Tagesgebet – nicht nur im Herz-Jesu-Monat

O mein Gott, mit lebendigem Glauben und tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und danke Dir für alle Gnaden, die ich von Deiner freigebigen Güte empfangen habe, besonders für die Gnade der Erschaffung, der Erlösung und Erhaltung, für das Glück des wahren heiligen Glaubens, und dass Du mich diese Nacht vor einem plötzlichen Tode bewahrt hast.

O heiligstes Herz, ich schenke und weihe mich Dir ganz: mein Herz, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen Willen, damit alles, was ich tun und leiden werde, aus Liebe zu Dir geschehe und zu Deiner Ehre gereiche; damit ich Dich liebe durch alles, was ich sehen und hören werde; damit alle meine Worte ebenso viele Akte der Anbetung, der Liebe und Lobpreisung seien gegen Deine höchste Majestät, alle Bewegungen meiner Lippen ebenso viele Akte der Reue über die Sünden, die ich begangen, und über die Unterlassungen des Guten, welche ich verschuldet habe.

O Herz der Liebe, möchte ich Dich so oft an mich ziehen können, als ich die Luft einatme, und dich dem ewigen Vater aufopfern, so oft ich sie wieder ausatme, zum Dank für alle seine Wohltaten!

Im Vertrauen auf Deine unendliche Barmherzigkeit mache ich auch die Meinung, alle heiligen Ablässe zu gewinnen, deren ich heute teilhaft werden kann, und bitte Dich, sie zum Heil meiner Seele gereichen zu lassen. Auch vereinige ich mich mit allen Gebeten, guten Werken und heiligen Absichten der leidenden, streitenden und triumphierenden Kirche.

Indem ich so mein ganzes Wesen den Anordnungen Deines heiligsten Willens überlasse, bitte ich Dich um Deinen heiligen Segen, o mein Gott.

Sei gegrüßt, o meine liebenswürdige Herrin, würdige Mutter meines Gottes, ich verehre dich von ganzem Herzen und weihe dir meine Freiheit, indem ich dich bitte, die Lenkerin meiner Schritte, die Beherrscherin meines Lebens und die Regel all meiner Absichten, Wünsche und Handlungen zu sein. Sei du auch, o heiligste Jungfrau, mein Stern auf dem Meere dieses Leben, der sichere Hafen meines Heiles und meiner Ewigkeit, und mit deinem Schutz und Segen, o süße Zuflucht der Sünder, verleihe mir die Gnade, wie du zu leben und zu sterben.

Heiliger Schutzengel und ihr, meine heiligen Patrone, seid gegrüßt! Verleihet mir, ich bitte euch, euren mächtigen Schutz und Beistand. Amen.

Vater unser…; Gegrüßt seist du Maria…; Ehre sei dem Vater…; Der Engel des Herrn…;

(Hl. Margareta Maria Alacoque)

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PSALM 5 – Montag zu den Laudes

PSALM 5

2 Meine Worte nimm zu Ohren, o Herr, * nimm wahr mein Rufen.
3 Schenk Aufmerksamkeit der Stimme meines Gebetes, * mein König und mein Gott.
4 Denn zu dir will ich beten: * o Herr, früh am Morgen wirst du meine Stimme erhören.
5 Früh am Morgen werde ich dastehen vor dir und werde schauen: * denn du bist kein Gott, der Unrecht liebt.
6 Und der Böse wird nicht bei dir weilen: * und die Ungerechten werden vor deinen Augen nicht bestehen.
7 Du hassest alle, die Unrecht verüben: * zugrunde richten wirst du alle, die Lügen reden.
Den Mann der Bluttaten und den Betrüger wird der Herr verabscheuen: *
8 ich aber werde sein in der Fülle deines Erbarmens.
Eintreten werde ich in dein Haus: * anbeten werde ich zu deinem heiligen Tempel hin in Ehrfurcht vor dir.
9 O Herr, führe mich in deiner Gerechtigkeit: * um meiner Feinde willen bahne vor deinem Antlitz meinen Weg.
10 Denn in ihrem Mund ist nicht die Wahrheit: * ihr Herz ist nichtig.
11 Ein offenes Grab ist ihre Kehle, mit ihren Zungen handelten sie trügerisch, * richte sie, o Gott.
Zu Fall sollen sie kommen mit ihren Plänen; ob der Menge ihrer Missetaten treibe sie hinaus, * denn zum Zorn haben sie dich gereizt, o Herr.
12 Und freuen sollen sich alle, die auf dich ihre Hoffnung setzen, * auf ewig werden sie jubeln: und du wirst unter ihnen wohnen.
Und rühmen werden sich in dir alle, die deinen Namen lieben, *
13 denn du, ja du wirst den Gerechten segnen.
O Herr, wie mit einem Schild deines Wohlgefallens * hast du uns umgeben.

