UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 15/ 28

Sie geht neben allen Engeln,
und wo immer diese einen Menschen
zu disziplinieren haben –
sie lässt es verstreichen bei denen,
die sie lieben.

Sie steht an Gottes Tür,
und alle Güter, die dort herauskommen,
zweigt sie für ihre Hausgenossen ab.

Sie ist die Anwältin der Straffälligen:
Wann immer sie sich
an sie wandten und sie baten,
stellte sie sich vor sie.

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
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Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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Streitgespräch zwischen einem Christen und einem Sarazenen

Mit Verständnis statt Polemik –
Ein Christ und ein Muslim im Dialog

Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht Medien blutige Gewalt und Terror-Anschläge melden, vor allem aus Afrika, aber auch von vereitelten Anschlägen in Westeuropa berichten, von Debatten über den „politischen Islam“ und Islamismus. Vielfach wird in säkularen Medien dann auch danach gerufen, Religion vom Staat zu trennen – und damit verknüpft die Frage aufgeworfen, ob und wie und westliche Staaten die Hoheit über die Ausbildung islamischer Religionslehrer gewinnen sollen, um entsprechend Einfluss nehmen zu können.

Der Althistoriker David Engels hält dies für keinen guten Vorschlag. Warum, erläutert der Professor in seinem Aufsatz „Laizismus ist die falsche Antwort“ mit Blick auf Versuche, islambezogene Herausforderungen mit laizistischen Ansätzen zu begegnen. Diese beruhten auf falschen Annahmen über die kulturellen Grundlagen von Gemeinwesen, so Engels. Dadurch, dass säkulare bzw. laizistische Vorgehensweise Religion in den Bereich des Privaten zu verdrängten versuchten, erzeugten sie mehr Probleme, als sie lösten, so Engels.

Womöglich treten Islamisten heute auch ganz anders auf, ohne ihre eigentlichen Interessen aufzugeben. So gibt es etwa Muslimbruderschaften „mit einer freiheitlich-demokratischen Fassade„, wie Stephan Baier noch vor wenigen Tagen in seinem Beitrag „Die schleichende Machtübernahme der Muslimbrüder“ in der Tagespost schrieb. Und von Europa aus würden sie „außerhalb Europas operierende terroristische Organisationen“ verbal und finanziell unterstützen.

Als 1453 der osmanische Sultan Mehmed mit seinem 80.000 Mann starken Heer Konstantinopel, die Hauptstadt der östlichen Christenheit, eroberte, endete die Ära des Byzantinische Reiches. Die beiden Türkenbelagerungen von Wien in den Jahren 1529 und 1683 waren weitere deutliche Hinweise auf das Ziel des Osmanischen Reichs, sich im Westen auszubreiten und die Christen zurückzudrängen. Es war kein Wunder, dass Christen die muslimischen Heere als Legionen des Antichristen ansahen.

Dionysius der Kartäuser (1402-1471) aus Roermond lebte im 15. Jahrhundert. Er war ein Zeitgenosse und Freund von Kardinal Nikolaus von Kues, den er unter anderem bei mehreren Visitationsreisen begleitete. Beide hatten eine ähnliche Ansicht vom Islam und dessen heiligen Buch, dem Koran.

Nikolaus von Kues stellte drei Prinzipien der Koraninterpretation auf (vgl. Markus Riedenauer: Das Mittelalterliche Christentum in Auseinandersetzung mit dem Islam. Darmstadt 2007):

– Gesprächsgrundlage sind die Regeln der Vernunft (rationabilitas)

– Als hermeneutisches Prinzip gilt die wohlwollende, nicht polemisierende Behandlung der Themen Koran und Christentum (pia interpretatio)

– Die Hinführung zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und Ernstnehmen der Ausgangsposition der anderen Seite (manuductio)

Dionysius verfasste Schriften, die sich kritisch dem Koran und dem Propheten Mohammed widmen. Ebenso schrieb er über einen gegen die Türken zu führenden Krieg. Die hier vorzustellende Schrift des Dionysius – „Dialogus disputationis inter christianum et sarracenum“ (Dialogisches Streitgespräch zwischen einem Christen und einem Sarazenen) – hat das Ziel, als Christ missionarisch argumentierend den Muslim von der Wahrheit des christlichen Glaubens zu überzeugen.

Unser Buch würde nach dem lateinischen Titel „Dialogus disputationis inter christianum et sarracenum” konsequenterweise den Namen „Dialogisches Streitgespräch zwischen einem Christen und einem Sarazenen” tragen müssen. Vielleicht ist er als deutscher Buchtitel zu sperrig, dass man diesen änderte. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Unterredung, die gelegentlich zum Streitgespräch wird. Wir haben kein theologisches Lehrbuch vor uns. Ähnlich einer dialogischen Lehrform werden Fragen gestellt, durch die der andere eine Wahrheit erkennen soll. Dies geschieht nicht in einer wissenschaftlichen Weise, sondern im geduldigen zu-hören und nach-denken.

