Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 6/9

Seid keine Bäume aus dem Erdreich des Stolzes und der Eigenliebe!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O Elend über Elend!
O Blindheit über Blindheit, die das eigene Vergehen und das Unheil für Leib und Seele nicht mehr erkennen läßt! Hättet Ihr es nämlich erkannt, so wäret Ihr nicht so leichtfertig in sklavischer Furcht von der Wahrheit abgewichen.

Ihr wurdet von der Leidenschaft getrieben, gleich stolzen Menschen, die gewohnt sind, ihre Laune nach den Genüssen und Freuden der Welt zu richten. Ihr konntet einen Tadel wegen Eures augenblicklichen Verhaltens nicht ertragen und seid wegen eines scharfen Vorwurfs sogleich rebellisch geworden – das ist der Grund, warum Ihr abgefallen seid.

Denn die Wahrheit ist:
Bevor der Christus auf Erden damit begonnen hatte, Euch zurechtzuweisen, habt Ihr ihn als Stellvertreter Christi (der er auch tatsächlich ist) anerkannt und verehrt. Aber Eure letzte todbringende Frucht zeigt, was für Bäume Ihr seid; nämlich Bäume, die gepflanzt sind im Erdreich des Stolzes, der aus Eurer Eigenliebe entspringt. Und diese Ichsucht hat Euch das Licht der Vernunft geraubt.

O weh!
Um der Liebe Gottes willen, macht doch nicht so weiter! Benützt den Ausweg der Verdemütigung unter die starke Hand Gottes und des Gehorsams gegen seinen Stellvertreter, solange Ihr noch Zeit habt; denn wenn die Zeit abgelaufen ist, gibt es keine Rettung mehr! Gesteht Eure Schuld ein!

Werdet demütig und erkennt Gottes unendliche Güte darin, daß er der Erde noch nicht befohlen hat, Euch zu verschlingen, und den wilden Tieren noch nicht den Befehl gab, Euch zu zerreißen!

Er läßt Euch tatsächlich noch Zeit zur Umkehr.

Wenn Ihr Eure Schuld nicht einsehen wollt, wird Euch die von Gott angebotene Gnade zu einem harten Gericht werden. Aber wenn Ihr bereit seid, in die Hürde zurückzukehren und Euch wieder an der Brust der Braut Christi in Wahrheit zu nähren, werdet Ihr vom Christus im Himmel und vom Christus auf Erden in Barmherzigkeit aufgenommen trotz des von Euch begangenen Unrechts.

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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