Rom und der Antichrist

Heiliger John Henry Newman über den Antichrist:

Die Verknüpfung Roms mit der Herrschaft und den Taten des Antichrist wird uns in den Kontroversen dieser Tage so oft vor Augen geführt, daß es gut sein wird nach allem, was ich bereits über den letzten Feind der Kirche zu sagen Gelegenheit hatte, nun zu betrachten, was die Prophezeiungen der Schrift über Rom sagen; das will ich versuchen, und zwar wie früher unter der Führung der frühen Väter.

Beachten Sie nun, was über Rom gesagt wird in jener Stelle, die der Engel mit den Worten beschließt, die ich soeben zitiert habe, und was wir daraus ableiten dürfen.

Die große Stadt wird beschrieben unter dem Bild eines Weibes, grausam, ausschweifend und gottlos. Es wird beschrieben als geschmückt und gekleidet in allen weltlichen Glanz und alle Köstlichkeit, in Purpur und Scharlach, in Gold und kostbare Steine und Perlen, vergießend und trinkend das Blut der Heiligen, bis es trunken ward von ihm. Überdies wird das Weib genannt mit dem Namen „Das große Babel“, um zu bezeichnen seine Macht, Reichtum, Profanität, Hochmut, Sinnlichkeit und Verfolgungsgeist nach dem Muster jenes frühen Feindes der Kirche.

Ich brauche hier nicht zu betonen, wie all dies wirklich dem Charakter und der Geschichte Roms entsprach zu der Zeit, als der heilige Johannes davon sprach. Es gab nie ein ehrsüchtigeres, hochmütigeres, hartherzigeres und weltlicheres Volk als die Römer; niemals eines (denn kein anderes hatte solche Gelegenheit), das die Kirche so verfolgte. Christen erlitten unter ihren Händen nach der gewöhnlichen Berechnung zehn Verfolgungen, und darunter schauerliche, insgesamt sich ausdehnend über 250 Jahre. Die Zeit würde einem mangeln, wollte man einen Bericht von den Qualen geben, die sie von Rom erlitten, so daß die Beschreibung des Apostels hinterher als Prophezeiung so vollkommen erfüllt wurde, wie sie zu ihrer Zeit als historischer Bericht genau war und stimmte.

Diese schuldige Stadt, vom heiligen Johannes als ein verlorenes Weib dargestellt, soll sitzen auf „einem scharlachfarbenen Tiere, voll von Namen der Lästerung, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern“.

Hier werden wir von der prophetischen Beschreibung zurückverwiesen auf das 7. Kapitel des Buches Daniel, in dem die vier großen Reiche der Welt angedeutet werden unter den Gestalten von vier Tieren, einem Löwen, einem Bären, einem Leoparden und einem namenlosen Ungeheuer, „verschieden“ von den übrigen, „furchtbar und schrecklich und über die Maßen stark“, „und es hatte zehn Hörner“.

Dieses sicherlich ist genau dasselbe Tier, welches der heilige Johannes sah: die zehn Hörner sind seine Kennzeichen. Nun ist aber dieses vierte Tier in Daniels Vision das Römische Imperium. Deshalb ist „das Tier“, auf welchem das Weib saß, das Römische Imperium. Und das stimmt ganz genau zusammen mit der wirklichen Lage in der Geschichte; denn von Rom, der Herrin der Welt, kann man wohl sagen, daß sie sitze auf dieser Welt, die sie unterworfen und gezähmt und zu ihrer Kreatur gemacht habe, und im Triumph sich von ihr tragen lasse.

Weiter erklärt der Prophet Daniel, die zehn Hörner des Tieres seien „zehn Könige, die sich erheben werden“ aus dem Imperium heraus. Damit stimmt der heilige Johannes überein, wenn er sagt: „Die zehn Hörner, welche du gesehen hast, sind zehn Könige, die das Reich noch nicht empfangen haben, aber wie Könige werden sie eine Zeit Macht empfangen mit dem Tier.“ Überdies sagt Daniel in einer früheren Vision, das Imperium sei dazu bestimmt, „geteilt“ zu werden, „zum Teil stark, zum Teil gebrochen“ (Dan 2,49f.).

Weiter noch, dieses Imperium, das Lasttier des Weibes, sollte sich am Ende gegen sie erheben und sie verschlingen, wie ein wildes Tier sich erheben mag gegen seinen Wärter; und es sollte dieses tun in der Zeit seiner geteilten oder vervielfältigten Existenz. „Die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier werden die Hure hassen und sie wüst machen und bloß und werden ihr Fleisch essen und sie mit Feuer verbrennen.

Das sollte das Ende der großen Stadt sein. Schließlich sollten drei der Könige, vielleicht alle, von dem Antichrist unterjocht werden, der plötzlich auftreten soll, während sie noch in Macht sind. Denn so ist der Gang der Prophezeiung Daniels:

Nach denselbigen aber wird ein anderer aufkommen, der wird gar anders sein als die vorigen und wird drei Könige demütigen. Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten verstören und wird sich unterstehen, Zeiten und Gesetze zu ändern. Sie werden aber in seine Hand gegeben werden eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit.

Diese Macht, die über die zehn Könige sich erheben sollte, ist der Antichrist, und ich möchte, daß Sie beachten, wie Rom und der Antichrist in der Prophezeiung einander gegenüberstehen. Rom soll fallen, bevor der Antichrist sich erhebt, denn die Könige haben Rom zu zerstören, und der Antichrist soll dann erscheinen und die zehn Könige ersetzen. Soweit wir nach den Worten zu urteilen wagen, scheint dieses klar zu sein. Erstens, der heilige Johannes sagt:

Die zehn Hörner werden hassen und verzehren“ das Weib; zweitens, Daniel sagt: „Da ich aber die Hörner schaute, siehe, da brach hervor zwischen denselbigen ein anderes, kleines Horn, vor welchem (oder durch welches) drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden.

Jetzt aber wollen wir betrachten, wieweit diese Prophezeiungen erfüllt worden sind und was davon noch nicht erfüllt zu sein scheint…

Lesen Sie das Buch: Der Antichrist

John Henry Kardinal Newman
Der Antichrist nach der Lehre der Väter
Verlagsbuchhandlung Sabat 2019
176 Seiten; 14,95 €
ISBN: 978-3-943506-68-6

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