Verliert den Mut nicht!

Brüder!
Ich bitte euch:
werdet nicht mutlos wegen der Drangsale,
die ich für euch erleide;
das bedeutet ja Ruhm für euch.

Darum beuge ich mein Knie vor dem Vater unsres Herrn Jesus Christus, von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen hat:

Er möge euch nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit verleihen, daß ihr durch Seinen Geist dem innern Menschen nach kraftvoll erstarket; daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr selbst in der Liebe festgewurzelt und gegründet seiet.

So möget ihr mit allen Heiligen begreifen die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe (der herrlichen Berufung, die uns in Christus zuteil geworden) und auch die Liebe Christi verstehen, die alles Erkennen übersteigt, und so mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden.

Ihm aber, der vermöge der in uns wirkenden Kraft über all das hinaus noch weit mehr zu tun vermag, als wir erflehen und erdenken können, Ihm sei die Ehre in der Kirche und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit.

(Epistel Eph. 3,13-21 am 16 So. n. Pfingsten)

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Die Dreihändige – Tricherousa

Unter den hochverehrten Gnadenbildern der orthodoxen Kirche werden lediglich vier dem Maler-Apostel Lukas direkt zugeschrieben. Es betrifft dies die wundertätige Muttergottes von Megaspiläon in Morea (Peloponnes), von Kykky (Zypern), vom Melasberg im einstigen Kaiserreich Trapezunt an der Schwarzmeerküste und die wohl berühmteste „Panajia Tricherousa“ im Großkloster Chilandari auf dem Athos.

Nach der Legende hat sie der Evangelist Lukas, der als Arzt den Apostel Paulus auf seinen Missionsreisen begleitete, eigenhändig gemalt. Im 8. Jahrhundert gelangte sie in den Besitz des bedeutenden ostkirchlichen Theologen Johannes Damascenus (ca. 670 – ca. 750), der sie wegen ihrer Heilkraft besonders verehrte. Kein Wunder, wenn er sich mit allen Mitteln gegen den Bildersturm wandte, der vom byzantinischen Kaiser Leo III., dem Syrer (717-741), im ganzen oströmischen Reich mit Gewalt durchgesetzt wurde.

Auf kaiserlichen Befehl ließ der Kalif von Damaskus dem Bilderverehrer Johannes die recht Hand abhauen, damit dieselbe keine Streitschriften wider die Ikonoklasten (Bilderstürmer) verfassen konnte: „Solcherweise wurde die Hand, die zuvor im Kampfe wider die Feinde des Herrn mit Tinte befleckt war, in ihrem eigenen Blute gefärbt“, berichtet der Hagiograph.

In seinem körperlichen und seelischen Schmerz eilte Johannes Damascenus zur verborgen gehaltenen wundertätigen Muttergottes, die die abgeschlagene Theologenhand wieder anheftete und dem Geheilten den Auftrag erteilte, diese Hand „als das Rohr eines rasch schreibenden Schreibers zu benützen, um Hymnen an Christus und an die Muttergottes zu verfassen“.

Als Zeichen der Dankbarkeit stiftete Johannes eine Silberhand, die er an der unteren Hälfte der Ikone anbringen ließ. Seither trägt sie den Namen „Tricherousa“, die Dreihändige.

Während nahezu 400 Jahren blieb sie im Wüstenkloster des Heiligen Sáwa (Sabbas) bei Jerusalem. Im 12. Jahrhundert gelangte sie an den gleichnamigen Erzbischof Sáwa nach Serbien. Dieser gründete 1196 die Serbenabtei Chilandari, wo seither das mit Orden geschmückte Gnadenbild thront.

(Aus: Huber, Paul. Athos, Wundertätige Ikonen, Parkland V. Stuttgart)

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 3/9

Widersteht dem Antichrist!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O weh!
Wohin seid Ihr nur gekommen, da Eure Tugend sich nicht Eurer hohen Würde angeglichen hat!

Ihr wart dazu berufen, Euch an der Brust der heiligen Kirche zu nähren.

Wie Blumen wurdet Ihr in diesen Garten gesetzt, um den Wohlgeruch der Tugend zu verbreiten.

Als Säulen wart Ihr aufgestellt, um das Schiff der Kirche und den Stellvertreter Christi auf Erden zu stützen.