Bei einer derartigen Auseinandersetzung befinden sich beide Seiten im Gespräch. Und solange gesprochen wird, schweigen die Waffen; wenn Waffen schweigen gibt es auch nicht Mord und Totschlag.

Dies ist keine neue Erkenntnis. Aber diese Methode funktioniert nur, wenn beide Seiten dazu bereit sein wollen. In unserer Wechselrede wird schnell ein Streitgespräch. Erst allmählich entwickelt sich so etwas wie gegenseitiges Verständnis. Denn schon in seinem zweiten Satz entgegnet der Sarazene ganz scharf dem Christen, er würde ein sakrilegisches Thema anschneiden wenn er behaupte, Gott habe einen einziggezeugten (eingeborenen) Sohn.

In neunzehn Artikeln werden wesentliche Glaubensfragen und Fragen zum Koran behandelt. Genannt seien hier nur, ob der Koran sich selbst widerspricht, oder dass der in einer Person existierende Christus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

So entwickelt sich anhand all dieser Fragen ein Gespräch, in dem sowohl die Bibel als auch der Koran erörtert werden. Dabei werden auch gerade heute wieder aktuelle Themen angesprochen, etwa der Umgang mit Frauen. Das Ziel des Christen ist es, deutlich herauszustellen, wo es große Differenzen zwischen Christen und Muslimen gibt. Desweiteren ist es seine Absicht, gemäß den Worten Jesu hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden, also missionarisch zu wirken.

Am Schluss unseres Buches bedankt sich der Sarazene für die Disputation mit dem Christen, für dessen liebevolle Erläuterungen und seine ernste Sorgfalt. Schließlich erkennt er noch an, „dass der Koran von den Schriften des evangelischen und mosaischen Gesetzes“ völlig abweiche.

Die vorliegende Übersetzung zielt ganz bewusst nicht auf eine fachwissenschaftliche Untersuchung ab, sie bietet dem Leser den Text aus Sicht des christlichen Glaubens dar und legt ihr Augenmerk neben der Texttreue auf die Intention des Autors„, heißt es im Cover-Text.

Zuerst erschienen bei CNAdeutsch

Dionysius Cartusianus von Roermond
Islam – die wahre Religion?
Ein Christ und ein Muslim zur Erkenntnis der Glaubenswahrheit
Verlagsbuchhandlung Sabat 2020
208 Seiten; 19,95 Euro
ISBN 978-3943506860

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US-Präsident – Lebensrechtsbewegung – Ein Blick über den Tellerrand hinaus

Die Verfassung der Vereinigten Staaten legt den Beginn der Amtszeit eines US-Präsidentendiesen auf den 20. Januar fest. So begann heute vor vier Jahren die Präsidentschaft von Donald Trump. Am heutigen 20. Januar 2021 legt Joe Biden den Amtseid als US-Präsident ab.

Nun ist es höchste Zeit, um vom Trump-Zug abzuspringen
und wieder nach vorne zu schauen.

Ein Blick über den Tellerrand hinaus:

Nach vorne schauen

Die Lebensschutzbewegung in den USA nach Donald Trump

Am 16. Dezember war US-Vizepräsident Mike Pence Gastgeber einer Veranstaltung im Weißen Haus mit dem Titel „Das Leben siegt: Wir feiern vier Jahre Erfolge für den Lebensschutz“, um über eine außerordentlich erfolgreiche Amtszeit des Präsidenten für die pro-life-Bewegung zu reflektieren. Vertreter von mehr als zwanzig pro-life-Gruppen waren anwesend, zusammen mit vielen Trump-Funktionären. Pence legte die Lebensschutzpolitik dar, welche die Regierung erfolgreich umgesetzt hat, und versprach den Anwesenden, dass sein eigenes Eintreten für das Leben gerade erst beginnt. „Sie haben sich in den letzten vier Jahren für das Leben eingesetzt, und ich verspreche Ihnen, dass wir niemals aufhören werden, für das Recht auf Leben zu kämpfen“, erklärte Pence mit Leidenschaft. „In den kommenden Monaten und Jahren werden wir sehen, wie die Heiligkeit des Lebens wieder in den Mittelpunkt des amerikanischen Rechts gerückt wird.“

Diese Errungenschaften, die von eben jenen Anführern der pro-life-Bewegung und den Funktionären der Trump-Regierung hervorgebracht wurden, die sich versammelt hatten, um Bilanz zu ziehen, sind beeindruckend. Drei Richter des Obersten Gerichtshofs; mehr als 220 konservative Ernennungen von Bundesrichtern; beispiellose Kürzungen bei der Finanzierung der Abtreibungsindustrie; beispielloser Zugang zur Regierung für Anführer der pro-life-Bewegung. Eine Reihe von hochrangigen Vertretern, einschließlich des Präsidenten selbst, kamen zum Marsch für das Leben, um die lebensrettende Arbeit der Bewegung zu würdigen. Viele Anführer der pro-life-Bewegung setzten darauf, dass eine transaktionale Beziehung mit einem Präsidenten, der bereit ist, mit ihnen Geschäfte zu machen, Früchte tragen würde. Sie erreichten mehr, als sie sich hätten vorstellen können.

