Katharina von Siena, + 29. April 1380

Katharina hatte 22 ältere Geschwister. Sie war eine Tochter des Pelzfärbers Giacomo Benincasa und seiner Frau Lapa und wurde am 25. März 1347 in Siena geboren. Von Kindheit an empfand Katharina eine tiefe Zuneigung zu Gott und Maria. Bereits mit 5 Jahren konnte sie das „Gegrüßet seist du, Maria“ voller Andacht beten. Später empfahl sie immer wieder, man möge sich mit allen Anliegen an Maria wenden: „Maria ist unsere Fürsprecherin, die Mutter der Gnade und der Barmherzigkeit. Sie ist ihren Dienern gegenüber nicht undankbar.“ Mit knapp 6 Jahren hatte Katharina ihre erste Vision, die sie in ihrem Glaubenseifer weiter bestärkte: Christus segnete sie. Im Rahmen ihrer religiösen Erziehung las sie viel über das Leben von Heiligen, Einsiedlern und Wüstenvätern und versuchte bald, diesen durch ein asketisches und zurückgezogenes Leben nachzueifern. Katharina fühlte sich sehr zum Dominikanerorden hingezogen und legte bereits mit 7 Jahren ein Keuschheitsgelübde ab.

Ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Bonaventura zuliebe ließ sich Katharina ab dem Alter von etwa 12 Jahren sehr elegant kleiden. Im August 1362 starb Bonaventura im Wochenbett. Nach der Trauerzeit sollte Katharina bald verheiratet werden, doch sie wehrte sich heftig. Tommaso, ein junger Dominikaner erkannte die Entschlossenheit Katharinas zu einem gottgeweihten Leben und riet ihr, sich einfach die Haare abzuschneiden. Katharina wurde in der Familie bestraft, gehänselt und aus ihrem Zimmer vertrieben, wo sie viel Zeit allein mit Beten verbracht hatte. Ihre Mutter hatte keinerlei Verständnis für sie und zwang sie nun, fortan die Magd im Haus zu ersetzen. Da beschloss Katharina, in ihrem Inneren gleichsam eine „kleine Klosterzelle“ einzurichten, in die sie sich während der Arbeit mit Jesus zurückzog. Um ihre Andacht und ihren Gehorsam zu steigern, stellte sie sich vor, ihre Mutter sei die heilige Gottesmutter, ihr Vater Jesus, ihre Geschwister die Jünger Christi und die heiligen Frauen. So konnte Katharina dank ihrer Vorstellungsgabe inmitten der Welt kontemplativ leben; sie konnte in der Welt sein, ohne weltlich zu sein, und dem Alltagsleben viele Gelegenheiten zur Begegnung mit Gott abgewinnen. Ihre Schüler lehrte sie später: „Alle Werke, die wir für unseren Nächsten oder für uns selbst aus Liebe tun, und mögen sie noch so äußerlich sein, sind ein Gebet, sofern sie in heiliger Absicht verrichtet werden.“

Eines Tages erschien Katharina der heilige Dominikus im Traum und überreichte ihr das Ordenskleid einer Dominikanerin. Angesichts ihrer Entschlossenheit war ihr Vater schließlich doch damit einverstanden, dass sie sich den Bußschwestern des heiligen Dominikus anschloss (die wegen ihres schwarzen Umhangs – italienisch mantellata – Mantellaten genannt wurden); die Gemeinschaft bestand im Wesentlichen aus Witwen, die sich karitativen Werken widmeten und einmal wöchentlich zusammenkamen, um gemeinsam die Messe zu besuchen und religiöse Unterweisung zu erhalten. Katharina wurde allerdings zunächst einmal abgewiesen: Die Schwestern fanden sie zu jung, vielleicht auch zu schwärmerisch. Aber schon bald konnte Katharina sie durch ihre mutige Haltung während einer schweren Krankheit so beeindrucken, dass sie sie doch aufnahmen: Sie wurde Ende 1364 eingekleidet.