Ihr wart dazu bestimmt, Lichter auf dem Leuchter zu sein, um die Christgläubigen zu erleuchten und den Glauben zu verbreiten.

Ihr werdet schon wissen, ob Ihr dieser Euch gestellten Aufgabe gerecht geworden seid.
Leider nicht!
Denn die Selbstsucht hat Euch die Einsicht geraubt.

Die Wahrheit ist, daß Ihr nur dazu in diesen Garten der Kirche eingepflanzt wurdet, um Kraft und Licht zu spenden und das Beispiel eines guten, heiligen Lebens zu geben. Wäret Ihr Euch dieser Wahrheit bewußt geworden, so hättet Ihr sie geliebt und Euch mit ihr bekleidet.

Wo ist denn Eure schuldige Dankbarkeit geblieben gegenüber dieser Braut, die Euch an ihrer Brust genährt hat? Ich sehe nichts als Undank. Undank aber läßt die Quelle der Frömmigkeit austrocknen.

Und was zeigt mir Eure Undankbarkeit, Ihr feigen Mietlinge?
Die Verfolgung, die Ihr jetzt zusammen mit den anderen dieser Braut (der Kirche) bereitet, in einer Zeit, wo Ihr doch wie ein Schild den Schlägen der Irrlehre und Spaltung widerstehen müßtet! Dabei kennt Ihr ganz genau die Wahrheit […}

Jetzt aber habt Ihr eine Kehrtwendung gemacht wie feige, erbärmliche Ritter. Euer eigener Schatten hat Euch Angst eingejagt. Ihr habt Euch selbst abgetrennt von der Wahrheit, die Euch stark gemacht hat, und seid übergegangen zur Lüge, die Geist und Leib schwächt, indem sie Euch der geistlichen wie auch der zeitlichen Gnade beraubt.
Und der Grund dafür?
Das Gift der Eigenliebe, das die ganze Welt vergiftet.

Dieses Gift hat Euch, Ihr Säulen,
schwach gemacht wie Strohhalme.

Ihr seid nicht mehr Blumen, die Wohlgeruch verbreiten, sondern Gestank, der die ganze Welt verpestet. Ihr seid keine Lichter am Leuchter, die den Glauben verbreiten. Ihr habt Euer Licht unter dem Scheffel des Stolzes versteckt und seid daher nicht mehr Verkünder, sondern Beschmutzer des Glaubens, da Ihr nun Finsternis verbreitet in Euch selbst und den anderen.

Ihr wart Engel im Fleisch, und Eure Aufgabe war es, uns vor dem höllischen Teufel zu schützen. Engelsdienste solltet Ihr verrichten, um die Schafe zum Gehorsam gegen die heilige Kirche zurückzuführen, aber Ihr habt Teufelsdienste übernommen.

Und nun versucht Ihr uns das Böse zu vermitteln, von dem Ihr selbst erfüllt seid, indem Ihr uns vom Gehorsam gegen den Christus auf Erden abbringen wollt und uns auffordert, dem Antichrist zu gehorchen. Er ist ein Glied des Teufels – und Ihr mit ihm, solange Ihr in dieser Häresie verbleibt!

Diese Verbblendung kommt aber nicht etwa aus einer Unkenntnis.
Sie kommt nicht daher, denn Ihr seid ja von keinem Menschen unterrichtet worden!
Nein, Ihr wißt, was die Wahrheit ist!
Ihr habt sie uns ja selber verkündet, nicht umgekehrt wir Euch!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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Neu – Maria Frieden in Steinfeld

Vor drei Monaten, am 22. Juni 2022, haben die Trappistinnen von Maria Frieden bei Dahlem in der Eifel 69 Jahre nach der Gründung ihres Klosters ihre Heimat verlassen. Mit ihrer Äbtissin M. Gratia sind neun Trappistinnen und zwei Mitglieder der Gemeinschaft, die viele Jahrzehnte als Einsiedlerinnen lebten, in ein neues Zuhause gezogen.