„Pence war die treibende Kraft“

Aber während Trump von Pence immer wieder als „der lebensschutzfreundlichste Präsident in der amerikanischen Geschichte“ bezeichnet wird, ist der Vizepräsident viel zu bescheiden. Pence selbst war die treibende Kraft hinter der pro-life-Politik der Trump-Regierung, und er und andere pro-life-Getreue in der Mannschaft von Trump nutzten eine weitgehend chaotische Präsidentschaft, um eine enorm viel für den Kampf gegen die Abtreibung zu erreichen. Trump war glücklicherweise bereit, ein Wegbereiter zu sein. Aber warum war dieser Präsident bereit, die Agenda der Lebensschutzbewegung anzuerkennen und ihr mehr Priorität einzuräumen als frühere Präsidenten der Republikaner – sogar mehr als Ronald Reagan oder George W. Bush?

Es gibt einen wichtigen Hintergrund, der häufig übersehen wird. Trump war der erste Kandidat der Republikaner, der keine festgelegte eigene Agenda hatte, die über Parolen hinausging. Im Gegensatz zu anderen Präsidenten kam er nicht mit einer Wunschliste von Maßnahmen, die er durchsetzen wollte, nach Washington. Weit davon entfernt, von seinem Vermächtnis besessen zu sein, war Trump offenbar fassungslos, dass er das Amt überhaupt gewonnen hatte. Als das geschah, griff er auf die Menschen um ihn herum zurück – Männer wie Pence, die ihm das Vertrauen der Lebensschutzbewegung gesichert hatten. Trump zog nicht mit einem Trump-Plan ins Weiße Haus ein, sondern mit einer Schar von Leuten, die entschlossen waren, seine Präsidentschaft zu nutzen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Viele von ihnen waren pro-life. Sie haben in großem Stil geliefert.

Trump wollte „Anschein von Anstand“ vermitteln.

Waren es Trumps Überzeugungen, die der Lebensschutzbewegung zum Erfolg verhalfen, oder waren es die Überzeugungen und Prioritäten der Menschen um ihn herum? Wenn auch nur ein Bruchteil der Berichte und Insider-Aussagen aus seiner Amtszeit zutreffen, scheint es außerordentlich unwahrscheinlich, dass Trump selbst die Absicht hatte, seine Amtszeit zu nutzen, um Siege für die Lebensschutzbewegung zu erzielen. Laut Bob Woodward war es Steve Bannon, der Trump sagte, er müsse sich für den Lebensschutz einsetzen, um die Präsidentschaftsvorwahlen der Republikaner überhaupt zu gewinnen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass gute Menschen Trumps Präsidentschaft genutzt haben, um pro-life-Politik durchzusetzen – nicht in erster Linie, weil Trump „der lebensschutzfreundlichste Präsident“ war, sondern weil Männer wie Pence die Gelegenheit mit beispiellosem Spielraum von oben genutzt haben.

Möglicherweise ist auch ein anderes, grundlegenderes Missverständnis im Spiel. Vor Trump war der Einsatz für den Lebensschutz in der Regel Teil einer allgemeinen familienfreundlichen Haltung, die zumindest den Anschein von Anstand vermittelte. Es stimmt, es gab eine Menge Heuchler auf diesem Weg – Politiker, die behaupteten, für das Leben zu sein, während sie Abtreibungen vornehmen ließen, wenn ihre Liebhaberinnen oder ihre Töchter schwanger wurden. Es hat auch viele Bekehrte gegeben – Menschen, die einst so hedonistisch waren wie Trump, aber schließlich umkehrten oder zum Glauben fanden. So drehte sich die Debatte um die Aufrichtigkeit von Trumps Überzeugungen im Allgemeinen darum, ob er tatsächlich gegen Abtreibung war. Wenn er wirklich für den Lebensschutz eintrat, so die Vermutung, war dies der Beweis dafür, dass wir ihn „falsch verstanden“ hatten und er ein neuer Mensch war.

