Gehen wir in ein Trappistenkloster um zu lernen

Alle Vorschriften, die wir mit Freude annehmen, wenn wir hierher kommen – der mit unbedingter Regelmäßigkeit ablaufende Stundenplan, das Fehlen jeglicher Freiheit im Gebrauch unserer Zeit, der Schlaf ohne Bequemlichkeit und das Aufstehen in der Morgenfrühe, die Praxis der Bußübungen und des Fastens, die Arbeit und das Schweigen -, sind in keiner Weise, wie man sich allzuoft vorstellt und wie eine gewisse Literatur gelegentlich den Eindruck erwecken könnte, willkürliche Schikanen oder ein ausgeklügelter Masochismus, der uns den Weg zu einem widernatürlichen Mystizismus öffnen soll.

Die Wahrheit ist viel einfacher und viel menschlicher.

Um Den zu empfangen, den wir zum Ziel unseres Lebens gewählt haben, verhalten wir uns instinktiv wie die Frau, die einen Gast erwartet: alles Ungeordnete, Trübe, Schmutzige aufräumen, hell und sauber machen.

Wir wissen ja, daß sie jeder von uns mit sich herumträgt, die Zwänge, die Komplexe und die Trugbilder, in denen man von jetzt an die einzige Erklärung unseres menschlichen Verhaltens sehen möchte. Und wir wissen, daß wir unser eigenes Opfer werden, wenn wir sie nicht durch die Disziplinierung von Körper und Geist, von Gedanken und Taten beherrschen lernen. Wir würden nicht länger für die Suche nach Gott bereit sein, die doch der Sinn unseres Ordenslebens ist und deren Zeuge Sie für einige Wochen werden wollten. Es ist ganz natürlich, daß der Liebende jede Unruhe, die ihn vom Gegenstand seiner Liebe ablenken könnte, aus seinen Gedanken drängt; es ist ganz natürlich, daß er jede Gelegenheit flieht, wo seine Treue Gefahr laufen würde, sich einer zu harten Prüfung unterziehen zu müssen. Wenn wir die Vorschriften unserer Ordensregel beobachten, tun wir nichts anderes, und wir tun es ebenso natürlich.

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Unsere liebe Frau vom Tal. Nach dem Feuer 1950

Am 21. März 1950, dem Fest des Heiligen Benedikt, wurden die Mönche des Trappistenklosters „Unsere liebe Frau vom Tal“ (USA) von einer Feuersbrunst verwüstet. Nach dem fürchterlichen Brand knieten die Mönche noch einmal vor dem Altar, bevor sie an anderer Stelle ein neues Kloster errichteten.

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