Papst Pius XIII. – Eröffnungsansprache zum Konzil

[Papst Pius XIII. spricht zu den Konzilsvätern vor den Kameras der Welt. Giuseppe Gracia dokumentiert im Roman seine Rede. Hier einige Ausschnitte:]

Christus Jesus sei die Mitte der Geschichte, so der Papst mit tiefer, klarer Stimme. Und die Menschen hängten entweder Christus und Seiner Kirche an, dann hätten sie Licht und Güte, dann hätten sie die Früchte der rechten Ordnung und des Friedens. Oder aber die Menschen – hier in Italien wie überall auf der Welt – lebten lieber ohne Christus, lebten gegen Gott und gegen die Kirche, dann herrsche Verwirrung!

Dann herrsche die Verbitterung der Beziehungen. Dann herrsche das Austrocknen und Verdorren der Liebe, durch den Krieg der Wünsche und der gegenseitigen Interessen. Dann herrsche die Zerrüttung der Seele durch Untreue und Verrat.

Verrat bis ins Innerste der Kirche, Verrat der Bischöfe und Kardinäle‘., ruft der Papst plötzlich aus, wobei seine Augen im Licht der TV-Scheinwerfer aufblitzen.

Nein, sagt der Papst, es sei jetzt nicht die Zeit, sich etwas vorzumachen! Es sei nicht die Zeit für Kuschelreden und den faulen Frieden der Heuchler. Z u drängend seien die Mächte der Gegenwart, mit denen sich die Menschen weltweit konfrontiert sähen. Zu groß die Wucht des globalisierten, digitalisierten Wettbewerbs, der Familien und Völker auseinanderreiße, der die Natur aussauge und die Würde des Lebens mit den Füßen der Gier zertrete.

[…]

Gewiss höre man oft, so der Papst, dass die Liberalen mit ihren Reformideen viel verändern könnten, dass sie dafür sorgen könnten, die Kirche näher ans 21. Jahrhundert heranzurücken.

Doch das stimme nicht, denn die Liberalen verstünden nichts vom 21. Jahrhundert und formulierten seit Jahrzehnten im Grunde nur Probleme, die sie selber mit der kirchlichen Lehre hätten. Sie seien weder mit dem Kopf noch mit dem Herzen jemals in der Gegenwart angekommen, sondern vielmehr in der sexuellen Revolution des letzten Jahrhunderts steckengeblieben, die heute kein Mensch mehr brauche. Und auch die Traditionalisten, die sich gern als Verteidiger der Wahrheit darstellten und die technische Zivilisation von heute angeblich mit neuer Gottesfurcht bekehren wollten, seien dazu, aufgrund ihrer Weltfremdheit, nicht in der Lage. Vielmehr seien sie im Schock der Französischen Revolution steckengeblieben und unfähig, den Vorrang der Person als Ebenbild Gottes vor jeder religiös-politischen Macht zu verstehen.

Dies alles, so der Papst, müsse sich heute, an diesem feierlichen Tage zu Rom, ändern!

[…]

Es gelte zu verstehen, dass die heutigen Weltmächte von einer falschen Vorstellung des Menschen ausgingen, nämlich von einem starken, sich selbst reinigenden, zur Hochkultur emporschwingenden Menschen. Statt mit dem wahren Menschen zu rechnen, dem Menschen, der stets ins schwache Fleisch der Bedürftigkeit gehüllt bleibe; dem Menschen der Niedrigkeit und Größe eines Geschöpfes, in dem immer zugleich die Lust des Tieres wie die Lust des Engels wohne.

Vor diesem Hintergrund müsse sich die Kirche neu ins Bewusstsein rufen, dass gerade eine technisch hoch entwickelte Gesellschaft in der besonderen Gefahr schwebe, sich selber genügen zu wollen, in Gleichgültigkeit oder Hochmut gegen Gott. Gleichgültigkeit oder Hochmut zum Schaden des Seelenheils – während doch die Welt dringend ein neues Verlangen nach Gottes Liebe brauche, ein neues Verlangen nach Christus Jesus, Mitte der Geschichte und des Lebens.

(aus: Giuseppe Gracia. Der letzte Feind. Roman. 134ff.)

 

Giuseppe Gracia
Der letzte Feind, Roman
Fontis-Verlag 2020
256 Seiten; 18 Euro
ISBN: 978-3038481966

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Mariä Heimsuchung – 2. Juli

heimsuchen“ ist ein mittelhochdeutsches Wort und bedeutet: heime suochen = in freundlicher oder feindlicher Absicht zu Hause aufsuchen, überfallen.

