Wohlgefälliger Dienst

Verlegst du dich mit allem Eifer darauf, die ungeordneten Neigungen deines Herzens und auch die kleinste widerspenstige Leidenschaft zu ertöten und zu zertreten, so erweisest du Gott einen größeren und wohlgefälligeren Dienst, als wenn du dich bis aufs Blut geißeln und durch strenge Fasten und Enthaltsamkeit die alten Einsiedler und Mönche übertreffen oder, Tausende von Seelen zu Gott bekehren würdest, dabei aber einige ungeregelte Neigungen freiwillig in dir unterhalten würdest.

Freilich ist die Bekehrung der Seelen an sich Gott lieber als die Bekämpfung irgendeiner Begierde. Nichtsdestoweniger darfst du nicht das wollen und ausführen, was erhabener und vorzüglicher ist, sondern das, was Gott in erster Linie fordert und will. Zweifellos verlangt und wünscht er von dir zuerst, dass du den Kampf aufnimmst und auf die Überwindung deiner Leidenschaften bedacht bist, als dass du bei irgendeiner freiwilligen, ungeordneten Neigung große und erhabene Werke vollbringst.

Christliche Seele! Nun kennst du das Wesen der christlichen Vollkommenheit und weißt, dass du zu ihrer Erlangung einen ununterbrochenen und hartnäckigen Kampf gegen dich beginnen musst; darum ist es auch notwendig, dass du dich mit brauchbaren Waffen versiehst, die in diesem geistlichen Kampfe zum Siege unentbehrlich sind.

Dieselben sind folgende:
Das Misstrauen gegen dich selbst,
das Vertrauen auf Gott,
die Tugendübung und das Gebet.

(Lorenzo Scupoli (1530-1610) – Der geistliche Kampf)

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