Bereits während ihres Noviziats wurde der asketisch lebenden Katharina die Gnade von Erscheinungen sowie von Gesprächen mit Jesus zuteil. Diese mystischen Gaben waren mitunter von Momenten des Zweifels, der Angst und starker Versuchungen begleitet. Nach einer solchen Versuchung wurde Katharina mit einer Erscheinung des Herrn belohnt: „Gütiger und sanftmütiger Jesus“, sprach sie zu ihm. „Wo warst du, als meine Seele von solchen Qualen gepeinigt wurde?“ – „Ich war in deinem Herzen, Katharina, denn ich lasse diejenigen nie im Stich, die sich nicht als Erste von mir abwenden, indem sie der Sünde huldigen.“ – „Wie? Du warst in meinem Herzen, während es von den abscheulichsten Gedanken überschwemmt wurde?“ – „Sag mal, Katharina, haben dir diese Gedanken Freude oder Traurigkeit bereitet?“ – „Ach, Herr! Unbeschreibliche Traurigkeit und unermesslichen Abscheu.“ – „Und was bewirkte deine Traurigkeit, wenn nicht meine Gegenwart in deinem Herzen? Wenn ich nicht dagewesen wäre, wärst du den Versuchungen erlegen: Ich habe bewirkt, dass du ihnen widerstehen konntest und dass du traurig warst. Und ich habe mich gefreut über deine Treue während dieses schmerzhaften Kampfes.“ In einem Brief zog Katharina folgende Lehre aus diesem Erlebnis: „Gott lässt die Versuchung zu, damit unsere Tugenden sich bewähren können …, damit wir der Versuchung nicht erliegen, sondern sie besiegen dank des Vertrauens auf die göttliche Hilfe, das uns mit dem heiligen Apostel Paulus sagen lässt: Alles vermag ich im gekreuzigten Jesus, der in mir ist, und der mich stärkt (vgl. Phil 4,13).“

1368 starb Katharinas Vater. Im gleichen Jahr hatte Katharina eine Vision, die sich ihrem Herzen für immer einprägte. Sie wurde von der Gottesmutter Jesus als Braut präsentiert, und er schenkte ihr einen herrlichen Ring mit den Worten: „Ich, dein Schöpfer und dein Heiland, verlobe mich mit dir in dem Glauben, den du immer rein erhalten sollst, bis du im Himmel deine ewige Vermählung mit mir feierst.“ Katharina konnte den Ring an ihrem Finger spüren und sehen, für andere blieb er unsichtbar. Von da an widmete sie sich vermehrt den Armen und Kranken und vollbrachte wahre Wunder für sie. Sie musste jedoch zugleich auch viel Spott und Verleumdung einstecken: Man warf ihr unter anderem einen üblen Lebenswandel vor.

Katharina besaß die Gabe der Tränen. Diese brachten eine tiefe Empfindsamkeit, eine große Emotions- und Liebesfähigkeit zum Ausdruck. „Denkt an den gekreuzigten Christus“, schrieb Katharina in einem Brief. „Blickt auf den gekreuzigten Christus, bergt euch in den Wunden des gekreuzigten Christus, versenkt euch in das Blut des gekreuzigten Christus“.“

Katharinas Ruhm verbreitete sich, und sie entfaltete eine rege spirituelle Beratungstätigkeit für Adlige und Politiker, Künstler und einfache Leute, geweihte Personen und Kleriker. Es entstand eine Gruppe von Schülern um sie, die sie anhielt, sich für das Heil ihres Nächsten einzusetzen. Diesen Einsatz nannte sie „die Lehre Mariens“, denn, so erklärte sie, „als Mensch war der Gottessohn von dem Wunsch getragen, zur Ehre seines Vater und für unser Heil zu wirken; und dieser Wunsch war so mächtig, dass er in seinem Eifer Leid, Schmach und Schande bis hin zu seinem elenden Kreuzestod auf sich nahm. Den gleichen Wunsch hegte auch Maria, denn sie konnte nichts anderes wünschen als die Ehre Gottes und das Heil seiner Geschöpfe.“ Als Katharina auch zu reisen begann, stieß ihre Rührigkeit sowohl in Siena als auch beim Dominikanerorden auf Befremden, und sie musste 1374 vor dem Generalkapitel der Dominikaner in Florenz erscheinen. Man wies ihr als geistlichen Ratgeber den heute noch als Seligen verehrten künftigen Generalmeister des Ordens, Raimund von Capua, zu, der nicht nur ihr Beichtvater, sondern auch ihr geistlicher Ziehsohn wurde.

Zu Pfingsten 1375 empfing Katharina die Stigmata Christi: Die Wundmale des Gekreuzigten an Händen, Füßen sowie an der Seite prägten sich ihrem Körper unsichtbar ein, wie sie darum gebeten hatte. Geistliches Leben bestand für sie in der Einheit mit Gott, der ein „Weg der Wahrheit“ sei; die beste Führung auf diesem Weg biete die Passion Christi: Sie sei „allen Büchern vorzuziehen“. Die Liebe wies Katharina den Weg in die Nachfolge Christi durch ein Leben der Askese, der Buße und des Dienstes am Anderen.

Ab 1375 engagierte sich Katharina für die Rückkehr der Päpste aus Avignon (wo sie aus politischen Gründen seit 1309 residierten) nach Rom sowie für die Einheit und Unabhängigkeit der Kirche. „Die Kirche ist nichts anderes als Christus selbst“, schrieb sie, sie vermittle die Liebe Gottes zu den Menschen; die hierarchisch organisierte Kirche versehe ein unentbehrliches Amt für das Heil der Welt. Katharina ging es nicht darum, die Strukturen der Kirche zu verändern, gegen Geistliche zu rebellieren oder im Bereich des Kultus sowie der Disziplin Neuerungen einzuführen, sondern darum, der Braut Christi ihre ursprüngliche Berufung wiederzugeben. Denn „obwohl die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes die treue Braut des Herrn geblieben ist und niemals aufgehört hat, das Zeichen des Heils in der Welt zu sein, so weiß sie doch klar, dass unter ihren Gliedern, ob Klerikern oder Laien, im Lauf so vieler Jahrhunderte immer auch Untreue gegen den Geist Gottes sich fand.