Skandale in Abtreibungsindustrie

Als sich die Beweise häuften, dass Trump zumindest eine persönliche Abneigung gegen Abtreibung hatte – vier Leute, die mit ihm persönlich gesprochen haben, versicherten mir, dass seine Position gegen Abtreibung echt sei –, kamen viele zu dem Schluss, dass Trump ein Bekehrter sei. Bekehrte sind in der Lebensschutzbewegung keine Seltenheit, und viele Anführung dieser Bewegung, die einst Abtreibungsbefürworter waren oder zuvor ein hedonistisches Leben führten, sahen keinen Grund zu glauben, dass Trump nicht den gleichen Weg eingeschlagen hatte. Als die Trump-Regierung eine politische Maßnahme für den Lebensschutz nach der anderen vorlegte, wurden viele zu wahren Gläubigen und begannen, seine offensichtlichen Charakterschwächen und seinen Narzissmus zu übersehen oder zu verteidigen. Verhaltensweisen, die bei keinem anderen Präsidenten akzeptabel gewesen wären, wurden ignoriert.

Die Wahrheit ist, dass Trump gegen die Abtreibung zu sein scheint, während er bei fast allen anderen Themen unverändert geblieben ist. Im letzten halben Jahrzehnt wurde die Abtreibungsindustrie durch eine Reihe von spektakulären Skandalen erschüttert: Die Enthüllung, dass abgetriebene Kinder zwecks Verkauf von Körperteilen ausgebeutet wurden; Abtreibungsüberlebende, die lebend geboren und dem Tod überlassen wurden; demokratische Politiker wie Ralph Northam, die den Mord an bereits geborenen Kindern verteidigten. (Marjorie Dannenfelser von der [Lebensschutzorganisation] Susan B. Anthony List sagte mir, dass Trump über Northams Äußerungen ehrlich entsetzt war). Aufgrund der unermüdlichen Arbeit der Lebensschutzbewegung und des wachsenden Abtreibungsextremismus der Demokraten war es für einen Politiker noch nie so einfach, pro-life zu sein.

„Man kann Pro-Life sein – und ein furchtbarer Mensch“

Kurz gesagt: Politiker können wirklich pro-life sein und furchtbare Menschen bleiben. So scheint es bei Trump der Fall zu sein. Sich gegen die Praxis zu stellen, „die Babys direkt aus dem Mutterleib zu reißen“, wie Trump es ausdrückte, ist einfach nur grundlegender menschlicher Anstand. Die Tatsache, dass die gruseligen Demokraten dies nicht herausfinden können, macht Trump nicht zu einem guten Mann – oder einem guten Präsidenten.

Da nun die Trump-Präsidentschaft in einem Wirrwarr von Verschwörungstheorien, Paranoia und beispielloser Realitätsverweigerung endet, ist es wichtig, dass pro-life-Aktivisten und Konservative klar im Auge behalten, was die Trump-Regierung repräsentierte. Es war eine Gelegenheit, Politik zu machen, und sie erwies sich als weitaus fruchtbarer, als die meisten vermuteten. Aber Trump selbst ist genau der Mann, für den ihn die meisten im Jahr 2016 gehalten haben. In den vergangenen vier Jahren sahen einige die sozialkonservative Politik, die aus seiner Regierung hervorging, und dachten: Vielleicht ist der Charakter doch keine Zielbestimmung. Die letzten vier Wochen haben jedoch einmal mehr bewiesen, dass dem doch so ist. Der Trump-Zug ist entgleist, wenn pro-Trump-Anwalt Lin Wood vorschlägt, dass Pence (zusammen mit vielen anderen hochrangingen Republikanern) verhaftet werden sollte, wegen Hochverrats angeklagt, und durch ein Erschießungskommando getötet. Derartiger beispiellosen Irrsinn nimmt fast stündlich zu.

Die beste Zeit, um vom Trump-Zug abzuspringen, war schon vor einiger Zeit. Die zweitbeste Zeit, dies zu tun, ist jetzt.

Von Jonathon Van Maren, er ist pro-life-Aktivist, Kommunikationsdirektor bei der Lebensschutzorganisation Canadian Centre for Bio-Ethical Reform und Publizist.

In Deutsch erschienen am 17. Januar 2021 bei CNAdeutsch

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CORONA-Impfung – Verwendung von Zelllinien, die von abgetriebenen Föten stammen

Moraltheologisches Urteil nach den festgelegten Prinzipien

Da einige der vorgeschlagenen Impfstoffe nicht mittels fetaler, aus Abtreibungen stam-menden Zelllinien hergestellt wurden, stellen sie unter diesem Gesichtspunkt keinerlei moralisches Problem der Anwendung dar. Sie sollten daher anderen vorgezogen werden.

Diejenigen Impfstoffe, bei deren Herstellung sittlich problematisches Präparat verwendet wurde, sollten so weit wie möglich außen vor bleiben.

