Morgengruß zum Herzen Jesu – Herz-Jesu-Freitag

Wenn ich erwach am frühen Morgen,
Herz Jesu, dann begrüß‘ ich Dich,
um für des Tages Müh‘ und Sorgen,
Dir innig zu empfehlen mich.

Auf Dich, o Herz, will ich nur schauen,
Du bist mein Stern, mein Trost, mein Licht!
Und immer will ich Dir vertrauen;
denn Deine Treue wanket nicht.

So nimm mein Herz Dir ganz zu eigen;
gib Du ihm Kraft zur guten Tat.
Und sollte es zur Sünde neigen,
halt‘ Du es fest in Deiner Gnad‘!

Von Dir soll heute nichts mich scheiden,
verbirg in Deine Wunden mich!
Dort will ich beten, opfern, leiden
und sterben, wenn Du willst, für Dich!

So oft wie heut‘ mein Herz wird schlagen,
will ich es stets aufs neu‘ Dir weih’n,
und jeder Pulsschlag soll Dir sagen:
„Herz Jesu, für Dich ganz allein!“

In Deine Liebe ich empfehle
auch alle, die mir nahestehen;
behüte sie an Leib und Seele,
lass keinen heute irre geh’n!

Und nun gib mir (uns) den Morgensegen,
er weihe diesen Tag mit (uns) ein,
und sei mit mir (uns) auf allen Wegen,
bis ich werd‘ ewig bei Dir sein!

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Erleuchte DU mein Herz

Wie jene Blume nie von ihrer Sonne weicht,
So folgt mein Herz Gott nach aus heil’gem Triebe
Mit reiner Liebe, der nichts gleicht,
Die mich in den verwandelt, den ich liebe.

Gewiß ich kann nicht mehr auf etwas anders denken,
Als nur auf Gott, der groß und alle Fülle hat;
Nichts ist auf dieser Welt, das mich mag zu sich lenken:
Er ist’s, der mich bewegt, die Liebe macht mich satt.

Unendlich Wesen, stark, o Licht, das zu verehren,
Woraus die Wahrheit und die Liebe quillt;
Erleuchtest du mein Herz, pflegst mein Aug abzukehren
Von dem, was mich mit Eitelkeit erfüllt.

Jeanne-Marie Guyon

(G. Teerstegen und andere ins Deutsche übersetzt.
Erster Theil Frankfurt und Leipzig 1802, S.94)

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Das Wichtigste – SICH Gott überlassen

Geht zum Gebet, nicht um Gott zu genießen, sondern um darin so zu sein, wie er es will.

Das Sich-Überlassen ist das Wichtigste auf dem ganzen Weg. Es ist der Schlüssel zum Inneren. Wer sich ganz überlassen kann, wird bald vollkommen sein.

Sich Gott überlassen, dabei bleibe man fest, ohne auf Einreden des Verstandes oder Vernünfteleien zu achten. Ein großer Glaube bewirkt eine vollkommene Loslösung von allem.

Man muß sich auf Gott verlassen und „hoffen wider alle Hoffnung“ (Röm 4,18).

Das Sich-Überlassen heißt, daß wir uns von aller Sorge um uns selbst entledigen und uns ganz der Führung Gottes anheimstellen.

„Sorgt euch nicht um morgen, denn euer himmlischer Vater weiß, was ihr alles braucht“ (vgl. Mt 6,34.32).
„Denkt an ihn auf allen euren Wegen, und er selbst wird eure Schritte lenken“ (vgl. Spr 3,6).
„Gebt dem Herrn euer Tun anheim, und er läßt euer Planen gelingen“ (vgl. Spr 16,3).
„Befiehl dem Herrn deinen Weg, und hoffe auf ihn, er wird es fügen“ (Ps 37,5).

Das Sich-Überlassen muß also, sowohl was das äußere wie auch das innere Leben betrifft, ein völliges Sich-Hineingeben in die Hände Gottes sein; wir vergessen uns selbst und denken nur an Gott. Auf diese Weise bleibt das Herz allezeit frei, zufrieden und unbefangen.

(Jeanne-Marie Guyon)

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Gewähre, dass ich durch Maria zu dir komme!

»Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.« – Dieser Satz der Genesis gilt für einen Priester ebenso wie für die Laien. Im Leben eines jeden Priesters muss es eine Frau geben. Diese Frau trat bei meiner Geburt in mein Leben. Als ich als Säugling getauft wurde, legte meine Mutter mich auf den Altar der Gottesmutter in der St.-Mary’s-Kirche in El Paso, Illinois, und weihte mich ihr.

Ein kleines Kind ist sich dieses Zeichens nicht bewusst, somit war ich mir dieser Weihe nicht bewusst – doch das Zeichen war immer da. Wie ein Stück Eisen vom Magneten angezogen wird, so fühlte ich mich zu ihr hingezogen, bevor ich sie kannte, aber nie zu ihr allein, ohne Christus.

Als ich im Alter von zwölf Jahren meine erste heilige Kommunion empfing, weihte ich mich Maria bewusst. Obwohl ich mich nicht an die genauen Worte meines Gebetes erinnern kann, ähnelten sie sicher dem Motto, das ich dann für mein bischöfliches Wappen gewählt habe:

Da per matrem me Venire.
Gewähre, dass ich durch Maria zu dir komme.

