Erinnerung an Mutter Kirche (6) – Das Giftgespei des Drachen

In der Hl. Schrift ist öfter vom Speien und Ausspeien und vom Gespei die Rede. Wo die Ausdrücke nicht wörtlich zu verstehen sind wie in Is 28,8 und Jeremias 48,16, werden sie bildlich vorwendet von Irrtum und Unsitte. So heißt es Spr 26,11: Wie der Hund sein Gespei wieder frißt, so ist der Narr, der seine Narrheit wiederholt. Und Is 19,14: Ein Schwindelgeist ist über die Pursten von Zoan ausgegossen, daß sie Ägypten verführen in all ihrem Tun, wie ein Betrunkener taumelt, wenn er speit. 2 Petr greift auf Is 26,11 zurück und gebraucht das Hundebild für diejenigen, die nach ihrer Bekehrung wieder in ihre alte Unsittlichkeit zurückfallen.

Die Kirchenväter verwenden das Bild, um den Irrweg im Glauben und die damit verbundene sittliche Fäulnis zu bezeichnen. Hierbei wird ausdrücklich der Satan als Urheber und Verführer genannt. Prosper von Aquitanien nennt den Pelagianismus eine Lehre, die gesättigt ist mit der Galle des alten Drachen und welche die britannische Schlange ausgespien hat.

Jakob von Sarug nennt Satans Versuchung und Verführung ein Drachengespei. Die alte Schlange ist bestrebt, Bitterkeit auszuspeien und die Welt in Fäulnis zu versetzen, aber durch die Kraft der Gebote der Frommen ist es möglich, ihr Gift zu vernichten und ihre List erfolglos zu machen. Der Weg Christi ist höher als der Weg der gewöhnlichen Menschen und erhaben über den Lauf der Natur, Aber die Gelehrten werden irregeführt durch die aufrührerischen Ratschläge des Drachen, so daß sie es nicht verstehen, auf dem rechten Weg zu gehen.

Spr 30,1 ist nach dem lateinischen und hebräischen Text auch von einem „Speier“ die Rede. Der Verdacht liegt nahe, dass wir bei den anscheinenden Eigennamen nicht an Personen, sondern an Gattungsnamen zu denken haben und übersetzen müssen: Worte des Pöbels, des Sohnes des Speiers, der sagt: „Es gibt keinen Gott, es gibt keinen Gott“. Der Sinn der Verse ist demnach derselbe wie Ps 14,1: „Es spricht der Tor in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott!“ Und Weish 13,1: „Töricht sind von Natur aus alle Menschen, die keine Erkenntnis Gottes haben, die aus der sichtbaren Schöpfung nicht den Ewigen erkennen und bei der Betrachtung seiner Werke nicht auf einen weisen Schöpfer schließen.“

Ist nicht auch unsere Gegenwart vom Gespei des Drachen übersprüht?
Die Glaubenslehre gefährdet durch immer dreistere Formulierungen und Falschübersetzungen?
Die Sittenlehre in Gefahr durch eine schamlose kode, ja durch Gesetze?
Und ein Unterricht, der die Kinder verführt?
Das Kirchenrecht geschändet durch Umsturz und Verachtung der Hierarchie?

Dass nur nicht bald ein reinigender Regen, um nicht zu sagen ein Wolkenbruch niedergeht, um die Weide Gottes zu reinigen vom Gespei des Drachen und dem Gestank des satanischen Geträufels.

In seinem Büchlein „Moses und Christus“ sagt Wilh. Meier:

„Als Moses bei seiner Berufung im Auftrage Gottes den Stab hinwarf und dieser sich in eine Schlange verwandelte und die spärlichen Gräser der Wüste mit ihrem Gift begeiferte, dass die Herde Jetrhros keine Weide mehr fand, da musste Moses seinen wahren Hirteneifer zeigen, nämlich die Schlange am Schwanz fassen, wodurch sie sich wieder in einen Stab verwandelte.“

Möchten auch unsere Hirten mutig zugreifen und aller Lüge und Unmoral wehren, die das Gift der Schlange in die Kirche gebracht hat!

(nach Dr. P. Severin M. Grill, SOCist)

+