Die ehemalige Abtei Mariä Heimsuchung der Benediktinerinnen in Steinfeld wurde von ihren Bewohnerinnen aus Gründen ihres fortschreitenden Alters und des geringen klösterlichen Nachwuchses aufgegeben. Die Schwestern sind an einen für sie geeigneteren Ort gezogen. So wurde das verlassene Klostergebäude die neue Heimat für die Trappistinnen von Maria Frieden.

Die Homepage von kloster-steinfeld.de, verantwortet von ihrem Träger, der „Werke der Salvatorianer, gemeinnützige GmbH“ in Kall-Steinfeld, veröffentlichten einen schönen Text- und Bildbericht vom Kloster Maria Frieden.

Die folgenden beiden Fotos der Klosterkapelle sind dieser Homepage entliehen.

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 2/9

Dreht Euch nicht wie ein Blatt im Wind
und redet nicht um zu gefallen!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O menschliche Verblendung!
Seht Ihr denn nicht, Ihr unglückseligen Menschen, wie jene Dinge, die Ihr für dauerhaft, beständig, beseligend, trefflich und schön erachtet, in Wirklichkeit veränderlich sind, voll von Elend, häßlich und ohne jeden Wert?

Damit meine ich nicht die geschaffenen Dinge, denn sie alle wurden von Gott, der die höchste Güte selber ist, gut erschaffen, sondern der Fehler liegt in der Sünde derer, die diese Dinge in ungeordneter Weise besitzen.

Wie vergänglich sind doch Reichtum und weltliche Ehren bei denen, die sie ohne Gott, das heißt, ohne Gottesfurcht besitzen! Heute gelten sie noch als reich und mächtig, und morgen sind sie schon arm.

Wie erbärmlich auch ist unser leibliches Leben, da wir während unseres irdischen Daseins aus allen Teilen unseres Körpers nur üblen Geruch verbreiten! Er ist wahrlich ein Sack voll Unrat, ein Fraß für die Würmer und für den Tod.

Unser Leben und die Schönheit der Jugend schwinden dahin wie eine Blume, nachdem sie gepflückt wurde. Niemand kann diese entschwindende Schönheit dem Menschen bewahren oder wieder zurückgeben, sobald es dem höchsten Richter gefällt, diese Blume des Lebens durch den Tod zu pflücken – und niemand weiß, wann das geschieht.

O armselige Menschen!
Die Finsternis der Eigenliebe
macht Euch blind für diese Wahrheit.

Denn würdet Ihr sie erkennen,
so würdet Ihr lieber jede Pein ertragen, als ein derartiges Leben zu führen;
Ihr würdet Eure Liebe und Euer Verlangen dann dem schenken, der allein das Sein in Fülle ist;
Ihr würdet seine Wahrheit mit Entschlossenheit verkosten und Euch nicht drehen wie ein Blatt im Wind;
Ihr würdet Eurem Schöpfer dienen und alles in Ihm und nichts ohne Ihn lieben.

Wie streng und vorwurfsvoll wird einmal am Ende diese Blindheit gerügt – und zwar in jedem!
Um wieviel mehr aber noch bei denen, die Gott aus dem Elend der Welt herausgeholt und mit der größtmöglichen Würde bekleidet hat, indem er sie zu Dienern des Blutes des demütigen und unbefleckten Lammes bestellte!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 1/9

Richtet Euer geistiges Auge nicht auf vergängliche Dinge!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Teuerste Brüder und Väter in Christus, dem lieben Jesus!

Ich, Caterina, Dienerin und Magd der Diener Jesu Christi, schreibe Euch in seinem kostbaren Blut.

Ich möchte Euch sehen, wie Ihr aus der großen Finsternis und Verblendung, in die Ihr geraten seid, herauskommt und wieder zum wahren, vollkommenen Licht zurückkehrt; dann kann ich Euch wieder als Väter betrachten, sonst aber nicht.

Väter nenne ich Euch erst wieder, wenn Ihr dem Tod entflieht und zum Leben zurückkehrt […] – denn derzeit seid Ihr ja des Gnadenlebens beraubt und seid Glieder, die sich vom Haupt getrennt haben, von dem Ihr das Leben empfangen hattet.