Katharina liebt die Kirche, wie sie ist, nicht wegen der menschlichen Verdienste derer, die ihr angehören oder die sie repräsentieren. Bedenkt man die Bedingungen, unter denen die Kirche damals existierte, so erkennt man, dass ihre Liebe anders motiviert war … Die heilige Katharina schwieg nicht zu den Verfehlungen der Kirchenleute; indem sie ihre Stimme gegen die Dekadenz erhob, betrachtete sie diese sogar als einen zusätzlichen Grund, als eine Notwendigkeit, noch mehr zu lieben. – Die Erneuerung der Kirche betraf zunächst die Kleriker, von denen Katharina eine hohe Meinung hatte. In ihrem Dialog über die göttliche Vorsehung lässt sie Gott sagen: „Ich wählte meine Diener zu eurem Heil aus, damit sie das Blut des einzigen, demütigen und unbefleckten Lammes, meines Sohnes, an euch weitergeben.“

Katharina setzte sich aber auch für eine Umkehr der Laien ein. An einen Mann, der fleischlichen Leidenschaften verfallen war, schrieb sie: „Geliebter Bruder, dämmere nicht länger in der Todsünde dahin! Ich sage dir: Die Axt rührt bereits an die Wurzel des Baumes. Nimm die Schaufel der Gottesfurcht und lass die Hand der Liebe sie führen. Leg die Verdorbenheit deiner Seele und deines Leibes ab. Sei nicht dein eigener Henker, indem du dir das sanfte Haupt, Jesus Christus, abschlägst! Mach Schluss mit deinen Ausschweifungen. Ich habe es dir gesagt und wiederhole es: Gott wird dich bestrafen, wenn du dich nicht besserst; aber ich verspreche dir auch: Wenn du umkehren und die Zeit, die dir noch bleibt, nutzen willst, wird Gott so gütig, so barmherzig sein, dass er dir vergeben, dich in seine Arme schließen, dich am Blut des Lammes teilhaben lassen wird, das mit so viel Liebe vergossen wurde, dass es keinen Sünder gibt, dem keine Barmherzigkeit zuteil werden kann; denn die Barmherzigkeit Gottes ist größer als unsere Sorgen, sobald wir nur unser Leben ändern wollen.“

Die heilige Katharina wusste, dass der Weg zur Heiligung über die Sakramente der Buße und der Eucharistie führt; an einen Schüler schrieb sie einmal: „Ihr müsst eure Seele oft vom Schmutz der Sünde reinigen durch eine gute und heilige Beichte und sie mit dem Brot der Engel nähren, das heißt mit dem süßen Sakrament des Leibes und des Blutes Jesu Christi, der Gott und Mensch zugleich war.“ Sie ließ unter ihren Schülern die selten gewordene Gewohnheit der häufigen Kommunion wiederaufleben; die beste Vorbereitung auf die sakramentale Kommunion war ihrer Ansicht nach die spirituelle Kommunion: Diese bestehe darin, die Eucharistie mit echtem, innigem Verlangen zu empfangen; dieses Verlangen müsse nicht nur im Moment der Kommunion, sondern zu jeder Zeit und an jedem Ort vorliegen.

Auf Bitten der Stadtoberen von Florenz brach Katharina im April 1376 nach Avignon auf, wo sie den Papst traf. Sie bat ihn um dreierlei: nach Rom zu fahren, einen großen Kreuzzug zu unternehmen und schließlich gegen Laster und Sünde inmitten der Kirche vorzugehen. In der Stadt Avignon wurde Katharina wegen ihres wachsenden Einflusses auf den Papst, aber auch wegen ihrer – mitunter in aller Öffentlichkeit stattfindenden – Ekstasen mit einigem Misstrauen beobachtet. Der Papst ließ sie insgeheim überwachen, doch man konnte ihr letztlich nichts vorwerfen.

Der kränkliche französische Papst Gregor XI. verließ Avignon am 13. September 1376 in Richtung Italien, wo gerade heftige Unruhen tobten, und traf am 16. Januar 1377 in Rom ein. Katharina fuhr zunächst nach Siena, dann im Auftrag des Papstes in die immer noch gegen das Papsttum rebellierende Stadt Florenz, die sie unter Hinweis auf den „gekreuzigten Christus und die sanfte Maria“ zu besänftigen suchte. 1378 hatte sie mehrere Ekstasen, die sie in ihren von fünf Schreibern aufgezeichneten Dialogen verarbeitete.

