Ich bin von Dir abhängig

Du, o mein Gott, hast ein Anrecht auf mich, ich bin ganz Dein. Du bist der allmächtige Schöpfer, und ich bin Dein Werk, das Werk Deiner Hand; Du bist mein Herr. Sowenig sich die Axt oder der Hammer erheben kann gegen den, der sie geformt hat, so wenig kann ich mich aufwer¬fen wider Dich. Du schuldest mir nichts, ich habe Dir gegenüber keine Rechte, sondern nur Pflichten. Mein Leben und Wohlergehen und jede Wonne kommt in jedem Augenblick von Dir. Die Gewalt meines Willens ist für mein Leben so nichtig und machtlos wie Axt und Hammer. Ich bin von Dir mehr abhängig als irgendetwas hier auf Erden von seinem Besitzer oder Meister. Der Sohn steht nicht für die Dauer seines Lebens zu seinem Vater in Abhängigkeit – das Metall, aus dem die Axt geformt wurde, existierte schon vorher – ich aber hänge ganz von Dir ab – ich sterbe, wenn Du mir Deinen Odem nur für einen Augenblick entziehst. Ich bin ganz und gar Dein Eigentum und Dein Werk, und meine einzige Pflicht ist, Dir zu dienen.

(Hl. J. H. Newman)