Ein Priester schreibt an seine Kirchenbesucher

Jede hl. Messe ist ja ein Akt der Gottesverehrung von unendlichem Wert, und daran sollen natürlich möglichst viele Gläubige teilnehmen.

Wie Sie wissen, ist es keine Übertreibung, wenn wir vom unendlichen Wert des Meßopfers sprechen, denn in der hl. Messe findet die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfes statt – das unendlichen Wert hat.

Darüberhinaus haben Sie – wenn Sie entsprechend darauf vorbereitet sind – bei der hl. Messe die Gelegenheit, in der hl. Kommunion denjenigen in Ihr Herz aufzunehmen, der Sie mehr liebt als selbst der liebste, Ihnen am nächsten stehende Mensch.

Was für ein Trost in einer Zeit, in der wir oftmals auf die Begegnung mit unseren Verwandten, Freunden und uns sonst Nahestehenden verzichten müssen! Wenn wir (gut vorbereitet) kommunizieren, dann ist die hl. Kommunion die Seelenspeise, die uns im tiefen Dunkel der Zeit aufrechterthalten wird auf unserem Lebensweg, der ja ein Weg zu Gott sein soll – denn für nichts anderes sind wir auf Erden, als Gott zu erkennen, ihm zu dienen, ihn zu lieben und einmal in seiner Anschauung im Himmel ewig glücklich zu sein.

+

Einige praktische Hinweise für die hl. Fasten- und Osterzeit.

Die Zeit für eine gute, reumütige Osterbeichte und den würdigen Empfang der Osterkommunion ist vom Aschermittwoch bis Pfingstsonntag. Natürlich kann es sein, daß jemand unter den gegenwärtigen Umständen auch beim besten Willen nicht in der Lage ist, auf diese Weise „seine Ostern zu halten“, wie man sagt. Natürlich ist man nicht zu Unmöglichem verpflichtet: „Ad impossibilia nemo tenetur“ – zu Unmöglichem kann keiner verpflichtet werden.

Man muß aber die Osterkommunion dann nachholen, sobald man dazu in der Lage ist.

Am Aschermittwoch (ebenso am Karfreitag) ist streng verpflichtender Fasten- und Abstinenztag. Nur zur Abstinenz (d.h. Enthaltung von Fleischspeisen) sind alle verpflichtet, die das 14. Lebensjahr vollendet haben; zu Fasten und Abstinenz (d.h. nur eine volle Sättigung, morgens und abends höchstens eine kleine Stärkung und Enthaltung von Fleischspeisen) sind alle gehalten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Ab dem Beginn des 60. Lebensjahres ist man wieder nur zur Abstinenz verpflichtet.

Es sei daran erinnert, daß alle Gläubigen kraft göttlichen Gebotes verpflichtet sind, auf je eigene Weise Buße zu tun. Zu solchen Werken der Buße gehört aber – nach Maßgabe der Möglichkeiten – auch das Fasten. Es wäre falsch, zu meinen, man genüge der Pflicht zum Fasten damit, daß man nur am Aschermittwoch und am Karfreitag fastet. Zwar ist damit das betreffende kanonische Gebot erfüllt, daß die hl. Kirche aus weisen Gründen in unseren Zeiten sehr mild gefaßt hat (sicher auch, um Gewissensskrupel der Gläubigen zu vermeiden). Dabei ist jedoch immer im Gedächtnis zu behalten, daß der Mensch, wie der z.B. hl. Thomas von Aquin sagt, (schon naturrechtlich) verpflichtet ist, sich in allen guten Werken zu üben, und dazu gehört auch das Fasten.

Man kann sich aber unmöglich in irgendein gutes Werk (ein-) üben, wenn man es nur zweimal pro Jahr praktiziert. Es ist in diesem Sinne nachdrücklich zu empfehlen, wenn möglich an den Werktagen der Fastenzeit gemäß der alten Bußordnung nur eine volle Mahlzeit einzunehmen, sofern es die Gesundheit und die jeweiligen besonderen Lebensumstände erlauben.

Nehmen wir die Fastenzeit sehr ernst, es ist eine Zeit, in der Gott uns mit reichen Gnaden beschenken will. Öffnen wir Ihm dazu unsere Herzen durch aufrichtige Werke der Buße. Tun wir dies im Geiste der hl. Büßerin Magdalena, von der unser Heiland sagte:
Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat.“ (Lk 7, 47)

– Name und Anschrift des Priesters sind tu domine bekannt. –

DIE BIBEL IN BILDERN Julius Schnorr von Carolsfeld

+