Geht … Tauft … Lehrt …

„Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
(Mt 28,19-20)

Es ist notwendig, dass Christus immer bei uns bleibt. Er liebt uns so, wie der Vater ihn liebt, und auf diese Weise nährt er die brüderliche Gemeinschaft, die sich unter allen Völkern ausbreiten soll.

Ich habe den Eindruck, dass die große Krise der Sendung der Kirche auf allen Ebenen, auch in unseren monastischen Orden, nicht so sehr eine Krise des missionarischen Einsatzes als vielmehr eine Krise des Eins-Seins ist, eine Krise, die Gemeinschaft Christi zu leben. Wir laufen Gefahr, die Gnade unserer Zeit zu vergeuden, wenn wir nicht verstehen, welche Umkehr zur Gemeinschaft die Synodalität von uns verlangt, damit unsere Sendung fruchtbar sei. Mit anderen Worten: Ich habe das Gefühl, dass im Leben der Kirche auf allen Ebenen nicht so sehr die Sendung, die Aufgabe Angst macht, sondern die Gemeinschaft.

Warum? Weil die Gemeinschaft leben nicht so sehr eine äußerliche Entscheidung, einen äußeren Einsatz verlangt, als vielmehr eine innere Umkehr. Und diese Umkehr ist ein Prozess, der uns tiefgreifend verändert. Auch unsere Sendung fordert gewiss eine innerliche Entscheidung, sie verlangt Nächstenliebe, Opferbereitschaft, die Fähigkeit, zu verkünden und Zeugnis abzulegen bis zum Martyrium. Aber es ist vor allem die Gemeinschaft, die eine folgenschwere Bekehrung des Ich abverlangt, einen Übergang mit österlichem Charakter, ein Sterben, das zum Leben führt. Denn die Gemeinschaft fordert den Übergang vom Ich zum Wir, einen Wandel, in welchem das Ich sterben muss, um aufzuerstehen.

Ein „Wir“ entsteht nicht durch bloße Addition, sondern durch eine österliche Verwandlung. Das Ich wird nicht ein „Wir“, einfach weil andere Ich mit meinem Ich addiert werden, so wie man andere Geldstücke zu meinen Geldstücken hinzufügt. Jesus hat uns mit dem Gleichnis des Samenkorns erklärt, wie das Ich zum Wir wird: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (Joh 12,24-25)

Jesus erinnert uns daran, dass die Fruchtbarkeit darin besteht, nicht allein zu bleiben, ein „Wir“ zu werden. Wir sind nicht fruchtbar, weil wir stark, schön, intelligent, zahlreich sind. Wir sind fruchtbar, wenn wir die Gemeinschaft leben. Wer glaubt, er liebe sein Leben, weil er seinen Individualismus liebt, seinen eigenen Komfort, seinen Verdienst, seine eigenen Interessen, die eigene Ehre, der verliert sein Leben. Deshalb fordert Jesus, dass wir nicht das Leben an sich, sondern sein falsches, egozentrisches und unabhängiges Bild, das wir wegen der Sünde in uns tragen, „gering achten“, ja sogar „hassen“, wie es im griechischen Text wörtlich heißt.

Gemeinschaft macht Angst, weil es sie nur gibt, wenn wir uns selber sterben. Johannes schreibt in seinem ersten Brief: „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod“ (1 Joh 3,14). Damit gibt er uns zu verstehen, dass wir notwendigerweise dem irrigen Leben in egozentrischer Eigenliebe sterben müssen, damit die brüderliche Liebe uns vom Tod zum Leben führen kann.

(Aus einem Brief des Generalabtes der Zisterzienser, Mauro-Giuseppe Lepori OCist, an Pfingsten 2022)

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