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Minimum an Widerstand: selbst nicht mit-lügen

„Die Lüge mag alles überzogen haben, die Lüge mag alles beherrschen, doch im kleinsten Bereich werden wir uns dagegen stemmen: OHNE MEIN MITTUN! […]

Denn wenn die Menschen von der Lüge Abstand nehmen – dann hört sie einfach auf zu existieren. Wie eine ansteckende Krankheit kann sie nur in den Menschen existieren. […].

UNSER WEG: IN NICHTS DIE LÜGE BEWUSST UNTERSTÜTZEN! Erkennen, wo die Grenze der Lüge ist (für jeden sieht sie anders aus) – und dann von dieser lebensgefährlichen Grenze zurücktreten! Nicht die toten Knöchelchen und Schuppen der Ideologie zusammenkleben, nicht den vermoderten Lappen flicken – und wir werden erstaunt sein, wie schnell und hilflos die Lüge abfällt, und was nackt und bloß dastehen soll, wird dann nackt und bloß vor der Welt stehen.“

(Alexander Solschenitzyn: „Lebt nicht mit der Lüge!“)

Mehr dazu bei renovatio.org

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Für die Priester

Herr Jesus Christus, du hast der Kirche im heiligen Jean-Marie Vianney ein bewegendes Ebenbild deiner pastorale Fürsorge schenken wollen. […]

Laß uns, wie er, froh vor deiner Eucharistie verweilen und dabei erkennen, wie einfach das Wort ist, in dessen Schule wir gehen und auf welche Weise es uns täglich unterrichtet; wie zärtlich die Liebe ist, mit der du die reuigen Sünder aufnimmst; wie tröstend es ist, sich der seligsten Jungfrau Maria anzuvertrauen.

Herr Jesus Christus, laß auf die Fürsprache des heiligen Pfarrers von Ars die christlichen Familien zu „kleinen Kirchen“ werden, in denen alle Berufungen und alle Charismen, die der Heilige Geist in sie hineinlegt, Aufnahme finden und gewürdigt werden.

Herr Jesus Christus, laß uns mit solch brennenden Eifer wie der heilige Pfarrer von Ars die Worte wiederholen, mit denen er sich an dich zu wenden pflegte:

„Mein Gott, ich liebe dich, und mein einziger Wunsch ist es,
dich bis zu meinem letzten Atemzug zu lieben.

Ich liebe dich, o du unendlich liebenswerter Gott,
und ich sterbe lieber in deiner Liebe,
als auch nur einen Augenblick ohne sie zu leben.

Herr, ich liebe dich, und die einzige Gnade, um die ich dich bitte,
ist, dich ewig lieben zu dürfen.

Mein Gott, da ich dir mit meiner Zunge
nicht unaufhörlich sagen kann, daß ich dich liebe,
will ich, daß es dir mein Herz so oft wiederholt,
wie ich atme.

Ich liebe dich, mein göttlicher Erlöser,
denn du wurdest für mich gekreuzigt,
und hältst mich hier unten fest, gekreuzigt mit dir.

Mein Gott, schenke mir die Gnade, in deiner Liebe
und in der Gewißheit, daß ich dich liebe, zu sterben.“ Amen.

(Papst Benedikt XVI., 19.06.2009)

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Nachgedacht: über „Tradition“

[…] Tradition von vornherein abzulehnen, noch dazu wenn es sich um die Tradition der Kirche handelt, verrät Unkenntnis der Grenzen der eigenen Vernunft. Denn wenn wir fragen: wie legitimiert sich die kirchliche Tradition, so werden wir letzten Endes auf Gott zurückverwiesen, auf seine Offenbarung. Nur von ihm als der Quelle aller Wahrheit können wir Wahrheit empfangen, nur sein Wort ist so wertvoll, dass er für alle Zeiten bewahrt werden sollte.

Tradition geht somit zurück auf Gott, auf die Hingabe Gottes an den Menschen, auf Inkarnation im weitesten Sinne des Wortes. Unsere Beziehung zu Gott ist zunächst nicht davon geprägt, dass wir uns Gottübereignen, sondern dass Gott sich uns nähert, sich uns tradiert. Gott geht ein in die menschliche Wirklichkeit, um so für den Menschen erkennbar und erfahrbar zu werden. Da wir die Sprache Gottes nicht verstehen, spricht er in der Sprache der Menschen. Da wir sterben müßten, wenn wir ihn schauen, erscheint er in menschlicher Gestalt. Da wir auf sinnliche Wahrnehmung angewiesen sind, dürfen wir ihn, der sich uns gibt, nicht nur nehmen, sondern buchstäblich in uns aufnehmen unter den Gestalten von Brot und Wein.