All jene, die das Licht haben und die in diesem Licht die Wahrheit erkennen und sie lieben, leben in diesem Gehorsam. Was wir nicht sehen, können wir nicht erkennen, und was wir nicht erkennen, lieben wir auch nicht. Die aber nicht lieben, fürchten auch nicht den Schöpfer; sie lieben sich selbst in sinnlicher Liebe; und auch alles andere – Reichtum, Ehre und weltlichen Glanz – lieben sie nur mit sinnlicher Liebe. Da sie aber für die Liebe geschaffen wurden und ohne Liebe nicht leben können, lieben sie entweder Gott oder aber mit todbringender Liebe sich selbst und die Welt.

Geblendet von der falschen Eigenliebe richten sie ihr geistiges Auge nur auf die vergänglichen Dinge, die wie ein Windhauch vergehen, wodurch sie unfähig werden, das Wahre und Gute zu erkennen. Weil sie kein Licht besitzen, erkennen sie nichts, sondern nur noch die Lüge. Denn hätten sie das Licht, so würden sie wahrlich erkennen, daß ihnen aus dieser Art von Liebe nur Pein und ewiger Tod erstehen und ihnen bereits jetzt ein Vorgeschmack der Hölle bereitet wird: denn diejenigen, die sich und die weltlichen Dinge nur in ungeordneter Weise lieben, werden sich selbst unerträglich.

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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Ist man auf der Welt, um sich zu unterhalten?

Verzeihung, wozu denn? Vielleicht, um zu leiden? –
Ja und nein, wir müssen uns nur verständigen.
Das Wort des Bürgers ist zweischneidig wie das Schwert Ehuds, des Sohnes Geras, des dritten Richters in Israel. Das Leiden ist für die anderen, er allein ist auf der Welt, um sich zu unterhalten. Sobald man dies Gesetz aus den Augen verliert, wird alles dunkel.

Im Evangelium steht geschrieben, dass es immer Arme geben wird. Selbstverständlich. Soll sich etwa der Bürger der Mühe unterziehen, selber zu leiden?

Es genügt ihm nicht, Lakaien zu haben, er braucht Sklaven, Unglückliche, deren Leiber er schinden, deren Seelen er schänden kann.
Das ist seine Unterhaltung!
Seelen zu entehren, zu beschmutzen und verzweifeln zu lassen … Schreit aber der Arme auf vor Schmerz, dann wird ihm als Trost gesagt:
„Man ist nicht auf der Welt, um sich zu unterhalten“,
und der Gequälte glaubt, umringt zu sein von Dämonen.

(Léon Bloy. Exegese der Gemeinplätze)

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Über das Messopfer

Alle guten Werke zusammen erreichen nicht den Wert eines einzigen Meßopfers, denn sie sind die Werke der Menschen; die Messe aber ist Gottes Werk. Mit ihr verglichen, bedeutet selbst das Opfer des Märtyrers nichts. Hier gibt der Mensch Gott sein Leben hin; in der Messe ist es Gott, der Seinen Leib und Sein Blut für den Menschen opfert.

Auf das Wort des Priesters steigt der Herr vom Himmel und schließt sich in die kleine Hostie ein. Gottes Blick wendet sich zum Altar. „Hier ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe.“ Den Verdiensten dieses Opfers kann er nichts verweigern.

Oh wie wunderbar! Nach der Wandlung ist der liebe Gott hier bei uns wie im Himmel. (…) Wenn man uns sagte, um diese oder jene Stunde würde ein Toter auferweckt, wie schnell kämen da die Leute zusammen, um das zu sehen!

Aber ist nicht die Wandlung, wodurch Brot und Wein in das Fleisch und Blut Gottes verwandelt werden, ein viel größeres Wunder als eine Totenerweckung?

Wir sollten jedesmal wenigstens eine Viertelstunde darauf verwenden, uns für die heilige Messe gut vorzubereiten. Angesichts der tiefen Verdemütigung Christi im Sakrament der Eucharistie sollten auch wir uns vorher vor dem lieben Gott verdemütigen und unser Gewissen erforschen; denn, um einer Meßfeier gut beizuwohnen, müssen wir im Stande der Gnade sein.

(aus: Frossard, Janine. Ausgewählte Gedanken des heiligen Pfarrers von Ars, 1979)

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Gott für Frauen – oder: Warum lässt die Kirche keine Priesterinnen zu?

