Welches Vertrauen?

In praktischer Hinsicht bedeute das Motu proprio nach Ansicht von Pater de Tanoüarn, dass neue Zusammenkünfte zur Feier der alten Messe zunächst Sache des Ortsbischofs seien. Außerdem hätten die Institute päpstlichen Rechts, „die geschaffen wurden, um die Blessuren des liturgischen Kampfes der Siebziger zu heilen, nicht mehr das Recht haben, sich irgendwo niederzulassen, neue Strukturen zu gründen und zu wachsen“. Letztendlich gehe es also darum, „diese Gemeinschaften aufzuheben“, indem die Seminare keine Priesteramtskandidaten mehr aufnehmen dürften. Was die derzeitige Hierarchie der Kirche nicht verstehe, so Pater de Tanoüarn, sei „diese Rekrutierung von Priestern im Schoß der Tradition – im Vergleich zu den Seminaristen ‚neuer Art‘“. Da der Papst diese Ausbreitung der altrituellen Gemeinschaften nicht versteht, so de Tanoüarn weiter, „setzt er mit diesem Motu proprio alles aufs Spiel, um sie zu zerschlagen – auf die Gefahr, die Kirche zu schädigen. Offenbar bevorzugt man eine Kirche, die endgültig priesterarm ist, in der man jedoch jegliche Form der Konkurrenz methodisch ausgeschaltet hat“.

Aus: DIE TAGESPOST
(Institut du Bon Pasteur: „Traditionis custodes“ will traditionellen Ritus auslöschen)