Hl. Paulus, erster Einsiedler – 15. Januar

Paulus von Theben, ca. 228-341, lebte in Ägypten und gilt als erster christlicher Einsiedler.

Paulus, der Stifter und Lehrmeister der Einsiedler, wurde in der unteren Thebais geboren. Als er 15 Jahre alt war, verlor er seine Eltern. Um der Verfolgung des Dezius und Valerian zu entgehen und um Gott ungestörter dienen zu können, zog er sich in eine Höhle in der Wüste zurück. Eine Palme spendete ihm dort Nahrung und Kleidung; so lebte er bis zu seinem 113. Lebensjahr. Da wurde er auf Gottes Geheiß vom 90jährigen Antonius besucht.Obgleich sie sich vorher nie gekannt, begrüßten sie sich dennoch gegenseitig mit dem eigenen Namen und unterhielten sich lange über das reich Gottes. Der Rabe, der vorher dem Paulus stets ein halbes Brot gebracht hatte, brachte an diesem Tage ein ganzes.

Als der Rabe wieder weggeflogen war, sprach Paulus: Schau, der Herr hat uns ein Mittagsmahl geschickt; er ist doch wirklich gut und gnädig. Nun sind es schon 60 Jahre, daß ich täglich ein halbes Brot bekomme; heute, weil du da bist, hat Christus seinen Streitern die doppelte Portion geschickt. Sie aßen also unter Danksagung an einer Quelle ihr Brot. Als sie sich etwas gestärkt hatten, dankten sie dem Herrn von neuem, wie sie es gewohnt waren; auch die ganze Nacht verwandten si zum Lobe Gottes. Am nächsten Morgen teilte Paulus dem Antonius mit, daß sein Tod nahe bevorstehe, und bat ihn, er möge ihm den Mantel holen, den er von Athanasius empfangen hatte, und seinen Leichnam darin einwickeln. Auf dem Rückwege sah dieser die Seele des Paulus, umgeben von den Scharen der Engel, der Propheten und Apostel, gen Himmel eilen.

Als er in die Höhle des Heiligen kam, fand er den entseelten Leichnam mit erhobenem Haupte und ausgebreiteten Händen daknien. Er hüllte ihn in den Mantel und sang die bei der Bestattung von Christen üblichen Hymnen und Psalmen. Aber er hatte keinen Spaten, um ein Grab zu schaufeln. Da kamen aus dem Innern der Wüste zwei Löwen herbeigesprungen, die sich bei der Leiche des seligen Greises niedersetzten und, so gut sie konnten, Klage hielten, so, daß man es leicht verstehen konnte. dann wühlten sie wie im Wettstreite mit ihren Krallen die Erde auf und machten sso eine Grube, die bequem die Leiche aufnehmen konnte. Dann verschwanden sie wieder. Antonius legte nun den heiligen Leichnam in dieses Grab, warf Erde darauf und errichtete nach christlicher Sitte einen Grabhügel. den Mantel des Paulus aber, den dieser sich nach Art eines Korbes aus Palmblättern verfertigt hatte, nahm er mit und legte ihn an den Hochfesten Ostern und Pfingsten jedesmal an, solange er lebte.

(Aus dem Brevier)

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