Am 27. März 1378 starb Papst Gregor XI. Bald darauf wurde Urban VI. zu seinem Nachfolger gewählt. Doch die – vor allem französischen – Kardinäle, die mit dem autoritären Stil des neuen Pontifex unzufrieden waren, hielten am 18. September 1378 eine Versammlung in Fondi ab und wählten ihrerseits Kardinal Robert von Genf zum Gegenpapst Clemens VII. Ein schwerwiegender Akt für Katharina, denn er führte zu einem (vierzig Jahre währenden) Schisma. Sie verließ Siena und kam am 28. November 1378 in Rom an. Sie wurde von Papst Urban VI. empfangen, der in ihrer Anwesenheit eine wichtige Unterstützung sah. Da die Spaltung der Kirche sie überaus schmerzlich berührte, begann sie einen Gebetskreuzzug und appellierte an alle, mit christlicher Liebe zu handeln, um die Probleme der Christenheit zu lösen. Sie rief Fürsten und Städte zum Gehorsam gegenüber dem Papst auf und bat Ordensleute und Einsiedlermönche um Unterstützung für den Papst. Am 29. Januar 1380 geriet Katharina bei ihrem letzten Besuch im Petersdom in Ekstase und sah Jesus, wie er zu ihr trat und das schwere, unruhige Schiff der Kirche auf ihre schmalen Schultern legte; unter der gewaltigen Last brach sie ohnmächtig zusammen.

Durch ihre vielen Bußübungen zusätzlich geschwächt und krank, verabschiedete sie sich bald danach von ihren Freunden. Als sie am 29. April ihr Ende nahen fühlte, betete sie noch einmal insbesondere für die katholische Kirche und für den Heiligen Vater. Bevor sie starb, erklärte sie: „Ich habe mein Leben in der Kirche vollendet und für die heilige Kirche hingegeben; das ist für mich eine einzigartige Gnade.“ Dann sprach sie mit strahlendem Gesicht die Worte des Erlösers „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ (Lk 23,46), neigte sanft den Kopf und entschlief im Herrn im Alter von 33 Jahren.

Quelle

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O Christus – Liebe!

O Heiliger Geist,
komm in mein Herz!
Durch Deine Macht ziehe es zu Dir, o wahrer Gott,
und gewähre mir sowohl die Liebe als auch
die heilige Furcht.
O Christus, bewahre mich
vor jedem schlechten Gedanken,
entzünde und entflamme mich
mit Deiner süßesten Liebe,
und alle Mühsal wird mir leicht erscheinen.
O himmlischer Vater, mein trauter Herr,
hilf mir jetzt bei all meinem Tun.
O Christus – Liebe!
O Christus – Liebe!

(Hl. Caterina von Siena)

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Papst Benedikt XVI. über die hl. Katharina von Siena – Heiligenkalender am 30. April

… die hl. Katharina von Siena. Das Jahrhundert, in dem sie lebte – das 14. Jahrhundert –, war eine schwierige Zeit für das Leben der Kirche und der ganzen Gesellschaftsstruktur in Italien und in Europa. Doch der Herr läßt auch in Augenblicken großer Schwierigkeiten nicht ab, sein Volk zu segnen, indem er heilige Männer und Frauen erweckt, die den Verstand und das Herz aufrütteln und Bekehrung und Erneuerung bewirken. Katharina ist eine von ihnen, und auch heute noch spricht sie zu uns und spornt uns an, mutig den Weg zur Heiligkeit zu beschreiten, um in immer vollkommenerer Weise Jünger des Herrn zu sein.

Sie wurde 1347 in Siena in einer sehr kinderreichen Familie geboren und starb 1380 in Rom. Im Alter von 16 Jahren trat sie, von einer Vision des hl. Dominikus veranlaßt, in den weiblichen Zweig des Dritten Ordens der Dominikaner, den sogenannten „Mantellaten“ ein. Sie blieb in der Familie, bekräftigte das Gelübde der Jungfräulichkeit, das sie bereits als Heranwachsende in privater Form abgelegt hatte, und widmete sich dem Gebet, der Buße und den Werken der Nächstenliebe, vor allem zum Wohl der Kranken. Als der Ruf ihrer Heiligkeit sich verbreitete, führte dies zu einer intensiven Tätigkeit geistlicher Beratung für Menschen aller Stände: Adlige und Staatsmänner, Künstler und Menschen aus dem Volk, geweihte Personen, Kleriker, einschließlich Papst Gregors XI., der zu jener Zeit seinen Sitz in Avignon hatte und den Katharina nachdrücklich ermahnte, nach Rom zurückzukehren. […]

Katharina hatte viel zu erleiden, wie viele Heilige. Einige mißtrauten ihr so sehr, daß das Generalkapitel der Dominikaner sie 1374, sechs Jahre vor ihrem Tod, sogar nach Florenz beorderte, um sie zu prüfen. Ihr wurde ein gelehrter und demütiger Ordensmann zur Seite gestellt, Raimund von Capua, später Generalmagister des Ordens. Er wurde ihr Beichtvater und auch ihr „geistlicher Sohn“ und schrieb eine erste vollständige Biographie der Heiligen. Sie wurde 1461 heiliggesprochen.

