Hl. Franz von Sales – 29. Januar

Feierliche Erklärung

Ich versetze mich in die Gegenwart Gottes und des ganzen himmlischen Hofes. Ich habe die unendliche Barmherzigkeit seiner göttlichen Güte gegen mich erwogen, sein unwürdiges und schwaches Geschöpf, das er aus dem Nichts erschaffen, erhalten, aus so vielen Gefahren befreit, mit so vielen Wohltaten überhäuft hat.

Ich habe vor allem die unbegreifliche Güte und Langmut erwogen, mit der Gott mich so väterlich in meinen Sünden ertragen, so oft und so liebevoll zur Umkehr eingeladen, so langmütig auf meine reuige Buße gewartet hat, bis zu diesem … Jahr meines Lebens, trotz all meiner Undankbarkeit, Unredlichkeit und Untreue. Immer wieder habe ich meine Bekehrung hinausgeschoben, seine Gnade missachtet, Gott schändlich beleidigt.

Ich habe auch erwogen, dass ich am Tag meiner heiligen Taufe ein Kind Gottes geworden bin. Zu meinem Glück und zu meiner Heiligung wurde ich ihm geweiht und dargebracht. Entgegen dem Gelöbnis, das damals in meinem Namen abgelegt wurde, habe ich meinen Geist so oft und so schändlich entweiht und vergewaltigt, da ich ihn gegen Gottes Majestät wandte und missbrauchte.

Nun komme ich zu Dir und werfe mich im Geist vor dem Thron der göttlichen Gerechtigkeit nieder. Ich erkenne und bekenne mich schuldig des Verbrechens, die Majestät Gottes beleidigt zu haben, schuldig am Leiden und Sterben Jesu durch die Sünden, die ich begangen habe. Für sie ist er gestorben und hat die Kreuzesqualen erduldet; darum habe ich verdient, für ewig verloren und verdammt zu sein.

Ich wende mich nun dem Thron der unendlichen Barmherzigkeit Gottes zu. Ich verabscheue von ganzem Herzen und aus allen Kräften die Sünden meines bisherigen Lebens. Ich bitte demütig um Gnade, Barmherzigkeit und Verzeihung, um vollständige Vergebung meines Verbrechens, kraft des Leidens und Todes Jesu, des Herrn und Erlösers meiner Seele. Auf diese einzige Grundlage stütze ich meine Hoffnung.

So erneuere ich das heilige Treuegelöbnis, das ich am Tag meiner Taufe abgelegt habe: Ich widersage dem Teufel, der Welt und dem Fleisch. Ich verabscheue ihre unseligen Ratschläge, ihre Eitelkeiten und ihre Lust für mein ganzes Leben und für alle Ewigkeit.

Ich wende mich meinem gütigen und barmherzigen Gott zu und bin unwiderruflich entschlossen, ihm zu dienen und ihn zu lieben, jetzt und ewig. Ich weihe ihm zu diesem Zweck meinen Geist mit all seinen Fähigkeiten, meine Seele mit all ihren Kräften, mein Herz mit all seiner Liebe, meinen Leib mit all seinen Sinnen.

Ich erkläre hiermit, dass ich nie mehr eine meiner Fähigkeiten gegen seinen göttlichen Willen und seine alles überragende Majestät missbrauchen will. Im Geiste bringe ich mich ihm zum Opfer. Auf ewig will ich ihm treu und als sein Geschöpf redlich ergeben sein. Nie mehr will ich mich von ihm abwenden oder meine Hingabe bereuen.

Sollte ich jemals durch Versuchung des Teufels oder durch menschliche Schwäche irgendwie gegen diesen Entschluss und diese Weihe verstoßen, so erkläre ich hiermit feierlich:

Ich bin entschlossen, mit der Gnade des Heiligen Geistes davon abzulassen, sobald ich es bemerke, um mich sogleich ohne Zögern und Zaudern der göttlichen Barmherzigkeit zuzuwenden.

Dies ist mein Wille, meine Absicht, mein unabänderlicher und unwiderruflicher Entschluss, den ich hiermit bekunde und bekräftige, ohne Ausnahme und Vorbehalt.

Ich erkläre ihn im Angesicht Gottes, der triumphierenden und der streitenden Kirche, meiner Mutter; sie nimmt diese Erklärung in der Person dessen entgegen, der mich als ihr Vertreter bei diesem Akt anhört.

Möge es Dir gefallen,
ewiger, allmächtiger und allgütiger Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist,
diesen Entschluss in mir zu stärken
und dieses Opfer meines Herzens und meiner Seele
gütig anzunehmen.
Du hast mir durch Deine Eingebung den Entschluss geschenkt,
gib mir auch die Kraft und Gnade, es zu vollziehen.
O Gott, Du bist mein Gott (Ps 16,2),
der Gott meines Herzens (Ps 73,26),
der Gott meiner Seele und meines Geistes.
So will ich Dich sehen und anbeten
jetzt und in alle Ewigkeit.
Es lebe Jesus!

Franz von Sales

(Philothea – 1/20. Kapitel – Feierliche Erklärung als Abschluss der verschiedenen Bußübungen. Sie will der Seele den Entschluss einprägen, Gott zu dienen)

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