Dabei überwiegt eher die negative Bedeutung, wie: als etwas Unerwünschtes, Unheilvolles o. ä. über jemanden, etwas kommen; befallen; auch: bei jemandem in einer ihn schädigenden oder für ihn unangenehmen, lästigen Weise eindringen. (vgl. Duden).

Für das heutige Fest „Mariä Heimsuchung“ erkennen wir jedoch den freudigen Aspekt dieses Begriffes. Ein freudiges, freundliches und freundschaftliches Ereignis kommt über jemanden. Maria besucht ihre Base Elisabeth. Beide sind schwanger und tragen ein Kind unter ihrem Herzen. Voller Freude.

Du bist gebenedeit.
Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.

Die unangenehme Bedeutung von „heimsuchen“ wird oft auch darin gesehen, dass das „freudige Ereignis“ ins Gegenteil verkehrt wird: „ein Kind unter dem Herzen tragen“ wird zu einer schwere Krankheit, ist wie ein Horrorereignis. Schwangerschaft wird zum Unwort; ist lästig und unangenehm.

Ein unschuldiges abgetriebenes Kind ist wie ein anderer gekreuzigter Christus.

Wir bitten Dich, o Herr,
lass Deinen Dienern
das Geschenk Deiner himmlischen Gnade
zukommen, damit allen,
denen die Mutterschaft
der seligsten Jungfrau
zum Anfang des Heiles geworden,
die Gedächtnisfeier ihrer Heimsuchung
den Frieden vermehre.

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Kostbares Blut unseres Herrn Jesus Christus – 1. Juli

In Festum Pretiosissimi Sanguinis Domini Nostri Jesu Christi

Die Kirche verehrte zu jeder Zeit das Kostbare Blut Jesu Christi. Der Erlösertod Jesu Christi und das für uns vergossene Blut sind die Grundlagen der Vergebung (vgl. Röm 3,23f).

Das Fest des Kostbaren Blutes wurde am 01. Juli 1849 von Papst Pius IX. als eigener Festtag in den Römischen Kalender aufgenommen. Alle Päpste danach förderten die Verehrung des Kostbaren Blutes.

Papst Pius XII. bekräftigte die Einführung dieses Festes und schreibt dazu:
Die Frömmigkeit der Gläubigen weiht den Monat Juli dem Kostbaren Blut unseres Herrn Jesus Christus, zu dessen Ehre die Kirche am ersten Tag desselben Monats eine feierliche Liturgie begeht.

Und Papst Johannes XXIII. approbierte noch am 30. Juni 1960 die Litanei vom Kostbaren Blut Jesu Christi.

Nur zehn Jahre später wurde im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils und der damit einhergehenden Liturgiereform dieses Fest aus dem Römischen Kalender entfernt.

Das Verständnis für das Geheimnis des Kostbares Blut unseres Herrn Jesus Christus geht seither immer mehr verloren.

Niemand ahnt mehr, wie viele Gnaden uns durch das Kostbare Blut Jesu Christi vermittelt werden und zuströmen. Ebenso wird der Begriff des Opfers kaum noch verwendet.

„Eucharistie“ wird bloß noch Danksagung, – die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers wird vergessen.

In dem Liturgischen Kalender von 1962, dem wir auf tu domine folgen, hat das Fest des Kostbaren Blutes weiterhin Bestand.

Beten wir, dass viele Gläubige das Kostbare Blut unseres Herrn Jesus Christus wieder wertschätzen lernen.

In Festum Pretiosissimi Sanguinis Domini Nostri Jesu Christi

Litanei

V./ A. Herr, erbarme Dich unser
V./ A. Christus, erbarme Dich unser
V./ A. Herr, erbarme Dich unser
V./ A. Christus höre uns
V./ A. Christus erhöre uns

V. Gott Vater im Himmel, A. erbarme Dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heiligste Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott

