Erinnerung an Mutter Kirche (3) – Speckpater

Pater Werenfried van Straaten, der sog. Speckpater, schrieb in seiner Zeitschrift „Echo der Liebe“ in der Septembernummer 1971 folgendes:

Liebe Freunde!
(…) In diesen Wochen habe ich viel gebetet für alle Schicksalsgefährten im Schiff Petri, das jetzt nicht weniger ein Spielball der tobenden Wellen ist als in jenem Sturm, da die Apostel in Todesangst ihren schlafenden Meister zur Hilfe riefen.

Tausende unter Euch haben mir schriftlich ihre Angst ausgedrückt vor der Verwirrung, dem Zwiespalt und der Untreue zu Gott, die sich wie die Pest in der Kirche verbreiten. Ich teile Eure Sorge. Der Riß, der das Volk Gottes von der Hierarchie an bis zur Basis teilt, ist eine Kollektivsünde gegen den hl. Geist.

Daraus folgen Uneinigkeit der Geister, Abstumpfung der Gewissen und Verletzungen der Liebe, die dem Heilsplan Gottes direkt widerstreben. Denn Christus hat uns die Herrlichkeit der Kindschaft Gottes gegeben, damit wir vollkommen eins seien, wie Er eins ist mit dem Vater, und damit die Welt erkenne, daß Er vom Vater gesandt wurde.

Wer von den kirchlichen Unruhestiftern kümmert sich um dieses Urziel des Christentums? Das Streben nach der Einheit mit unseren getrennten Brüdern und die Bemühungen, den alten Glauben auf neue Weise zu verkünden, gehen manchmal Hand in Hand mit uferlosen Exzessen, die der Einheit, dem Frieden und der Glaubenstreue zahlloser Katholiken unberechenbaren Schaden zufügen.

Das ist keine Wachstumskrise, sondern Zerfall; kein vielversprechender Frühling, sondern dunkler Herbst, kein Ausschlagen neuen Lebens, sondern massiver Abfall toter Äste und dürrer Ranken, die mit dem göttlichen Weinstock keine Verbindung mehr haben. Das Salz der Erde wird schal. Anstatt die Welt zu durchsäuern mit dem Sauerteig des Evangeliums, läßt das Volk Gottes sich in Gärung bringen vom Sauerteig der Welt, obwohl Christus eindeutig mit dieser Welt gebrochen, als Er sie ausdrücklich aus seinem hohepriesterlichen Gebet ausgeschlossen hat (Joh.17,9).

Unter der Maske der Erneuerung und des „aggiornamento“ wird Christus heimtückisch verraten. Dieser Verrat schreit zum Himmel und setzt das untreue Volk dem Strafgericht Gottes aus.

Als geistlicher Leiter unseres Werkes habe ich mich gefragt, welchen priesterlichen Rat ich Euch in dieser Lage geben soll. Die Antwort las ich in der hl. Schrift:

So spricht der Herr; Bekehret euch zu mir von ganzem Herzen unter Fasten und Weinen.
Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zum Herrn, eurem Gott.
Haltet ein heiliges Fasten, versammelt die Gemeinde.
Lasset das Volk eine Gebetswache halten.
Zwischen Vorhof und Altar sollen die Priester weinen und rufen;
Schone, o Herr, schone deines Volkes und gib dein Erbe nicht der Schmach preis.“ (Joel 2).

Han wird mir vorwerfen, daß ich mit diesem Aufruf die Uhr in der Kirche zurückstelle.

Die Abschaffung kirchlicher Fastenvorschriften bedeutet aber keineswegs, daß Fasten überflüssig ist. Die Ärzte behaupten das Gegenteil. Die Besten unserer getrennten Brüder – so die verfolgten Baptisten und Orthodoxen in der Sowjetunion – fasten streng und häufig. Warum folgen wir nicht ihrem Beispiel?

Ist es nicht sinnlos, über den kirchlichen Zerfall zu klagen, wenn wir selbst nichts dazutun, ihn aufzuhalten?

Wir müssen freiwillig zurückkehren zur Übung des in Schrift und Tradition verankerten Fastens, verbunden mit Gebet und guten Werken. Darum suche ich – der ich es mehr als St. Paulus brauche, daß „ich meinen Leib züchtige und ihn dienstbar mache, damit ich, nachdem ich anderen gepredigt habe, nicht selbst verworfen werde“ – andere Sünder guten Willens, um miteinander zu versuchen;

1. einen Tag in der Woche oder im Monat zu fasten für die Kirche in Not;
2. das dadurch ersparte Geld den Verfolgten zu schenken;
3. täglich die Barmherzigkeit Gottes über den untreuen Westen und über uns selbst herabzuflehen. (…)

Gott segne die vielen oder wenigen, die sich zu dieser Aktion verpflichten wollen, und stärke in Euch allen den Geist der Bußfertigkeit.

Werenfried van Straaten

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