Gott selber liefert sich uns aus: Der Vater liefert den Sohn aus, der Sohn gibt sich hin für das Leben der Welt und beide geben den Jüngern den Geist. In dem Wort „ausliefern“ als Übersetzung für „tradere“ schwingt schon das ganze Risiko mit, das Gott bei diesem Vorgang eingeht. Er gibt sich selbst in die Hände des Menschen (vgl. Mt 17,22), er übereignet sich dem antwortenden Glauben oder auch Unglauben des Menschen.

Annahme oder Ablehnung von Tradition bedeutet also Annahme oder Ablehnung der Wahrheit, die Gott ist. In diesem Zusammenhang in Abgrenzung von Tradition auf die Möglichkeiten des eigenen Verstandes zu verweisen, zeugt von Arroganz, ja von Dummheit. Wenn es wirklich einen Gott gibt – und das glauben wir – der Himmel und Erde geschaffen hat, dann kann Wahrheit nur von ihm und in ihm empfangen werden und zwar auf dem Weg, den er für den besten hält. Wahrheit an einer anderen Stelle zu suchen als dort, wo er sie hinterlegt hat, in der Heiligen Schrift und im Glauben der Kirche, kann nur in Irrtum führen.

Tradition (Überlieferung) ist Grundstruktur der Offenbarung Gottes, ist aber auch Grundstruktur des Rückweges des Menschen zu Gott. Wir stammen von Gott und gehen zu ihm zurück; er ist unser Ursprung und unser Herz ist unruhig, bis es in ihm Ruhe findet. Doch wir können diesen Rückweg nur antreten, indem wir uns eingliedern lassen in den Leib Christi und ihn gehen zusammen mit den Glaubenden aller Zeiten. In diesem Zusammenhang ist Tradition das Band der Einheit, das durch die Identität des einen Glaubens den Leib Christi in der Wahrheit zusammenhält.

Dieser Gedanke leitet über zu einem weiteren Punkt, den ich zum Schluß noch kurz ansprechen möchte. Schon auf rein menschlicher Ebene, aber auch für unseren Glauben hat Tradition immer auch die Funktion eines Korrektivs. Tradition relativiert den eigenen geschichtlichen Standort und zeigt und, dass wir nicht unbedingt der bis jetzt unerreichte Höhepunkt der Menschheitsentwicklung sind. Gott hat nicht uns, sondern unsere Väter auserwählt, seine Offenbarung zu empfangen; insoweit auch wir sieempfangen – und wir empfangen sie wirklich- empfangen wir sie aus ihren Händen. Tradition könnte uns beistehen im Kampf gegen alle Formen des Götzendienstes, sei es auch die Vergötzung der eigenen Vernunft.

KarI Barth sagte einmal: „Kritischer müßten mir die Kritischen sein“. Vielleicht kann uns die Tradition lehren, kritisches Denken auch auf uns selbst, auf unsere eigene Vernunft anzuwenden und im Spiegel früherer Denkbemühungen zu erkennen, wie viel von dem, was uns als der letzte Schrei erscheint, nur unkritisch übernommenem Zeitgeist entstammt, dem was moderne Philosophie „die Verfallenheit an das Man“ nennt.

Wenn wir aus der Tradition erkennen, dass z.B. ein Origenes oder Augustinus auf Fragen, die uns heute bewegen, sehr viel tiefere Antworten zu geben wußte als das, was unsere moderne wissenschaftliche Theologie zustande bringt, könnte uns das zu größerer Bescheidenheit führen und vielleicht zu der Bereitschaft auf die Wahrheit und nur auf sie zu hören, wo immer sie uns begegnet.

Damit bin ich zum Schluß gekommen. Zusammenfassend könnte man das bekannte Wort des Plato „kümmert euch nicht um Sokrates, kümmert euch um die Wahrheit“, abändern und sagen: „kümmert euch nicht um Tradition, kümmert euch um Gott.“ Es geht nicht darum, Tradition als solche festzuhalten, es geht auch nicht darum, sie abzuschaffen, letztlich geht es für uns als Christen darum, Gott zu dienen und an seinem Leben in Ewigkeit Anteil zu gewinnen. Wo Tradition sich verselbständigt, wo der Mensch ihre Pflege absolut setzt, da wird selbst das Wort der Schrift zum Buchstaben, der tötet. Wo auf der anderen Seite Tradition leichtfertig abgebrochen wird, da wird nicht nur das Band zwischen den Generationen zerrissen, sondern auch der Zugang zum Glauben und d.h. zu Gott selber verstellt. Von daher könnte man vielleicht sagen, dass gerade eine Gemeinschaft wie die unsrige dazu berufen ist, im gemeinsamen Gespräch der Generationen miteinander und vor allem im ständigen Blick auf ihn, der Mitte und Ziel unseres Lebens ist, Tradition und damit den Zugang zu Gottes Offenbarung zu bewahren oder auch neu zu eröffnen.

