Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 2/9

Dreht Euch nicht wie ein Blatt im Wind
und redet nicht um zu gefallen!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O menschliche Verblendung!
Seht Ihr denn nicht, Ihr unglückseligen Menschen, wie jene Dinge, die Ihr für dauerhaft, beständig, beseligend, trefflich und schön erachtet, in Wirklichkeit veränderlich sind, voll von Elend, häßlich und ohne jeden Wert?

Damit meine ich nicht die geschaffenen Dinge, denn sie alle wurden von Gott, der die höchste Güte selber ist, gut erschaffen, sondern der Fehler liegt in der Sünde derer, die diese Dinge in ungeordneter Weise besitzen.

Wie vergänglich sind doch Reichtum und weltliche Ehren bei denen, die sie ohne Gott, das heißt, ohne Gottesfurcht besitzen! Heute gelten sie noch als reich und mächtig, und morgen sind sie schon arm.

Wie erbärmlich auch ist unser leibliches Leben, da wir während unseres irdischen Daseins aus allen Teilen unseres Körpers nur üblen Geruch verbreiten! Er ist wahrlich ein Sack voll Unrat, ein Fraß für die Würmer und für den Tod.

Unser Leben und die Schönheit der Jugend schwinden dahin wie eine Blume, nachdem sie gepflückt wurde. Niemand kann diese entschwindende Schönheit dem Menschen bewahren oder wieder zurückgeben, sobald es dem höchsten Richter gefällt, diese Blume des Lebens durch den Tod zu pflücken – und niemand weiß, wann das geschieht.

O armselige Menschen!
Die Finsternis der Eigenliebe
macht Euch blind für diese Wahrheit.

Denn würdet Ihr sie erkennen,
so würdet Ihr lieber jede Pein ertragen, als ein derartiges Leben zu führen;
Ihr würdet Eure Liebe und Euer Verlangen dann dem schenken, der allein das Sein in Fülle ist;
Ihr würdet seine Wahrheit mit Entschlossenheit verkosten und Euch nicht drehen wie ein Blatt im Wind;
Ihr würdet Eurem Schöpfer dienen und alles in Ihm und nichts ohne Ihn lieben.

Wie streng und vorwurfsvoll wird einmal am Ende diese Blindheit gerügt – und zwar in jedem!
Um wieviel mehr aber noch bei denen, die Gott aus dem Elend der Welt herausgeholt und mit der größtmöglichen Würde bekleidet hat, indem er sie zu Dienern des Blutes des demütigen und unbefleckten Lammes bestellte!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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