Gnade und Tugend

In diesem geistlichen Kampfe ist dir das Misstrauen gegen dich selbst so notwendig, dass du ohne dasselbe – und davon sei fest überzeugt – nicht nur den erwünschten Sieg nicht zu erringen, sondern auch nicht einmal die geringste deiner Leidenschaften zu überwinden imstande bist.

Beherzige das wohl und vergiss es nie!
Infolge unserer verdorbenen Natur sind wir gar leicht geneigt, eine zu hohe Meinung von uns selbst zu haben.

Obwohl wir an sich doch nur ein Nichts sind, reden wir uns ein, wir seien doch etwas, und überschätzen deshalb ohne jeglichen Grund unsere eigenen Kräfte und bauen vermessentlich auf uns selbst.

Dieser Fehler, den wir nur schwer erkennen, missfällt Gott sehr, weil er von uns die aufrichtige Überzeugung von jener untrüglichen Wahrheit wünscht, dass jede Gnade und Tugend von ihm als dem Urquell alles Guten herrührt und dass von uns selbst nicht einmal ein guter Gedanke stammen kann, der ihm wohlgefällig wäre (vgl. 2 Kor 3, 5).

Ebenso ist auch dieses so notwendige Misstrauen gegen uns selbst gleichfalls ein Werk seiner göttlichen Hand, die Gott seinen geliebten Freunden bald mittels heiliger, innerer Erleuchtungen, bald mittels harter Schicksalsschläge, bald in heftigen und fast unüberwindbaren Anfechtungen und bald in anderen, von uns nicht wahrnehmbaren Mitteln zu reichen pflegt.

(Lorenzo Scupoli (1530-1610) – Der geistliche Kampf)

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