Aus einem Aufsatz von Christiane Reemts OSB, Äbtissin.

Abtei Mariendonk – www.mariendonk.de

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Ratschläge für das geistliche Leben

„Steigt der Geist auf unerklärliche Weise zu dem Einen auf, der jenseits des Begreifens ist, so ist es ihm unmöglich, sich nicht in diesen zu verlieben. Denn er begegnet einer unsäglichen und unbegreiflichen Schönheit, die aus Ihm entströmt wie aus einer mächtigen Quelle. In diesem Zustand, eingetaucht ins göttliche Licht, ähnelt der Geist einem Fischernetz, das wegen des Gewichts der vielen Fische, die es enthält, zu reißen droht. In Staunen steht der Geist vor Gottes Schönheit und ist berauscht wie von Wein. Wie von Sinnen gerät er außer sich und wird er von einer Bewunderung erfasst, die alles Begreifliche übersteigt; denn er ist außerstande, die Schau solch außergewöhnlicher Schönheit über aller Schönheit zu ertragen. Darum ist er von der Liebe Banden gebunden und brennt er vor lauter Durst nach Gott“

(Philokalie, Kapitel 24, hl. Kallistos über die geistliche Wonne).

Diese unbegreifliche Schönheit des Heiligen Geistes und den Durst nach Gott wollen die „Ratschläge für das geistliche Leben“ vermitteln. Sie entstammen der Feder des heiligen Nikodemos vom Berg Athos, auch Nikodemos der Hagiorite genannt, der 1749 auf der Insel Naxos auf (Kykladen, Griechenland) geboren wurde. Er studierte in Smyrna (heutige Ízmir) und wurde anschließend Sekretär an der Metropoliankirche des Metropoliten von Naxos. Hier lernte er Mönche aus verschiedenen Athos-Klöstern kennen und ging 1775 selbst auf den Berg Athos, wo er Mönch wurde im Groß-Kloster Dionysiou. Gestorben ist Nikodemos im Alter von 60 Jahren am 14. Juli 1809. 1955 wurde er heiliggesprochen und gilt als großer geistlicher Lehrer.

Der heilige Nikodemos hat eine Vielzahl von Schriften von großem spirituellem Wert hinterlassen. In der postbyzantinischen Zeit jener Epoche war es sein Anliegen, die geistigen Schätze der Orthodoxie zu bewahren, die vor allem im Innern von vielfältigen Angriffen, aber auch vom Vergessen der eigen Tradition gefährdet waren. Heute nehmen die Schriften dieses Heiligen in der Orthodoxie weltweit eine zentrale Position ein.

Zahlreiche seiner Werke wurden in vielen Sprachen übersetzt. Nun liegen uns seine „Ratschläge für das geistliche Leben – Symboleutikon Enchiridion“ in deutscher Sprache vor, die von dem rührigen deutschen Verlag „Edition Hagia Sophia“ herausgegeben wurden. Ein Biograph bezeichnet diese Arbeit nicht nur als „Erzeugnis des Gedächtnisses und des Verstandes“; vielmehr sei sie „das Erzeugnis des Gedächtnisses der Seele, die von Gott durchtränkt“ sei.

Nikodemos weiß als gebetserprobter Mönch wovon er spricht. Was er schreibt beruht ganz auf der christlichen Tradition wie auf der Gebetserfahrung eines reichen Mönchs- und Eremitenlebens.

In zwölf großen Kapiteln werden wesentliche Aspekte des geistlichen Lebens behandelt. Es ist beeindruckend, dass dieses Werk vom heiligen Nikodemus auf einer einsamen Insel niedergeschrieben wurde, wo er sich für einige Zeit aufhielt und wo er keinerlei Bücher zur Verfügung hatte. Die vielleicht reifste geistliche Frucht seines asketischen Lebens fasst in diesem sicheren Wegweiser für das geistliche Leben die reichen Erfahrungen der Heiligen Väter zusammen.

Der fromme und gelehrte Mönch wird neben der theoretischen Beschreibung immer auch ganz praktisch und bezieht sich stets auf das wirkliche Leben und die Einflüsse, denen der fromme, suchende Mensch ausgesetzt ist. Auch für heutige, moderne Menschen taugen die Ratschläge des Athos-Mönches.