Die Lehre Katharinas, die nur mit Mühe lesen lernte und erst als Erwachsene schreiben konnte, ist im Dialog der göttlichen Vorsehung oder Buch der göttlichen Lehre, einem Meisterwerk der geistlichen Literatur, in ihren Briefen und in der Sammlung ihrer Gebete enthalten. […]

In einer Vision, die aus Katharinas Herz und Verstand nie mehr ausgelöscht wurde, brachte die Gottesmutter sie zu Jesus, der ihr einen wunderschönen Ring schenkte und zu ihr sagte: „Ich, dein Schöpfer und Erlöser, vermähle dich mit mir im Glauben, den du stets rein bewahren sollst bis du im Himmel mit mir deine ewige Hochzeit feierst“ […]. Jener Ring blieb nur für sie selbst sichtbar. In diesem außergewöhnlichen Ereignis wird der lebendige Mittelpunkt von Katharinas Religiosität und jeder echten Spiritualität deutlich: die Christozentrik. Christus ist für sie gleichsam der Bräutigam, zu dem eine Beziehung der Innerlichkeit, der Gemeinschaft und der Treue besteht; er ist das über alles geliebte Gut.

Diese tiefe Vereinigung mit dem Herrn wird durch ein anderes Ereignis aus dem Leben dieser bedeutenden Mystikerin erläutert: den Herzenstausch. Raimund von Capua zufolge, der das darlegt, was Katharina ihm anvertraut hat, erschien ihr der Herr mit einem leuchtend roten menschlichen Herzen in der Hand, öffnete ihre Brust, legte es dort hinein und sagte: „Liebste Tochter, so wie ich jüngst das Herz genommen habe, das du mir schenken wolltest, so schenke ich dir jetzt das Meinige; von jetzt an wird es den Platz einnehmen, an dem das Deinige war“ (ebd.). Katharina hat wirklich die Wortes des hl. Paulus gelebt: „nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Wie die Heilige aus Siena verspürt jeder Gläubige das Bedürfnis, sich die Empfindungen des Herzens Christi zu eigen zu machen, um Gott und den Nächsten so zu lieben, wie Christus liebt. Und wir alle können unser Herz verwandeln lassen und lernen, wie Christus zu lieben, in Vertrautheit mit ihm, die genährt wird vom Gebet, von der Betrachtung des Wortes Gottes und von den Sakramenten, vor allem durch den häufigen und ehrfürchtigen Empfang der heiligen Kommunion. […]

Liebe Brüder und Schwestern, die Eucharistie ist eine außerordentliche Liebesgabe, die Gott uns immer wieder schenkt, um unserem Glaubensweg Nahrung zu geben, unsere Hoffnung zu stärken, unsere Liebe zu entflammen, um uns ihm immer ähnlicher zu machen. Um eine so starke und authentische Persönlichkeit bildete sich eine echte geistliche Familie: Menschen, die von der sittlichen Autorität dieser jungen Frau mit sehr hohem Lebensniveau angezogen waren. Manchmal waren sie auch beeindruckt von den mystischen Phänomenen, denen sie beiwohnten, wie den häufigen Ekstasen. Viele stellten sich in ihren Dienst und betrachteten es vor allem als Privileg, von Katharina geistlich geleitet zu werden. […]

[…] Gabe der Tränen verbunden. Sie sind Ausdruck einer feinfühligen und tiefen Sensibilität, einer Fähigkeit zur inneren Ergriffenheit und zur liebevollen Zuneigung. Nicht wenige Heilige hatten die Gabe der Tränen und äußerten damit erneut die innere Bewegtheit Jesu, der vor dem Grab des Freundes Lazarus und dem Schmerz Marias und Martas sowie beim Anblick von Jerusalem in seinen letzten irdischen Tagen seine Tränen nicht zurückgehalten und versteckt hat. Katharina zufolge vermischen sich die Tränen der Heiligen mit dem Blut Christi, von dem sie in leidenschaftlichem Ton und mit sehr ausdrucksstarken symbolischen Bildern gesprochen hat: „Denkt an den gekreuzigten Christus, Gott und Mensch (…) Setzt euch den gekreuzigten Christus zum Ziel, verbergt euch in den Wunden des gekreuzigten Christus, versenkt euch in das Blut des gekreuzigten Christus“ […].

