Die Bernhardinerinnen von Esquermes

Bernhardinerinnen sind heute eine eigene Kongregation (Zweig) des Zisterzienserordens. In der Frühzeit der Zisterzienser wurden die Nonnen des Ordens, da sie dem heiligen Bernhard folgen wollte, oft Bernhardinerinnen genannt.

Die nordfranzösischen Nonnen-Abteien Notre Dame de la Brayelle in Annay (1196), Notre Dame de la Woestine in St. Omer (1217) und Notre Dame des Près in Douai (1221) waren drei Zisterzienserinnenklöster für Frauen in Flandern in Frankreich. Wie alle Klöster des Landes wurden auch diese Abteien mit der Französischen Revolution 1789 aufgelöst und die Mitglieder zerstreut.

Drei Nonnen aus jeder der oben genannten Abteien trafen sich nach der Revolution mit dem einzigen Ziel, ihr klösterliches Leben als Zisterzienserinnen wieder aufzunehmen. Nach vielen Jahren im Exil und auf Reisen von Ort zu Ort konnte sich schließlich eine neu gebildete Gemeinschaft in dem kleinen Dorf Esquermes in der Nähe von Lille niederlassen, wo sie 1827 offiziell anerkannt wurde.

1936 wurde zunächst eine geistliche und informelle Verbindung zu den „Zisterziensern der strikten Observanz“ (Trappisten) hergestellt. Im Jahr 1955 wurden die Bernhardinerinnen von Esquermes offiziell als Kongregation im Orden der Zisterzienser mit feierlichen Gelübden anerkannt: „Ordo Monialium Cisterciensium Bernardinarum de Esquermes“.

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Aus dem Orden der Kongregation der Bernhardinerinnen von Esquermes verstarb am Fest der unbefleckten Empfängnis, dem 8. Dezember 2021, im Alter von 99 Jahren Schwester Marie-Helene.

Nach einem ausgezeichneten Studium in Mathematik, Physik und Chemie trat sie in den Karmel ein. Obwohl sie dort sehr glücklich war, erlaubt es ihre angegriffene Gesundheit nicht, Profess ablegen zu können. Man rät ihr zum Übertritt zu den Bernhardinerinnen.

In dem neuen Orden fühlt sie sich wohl. Ihre Persönlichkeit wie ihre Studien lenken die Aufmerksamkeit der Oberen auf sie. In den Gemeinschaften und im Orden werden ihr verschiedene Verantwortlichkeiten anvertraut. U. a. wirkt sie als Lehrerin in Lille und in Cambrai, wo sie Direktorin wird. Etwa zwanzig Jahre ist sie Generalökonomin und Generalpriorin in Péruwelz (Belgien) und später im Kloster „Monastère N.­D. de la Plaine„.

Das lange Leben von Schwester Marie-Helene verlief dennoch in großer Einfachheit, in der totalen Hingabe ihrer selbst an die Gemeinschaften, in denen sie lebte. Sie war zurückhaltend und diskret, aufmerksam für jeden. Sie zeichnete sich auch durch eine freudige, schnelle und effiziente Dienstbarkeit aus.

Es wird berichtet, dass Schwester Marie-Helene eine Beterin gewesen sei. Früh morgens sah man sie als Erste in der Kirche; hier war sie vor und bei den Gottesdiensten des Tages in ein tiefes Gebet eingetaucht.

Friedlich und schweigsam schuf sie durch ihre Anwesenheit eine heitere Atmosphäre um sich herum. Ihr feiner Humor, der von einem guten Urteilsvermögen und einem richtigen Blick geprägt war, sorgte für Distanz bei den kleinen Reibereien des Alltags und den Unwägbarkeiten des Alters. Man liebte ihre diskrete und intensive Präsenz. Sie diente der Gemeinschaft fast bis zu ihrem Ende; sie legte Wert darauf, die Dienste zu leisten, die ihre völlig zusammengekrümmten Hände ihr noch erlaubten.

Erst durch einen Sturz ein Jahr vor ihrem Tod wurde sie plötzlich völlig von anderen abhängig. Ohne zu klagen akzeptierte sie ihren neuen Zustand. Es schien ihr nichts auszumachen.

Schwester Marie-Helene starb diskret und friedlich im 70. Jahr ihrer klösterlichen Profess, am Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariens, zu der sie stets fleißig betete.
Der zum Schmunzeln einladende schöne Spruch auf der Benachrichtigung des Todes der fast hundertjährigen Schwester Marie-Helene lautet:

„Ich hüpfe vor Freude in dem Herrn,
meine Seele jubelt in meinem Gott.“
(Jes 61,10)

Schwester Marie-Helene möge ruhen in Frieden!

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