Was aber, wenn sich eine Person in einem bestimmten Fall in der Notwendigkeit sieht, sich impfen zu lassen, und keinen Impfstoff erhalten kann, dessen Herstellung auf die Verwendung fetaler Zelllinien verzichtet hat? Dies kann aus gesundheitlichen Gründen (gefährdete ältere Menschen) der Fall sein oder wegen der beruflichen Situation (exponiertes medizinisches Personal) oder aus beruflichen Gründen, wie z.B. bei Flugreisen, da es bereits mindestens eine Fluggesellschaft – in diesem Fall Qantas – gibt, die angekündigt hat, für die Aufnahme eines Fluggastes eine Impfung zu verlangen, sobald die Impfstoffe verfügbar sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Forderung bald von vielen Fluggesellschaften aufgegriffen wird.

Da eine Mitwirkung mit der Sünde nur sehr entfernt und der angeführte Grund hinreichend schwerwiegend ist, ist es in diesen Fällen möglich, einen solchen Impfstoff einzusetzen. Es bleibt die Aufgabe eines jeden Einzelnen, Rat einzuholen und zu beurteilen, ob dies wirklich notwendig ist.

Es muss verdeutlicht werden, dass wir uns hier im Bereich eines Urteils der Klugheit befinden, das nicht für alle und in allen Fällen einheitlich sein kann. Die Moraltheologie sagt, was erlaubt und was verboten ist. Sie gibt die Grundsätze vor. Aber es liegt an der persönlichen Klugheit, deren Anwendung von Fall zu Fall zu beurteilen.

Was die Elemente außerhalb dieser Frage [der Rechtmäßigkeit je nach Herkunft und Zube-reitung des Impfstoffs] betrifft, so gehören sie in den Bereich der persönlichen Meinung. Weil die Richtigkeit einer persönlichen Meinung nicht absolut bewiesen werden kann, ist es wie bei jeder Meinung sinnlos und unmöglich, sie allen aufzwingen zu wollen. Es steht jedem frei, seine Meinung zu haben über die Herkunft von Covid-19, über die Art und Weise, wie damit umgegangen wird, über die Impfpolitik dieses oder jenes Landes, über Impfungen im Allgemeinen; aber all diese Elemente ändern nichts an der hier gegebenen moraltheologischen Schlussfolgerung.

Lesen Sie mehr darüber:

Ist der Impfstoff gegen Covid-19
moralisch unbedenklich?

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Ist der Impfstoff gegen Covid-19 moralisch unbedenklich

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UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 14 / 28

Sie ist Gebärende,
deren Mutterleib nie unfruchtbar ist.
Wer an Unfruchtbarkeit leidet, gehe zu ihr,
er wird geliebte Kinder empfangen.
Sie ist Pförtnerin an der Tür des Schöpfers.

Noch jeder, über den dieser ein Urteil sprach, konnte zu ihr treten und sie bitten, und sie ging hinein und erwirkte seinen Freispruch. In ihren Händen liegt das Träufeln des Himmels.

Wenn dem Land Regen fehlte, und es bei ihr Hilfe suchte, würde sie sie öffnen und es tränken.

Sie geht neben dem Todesengel des Lagers (2 Kön 19,35):
Wann immer die Menschen zu ihr schrien,
träte sie hinzu und hielte ihn zurück.

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
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Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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Abtei Le Barroux – klar und eiskalt

Am 22. August 1970, als manche dachten, der allgemeine Niedergang des Ordenslebens hätte seinen Höhepunkt erreicht, verließ ein Benediktinerpater mit dem Einverständnis seines Abtes sein Kloster um sich in der Einsamkeit des verfallenen Dorfes Bédoin (Diözese Avignon) niederzulassen. Die Kapelle der hl. Magdalena wurde zunächst die Bleibe von Pater (Dom) Gérard Calvet, der damals noch Benediktinermönch der Abtei von Tournay, einer Tochtergründung der Abtei von En Calcat, war.

Innerhalb kurzer Zeit schlossen sich ihm mehrere Gott-suchende Männer an, um ein gemeinsames Mönchsleben zu führen. Als die Gruppe nach acht Jahren aus 12 Mönchen bestand gründeten sie ein Kloster. Da immer mehr junge Männer um Aufnahme baten, entschloss sich Dom Gérard Calvet in der Gemeinde Le Barroux, nicht weit von Bédoin entfernt und am Fuße des Mont Ventoux gelegen, ein Kloster zu bauen.

Es entstand die heute berühmte und große Abtei „Sainte-Madeleine du Barroux“, in der ganz nach der traditionellen Weise das monastisch-benediktinische Leben, als auch die traditionelle lateinische Liturgie beobachtet werden.

Le Barroux, Dép. Vaucluse, Reg. Provence-Alpes-Côte d’Azur

Die Mönche verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit der Arbeit ihrer Hände. Dazu gehört auch die Arbeit im Weinberg. In den vergangenen Tagen herrschte ein eisiges Klima, bei dem die hier zu sehenden Aufnahmen entstanden sind.