Hier können wir verstehen, warum Katharina, obgleich sie sich der menschlichen Unzulänglichkeiten der Priester bewußt war, stets sehr große Hochachtung vor ihnen hatte: Sie spenden durch die Sakramente und das Wort die erlösende Kraft des Blutes Christi. Die Heilige aus Siena hat die geistlichen Amtsträger, auch den Papst, den sie den „sanftmütigen Christus auf Erden“ nannte, stets aufgefordert, ihrer Verantwortung treu zu sein, wozu sie stets allein durch ihre tiefe und beständige Liebe zur Kirche bewegt wurde. Bevor sie starb, sagte sie: „Wenn ich aus dem Leib scheide, habe ich wahrhaftig das Leben in der heiligen Kirche und für die heilige Kirche vollendet und hingegeben, was für mich eine einzigartige Gnade ist“. […]

Von der hl. Katharina lernen wir also die höchste Wissenschaft: Jesus Christus und seine Kirche zu kennen und zu lieben. Im Dialog der göttlichen Vorsehung beschreibt sie mit einem einzigartigen Bild Christus als Brücke, die zwischen Himmel und Erde gespannt ist. Sie besteht aus drei Stufen: den Füßen, der Seite und dem Mund Jesu. Indem sie diese Stufen emporsteigt, durchschreitet die Seele die drei Abschnitte eines jeden Weges der Heiligung: die Loslösung von der Sünde, die Übung der Tugend und der Liebe, die süße und liebevolle Vereinigung mit Gott.

Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen von der hl. Katharina lernen, mit Mut Christus und die Kirche zutiefst und aufrichtig zu lieben. Machen wir uns daher die Worte der hl. Katharina zu eigen, die wir im Dialog der göttlichen Vorsehung am Ende des Kapitels lesen, in dem von Christus als Brücke die Rede ist: „Aus Barmherzigkeit hast du uns im Blut gewaschen, aus Barmherzigkeit wolltest du Umgang haben mit den Geschöpfen. Du bist außer dir vor Liebe! Es genügte dir nicht, Mensch zu werden, sondern du wolltest auch sterben! (…) O Barmherzigkeit! Mein Herz versinkt im Gedanken an dich: Wohin ich meine Gedanken auch wende, finde ich nichts als Barmherzigkeit“ […].

Papst Benedikt XVI.
Generalaudienz am Mittwoch, 24. November 2010

 

 

Das Versagen ihrer Diener schadet der Kirche nicht

Der gesamte Abschnitt über die Eucharistie mündet in eine Klage Gottes: Caterina solle angesichts dieses Sakramentes verstehen, „zu welcher Würde dessen Diener“ berufen seien, und in welch erschreckender Diskrepanz dazu sie leben (Dial. 113). Sie sollten ihre Mitmenschen stützen, durch Verkündigung, Lebensbeispiel und Gebet, sollten „das zweite Ich“ Christi in dieser Welt sein. Stattdessen seien sie gleichgültig gegenüber dem Seelenheil anderer, „tun, als ob sie nichts sähen“ (D. 122), oder geben großes Ärgernis durch Unzucht, Habgier und Stolz. Zugleich aber untersagt die Gottesrede mit großer Strenge das empörte Urteilen über diese Priester oder ihre Verachtung. Kein Versagen ihrer Glieder kann der Kirche ihren Schatz nehmen: die „Frucht“ der Erlösungsgnade bleibt in ihr. Doch die Schönheit der „Blüten“, die Anziehungskraft der Kirche, wird durch das Verhalten derer, „die der Kirche das Blut aussaugen“, das heißt: von ihr leben, aber nicht für sie, schwer geschädigt (D. 12).

Die „Braut Kirche“ braucht ihrerseits Menschen, die sie „stützen“ und ihre Sendung tragen. Alle Glieder der Kirche, das ist Caterinas tiefste Überzeugung, schulden einander nicht nur gute Werke, sondern das Gut-Sein. Die Berufung zur Heiligkeit ist keine Privatangelegenheit; vielmehr hat aufgrund der inneren Verbundenheit der Glieder selbst das verborgenste Tun des Einzelnen Auswirkungen auf den gesamten Leib (D. 6f.). Darum sind alle, die das Sakrament empfangen, aufgerufen, sich für das Heil der Mitmenschen einzusetzen, „die empfangene Frucht mit dem Preis der Liebe in wahrer Demut und dem Licht des heiligsten Glaubens zu bezahlen“ (Br. 371). Erkennt jemand den schmählichen Zustand, so sind weder blankes Entsetzen, noch Verachtung oder gar Zynismus die gottgewollte Reaktion, sondern „heiliges Mitleid“, das freilich nicht tatenlos bleibt: Wenn jemandem von einem hohen Herrn ein kostbares Geschenk gesandt würde, dann würde er es sicher annehmen, auch wenn der Bote in schmutzigen Lumpen daherkäme. Und wenn er den Herrn liebt, wird er sich darum bemühen, dass der Bote sich ordentlich kleidet (D. 15; 120)!

