Festkreis in Gebeten und Betrachtungen
EOS Verlag 2020
216 Seiten; 19,95 Euro
ISBN: 978-3830679806

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