Papst Paul VI. kamen die Tränen

Fr. John Zuhlsdorf erinnerte an eine Pfingsterfahrung von Papst Paul VI., von der er während seiner mehrjährigen Tätigkeit bei der damaligen Kommission Ecclesia Dei in Rom erfahren hatte. Nicht über sieben Ecken, sondern von einem päpstlichen Zeremonienmeister, der selbst anwesend war und es selbst erlebt hatte.

Zitat Zuhlsdorf:

Sie wissen wahrscheinlich, daß das große Pfingstfest im herkömmlichen römischen Kalender seine eigene Oktav hatte. Pfingsten war (und ist) auch liturgisch gesehen eine großartige Angelegenheit. Es hat eigene Formulierungen im Communicantes und Hanc igitur (im sonst unveränderlichen römischen Canon), eine Oktav, eine Sequenz usw. An einigen Plätzen der Welt wie Deutschland oder Österreich war der Pfingstmontag (Whit Monday bei den Engländern) sogar Anlaß für einen weltlichen Feiertag zusätzlich zu den kirchlichen Feiern.
Der Novus Ordo war im April 1969 in Kraft getreten. Am Montag nach Pfingsten 1970 begab sich Seine Heiligkeit Papst Paul VI. zur Feier der Messe in seine Kapelle. Statt der roten Gewänder für die Oktav, die wie jeder weiß auf Pfingsten folgt, waren für ihn grüne Gewänder ausgelegt. Papst Paul fragte den an diesem Tag zuständigen Zeremoniar: Was um Himmels willen sollen diese grünen Gewänder, wir sind in der Pfingstoktav. Wo sind die roten Gewänder?
„Euer Heiligkeit“ sprach der Zeremoniar, „wir sind jetzt im Jahreskreis. Das ist jetzt grün. Die Pfingstoktav ist abgeschafft.“
„Grün?“ sagte der Papst – „das kann nicht sein. Wer hat das angeordnet?“
„Euer Heiligkeit – das waren Sie.“
Und Paul VI. kamen die Tränen.

Quelle: summorum-pontificum

Papst Paul VI. an der Kathedra kurz nach dem Moment seiner Krönung am 29. Juni 1963.

Erster Päpstliche Zeremonienmeister von Paul VI. war Enrico Dante (links vor dem Papst stehend), der bereits unter den Päpsten Pius XII. und Johannes XXIII. das Amt inne hatte (1947-1968). Im Zuge der Liturgiereform griff Annibale Bugnini, der die treibende Kraft der liturgischen Veränderungen nach dem 2. Vaticanum war, höchstpersönlich nach diesem wichtigen und stilbildendem Amt (1968-1970). Er war seit 1964 Sekretär des Consilium zur Durchführung der Liturgiekonstitution und von 1969 bis 1975 Sekretär der daraus hervorgegangenen Kongregation für den Gottesdienst. Seine Nachfolger als Päpstliche Zeremonienmeister waren Virgilio Noè (1970-1982); John Magee (1982-1987); Piero Marini (1987-2007) und Guido Marini (2007-2021). Seit 2021 begleitet Diego Giovanni Ravelli dieses Amt.

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