Abtei Le Barroux

https://www.youtube.com/watch?v=N1Dhit-wf1M

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Arshaluys Mardigian und der Völkermord an den Armeniern

„Meine Seele sterben lassen, damit mein Körper weiterleben kann“
Der Zeitzeugenbericht vom Völkermord an den Armeniern 1915/16.

Im Alter von 17 Jahren schreibt die junge armenische Frau Arshaluys Mardigian in den USA ihre Kindheitserinnerungen auf: eindringlich und schonungslos. Es ist erstaunlich, dass ihre Geschichte erst jetzt zum ersten Mal in deutscher Sprache veröffentlicht worden ist.

Kurzer geschichtlicher Überblick

Armenien gilt als erstes christliches Land. Trdat III. (lat. Tridates; auch: der Große) war König von Armenien. Er wird als Heiliger und Gründer der armenischen Kirche verehrt, da er 301 das Christentum zur Staatsreligion Armeniens machte. Armenien wurde so das erste Land in der Geschichte, in dem die christliche Religion zur Staatsreligion wurde.

Gegen Ende der Epoche der Antike wurde Armenien zu einem Hauptkampfgebiet zwischen Byzanz und dem persischen Reich. Das Land im Kaukasus blieb Jahrhunderte ein umkämpftes Gebiet. Später wurde es Bestandteil des Osmanischen Reiches.

Mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches zu Beginn des 19. Jahrhunderts geriet Armenien immer mehr unter den Einfluss Russlands. Insbesondere durch die Russisch-Türkischen Kriege wurden immer größere Teile Armeniens unter russische Herrschaft gebracht.

Unter Mustafa Kemal Atatürk und der 1908 an die Macht gelangten nationalistischen jungtürkische Bewegung um Talaat Pascha begann 1915 eine Verhaftungswelle und die Deportation von armenischer Intellektuellen in Istanbul. Dies war der Auftakt zu einem der schwärzesten Kapitel dieser beiden Länder: dem armenischen Völkermord.

Dieser Völkermord stand im Zusammenhang mit dem Unabhängigkeitskampf der Armenier und ereignete sich in der Zeit zwischen 1915 und 1917. Bei Massakern und infolge der Todesmärsche kamen in dieser Zeit zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Armenier ums Leben.

Die Armenier betrachten diesen Völkermord bis heute als ungesühntes Unrecht. Doch die offizielle türkische Politik will davon nichts wissen. Sie verteidigt weiterhin ihre damaligen Verbrechen als durch den Krieg hervorgerufenen Sicherheitsmaßnahmen, die unvermeidlich waren. 1920 teilten sich die Türkei und die spätere UdSSR Armenien unter sich auf.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde Armenien 1991 unabhängig. Bis heute befindet sich das Land im politischen Konflikt mit Aserbaidschan und der Türkei.

Arshaluys Mardigian

Arshaluys Mardigian wurde am 12. Januar 1901 in einer Kleinstadt Westarmeniens geboren. Ihr Elternhaus war wohlhabend, besaß Ländereien und konnte den Kindern eine gute Schulbildung sicherstellen. Die 14-jährige Arshaluys hatte gerade die Möglichkeit, zu einem amerikanischen Schule in einer nahegelegenen Stadt überzuwechseln. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

Am Ostersonntag 1915 begannen Jungtürken damit, Massaker an den Armeniern auszuüben. So verlor Arshaluys ihren Vater und ihren Bruder. Am 14. Juni begannen die endlosen Todesmärsche der Vertriebenen, darunter fünf Geschwister, die Mutter und zwei Tanten.

Arshaluys wurde Zeugin unvorstellbarer Verbrechen an Erwachsenen und Kindern. Auch sie selbst wurde zum Opfer. Sie wurde dreimal geraubt und verkauft. Sie konnte fliehen und irrte länger als ein Jahr durch die Steppen der Provinz. Dabei verdingt sie sich bei kurdischen Bauern als Arbeitskraft, damit sie etwas zum Essen und Kleidung bekommt.

„Im Frühling 1917 begegnete sie auf ihrem Weg nach Norden unendlich langen Flüchtlingskonvois der aus den Balkanländern vertriebenen Türken. Sie erreichte Erzindjan, wo sie in der armenischen Kirche auf andere armenische Flüchtlinge stieß, und gelangte schließlich in das von den russischen Truppen bereits im Februar 1916 eroberte Erzurum, wo sie sich in der Amerikanischen Mission erholen konnte.“

Sie lernt einen russischen General kennen, der ihr weiterhilft. Bei einem kanadischen Arzt und Missionar kümmerte sie sich um Waisenkinder und um Armenierinnen, die aus Harems oder türkischen Familien befreit worden waren.

Arshaluys entschließt sich, in die USA zu gehen, um öffentlich als Zeugin des Völkermords auszusagen. Außerdem möchte sie Spenden für die Waisen und Überlebenden in Armenien und Syrien sammeln.