Als einen kleinen Einblick sei auf das 9. Kapitel hingewiesen: „Wie man über die Phantasie wacht“. Wir lernen, dass die Phantasie Leidenschaften erzeugt und wir darum prüfen müssen, wie sich Phantasie von den Sinnen unterscheidet. Die moderne Welt erzeugt permanent Phantasien und regt ununterbrochen die Sinne an. Dabei sind die Bilder die sich ihnen einprägen oft teuflischer Natur, denn der Teufel verwendet die Phantasie als „Organ der Verblendung“. Die Welt gaukelt dem Menschen alles Mögliche vor, vor allem jenes, das ihm nicht gut tut, das, was gegen die göttliche Ordnung verstößt. Darum ist es wichtig zu erfahren, „wie man die Phantasie gebrauchen sollte“.

Nikodemus schreibt deshalb: „du müsstest über deine Phantasie ebenso wachen wie über die äußerlichen Sinne“, eigentlich sogar noch mehr „über unsere Phantasie […] als über unsere Sinne“.

„Leidenschaftsbestimmte Phantasie hat größere Kraft und Gewalt über den Menschen als die Sinne selbst. Hat eine leidenschaftsbestimmte Phantasie einmal vom Menschen Besitz ergriffen, so wird er zum willigen Knecht dieser Vorstellung. Er wird nicht mehr imstande sein zu sehen, obschon er den Sehsinn hat, zu hören, obgleich er Ohren hat, zu riechen oder zu tasten. Obschon er all seine Sinne offen hat, macht er den Anschein, sie verschlossen und vollauf untätig zu halten.“

Vor uns liegt ein leidenschaftliches und geisterfülltes Buch für leidenschaftliche Gottsucher.

Heiliger Nikodemos vom Berg Athos
Ratschläge für das geistliche Leben
– Symboleutikon Enchiridion –
Edition Hagia Sophia 2018
256 Seiten; 19,80 Euro
ISBN: 978-3963210129

Zur Bestellung

PSALM 36 – Nachtwachen am Dienstag

PSALM 36 ist ein langer Psalm. Er wird, in drei Abschnitten unterteilt, am Dienstag zu den Nachtwachen (Metten) gebetet.

PSALM 36, i

1 Ereifere dich nicht über jene, die Böses tun: * und beneide nicht die, die Sünde begehen.
2 Denn wie Gras, so werden sie schnell vertrocknen: * und wie das Grüne der Kräuter werden sie gar bald abfallen.
3 Hoffe auf den Herrn, und tue Gutes: * und bewohne das Land, und du wirst dich nähren1) von seinem Reichtum.
4 Erfreue dich am Herrn: * und er wird dir die Bitten deines Herzens erfüllen.
5 Befiehl dem Herrn deinen Weg und hoffe auf ihn: * und er wird handeln.
6 Und wie ein Licht wird er deine Gerechtigkeit hervorführen: und dein Recht wie die Mittagshelle: * 7 unterwirf dich dem Herrn und flehe ihn an.
Ereifere dich nicht über den, der Erfolg hat auf seinem Weg: * über den Menschen, der unrechte Taten verübt.
8 Laß ab vom Zorn und gib auf den Grimm: * ereifere dich nicht, so daß du böse handelst.
9 Denn die, die böse handeln, werden vernichtet werden: * diejenigen aber, die auf den Herrn harren, diese werden das Land erben.
10 Und noch ein klein wenig, und der Sünder wird nicht mehr sein: * und du wirst seinen Ort suchen, und du wirst ihn nicht finden.
11 Die Sanftmütigen aber werden das Land erben: * und sie werden sich erfreuen an der Fülle des Friedens.
12 Belauern wird der Sünder den Gerechten: * und knirschen wird er gegen ihn mit seinen Zähnen.
13 Der Herr aber wird ihn verlachen: * denn er sieht voraus, daß dessen Tag kommen wird.
14 Das Schwert haben die Sünder gezückt: * gespannt haben sie ihren Bogen,
Um den Armen und den Bedürftigen zu Fall zu bringen: * um niederzumetzeln die von Herzen Aufrichtigen.
15 Ihr Schwert soll eindringen in ihre eigenen Herzen: * und ihr Bogen werde zerbrochen.