Der moldawische Priestermönch Savatie Baștovoi wurde von der Journalistin Doina Popa des einflussreichen Gesellschaftsmagazin „VIP Magazin“ in Moldawien, gebeten, ihm einige Fragen zum Glauben stellen zu dürfen. Der Autor von „Anti-Parenting“, dem meistverkauften Buch Rumäniens des Jahres 2017, sagte zu und beantwortet in dem für ihn eigenen Stil, 33 Fragen über Gott und den Glauben. (Siehe auch sein Buch: Der Teufel ist politisch korrekt)

Der Titel könnte also missverstanden werden, da das Buch nicht für Frauen (allein) geschrieben wurde, vielmehr sind sie es, die ihre Glaubensfragen an den Mönch und Priester richten.

Im Klappentext des herausgebenden Hagia-Sophia-Verlag wird das Buch beschrieben als „Eine Geschichte von Genealogien, Ängsten und Vorurteilen, Liebe und Verrat, geschrieben mit dem Geschick eines Romanciers und der Zartheit eines Poeten. Verweise auf alte Texte und Kommentare von großer theologischer Raffinesse offenbaren einen liebenden Gott und erklären in einfachen Worten die großen Widersprüche, die der Bibel vorgeworfen werden.“

Angesichts der durch den Synodalen Weg hervorgerufenen Verwirrungen, die unter Katholiken zu Ausgrenzungen, Schuldzuweisungen und zur Trennung unter Brüdern führen, seien zunächst einige Zeilen der Antwort zur 2. Frage („Worüber würde Gott heute weinen?“) vorgetragen, die deutlich machen, dass es beim Synodalen Weg nicht darum geht, Gott zu gefallen, sondern allein den Menschen:

„Weinen ist eine Regung, die nicht zur ewigen Vollkommenheit Gottes passt. […] Gott ist vollkommen und unerschütterlich im Ausgießen seiner Liebe über diese Welt. Die Logik ist einfach:
Wenn Gott weinte, hieße, Er leide;
Wenn Er leide, hieße, Er hätte Schmerzen;
Hätte Er Schmerzen, hieße, Er könnte geschlagen werden;
Könnte man Ihn schlagen, wäre Er zerstörbar.
Und wenn Er zerstörbar wäre, wäre Er nicht mehr ewig, nicht mehr Gott.“

Dennoch gibt es ein Kapitel, das auf Frauen bezogen ist. Es ist äußerst aktuell und wiederum scheint es eigens für den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland geschrieben worden zu sein. Der moldawische orthodoxer Mönch Savatie Baștovoi hebt auf Argumente ab, die den westlichen Menschen gänzlich fremd zu sein scheinen. Obwohl so bedenkenswert, würden sie vermutlich von den Damen und Herren Synodalen abgewiesen werden. Denn bei ihnen stehen sogenannte „Menschenrechte“ (soft skills) im Vordergrund, dafür weniger die Wahrheit, die in der Lehre verankert ist. Auch vor dem Hintergrund, dass die Moldawisch-Orthodoxe Kirche dem Moskauer Patriarchat untersteht, obwohl sie eine autonome östlich-orthodoxe Kirche ist, würden die Ausführungen des Autors der folgenden Zeilen nicht in einem ökumenische hilfreichen Sinne verstanden. – (Es folgt das 8. Kapitel aus Savatie Baștovoi aus „Gott für Frauen“)

Warum lässt die Kirche keine Priesterinnen zu?

Die Frage des weiblichen Priestertums kommt gerade im Rahmen von Diskriminierungsdebatten sehr oft auf. Es scheint die Schwachstelle der Kirche zu sein, so dass das Thema zu einer Art Tabu wird, zu einem Hammer, mit dem Organisationen, die sich mit Gender und Diskriminierung beschäftigen, ins Evangelium schlagen. Die wenigen Antworten, die ich im öffentlichen Raum dazu hörte, beziehen sich eher auf Emotionen denn auf eine historische, doktrinäre und psychosoziale Grundlage. In der Regel klingen sie gleich: „Es stimmt nicht, dass die Kirche Frauen diskriminiert; wie viele heilige Frauen wir doch haben und wie viel Ehre wir der Gottesmutter entgegenbringen!“