Mit Hilfe von Russen und Amerikanern kommt Arshaluys über Tiflis nach Sankt Petersburg. Es sind nur wenige Tage bis zum Ausbruch der Oktoberrevolution 1917. Sie wird Zeugin von Straßenkämpfen und Hungersnot.

In der amerikanischen Botschaft bekommt sie Hilfe, neue Ausweise und die Möglichkeit, mit einem Schiff nach Oslo und von dort weiter nach Halifax in Kanada zu gelangen. Am 5. November 1917 kommt Arshaluys schließlich in New York an, wo sie von einer amerikanisch-armenischen Familie aufgenommen wird.

Es beginnt eine zweite abenteuerliche Geschichte. Doch Arshaluys ist daran gelegen, als Zeitzeugin des Völkermordes an ihrem armenischen Volk aufzutreten. Sie beginnt damit, diese Geschichte zu erzählen.

Schon 1918 erscheint unter ihrem amerikanischen Namen das Buch: „Ravished Armenia: The Story of Aurora Mardiganian, the Christian Girl, Who Survived the Great Massacres“. Dieses Buch widmet sie „allen Müttern und Vätern hier in den Vereinigten Staaten, die eine Tochter im Glauben an Gott erzogen haben„.

Sie schreibt: „Ich habe mitangesehen, wie meine Mutter, bevor man ihre Leiche achtlos in die Wüste warf, ihren Geist aushauchte, weil sie mich gelehrt hatte, dass Jesus Christus mein Erlöser ist. Ich musste erleben, dass mein Vater gewaltsam starb, weil er mir, seinem kleinen Mädchen, empfahl: ‚Vertraue auf den Herrn, sein Wille geschehe.‘ Ich erlebte, wie Tausende und Abertausende von ihren Müttern zärtlich geliebte Töchter durch die Peitsche, das Messer oder unter den Qualen von Hunger und Durst sterben mussten oder in die Sklaverei gezwungen wurden, weil sie in Christus ihren König sahen und dem Christentum treu bleiben wollten. Gott hat mich gerettet, damit ich im Namen aller überlebenden Angehörigen meines Volkes eine Botschaft nach Amerika bringen konnte, und jeder Vater, jede Mutter wird spüren, dass alles, wovon ich auf den kommenden Seiten Zeugnis ablege, aus tiefer Überzeugung und Dankbarkeit dem gegenüber, der mich gerettet hat, berichtet wurde.“

Der Titel des vorliegenden Buches „… meine Seele sterben lassen, damit mein Körper weiterleben kann“ ist einer Begebenheit aus Arshaluys Erzählungen entnommen. Sie befand sich mit 24 anderen Mädchen im „Besitz“ eines alten Mohammedaners und dessen Söhnen. Diese wollten sie zwingen ihrem Glauben abzuschwören sowie sich ihnen hinzugeben. Dabei kam Arshaluys ihre Mutter in den Sinn, die sie noch lebend vermutete. Wenn sie leben würde und bei ihr wäre, würde sie sie fragen, „ob sie es für ratsam hielte, wenn ich meine Religion aufgäbe, um mein Leben zu retten“. „Wenn sie dann sagte, es sei richtig, und mir auf Dauer tröstend zur Seite stünde, dann würde ich meine Seele sterben lassen, damit mein und ihr Körper weiterleben könnten.“ Diese Geschichte geht, wie so viele, weiter – tragisch –, und der Leser wird verstehen.

Es ist wenig erstaunlich, dass die unfassbaren Erlebnisse und Beschreibungen des Mädchens aus Armenien das Interesse der sich im Aufschwung befindenden Filmindustrie von Hollywood auf sich ziehen. Der Genozid an den Armeniern wird zwar thematisiert, aber auch kommerzialisiert, und 1919 in dem Stummfilm „Ravished Armenia“ (auch „Auction of Souls“) sogar eine Schauspielerin aus Arshaluys Mardigian gemacht. Zwar werden auf diese Weise die geschichtlichen Ereignisse erstmals bekannt gemacht, aber gleichzeitig nach Hollywood-Art auch dramatisch überhöht. So ist etwa eine Filmszene, in der gekreuzigte Frauen gezeigt werden, bloß eine Inszenierung des Filmregisseurs. Doch die Beschreibungen in unserem Buch überbieten die Grausamkeiten bei weitem.

Um der deutschen Ausgabe des Buches noch mehr Gewicht zu verleihen, beinhaltet es neben der vorzüglichen Übersetzung von Walburga Seul auch eine historische Einordnung, die aus heutiger Sicht auf den Genozid von Tessa Hofmann vorgenommen wurde.

Arshaluys Mardigian lebte zuletzt in Los Angeles, wo sie am 3. Januar 1994 in einem Altenpflegeheim verstarb. Ihr Körper wurde verbrannt und in einem Gruppengrab anonym beerdigt. Die Grabstätte war nur versehen mit der Jahresangabe 1994.