PSALM 36, ii

16 Besser ist das Wenige für den Gerechten * als der große Reichtum der Sünder.
17 Denn die Arme der Sünder werden zerbrochen werden: * die Gerechten aber stützt der Herr.
18 Der Herr kennt die Tage der Untadeligen: * und ihr Erbe wird in Ewigkeit bleiben.
19 Sie werden in der bösen Zeit nicht zuschanden werden, und in den Tagen der Hungersnot werden sie gesättigt werden: *
20 denn die Sünder werden zugrunde gehen.
Die Feinde des Herrn aber – kaum daß sie geehrt und erhöht werden – * verschwinden, ja verschwinden werden sie wie Rauch.
21 Der Sünder wird entleihen und wird nicht zurückgeben: * der Gerechte aber erbarmt sich und wird austeilen.
22 Denn die, die ihn preisen, werden das Land erben: * die aber, die ihm fluchen, werden zugrunde gehen.
23 Beim Herrn werden die Schritte des Menschen gelenkt werden: * und an seinem Weg wird er Wohlgefallen haben.
24 Wenn er gefallen ist, wird er sich nicht verletzen: * denn der Herr legt seine Hand unter ihn.
25 Jung war ich und bin nun alt geworden: * und nicht sah ich einen Gerechten verlassen, noch seine Kinder Brot betteln.
26 Den ganzen Tag erbarmt er sich und leiht aus: * und seine Kinderschar wird gesegnet sein.
27 Wende dich ab vom Bösen und tue das Gute: * und nimm Wohnung auf ewig.
28 Denn der Herr liebt das Recht, und er wird seine Heiligen nicht verlassen: * bis in Ewigkeit werden sie bewahrt werden.
Die Ungerechten werden gestraft werden: * und die Nachkommenschaft der Gottlosen wird zugrunde gehen.
29 Die Gerechten aber werden das Land erben: * und werden wohnen in ihm auf ewig.

PSALM 36, iii

30 Der Mund des Gerechten wird die Weisheit sinnend verkosten, * und seine Zunge wird aussprechen das Recht.
31 Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen: * und es werden nicht wanken seine Schritte.
32 Es belauert der Sünder den Gerechten, * und sucht ihn zu töten.
33 Der Herr aber wird ihn nicht in dessen Händen lassen: * und er wird ihn nicht verurteilen, wenn man über ihn Gericht halten wird.
34 Harre auf den Herrn und bewahre seinen Weg: und er wird dich erhöhen, damit du das Land durch Erbschaft in Besitz nimmst: * wenn die Sünder untergehen werden, wirst du es sehen.
35 Ich sah einen Gottlosen, hoch erhöht * und erhaben wie die Zedern des Libanon.
36 Und ich ging vorüber, und siehe, er war nicht mehr: * und ich suchte ihn, und sein Ort war nicht zu finden.
37 Bewahre die Unschuld und sieh auf das Recht: * denn Nachkommenschaft hat der Mann des Friedens.
38 Die Ungerechten aber werden miteinander samt und sonders zugrunde gehen: * die Nachkommenschaft der Gottlosen wird untergehen.
39 Das Heil der Gerechten aber wird kommen vom Herrn: * und er wird ihr Beschützer sein in der Zeit der Bedrängnis.
40 Und helfen wird ihnen der Herr und wird sie befreien: * und er wird sie entreißen den Sündern, und er wird sie retten, denn ihre Hoffnung haben sie auf ihn gesetzt.

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Basilius der Große – Heiliger der ungeteilten Kirche

Basilius von Caesarea (um 330-379) – Mönch, Asket, Bischof und Kirchenlehrer. Mit seinem Bruder Gregor von Nyssa und dem gemeinsamen Freund Gregor von Nazianz ist er einer der drei kappadokischen Kirchenväter; mit Gregor von Nazianz und Johannes Chrysostomos einer der heiligen drei Hierarchen.

Aus einem Brief des hochseligen Basilius:

Diejenigen, die früher für ein anderes Glaubensbekenntnis eingenommen waren und nun mit den Rechtgläubigen in Verbindung treten wollen oder auch erst jetzt zum erstenmal die Unterweisung im Worte der Wahrheit verlangen, muß man in dem Glauben unterrichten, der von den seligen Vätern in der einst zu Nizäa versammelten Synode niedergeschrieben worden ist. Dasselbe dürfte sich auch für die empfehlen, die vermutlich gegen die gesunde Lehre sich stellen, und die ihre ketzerische Gesinnung mit scheinheiligen Ausflüchten bemänteln. Auch für sie genügt das vorliegende Symbolum. Entweder werden sie ihre geheime Krankheit heilen, oder sie werden sie in der Tiefe verbergen, dann aber selbst das Gericht für den Betrug zu tragen haben, uns aber die Verantwortung leicht machen am Tage des Gerichtes, wann der Herr „das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen wird” […] Denn klar und deutlich haben sie mit den Worten „Licht vom Lichte” zum Ausdruck gebracht, daß ein anderes das zeugende Licht sei und ein anderes das gezeugte, aber gleichwohl Licht und Licht, so daß nur von einer und derselben Wesenheit die Rede ist. Wir wollen nun auch das Nizänische Symbolum selbst vorlegen:

„Wir glauben an Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, und an Einen Herrn Jesum Christum, den eingebornen Sohn Gottes, geboren aus dem Vater, d. h. aus der Wesenheit des Vaters, Gott aus Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, erzeugt und nicht erschaffen, wesenseins mit dem Vater, durch den alles geworden ist, sowohl was im Himmel, als auch was auf Erden ist, der wegen uns Menschen und um unserer Erlösung willen herabgestiegen ist, Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist, gelitten hat, auferstanden ist am dritten Tage, aufgefahren in den Himmel und wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Und an den Hl. Geist. Die aber, die sagen: Es war einmal, da er nicht war, und er war nicht, ehe er geboren war, und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die behaupten, der Sohn Gottes sei aus einer andern Hypostase oder Wesenheit, oder veränderlich oder wandelbar, diese belegt die katholische und apostolische Kirche mit dem Banne.”

