Die Ehe und die beiden Geschlechter

Die Ehe wird von vielen belächelt, von anderen oberflächlich und abstoßend betrachtet, sogar bekämpft. Wiederum andere ideologisieren sie als politisches Instrument und wollen die „Ehe für alle“. Dabei ist die Ehe ein Sakrament der Christen. Ganz eindeutig war bisher die katholische Lehre über das Ehesakrament. Doch offenbar scheinen maßgebliche Vertreter der Kirche von einer zweitausendjährigen christlichen Tradition abweichen zu wollen.

Im Fahrwasser von Papst Franziskus, der schon zu Beginn seiner Amtszeit in unserem Zusammenhang aussprach: „Wer bin ich, dass ich urteile?“, und damit einer gewissen Beliebigkeit sowohl sexueller Vorlieben eine Tür geöffnet und andererseits bestehende Glaubenswahrheiten in Frage stellt, hat nun auch der von ihm ins Amt gesetzte neu Chef des Päpstlichen Instituts für Ehe- und Familienwissenschaften (Pontificium Institutum Theologicum pro Scientiis de Matrimonio et Familia), Monsignore Philippe Bordeyne etwas gesagt, das nicht der Lehre zu entsprechen scheint. Über das „Mysterium Familie“ gäbe es keine vorgefertigten Antworten mehr; vielmehr gelte diese Parole: „Wir Theologen müssen damit aufhören, Gewissheiten über die Familie zu behaupten, wenn wir die Veränderungen sehen, die jene heute durchläuft.“ Als ob gesellschaftliche Veränderungen die Wahrheit neu definieren müssten.

Weder die Ehescheidung noch die Ehe für alle, noch sonstige denkbare Konstruktionen können die sakramentale christliche Ehe in Frage stellen. Manchmal kann es hilfreich sein, in Glaubensfragen nicht nur auf den Papst, die Bischöfe und Theologen zu hören. Auch ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus kann zu verstehen helfen, was das Mysterium der Ehe ist. Der orthodoxe verheiratete Erzpriester und mehrfache Vater Vasilios E. Vouldakis hatte den Mut, über das Geheimnis von Mann und Frau in der Ehe zu schreiben. Das sehr lesenswerte schmale Bändchen trägt im Deutschen den Titel „Die Ehe und die Psychologie der beiden Geschlechter“. Darin ist sein Ansatz nicht das Dogma, sondern unmittelbar die Heilige Schrift, das Wort Gottes.

Der Autor spricht vom Kampf der Geschlechter, der bereits im Sündenfall ursächlich ist. Die männliche und die weibliche Psychologie werden von daher betrachtet. Und immer wieder betont er, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde als Mann und Frau geschaffen hat, ebenso die menschliche Seele. Er spricht vom „Austausch von Wesenszügen zwischen Mann und Frau“, die zur „Vervollkommnung“ und damit zur „psychischen Gesundheit“ führt. Der „Austausch der Wesenszüge“ müsse zwischen Mann und Frau „im Mysterium der Ehe“ erfolgen. Nach Vasilios E. Vouldakis ist dieser Austausch der „Schlüssel“ ihrer jeweiligen Psychologie.

„Unterwerft euch einander in der Furcht Christi.“ Dieser Appell beseitige „den Irrtum von der Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau“.

„Die gegenseitige Unterwerfung der beiden muss ‚in der Furcht Christi‘ erfolgen, d. h. wir müssen uns absolut bewusst sein, was wir im Begriff sind zu tun und zu welchem Zweck. Andernfalls enden wir in einer kriegerischen Unterwerfung und einer bedingungslosen Kapitulation mit katastrophalen Folgen sowohl für die Psyche jedes einzelnen als auch für die gegenseitige Beziehung von Mann und Frau.“

Dem Autor ist es möglich, sowohl starke Wort zu benutzen als auch die Realität der Ehe im Alltag zu sehen. Es gilt für ihn, was die Kirche durch den Apostel Paulus lehrt: „Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi“ (1 Kor 11,3). Damit betont er, dass „das Haupt des Ehepaares“ „letztlich nicht der Mann“ sei, „wie viele unbedacht folgerten, sondern Jesus Christus“. „Der Mann ist nicht ‚das Haupt der Frau‘ um zu tun, was er sich in den Kopf setzt“, vielmehr trägt er Verantwortung für sie und für die „Wiedervereinigung der aufgespaltenen menschlichen Seele“.

Der Autor lehnt vehement homosexuelle Beziehungen und Geschlechtsumwandlung ab. Für ihn steht fest:

„Nur mit der Hilfe des anderen Geschlechts, mit der wahren Partnerschaft und dem Mysterium der ehelichen Beziehung ist der Mensch imstande, seine Persönlichkeit durch die Ausschöpfung seiner seelischen Gaben und durch die Beseitigung und Heilung der psychischen Mängel und Verletzungen zu vollenden.“

Erzpriesters Vasilios E. Voloudakis
Die Ehe und die Psychologie der beiden Geschlechter
Edition Hagia Sophia
92 Seiten; 9,50 Euro
ISBN: 978-3963210815

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