V. Blut Christi, A. rette uns
Blut Christi, des Eingeborenen des ewigen Vaters
Blut Christi, des menschgewordenen Wortes
Blut Christi, des Neuen und ewigen Bundes
Blut Christi, n der Todesangst zur Erde geronnen
Blut Christi, bei der Geißelung vergossen
Blut Christi, bei der Dornenkrönung verströmt
Blut Christi, am Kreuze ausgegossen
Blut Christi, Kaufpreis unseres Heiles
Blut Christi, einzige Vergebung der Sünden
Blut Christi, im Altarsakrament Trank und Reinigung der Seelen
Blut Christi, Strom der Barmherzigkeit
Blut Christi, Besieger aller bösen Geister
Blut Christi, Starkmut der Märtyrer
Blut Christi, Kraft der Bekenner
Blut Christi, Lebensquell der Jungfrauen
Blut Christi, Stütze der Gefährdeten
Blut Christi, Linderung der Leidenden
Blut Christi, Trost der Weinenden
Blut Christi, Hoffnung der Büßenden
Blut Christi, Zuflucht der Sterbenden
Blut Christi, Friede und Wonne aller Heiligen
Blut Christi, Unterpfand des ewigen Lebens
Blut Christi, Erlösung aus den Tiefen des Reinigungsortes
Blut Christi, aller Herrlichkeit und Ehre überaus würdig

V. Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. verschone uns, o Herr.
V. Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. erhöre uns, o Herr.
V. Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. erbarme Dich unser.

V. Lasset uns beten. – Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Deinen eingeborenen Sohn zum Erlöser der Welt eingesetzt und wolltest durch sein Blut Dich versöhnen lassen, so lasse uns denn, wir bitten Dich, den Lösepreis unseres Heiles verehren und durch seine Kraft vor den Übeln dieses Lebens auf Erden beschirmt werden, so dass wir uns im Himmel ewig seiner Frucht erfreuen dürfen, durch Christus unseren Herrn. A. Amen.

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Papst Pius XIII. – und das 3. Vatikanische Konzil

Das Dritte Vatikanische Konzil, einberufen von Papst Pius XIII., Nachfolger des Heiligen Petrus, Stellvertreter Christi auf Erden, wird an diesem bewölkten Vormittag um 10.30 Uhr eröffnet – das 22. Ökumenische Konzil in der Geschichte der katholischen Kirche. […]

Unter den Teilnehmern [der 3112 Konzilsväter] befinden sich Kardinal Andrea Maria Settaviani, Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Johannes Feuerbach, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Hausmann, Präfekt der Kleruskongregation und Erzbischof Antonio Pannola vom Staatssekretariat. […]

Die nun beginnende Heilige Messe im Petersdom bildet den Höhepunkt der Eröffnungszeremonie, feierlich und weihrauchdurchsetzt, mit Orgel und gregorianischem Gesang.

Und mit einer Liturgie, die bereits in den ersten Minuten dieser Messe für Irritationen sorgt.

Denn der Papst lässt die Predigt ersatzlos streichen und Elemente des mittelalterlichen tridentinischen Ritus einfügen; ein Ritus, bei dem der Priester einst mit dem Rücken zu den Gläubigen gestanden ist, mit weißen Handschuhen, um sich angesichts des Heiligen nicht mit der Welt zu beschmutzen.

Für viele ist diese Abänderung des Eröffnungsgottesdienstes eine Bestätigung dafür, dass Pius XIII. ein Traditionalist ist.

Und als wäre das nicht genug, folgt gleich die nächste Provokation. Nach Beendigung der Messe macht der Papst keinerlei Anstalten, die Gemeinde zu entlassen, was eigentlich seine Aufgabe wäre. Er müsste den anwesenden Medien und TV-Zuschauern signalisieren, dass nun der öffentliche Teil der Feierlichkeiten vorbei sei, dass nun der kircheninterne, für die Konzilsväter reservierte Teil beginne, die Arbeiten hinter verschlossener Tür.

Aber nein:
Der Papst tritt im vollbesetzten Petersdom sogleich ans Rednerpult und beginnt – vor laufenden Kameras – mit seiner Ansprache an die Konzilsväter.

[…]

(aus: Giuseppe Gracia. Der letzte Feind. Roman. 132f.)

 

Giuseppe Gracia
Der letzte Feind, Roman
Fontis-Verlag 2020
256 Seiten; 18 Euro
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Katholizität – Petrus&Paulus – 29. Juni

Katholizität bedeutet Universalität – Vielfalt, die zur Einheit wird; Einheit, die dennoch Vielfalt bleibt. Aus dem Wort des Paulus über die Universalität der Kirche haben wir schon ablesen können, daß zu dieser Einheit die Fähigkeit der Völker zur Selbstüberwindung gehört, um auf den einzigen Gott zu blicken.