(Glaubensbekenntnis von Basilius, das Eustathius, Bischof von Sebaste, unterschrieben hat.)

Entnommen der Bibliothek der Kirchenväter.

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Heiliger Antonius – „malleus hereticorum, Hammer der Ketzer“ – 13. Juni

Der hl. Antonius von Padua wurde 1195 in Lissabon geboren, er starb am 13.06.1231 in Arcella bei Padua (13. Juni).

Die Italiener nennen den hl. Antonius wie die über seinem Grabe errichtete Basilika in Padua einfach ‚Il Santo‘; denn er ist für sie der Heilige schlechthin. Die Kirche erteilte ihm als dem ‚Doctor evangelicus‘ die Würde eines Kirchenlehrers. Das Antoniusbrot, für das in vielen katholischen Kirchen ein eigener Opferstock aufgestellt ist, ist ein Almosen zu Ehren des Heiligen und erinnert an sein soziales Wirken. Er genießt bis heute eine Beliebtheit wie außer der Gottesmutter kaum ein anderer Heiliger. Das katholische Volk hat ein unbegrenztes Vertrauen auf seine Fürbitte; unter anderem wird er angerufen, wenn man etwas verloren hat, und er hat sich unstreitig fast immer noch hilfreich erwiesen.

Aber er steht auch in dem Rufe, daß er nichts umsonst tut: der Gläubige muß für seine Hilfe ein Opfer bringen, und am liebsten ist ihm eine Geldspende für die Armen! Seine oftmals etwas süßliche Darstellung als Jüngling in Franziskanertracht, in der Rechten eine Lilie, auf dem linken Arm das Jesuskind tragend, bezeichnet das Volk als ‚Kindltoni‘. Manchmal hat er anstelle der Lilie ein flammendes Herz als Attribut, so an der Bronzestatue des Donatello in Sant‘ Antonio in Padua und auf dem Mantegnabild an der Fassade derselben Kirche. Weitere Attribute des Heiligen sind Fische, Esel oder Pferd, Buch – als Symbol der Weisheit. Vom hl. Antonius von Padua gibt es unzählige Darstellungen, auch mit anderen Heiligen zusammen, oder solche, die Einzelheiten aus den vielen Legenden wiedergeben, die sich um seine Person ranken.

Seine Patronate sind vielseitig: außer dem Wiederfinden verlorener Gegenstände ist er Schutzheiliger der Reisenden, der Liebenden, für eine gute Ehe, gegen Unfruchtbarkeit, Fieber, Viehseuchen, teuflische Mächte, Katastrophen, ferner der Bergleute, Bäcker, Haustiere (Pferde und Esel).

Antonius war Portugiese und wurde 1195 in Lissabon geboren. Ursprünglich hieß er Fernando Bullone und stammte aus dem Geschlechte Gottfrieds von Bouillon, des ersten Eroberers des Heiligen Grabes. Mit fünfzehn Jahren trat er in den Orden der Augustiner-Chorherren ein. Hier bildete er sich in zehn Studienjahren „zum tiefen Kenner der Heiligen Schrift“. Auch diesen Heiligen traf der Anstoß Gottes: als fünf Franziskanermönche, die auf ihrer Missionsreise in Marokko von den Mauren getötet worden waren, in Coimbra feierlich bestattet wurden, befand sich Fernando mitten in der ergriffenen Menge. Er hatte die Minderbrüder selbst gekannt, wollte er sie doch seinerzeit begleiten. Er faßte den Entschluß, den Bettelmönchen beizutreten, um ebenfalls den Heiden zu predigen. Mit 25 Jahren trat Fernando 1220 in das Franziskanerkloster in Coimbra ein und legte seinen Namen ab, um den Namen Antonius anzunehmen. Auf seine inständige Bitte erlaubte man dem neuen Minderbruder, noch im gleichen Jahr als Missionar nach Marokko zu reisen. Als er jedoch das afrikanische Ufer erreichte, wurde der junge Mönch, der das Märtyrertum so sehr ersehnte, sterbenskrank. Körperlich und seelisch geschwächt, mußte er sich schweren Herzens entschließen, in die Heimat zurückzukehren.

