Dein Platz, Johannes!

Du stehst am Platz, den Gott dir gab!

Du stehst am Platz, den Gott dir gab,
dem Platz, den er dir zugedacht;
nur dort bleibt er dein Schild und Stab,
dort gibt er Frucht, dort wirkt er Macht.
Will er dich segnen, sucht er dich
nicht in der ganzen weiten Welt;
Er sucht dich nur an deinem Platz
dem Platz, wo er dich hingestellt.

Nimm täglich ihn aus Gottes Hand,
den Platz, den seine Liebe gab;
was sich an eignen Plänen fand
bei dir noch: senk´s in Christi Grab!
Soll er begegnen dir im Sieg,
soll er erhören dein Gebet,
er tut´s nur, wo sein Streiter treu
auf dem gewies´nen Posten steht.

Was du versäumst an deinem Platz,
auch wenn es niemand ahnt und sieht,
das bringt um einen Segenschatz,
vielleicht ein Gott geliebtes Glied.
Bedenk´s den Platz, den Gott dir geb,
kann niemand füllen als nur du;
es ist nich gleich ob du dort stehst,
denn gradedich braucht er dazu.

Sieh, wenn er kommt, sucht er auch dich
nicht in der ganzen weiten Welt;
Er sucht dich dort nur sicherlich,
wohin er selber dich gestellt.
Und dann, o selger Freudentag,
wenn er an deinem Platz dich fand,
versetzt er dich, gibt dir den Platz
auf einem Thron im Heimatland.

Hedwig von Redern (1866 – 1935)

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