Der eigentliche Begründer der katholischen Theologie, der hl. Irenäus von Lyon, hat im 2. Jahrhundert diese Verbindung zwischen Katholizität und Einheit sehr schön ausgedrückt: »Diese Lehre und diesen Glauben bewahrt die Kirche, die sich über die ganze Welt erstreckt, sorgfältig und bildet gleichsam eine einzige Familie: derselbe Glaube mit einer einzigen Seele und einem einzigen Herzen, dieselbe Verkündigung, Lehre, Tradition, als hätte sie nur einen einzigen Mund. Unterschiedlich sind die Sprachen der verschiedenen Regionen, aber es wirkt ein und dieselbe Kraft der Tradition.

Die Kirchen Germaniens haben ebenso wenig einen anderen Glauben oder eine andere Tradition wie jene in Spanien, Gallien, Ägypten, Libyen, im Osten oder im Zentrum der Erde; wie die Sonne als Geschöpf Gottes eine einzige und die gleiche in der ganzen Erde ist, so strahlt das Licht der wahren Verkündigung überall und erleuchtet alle Menschen, die zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen wollen« (Adversus haereses I,10,2).

Die Einheit der Menschen in ihrer Vielfalt ist möglich geworden, weil Gott, dieser eine Gott des Himmels und der Erde, sich uns gezeigt hat; weil die wesentliche Wahrheit über unser Leben, über unser »Woher?« und »Wohin?« sichtbar geworden ist, als er sich uns zeigte und in Jesus Christus uns sein Angesicht, sich selbst, sehen ließ. Diese Wahrheit über das Wesen unseres Seins, über unser Leben und unser Sterben, eine Wahrheit, die von Gott her sichtbar geworden ist, vereint uns und läßt uns zu Brüdern werden. Katholizität und Einheit gehören zusammen.

Und die Einheit hat einen Inhalt: den Glauben, den die Apostel uns im Auftrag Christi übermittelt haben.

BENEDIKT XVI., Petersdom, 29. Juni 2005

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Keine Angsthasen sein

Die Messtexte des 4. Sonntag nach Pfingsten schärfen uns ein, dass wir zwar auf unserem Weg des irdischen Lebens auch den Weg der irdischen Leidens gehen müssen. Aber wir sollen deswegen doch nicht ängstlich resignieren:

Aus dem Introitus:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten?
Der Herr ist der Beschützer meines Lebens, vor wem sollte ich zittern?
Die Feinde, die mich rings bedrängen, – kraftlos stürzen sie zu Boden.

Aus der Lesung:

Ich halte dafür, daß die Leiden dieser Zeit
nicht zu vergleichen sind mit der künftigen Herrlichkeit,
die an uns offenbar wird.
Auch das Sehnen der Schöpfung ist ja ein Harren auf diese Offenbarung der Kinder Gottes.
Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen,
nicht freiwillig, sondern durch Den, der sie unterworfen hat.
… Wir wissen ja, daß alle Geschöpfe seufzen und in Wehen liegen bis auf diesen Tag.
Aber nicht allein sie, auch wir, die wir die Erstlingsgabe des Geistes bereits besitzen,
seufzen in unserem Innern und harren auf die [Vollendung der] Kindschaft Gottes,
die Erlösung unsres Leibes: in Christus Jesus, unsrem Herrn.

Aus dem Evangelium:

In jener Zeit drängte sich das Volk an Jesus heran, um das Wort Gottes zu hören. Er stand am See Genesareth. Da sah Er zwei Schiffe am Ufer des Sees liegen; die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Er stieg in das eine der Schiffe, das dem Simon gehörte, und bat ihn, etwas vom Lande zu fahren. Dann setzte Er Sich und lehrte das Volk vom Schiffe aus. Als Er aufgehört hatte zu reden, sprach Er zu Simon:
«Fahr hinaus in die See, und werft eure Netze zum Fange aus.»
Da antwortete Ihm Simon:
«Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf Dein Wort will ich das Netz auswerfen.»
Sie taten es und fingen eine so große Menge Fische, daß ihr Netz zerriß. Darum winkten sie ihren Gefährten im andern Schiff, sie möchten kommen und ihnen helfen. Diese kamen, und sie füllten beide Schifflein, so daß sie beinahe sanken.
Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach:
«Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!»
Staunen hatte nämlich ihn und alle seine Gefährten ergriffen …
Jesus aber sprach zu Simon:
«Fürchte dich nicht; von nun an wirst du Menschen fangen

Sie verließen alles und folgten Ihm nach.

