Der letzte Sonntag

Angesichts der Verwirrungen in Welt und Kirche scheint es unmöglich zu sein, selbst jene Zuversicht zu haben und diese auch noch weiterzutragen, wie sie uns durch die Liturgie des letzten Sonntags im Kirchenjahr vermittelt wird.

Insbesondere die Kirche liegt am Boden, der letzte Hort, der auf Erden Friede und Einheit verkörpern sollte. Ihr Ziel sollte in der Ewigkeit, vor dem Angesicht Christi sein. Heute scheint die Kirche weithin zu einer Veranstaltung korrupter Beamter geworden zu sein.

Tatsächlich ist auch das höchste Gut der Kirche, die Liturgie, für Papst Franziskus und viele seiner Kardinäle, Bischöfe und weiteren Helfershelfern, zum Mittel degeneriert, Macht zu zeigen und sie auszuüben. Menschenfreundlich daherkommenden Protagonisten, die beständig die Begriffe Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung im Munde führen, sind in Wahrheit Scharlatane, Wölfe im Schafspelz – Machtmenschen. Ihnen geht es darum, Macht auszubauen und Exempel zu statuieren, sowie Positionen zu verfestigen, die mit der Kirche Jesu Christi nicht übereinstimmen.

Wer meint, nur der deutsche „synodale Weg“ würde die katholische Kirche uns Unglück stürzen, gar vernichten, der täusche sich nicht. Auch Rom ist dabei, das Antlitz der Kirche zu verändern, besser: zu verunstalten. Wiederum ist es die Liturgie, die zum Ausgangspunkt eines Umsturzes herhalten muss, der schon einmal, in der Zeit der „Vor-68er“, nämlich in den Jahren des 2. Vatikanischen Konzils (1962-1965) eine große Krise hervorgerufen hat. Heute ist diese Krise existentiell. Und heute erkennen wir besser als damals, wie die Spieler auf diesem spiegelglatten Parkett agieren. Darum sollen und müssen wir bereit sein. Wir müssen uns wehren. Einfach zuschauen und geduldig folgen ist heute nicht mehr angesagt, nicht einmal mehr ein Mittel der Wahl.

Mit „Traditionis custodes“ will Papst Franziskus dem tridentinischen Ritus den endgültigen Todesstoß versetzen. Hier gilt es Widerstand zu leisten. Sein Hinweis, er wolle liturgischen Frieden herstellen und darum nur den „Novus Ordus Missae“ als alleinige Form liturgischer Praxis gelten zu lassen, ist nicht wirklich ernst zu nehmen. Jeder Bischof weiß, wie natürlich auch der Papst, dass liturgischer Unfriede, liturgische Beliebigkeit, ja liturgischer Missbrauch das Kennzeichen der nachvatikanischen Liturgiereform des NOM ist. Vor dieser „Liturgiereform“ ist der „Greuel der Verwüstung“ in der Weltkirche allgegenwärtig.

Unser Ansinnen ist es, die liturgische Vielfalt wieder verwirklicht zu sehen, wie sie das tridentinische Konzil beschlossen hat. Das sind sowohl der Römische Ritus, der die vielen örtlichen Riten zusammengeführt hat und fortan als „tridentinische Liturgie“ bestand, als auch jene Liturgien, die bereits älter als 200 Jahre waren, z. B. bestimmte Liturgien von Diözesen (z. B. die ambrosianische Liturgie in der Diözese Mailand) und Orden (z. B. Dominikanerritus usw.)..

Tatsächlich rüttelt uns die Liturgie des letzten Sonntags im Kirchenjahr des tridentinischen Kalenders wiederum auf, endlich der Wahrheit entgegenzugehen, die wir zwar noch nicht sehen, aber dennoch erahnen können.

Christus der Menschensohn ist vor uns verhüllt und verschleiert. Er will uns in der Kraft seines Kreuzesopfers der Gewalt der Finsternis entreißen. Wir müssen jedoch bereit sein, uns umgestalten zu lassen, damit wir reif sind für sein Reich:

das Reich der Verklärung, der ewigen Ruhe
und der ewigen Gottesgemeinschaft.

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Introitus: Dicit Dominus:
Ego cogito cogitationes pacis, et non afflictionis:
invocabitis me, et ego exaudiam vos:
et reducam captivitatem vestram de cunctis locis.
Benedixisti, Domine, terram tuam:
avertisti captivitatem Jacob.

So spricht der Herr:
Ich denke Gedanken des Friedens, nicht des Verderbens.
Ihr werdet zu Mir rufen, und Ich werde euch erhören.
Heimführen werd Ich euch aus der Gefangenschaft von überall her.
Herr, Du hast Dein Land gesegnet
und Jakob heimgeführt aus der Gefangenschaft.

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In jener Zeit sprach Jesus zu Seinen Jüngern:

Wenn ihr am heiligen Ort den Greuel der Verwüstung seht
der von dem Propheten Daniel vorausgesagt wurde
dann fliehe, wer in Judäa ist, auf die Berge;
wer auf dem Dache ist, steige nicht herab, um etwas aus seinem Hause mitzunehmen;
und wer auf dem Felde ist, kehre nicht heim, um sein Oberkleid zu holen.
Wehe aber den Müttern und ihren Kindlein in jenen Tagen!

Betet, daß eure Flucht nicht in den Winter oder auf einen Sabbat falle. Denn es wird alsdann eine so große Bedrängis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht war, auch fernerhin nicht mehr sein wird. Ja, würden diese Tage nicht abgekürzt, so würde kein Mensch gerettet werden; doch um der Auserwählten willen werden jene Tage abgekürzt werden.

Wenn dann jemand zu euch sagt:
Seht, hier ist Christus, oder dort, so glaubt es nicht.
Denn es werden falsche Christus
und falsche Propheten aufstehen
und große Zeichen und [Schein-] Wunder wirken,
so daß selbst die Auserwählten, wenn es möglich wäre,
in Irrtum geführt würden.

Seht, Ich habe es euch vorhergesagt.
Wenn man also zu euch sagt:
Seht, er ist in der Wüste, so geht nicht hinaus;
seht, er ist in den Gemächern, so glaubt es nicht.
Denn wie der Blitz vom Aufgang ausgeht und bis zum Niedergang leuchtet, ebenso wird es mit der Ankunft des Menschensohnes sein.

Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Adler. Sogleich nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, der Mond wird seinen Schein nicht mehr geben, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird das Zeichen des Menschensohnes [das Kreuz] am Himmel erscheinen. Alle Geschlechter der Erde werden wehklagen.

Und sie werden den Menschensohn kommen sehen in den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Er wird Seine Engel aussenden mit lautem Posaunenschall, und sie werden Seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.

Vom Feigenbaum aber lernet das Gleichnis: Wenn seine Zweige saftig werden und die Blätter hervorsprossen, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Ebenso sollt ihr auch, wenn ihr all dies sehet, wissen, daß das Ende nahe vor der Türe steht.

Wahrlich, Ich sage euch, dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte werden nicht vergehen.

(Evangelium am letzten Sonntag nach Pfingsten, Matth. 24, 15-35)

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