Mein Gott, ich empfinde heftigen Schmerz.

«Ach, um jener Liebe willen, womit du mich am Kreuze geliebt
und dein göttliches Leben für mich aufgeopfert hast,
gib mir Licht und Stärke,
den Versuchungen zu widerstehen
und bei dir Hilfe in meinen Anfechtungen zu suchen!»

Herr, erleuchte mich, damit ich die Ungerechtigkeit erkenne, die ich gegen dich verübte, indem ich dich beleidigte, und die ewige Strafe, welche ich mir dadurch zuzog.
Mein Gott! ich empfinde einen heftigen Schmerz, daß ich dich beleidigte, doch dieser Schmerz tröstet mich; hättest du mich, wie ich es wohl verdiente, in die Hölle verstoßen, so wäre dieser Gewissensbiß die Hölle meiner Hölle; wenn ich bedächte, wegen welcher Kleinigkeit ich mich verdammte; jetzt aber verursacht mir, sage ich, dieser Gewissensbiß Trost, indem er mir Mut gibt, von dir Verzeihung zu hoffen, da du jenem zu verzeihen versprachst, der Reue hat.
Ja, mein Herr, es reuet mich, dich beschimpft zu haben, ich nehme diesen süßen Schmerz an, ja, ich bitte dich sogar, ihn zu vergrößern, und bis zum Tode mir ihn zu lassen, damit ich immer die dir zugefügten Unbilden bitter beweine.
Mein Jesu, vergib mir!
O mein Erlöser! der du, um dich meiner erbarmen zu können, deiner selbst nicht schontest, indem du dich dazu verurteiltest, vor Schmerz zu sterben, um von der Hölle mich zu bewahren, erbarme dich doch meiner!
Mach also, daß der Gewissensbiß über meine Sünden beständig mich quäle, und mich zugleich zur Liebe gegen dich ganz entflamme; der du mich so sehr liebtest, und mit so großer Geduld ertrugst, und nun, anstatt mich zu bestrafen, mich mit Erleuchtungen und Gnaden bereicherst.
Ich danke dir dafür, mein Jesu, und ich liebe dich; ja, ich liebe dich mehr, als mich selbst, ich habe dich von ganzem Herzen lieb.
Du kannst ja jenen nicht verschmähen, der dich liebt.
Ich liebe dich, verstoße mich nicht von deinem Angesichte.
Nimm mich wieder auf in deine Gnade, und lasse mich dich nicht mehr verlieren.
Maria, meine Mutter,
nimm mich zu deinem Diener auf,
und vereinige mich mit Jesu, deinem Sohne.
Bitte ihn, er möchte mir doch verzeihen,
und mir seine Liebe und
die Gnade der Beharrlichkeit
bis ans Ende verleihen.

Hl. Alphons Maria von Liguori. Vorbereitung zum Tod. 28. Betrachtung.

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