Zuerst veröffentlicht bei CNAdeutsch


Arshaluys Mardigian
… meine Seele sterben lassen, damit mein Körper weiterleben kann.
Ein Zeitzeugenbericht vom Völkermord an den Armeniern 1915/16
Zu Klampen Verlag 2020
220 Seiten; 24 Euro
ISBN: 978-3866746084

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Hl. Paulus, erster Einsiedler – 15. Januar

Paulus von Theben, ca. 228-341, lebte in Ägypten und gilt als erster christlicher Einsiedler.

Paulus, der Stifter und Lehrmeister der Einsiedler, wurde in der unteren Thebais geboren. Als er 15 Jahre alt war, verlor er seine Eltern. Um der Verfolgung des Dezius und Valerian zu entgehen und um Gott ungestörter dienen zu können, zog er sich in eine Höhle in der Wüste zurück. Eine Palme spendete ihm dort Nahrung und Kleidung; so lebte er bis zu seinem 113. Lebensjahr. Da wurde er auf Gottes Geheiß vom 90jährigen Antonius besucht.Obgleich sie sich vorher nie gekannt, begrüßten sie sich dennoch gegenseitig mit dem eigenen Namen und unterhielten sich lange über das reich Gottes. Der Rabe, der vorher dem Paulus stets ein halbes Brot gebracht hatte, brachte an diesem Tage ein ganzes.

Als der Rabe wieder weggeflogen war, sprach Paulus: Schau, der Herr hat uns ein Mittagsmahl geschickt; er ist doch wirklich gut und gnädig. Nun sind es schon 60 Jahre, daß ich täglich ein halbes Brot bekomme; heute, weil du da bist, hat Christus seinen Streitern die doppelte Portion geschickt. Sie aßen also unter Danksagung an einer Quelle ihr Brot. Als sie sich etwas gestärkt hatten, dankten sie dem Herrn von neuem, wie sie es gewohnt waren; auch die ganze Nacht verwandten si zum Lobe Gottes. Am nächsten Morgen teilte Paulus dem Antonius mit, daß sein Tod nahe bevorstehe, und bat ihn, er möge ihm den Mantel holen, den er von Athanasius empfangen hatte, und seinen Leichnam darin einwickeln. Auf dem Rückwege sah dieser die Seele des Paulus, umgeben von den Scharen der Engel, der Propheten und Apostel, gen Himmel eilen.

Als er in die Höhle des Heiligen kam, fand er den entseelten Leichnam mit erhobenem Haupte und ausgebreiteten Händen daknien. Er hüllte ihn in den Mantel und sang die bei der Bestattung von Christen üblichen Hymnen und Psalmen. Aber er hatte keinen Spaten, um ein Grab zu schaufeln. Da kamen aus dem Innern der Wüste zwei Löwen herbeigesprungen, die sich bei der Leiche des seligen Greises niedersetzten und, so gut sie konnten, Klage hielten, so, daß man es leicht verstehen konnte. dann wühlten sie wie im Wettstreite mit ihren Krallen die Erde auf und machten sso eine Grube, die bequem die Leiche aufnehmen konnte. Dann verschwanden sie wieder. Antonius legte nun den heiligen Leichnam in dieses Grab, warf Erde darauf und errichtete nach christlicher Sitte einen Grabhügel. den Mantel des Paulus aber, den dieser sich nach Art eines Korbes aus Palmblättern verfertigt hatte, nahm er mit und legte ihn an den Hochfesten Ostern und Pfingsten jedesmal an, solange er lebte.

(Aus dem Brevier)

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Alle Klöster –

… der Benediktiner-Kongregation von
Sankt Ottilien

Die Missionsbenediktiner wurden 1884 in Bayern gegründet. Seitdem haben sie sich vom Mutterkloster Sankt Ottilien aus weltweit verbreitet. Kurzporträts mit zahlreichen Abbildungen und Karten stellen die 52 Häuser des Klosterverbandes vor.

Ansgar Stüfe
Missionsbenediktiner.
Ein Klosterführer durch vier Kontinente
2. vollständig überarbeitete Auflage
Verlag EOS-St.Ottilien 2020
120 Seiten; 9,95 Euro
mit vielen farbigen Abbildungen und Plänen
ISBN: 978-3830680031

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Taufe unseres Herrn Jesus Christus

Laßt uns die Taufe Christi
für nichts anderes ansehen
als für eine Verwirklichung
des Todes Christi
und den Tod des gekreuzigten Christus
für nichts anderes als für die Verwirklichung
der Nachlassung der Sünde, so daß,
wie in Ihm der Tod wahrhaft geschehen ist,
in uns wahrhaft die Nachlassung der Sünden;
und wie in Ihm wahrhaft die Auferstehung ist,
in uns wahrhaft Gerechtmachung.

Hl. Anselm von Canterbury

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