Das Gebetbuch zu meiner Erstkommunion mit einem Perlmuttumschlag enthielt die Lauretanische Litanei, die ich als Junge begann, jeden Abend zu beten, was ich bis heute beibehalten habe.

Die Berufung zum Priestertum war in meinen Gedanken immer vorhanden. Ich bat um ihre Fürsprache, um dieses Amtes würdig zu sein und vor großen Abstürzen bewahrt zu bleiben.

Schon in der ersten Klasse schlug uns eine Ordensschwester vor,
dass wir oben auf jede Seite die Initialen
J. M.J.
setzen sollten, um unsere Hingabe an
»Jesus, Maria und Josef« auszudrücken.

(Fulton J. Sheen, Autobiografie 360)

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In den Staub der Erde geschrieben

Die Ehebrecherin und andere Sünder

„Jesus ging fort auf den Ölberg; und früh Morgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich, und lehrte sie. Die Schriftgelehrten und Pharisäer aber führten ein Weib hinzu, welches im Ehebruch ertappt worden war, stellten es in die Mitte, und sprachen zu ihm:
Meister! dieses Weib ist auf frischer Tat im Ehebruch ergriffen worden. Nun hat uns Moses im Gesetze befohlen, solche zu steinigen; was sagst du also?

Dies sprachen sie aber, um ihn zu versuchen, damit sie ihn anklagen könnten.

Jesus aber bückte sich nieder, und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

Als sie nun auf ihre Frage an ihn bestanden, richtete er sich auf, und sprach zu ihnen:

Wer ohne Sünde ist unter euch, werfe zuerst den Stein auf sie!

Und er bückte sich abermals, und schrieb auf die Erde.

Da sie es aber hörten, gingen sie einer nach dem anderen hinaus, von den Ältesten angefangen; und Jesus blieb allein zurück, und das Weib, das in der Mitte stand. Jesus aber richtete sich auf, und sprach zu ihr:

Weib! wo sind die, welche dich anklagten? Hat niemand dich verdammet?

Das Weib sprach: Niemand, Herr!
Da sagte Jesus: Auch ich werde dich nicht verdammen.
Gehe hin, und sündige fortan nicht mehr!

(Johannes 8, 1-12)

Samstag nach dem 3. Fastensonntag

Nun können wir uns fragen:
Was hat Jesus eigentlich in den Staub der Erde geschrieben?

Bei dem Propheten Jeremia erhalten wir womöglich die Antwort:

„O du Hoffnung Israels, o Herr!
Alle, welche dich verlassen,
müssen zuschanden werden;
die von dir abfallen,
werden in den Staub geschrieben,
weil sie den Herrn,
die Quelle lebendigen Wassers,
verlassen haben.“

Und weiter heißt es:

„Heile mich, Herr!
So werde ich geheilt werden;
hilf mir,
so wird mir geholfen sein;
denn du bist mein Lobpreis.“

(Jer 17,13-14)

Es werden wohl die Namen der Ankläger gewesen sein, die mit den Steinen warfen, deren Sünden Jesus aber ebenso kannte und auch ihnen vergeben wollte wie der Ehebrecherin.

„Gehe hin, und sündige fortan nicht mehr!“

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UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 17/28

Satan bindet niemand,
ohne dass du in der Nähe wärst
und er zu dir rufen könnte
und du geschwind seine Fesseln durchschneiden
und ihn losmachen würdest.

Niemand wird von ihm so gejagt,
dass du fern wärest,
dass du, gerufen, nicht im selben Moment
bei ihm wärst und ihn retten würdest.

Wegen all dem hasst dich dein Hasser,
denn du hast ihn immer
mehr gehasst.
Er hasst dich, weil du dich
ihm die ganze Zeit entgegenstellst.
Er hasst dich, weil er den hasst,
der dich gegeben hat.
Sowohl du
bist sein Gegner,
als auch dein Herr stellt sich gegen ihn.

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
HIER

Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 16/28

Wer würde dich nicht lieben, Buße,
beladen mit allen Gütern?
Außer Satan, der dich hasst,
weil du seinen Reichtum plünderst,
seinen Besitz zerstörst, ihn arm machst.

Du lässt ihn gestraft sein
durch die Vergeblichkeit seines bemühten Tuns.

Du sonderst ihn ab von den Erben,
die ihm nicht gehörten,
sondern die er gefangen hatte.

Dieser hasst dich wahrhaftig,
weil du ihm auch immer entgegenstehst!

Niemand fällt in seine Hände
und wird als Beute sein Fraß,
wenn du über ihn kommst.

Niemand hängt zwischen Satans Zähnen,
ohne dass du diese Zähne zerschlagen
und ihn herausziehen würdest,
wenn er dich ruft.

Nicht einmal das gibt es,
dass einer schon von ihm verschlungen wäre
und in seinem Bauch zu dir schreit,
ohne dass du diesen Bauch aufbrechen würdest,
ihn hinaus zu lassen.

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
HIER

Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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