Denn wer „bis zum Herzen Christi gelangt ist“, das im Sakrament der Eucharistie offensteht, der bekommt selbst ein „neues Herz“ – wie Caterina es in ihren Gebeten für den Papst erbat. Das Kennzeichen des neuen Herzens ist der „Hunger nach dem Heil“ der Mitmenschen, der Hunger und der Durst Christi, in mutigem Einsatz und tapferem Ertragen. Hierin eine echte Tochter des heiligen Dominikus, sieht Caterina die Auswirkungen in Verkündigung und fürbittendem Gebet: „Der Mund spricht von dem, wovon das Herz erfüllt ist“ – zu den Menschen über Gott, zu Gott zugunsten der Menschen. Darin besteht in dieser Welt die Vollendung der christlichen Liebe: „Christus gießt sein Blut fortwährend aus für uns, am Tisch des Altares … Wir, die wir an diesem Tisch essen und der genossenen Speise ähnlich werden, beginnen zu handeln wie Er.“

(aus: Marianne Schlosser. „Medizin gegen die Eigenliebe“, in „Die Tagespost“)

 

Caterina von Siena.
Gespräch mit Gott über seine Vorsehung,
Übers. Claudia Reimüller,
Hg. Werner Schmid,
Verl. St. Josef Kleinhain 2017
550 Seiten; 25,00 Euro
ISBN: 978-3901853357

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Die Liebe des Heilands ist größer als sein Leiden

Das Geschehnis der Herzensöffnung (Joh 19,34), das seit der Patristik auf den Ursprung der Sakramente gedeutet wird, hat Caterina tief bewegt. Wie sie selbst berichtet, habe sie den Herrn gefragt, warum er zugelassen habe, dass sein Herz noch nach dem Verscheiden aufgestochen wurde. Er habe geantwortet, dass seine Liebe weit größer sei als sein zeitlich begrenztes Leiden; Zeichen dafür sei das hervorströmende Blut, nachdem das Leiden bereits überstanden war. Diese Liebe ist gegenwärtig und wirksam in den Sakramenten – namentlich der Taufe und der Buße, welche durch Reinigung die Taufgnade wieder aufleben lässt, und ganz besonders der Eucharistie. Darum kann Caterina die Kirche wie auch das Herz des Erlösers mit demselben bildhaften Ausdruck „Gasthaus“ oder „Laden“ (bottiga) nennen, wo die Pilger Stärkung erhalten auf ihrem Weg.

Entsprechend ist ein umfangreicher Abschnitt des Dialogus (110–116) der Eucharistie gewidmet – jenem Sakrament, das unübersehbar den Mittelpunkt von Caterinas äußerem wie innerem Leben bildete (vgl. Legenda minor II, 12; Supplementum II, 6). Wieder lehrt Gott-Vater Caterina, dieses Sakrament gleiche der Sonne und dem Feuer. „Feuer“ steht für die göttliche Liebe, die sich im menschgewordenen Sohn mit dem „Blut“, der Lebenshingabe, vereint; beide sind untrennbar. „In diesem süßen Sakrament wird euch im weißen Brot die ganze göttliche Wesenheit mitgeteilt“; mit „Leib, Blut, Seele und des ewigen Gottes Gottheit“ wird Christus empfangen. Dabei sieht Caterina ebenso die gesamte Dreifaltigkeit beteiligt: Der Vater ist der „Tisch“, der als „Speise“ den Sohn darbietet; und der Heilige Geist „bedient“ bei diesem Mahl (D. 78), das bereits das Hochzeitsmahl des Himmels voraus verkosten lässt (D. 112). Vorausgesetzt, das Sakrament wird „in Sehnsucht und Glauben“ empfangen.

Ein weiteres Gleichnis erläutert, dass Empfangen keineswegs als rein passiver Vorgang aufzufassen ist: Die Sehnsucht jedes einzelnen Menschen gleicht einer Wachskerze, bei manchen ist sie groß, bei anderen klein. Alle empfangen dasselbe Feuer, doch nicht mit derselben Wirkung. Auch genügt das Wachs allein nicht; die Kerze braucht auch einen Docht. Der Docht steht für den Glauben und das Leben in der Taufgnade. Wer sich im Zustand schwerer Sünde befindet, dessen Kerze ist gleichsam „ins Wasser gefallen“, so dass der durchnässte Docht bei der Berührung mit dem Feuer nur zischt; er muss zuerst in Reue und Bekenntnis getrocknet werden, bevor er das Licht aufnehmen kann (D. 110).
Die Begegnung mit Christus im Sakrament geschieht in Glaube und Liebe, das wird ausdrücklich betont, nicht in sinnenhaften Erfahrungen: „Dieses Sakrament wird mit dem Auge des Geistes gesehen, sofern der heilige Glaube die Pupille dieses Auges ist … es wird berührt mit der Hand der Liebe … es wird gekostet durch den Geschmack des heiligen Verlangens…“ (D. 111). Auf diese Weise empfangen, ist die Kommunion personale Begegnung und Vereinigung – „wie der Fisch im Wasser und das Wasser im Fisch“ –, und „eine Speise gegen das Vergessen“ der Liebe Christi.