Bevor wir die Frage beantworten, warum Frauen keine Priesterinnen sein können, sollten wir uns fragen, was Priestertum ist. Ferner, warum eine Frau Priesterin werden sollte. Ist der Reiz des Verbotenen so groß? Was, wenn sich herausstellt, dass Priestertum sehr schwierig und riskant ist? Wenn herauskommt, dass schon in der Antike Priester die ersten waren, die überall verfolgt wurden, aufgrund antichristlicher Politik? Wer wurde während der Französischen Revolution als erste guillotiniert? Oder bei der Oktoberrevolution? Warum wurden Propheten, alttestamentliche Priester und Apostel getötet? Weshalb wurden die meisten Priester – und Bischöfe – der ersten drei Jahrhunderte gefoltert und hingerichtet?

Der Lauf der Geschichte zeigt, dass eher ein Armeegeneral in seinem Bett starb als ein Priester. Ist das eine gute Voraussetzung für Frauen? Darf die Kirche denn Frauen in den Tod schicken? Dass jeder Priester zum Opfer wird und bereit für Verfolgung und Tod ist, sagt sogar Christus; das Beispiel Seines Todes als Hohepriester ist das ultimative Argument in dieser Hinsicht. Sie werden entgegnen, dass Priester heute nicht in den Tod gehen, sondern zu Luxusautos, Prunkhäusern, schicken Anzügen, teuren Immobilien und sozialem Einfluss neigen. Dann muss ich Ihnen sagen, diese Dinge schließen sich nicht gegenseitig aus: Schon zur Zeit des heiligen Johannes Chrysostomos waren die Bischöfe sehr reich und wurden vom kaiserlichen Hof mit Ministerwürden bedacht. Der große Johannes, Patriarch von Konstantinopel, starb jedoch in Verbannung. Gab es denn in der Katholischen Kirche in Frankreich nicht schon vor der Revolution Opulenz? Natürlich, doch als es darauf ankam, wurden sowohl Heilige als auch Sünder getötet. Ebenso im zaristischen Russland: die kirchlichen Ämter hatten Korrespondenten in Armee und Polizei, Kirchen und Klöster besaßen Dörfer und sogar ganze Bezirke. Doch sie wurden verfolgt und massakriert, starben vor Kälte und Hunger: die Gerechten und die, die sich an der priesterlichen Würde nur bereichert hatten. Daher kann die Kirche als himmlische Niederlassung auf Erden die Frau nicht in den Tod und in den Kampf gegen die Bosheit der Welt drängen, denn die Frau hat ihren höchsten Dienst als Mutter. Vielleicht wurde die Frau deshalb so schön und weise in ihrer Art der Kommunikation gestaltet, eben um dem Tod zum Wohle der Kinder zu entgehen. Dies ist eine Antwort aus Sicht der moralischen und ontologischen Ordnung.

Ein weiterer völlig außer Acht geratener Aspekt des Priestertums ist die psychologische Dimension. Es gibt Tage, an denen der Priester die Beichten dutzender und sogar hunderter Menschen abnimmt. Einige von ihnen kommen mit monströsen Sünden: Sie warfen ihr Neu-geborenes in den Ofen, vergewaltigten die eigene Mutter oder den jüngeren Bruder, erstachen jemanden und versteckten die Leiche. All diese Last trägt der Priester bis zum Tod, ohne das Recht, sie offenzulegen.

Entsprechend leiden die meisten Priester an verschiedenen Stoffwechselerkrankungen, die auf Grund nervlicher und psychischer Belastung auftreten. Leider kenne ich keinen Priester ab 40, dessen Magen, Bauchspeicheldrüse oder Wirbelsäule nicht in Mitleidenschaft gezogen sind. Alles ist auf die Stunden im Stehen und die emotionale Belastung, der er ausgesetzt ist, zurückzuführen. Der Priester nimmt nicht nur die Beichte der Lebenden ab, sondern begräbt die Toten, hilft den Kranken und ist in ständiger seelischer Anspannung, er spendet den Kranken, Sterbenden und ihren Familien Trost. Auch hat er mit Scheidungen und Anklagen, Depressionen und Alkoholismus, Diebstahl und Armut zu tun. Mit anderen Worten, Priester zu sein bedeutet, einen klaren Kopf angesichts aller Probleme der Gemeinde zu haben und die Fähigkeit, sie zu bewältigen, ohne dass die eigene Familie darunter leidet. Das geschieht nämlich oft und man sieht am Ende Kinder, die vom Glauben abgefallen sind oder die sich sogar gegen ihre Eltern wenden. Wegen der Überforderung des Priesters fehlt ihm die Zeit für seine Familie. So gesehen könnte eine Priesterin ihre Berufung als Mutter nicht erfüllen: Priestertum ist schwer vereinbar mit der empfindlichen und störanfälligen Natur der Frau.