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Das Konzil öffnete die Fenster

Charles de Gaulle, Präsident von Frankreich von 1959 bis 1969:

„Johannes XXIII. öffnete die Schleusen und konnte sie nicht wieder schließen.
Es war, als wäre ein Damm gebrochen.
Johannes XXIII. wurde von dem, was er auslöste, überwältigt“
(siehe Alain Peyrefitte, C’était de Gaulle, Paris 1997, Bd. 2, S. 19).

Die Rede vom „Öffnen der Fenster“ vor und während des Konzils war eine irreführende Illusion und ein Grund zur Verwirrung.

Durch diese Worte bekamen die Menschen den Eindruck, dass der Geist einer ungläubigen und materialistischen Welt, der zu dieser Zeit deutlich zu erkennen war, einige positive Werte für das christliche Leben vermitteln könnte. Stattdessen hätten die Autoritäten der Kirche in jenen Zeiten ausdrücklich die wahre Bedeutung der Worte „Öffnen der Fenster“ erklären müssen, die darin besteht, das Leben der Kirche zu öffnen für die frische Luft der Schönheit der göttlichen Wahrheit, für die Schätze der immerfrischen Heiligkeit, für das übernatürliche Licht des Heiligen Geistes und der Heiligen, für eine Liturgie, die mit einem immer übernatürlicheren, heiligeren und ehrfürchtigeren Sinn gefeiert und gelebt wird. Im Laufe der Zeit, während der nachkonziliaren Ära, gab das teilweise geöffnete Schleusentor einer katastrophalen Flut Platz, die enorme Schäden in Lehre, Moral und Liturgie verursachte. Heute erreicht das eingedrungene Hochwasser gefährliche Werte. Wir erleben jetzt den Höhepunkt der Flutkatastrophe.

Heutzutage wurde der Schleier gelüftet und der Modernismus hat sein wahres Gesicht offenbart, das darin besteht, Christus zu verraten und ein Freund der Welt zu werden, indem man sich ihre Denkweise aneignet. Sobald die Krise in der Kirche vorbei ist, wird das Lehramt der Kirche die Aufgabe haben, alle negativen Phänomene zurückzuweisen, die in den letzten Jahrzehnten im Leben der Kirche aufgetreten sind. Und die Kirche wird dies tun, weil sie göttlich ist. Sie wird es genau tun und alle Irrtümer korrigieren, die sich angesammelt haben, beginnend mit einigen mehrdeutigen Ausdrücken in den Konzilstexten.

Der Modernismus ist wie ein verborgenes Virus, das teilweise in einigen Aussagen des Konzils verborgen ist, und das sich jetzt manifestiert hat. Nach der Krise, nach der schweren geistigen Virusinfektion, werden die Klarheit und Genauigkeit der Lehre, die Heiligkeit der Liturgie und die Heiligkeit des Priesterlebens heller leuchten.

Weihbischof Athanasius Schneider

Quelle katholisches.info

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Aktive Sterbehilfe ist nicht mehr zu bremsen

Der Medizinethiker Professor Axel W. Bauer gab der TAGESPOST ein Interview. Er reflektiert über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass „einzig die Selbstbestimmung als Kriterium für Leben und Tod“ anzusehen ist.

Bauer sieht „nach dem Urteil eine Art Grundrecht auf Selbsttötung“. Da nun jedes das Recht habe, die angebotene Hilfe zu Selbsttötung auch anzunehmen, würden auch „die Sterbehilfe und der assistierte Suizid“ „jetzt nicht mehr zu bremsen sein“.

Der Medizinethiker weißt auf sein Buch „Wir sollen sterben wollen“ aus dem Jahr 2013 hin. So hat er darauf hingewiesen, dass es künftig immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen gebe, die gepflegt und versorgt werden müssten und resultiert: „Da wäre aus der Sicht des Staates ein freiwilliges Zurückgreifen der Senioren auf den assistierten Suizid finanziell gesehen nicht unpassend“.

Mit einem Blick in das Jahr 2030, also in zehn Jahren, kann er sich „vorstellen, dass im Rahmen einer ärztlichen Beratung Alternativen zur laufenden Therapie erörtert werden oder gar erörtert werden müssen. Da wird man manchem Patienten alternativ zur Chemotherapie etwa gegen den Krebs, die starke Nebenwirkungen hat, auch die Möglichkeit des assistierten Suizids aufzeigen“.