Wenn Christus der einzige Mittler ist – die Brücke, die vom Himmel auf die Erde reicht (D. 21 ff.) – und der Ort der Vermittlung die Kirche und ihre Sakramente, dann ergeben sich zwei Folgerungen. Erstens: Sich von der sichtbaren Kirche zu trennen, selbst wenn ihre Glieder verkommen wären, heißt, sich vom „Blut“, der Erlösungsgnade trennen (vgl. Br. 171). Zweitens: Die „Braut Kirche“ muss dem Bräutigam in innerer Haltung und Verhalten ähnlich werden. Das betrifft zuerst diejenigen, welche die Verantwortung der Ausspendung haben, Papst, Bischöfe, Priester als „ministri del sangue“. Es geht aber ebenso alle Gläubigen an, welche die Sakramente empfangen.

(aus: Marianne Schlosser. „Medizin gegen die Eigenliebe“, in „Die Tagespost“)

 

Wozu brauchen SIE eigentlich die Kirche?

In ihrem Hauptwerk, dem „Dialog von der göttlichen Vorsehung“, begonnen zwei Jahre vor ihrem Tod, inmitten größter Sorge und Kummer über die Lage der Kirche, stellt Caterina [von Siena] an Gott-Vater die Frage, was er denn mit der Kirche vorhabe – der Kirche, die in den Augen vieler „an Auszehrung leidet“. Und Gott erklärt Caterina, wozu Er die Kirche braucht: Sie sei untrennbar vom Heilsplan der Erlösung.

Die Unterredung zwischen dem fragenden Menschen und Gott, der Antwort gibt, setzt am Fundament an: Der Mensch ist „aus Liebe und für die Liebe erschaffen“ (D. 51). Diese Berufung zu verwirklichen, Gott zu lieben und all das, was Gott liebt, wäre höchste Seligkeit für den Menschen. Doch trat in diesem Bereich eine tiefe Verkehrung ein: Statt Gott zu lieben, wandte sich das Geschöpf sich selbst zu; der Mensch verfiel der „verkehrten Eigenliebe“. Hier wurzeln in der Sicht Caterinas alle Sünden und Fehlhaltungen schlechthin, von der groben Gier nach irdischen Gütern bis zum gekränkten Stolz oder der subtilen Rebellion gegen Gott. „Eigenliebe“ macht das Herz unfrei, aggressiv oder auch feige und überempfindlich – wie es nach Caterinas Beobachtung etwa bei Seelsorgern vorkommt, die wegen „eines einzigen bösen Wortes oder Blickes“ gleich die Flinte ins Korn werfen (D. 129). Nur wer frei ist von dieser „Eigenliebe“, hat den klaren Blick der Unterscheidung und ist stark in der Nächstenliebe.

Sich aus dieser Verfallenheit zu befreien, war dem Menschen aus eigenen Kräften unmöglich. Der Weg der Liebe musste ihm neu erschlossen werden; und dafür reichten weder Gebot noch Belehrung, vielmehr musste dem Menschen eine solche Liebe erwiesen werden, dass er die Kraft zur antwortenden Liebe finden könnte. Eben dieser Erweis von Liebe wurde im Leben und Sterben des menschgewordenen Gottessohnes erbracht. Caterina verdeutlicht das Erlösungsgeschehen mit einem anrührenden Gleichnis: Der Arzt Jesus Christus verhielt sich wie eine Amme, welche selbst das Medikament nimmt, das der allzu geschwächte Säugling nicht vertragen kann, um ihm mit der Muttermilch die zuträgliche Dosis einzuflößen. Die bittere Medizin war Christi vollkommener Gehorsam bis zum Tod, der keinem Menschen möglich gewesen war. Durch die Taufe erhält der Gläubige daran Anteil (D. 14): „Heilung und das Leben der Gnade“.

Man kommt in Kontakt mit dem Erlöser durch die Verkündigung und die Sakramente der Kirche. Sie sind sozusagen ihr glühender Kern, „sie alle haben ihre Kraft aus dem Blut des Lammes“. Das „Blut“, das heißt die Erlösungsgnade, zu hüten und auszuteilen, ist die Kirche da – was Caterina in zahlreichen Bildern, etwa dem des „Weinkellers“, zum Ausdruck bringt. In der Dimension, in der die Kirche die Sakramente spendet – von Caterina „corpo mistico“ genannt, im Unterschied zur Gesamtheit der Glieder der Kirche, dem „corpo universale“ –, „ist sie nichts anderes als Christus selbst“, die Ausdehnung seiner erlösenden Liebe auf alle Zeiten, aus seinem Herzen geboren.

(aus: Marianne Schlosser. „Medizin gegen die Eigenliebe“, in „Die Tagespost“)