Das Schiff jedoch, dem er sich anvertraute, wurde durch einen Sturm an die sizilianische Küste verschlagen. In Messina vernahm er, daß der Ordensstifter einen Aufruf zur Versammlung der Franziskaner in Assisi erlassen hatte. Sofort machte er sich auf den Weg dorthin. Aber unter den vielen Franziskanern, die dort im Jahre 1221 zusammengekommen waren, bemerkte niemand den schweigsamen Mönch. Zuletzt nahm sich der Provinzial der Romagna, Bruder Gratian, seiner an. Demütig verschwieg Antonius seine Erziehung und sein enormes Wissen der Hl. Schrift. Von nun an diente Antonius wie der Geringsten einer in dem einsamen Bergkloster bei Forlí. Hier verbrachte er sein stilles Dasein ganz in Demut und Buße. Den schweigsamen Bruder hielt man sogar für schwachsinnig.

Durch einen Zufall wurde seine große Rednergabe offenbar. Als anläßlich einer Primizfeier keiner der anwesenden Patres unvorbereitet eine Rede halten konnte, wies einer scherzend auf Bruder Antonius, der solle es doch versuchen. Aber nun war die Verwunderung der Mitbrüder grenzenlos, denn der stille Mönch sprach mit solcher Kraft und Begeisterung, verfügte über so bezaubernde und ergreifende Worte und bezeugte zudem ein außergewöhnliches Wissen, daß man ihn allgemein als einen Meister der rede erkannte. Als der hl. Franziskus hiervon hörte, ernannte er den bis dahin so Unbeachteten zum ersten Lektor der Franziskaner für Theologie und berief ihn zum Prediger auf die Kanzeln der Städte. Nun strömte das Volk zu Tausenden herbei, um ihn zu hören.

Antonius verkündete das Evangelium in allen Gegenden Italiens und in Südfrankreich. Schon zur Nachtzeit versammelten sich die Hörer und warteten geduldig, bis er die Kanzel bestieg. Unerhört war die Kraft und der Erfolg seiner Predigten. Sooft er auftrat, umringten ihn sofort die Gläubigen. Seine Zunge brauchte er nur als Organ zur Verherrlichung der Ehre Gottes, um den heiligen Willen Gottes zu lehren, um unsterbliche Seelen aus dem Verderben des Irrtums zu retten und die Wahrheit und beseligende Gerechtigkeit zu gewinnen. Auch zeichnete er seine Gedanken in Büchern auf, die für uns ein unsterbliches Zeugnis seiner Weisheit und Gottesliebe bedeuten. Die Predigten des Heiligen waren eine Hauptwaffe zur Bekämpfung der Katharer, einer Sekte, die damals besonders in Oberitalien viele Anhänger gewonnen hatte. Antonius war ihnen durch seine gründliche Schulung überlegen und konnte sich ihnen in öffentlichen Streitgesprächen stellen. Er hatte solche Macht über die Ketzer, daß man ihm schließlich den Beinamen „Hammer der Ketzer“ gab. Doch seine großartigen Predigten waren es nicht allein, die ihm immer wieder Kraft für neue Taten spendeten. Vor allem sein großer Bußeifer und seine nächtelangen Gebete verliehen ihm die Stärke, der er so nötig bedurfte.

Der hl. Antonius wurde später zum Provinzialoberen der Romagna ernannt, aber auf dem Kapitel des Jahres 1230 stellte er einen Antrag auf Amtsenthebung. An Ämtern lag ihm nicht, er wollte nur predigen, wo immer er es konnte. Antonius suchte sogar den wilden Ezzelin von Verona auf und sprach zu ihm: „Das Maß Deiner Greuel ist voll. Wenn Du nicht Buße tust, wird Dich der Zorn Gottes zermalmen.“ Entgegen aller Erwartung war Ezzelin so beeindruckt, daß er fortan abließ von seinen grauenvollen Taten.

Die Anstrengungen des Heiligen gingen über Menschenkraft. Noch in der Fastenzeit des Jahres 1231 verzehrte er sich fast in der Glut seiner Predigten. Am 13. Juni fühlte er sein nahes Ende kommen. Der entkräftete Heilige wurde in das kleine Klarissenkloster Acella gebracht, wo er am gleichen Tage erst sechsunddreißigjährig starb. Seine letzten Worte waren: „Ich sehe meinen Herrn Jesus Christus!“ Gänzlich verbraucht und erschöpft von der Arbeit im Weinberg des Herrn, schonungslos gegen sich selbst bis zum letzten Atemzuge, war der Heilige von Padua viel zu früh von dieser Welt gegangen.

(von P. Marc Brüllingen FSSP)

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