Die Palliativmedizin, die von Seiten der Kirche gerne als das „Nonplusultra gegen die Sterbehilfe“ angesehen würde, käme an ihre Grenzen. Denn es werde immer wieder „Fälle geben, die von der Palliativmedizin nicht erfasst werden“. Schon heute gäbe es Menschen, „die sterben wollen, weil sie verzweifelt sind, sich in einer aussichtslosen Lage befinden, aber die durchaus noch eine Weile leben würden. Es wird ein Teil von Menschen übrig bleiben, die einfach nicht mehr weiterleben wollen. Das sind Menschen, die dieses Grundrecht einfordern werden und bei denen palliativmedizinische Behandlung gar nicht indiziert wäre“.

Auf die Frage, welchen Ausweg er sähe, antwortet Professor Axel W. Bauer, dass er ehrlich gesagt keinen Ausweg sehe.

Das Bundesverfassungsgericht nimmt im säkularen Staat die Rolle ein, die das Wort Gottes in der Kirche hat. Selbst Vertreter der Sterbehilfe waren überrascht davon, wie sehr ihnen das Bundesverfassungsgericht entgegengekommen ist. Ich wüsste nicht, dass irgendwo sonst im europäischen Kontext ein Verfassungsgericht ein derartiges Grundrecht auf Suizid geschaffen hätte.

DIE TAGESPOST, 18.06.2020

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Hl. Wilhelm von Vercelli – 25. Juni

Die Geschichten der Heiligen sind voller Wunder und wunderbaren Begebenheiten. Auch jene des heiligen Ordensstifters Wilhelm von Vercelli:

Wilhelm (= der willkommene Beschützer), stammte von vornehmen Eltern in Piemont, 1085 zu Vercelli geboren. Im 15. Lebensjahr wallfahrtete er nach Compostella in Spanien zum heiligen Jakobus im Pilgergewand. Ein frommer Schmied machte ihm 2 eiserne Ringe um den Leib. Dann wollte er nach Jerusalem pilgern 1106. Aber in Apulien (Neapel) lernte er den Eremiten Petrus auf einem Berge kennen und führte 2 Jahre ein strenges Einsiedler-Leben. Wilhelm war bereits Gott so wohl gefällig geworden, daß er einem Blinden das Gesicht wiedergeben konnte. Im Jahre 1108 wollte er abermals in das gelobte Land reisen, jedoch Räuber überfielen und mißhandelten ihn. Nun erkannte er durch eine Offenbarung, daß Gott ihn berufen hätte, als Eremit ihm zu dienen. Er hatte einige Zeit mit dem heiligen Johannes von Genosa Gott gedient, trennte sich aber nun von ihm und baute sich eine Eremitenzelle auf dem Monte Virgiliano. Da aber der Ruf von seiner Heiligkeit ihm Schüler zuführte, so erbaute er ein Kloster und gab seinen Religiosen die Regel des heiligen Benedikt als Grundlage und besondere Lebensregeln, die er jedoch nicht niederschrieb. Auch eine Kirche erbaute er daselbst zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria, weshalb später jener Berg Monte Vergine (Berg der Jungfrau) genannt wurde. Der Heilige gab seinen Schülern einen Obern und zog sich an andere einsame Orte zurück, wo sich das gleiche wiederholte, da ihn immer wieder neue Schüler aufsuchten, die er nicht abweisen wollte. So ward der heilige Wilhelm der Stifter eines neuen Ordens, dessen Mitglieder man Einsiedler-Mönche nennen könnte; später wurden sie Wilhelmiten genannt. König Roger von Neapel (und Sizilien) berief den heiligen Abt zu sich nach Neapel, um seinen weisen Rat zu vernehmen. Neidige Höflinge hingegen suchten ihn in Ungnade zu bringen und ließen ihn durch eine freche Frauensperson versuchen. Der Heilige legte sich auf glühende Kohlen, ohne verletzt zu werden. Da bekehrte sich jene Person, gründete zu Venosa ein Frauenkloster und führte ein strenges Bußleben. Auch der König gründete mehrere Klöster. Dann entstanden auch Klöster für Jungfrauen, die in ähnlicher Weise Gott dienen wollten. Nachdem der Heilige viele Kranke geheilt und nicht wenige Sünder bekehrt hatte, starb er am voraus gesagten Tage, nämlich am 25. Juni 1142. Sein Grab wurde durch Wunder glorreich. –

(Vgl.: Wilhelm Auer. Goldene Legende. Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902)

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