Priesterliche Arbeit und Familienführung sollten im Einklang stehen, doch das geschieht sehr selten und sollte daher das Hauptanliegen der Kirche sein: Nicht die Be-kehrung und Vermehrung von Schenkungen, sondern die Verbesserung des psychosozialen Umfelds der Priester, damit jeder die ihm zustehenden Aufgaben erfüllen kann, ohne seine Familie zu verlieren.

Was die anderen Aspekte des Priestertums angeht, wie etwa die Vermittlung zwischen Gott und Menschen, so hatten Frauen diese Rolle seit der Antike inne, abgesehen von Männern. Die Prophetin Hanna, Samuels Mutter, ist nur ein Beispiel für die Frau als Vermittlerin zwischen Gott und Menschen; Prophezeiungen waren nichts anderes als die Stimme Gottes, der die ganze Gemeinde gehorchen sollte. Folglich hat der Ausschluss des weiblichen Priestertums in seiner rituellen Form keinen philosophischen, also prinzipiellen, sondern nur einen Umstandscharakter. Übrigens gab es in der goldenen Ära des Christentums, zur Zeit des heiligen Johannes Chrysostomos, in der Kirche das Amt der weiblichen Diakonie, das heißt, Frauen übten eine geistliche Funktion am Altar aus. Dieses historische Detail bestätigt wiederum die Diskriminierungsfreiheit der Tatsache, dass Frauen keinen rituellen Dienst in der Kirche verrichten. Die einzigen Gründe gehören dem Umstand, bedingt durch die tausendjährige Erfahrung der Kirche im Laufe der sozialen Epochen.

Savatie Baștovoi
Gott für Frauen
Edition Hagia Sophia 2022
148 Seiten; 16,50 Euro
ISBN: ‎978-3963211218
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Laien als Kardinäle?

Der italienische Historiker Roberto de Mattei hat kürzlich in einem HIER ins Deutsche übersetzten Artikel auf folgendes hingewiesen:

[In der] Apostolischen Konstitution über die Römische Kurie Praedicate Evangelium vom 9. März 2022 heißt es, daß „jeder Gläubige einem Dikasterium oder einem Organismus“ der Römischen Kurie „kraft der Vollmacht, die sie vom Papst erhalten hat, in dessen Namen sie mit stellvertretender Gewalt in der Ausübung des primazialen Amtes handelt“, vorstehen kann.“ Wie der neuernannte Kardinal Gianfranco Ghirlanda bei der Vorstellung des Dokuments im Pressesaal des Vatikans erklärte, ist „die stellvertretende Vollmacht zur Ausübung eines Amtes dieselbe, egal ob sie von einem Bischof, einem Presbyter, einem geweihten Mann oder einer geweihten Frau oder einem Laien empfangen wird“.
Das bedeutet, daß jeder Laie, auch eine Frau, zum Beispiel zum Staatssekretär oder zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt werden könnte, da sie ihre Befugnisse direkt vom Papst und nicht vom Weihesakrament erhalten.
Wir stehen vor einem revolutionären Akt, indem Papst Franziskus die etablierte Tradition der Kirche umstößt und Laien Aufgaben überträgt, die traditionell dem Klerus vorbehalten waren.

Nun erinnert de Mattei an Kardinal Giacomo Antonelli (geb. am 2. April 1806 in Sonnino; gest. am 6. November 1876 in Rom), der zwar war ein Kleriker, aber kein Priester (sondern Diakon) war und dennoch von Papst Pius IX. zum Kardinal, sogar zum Kardinalstaatssekretär erhoben wurde.

dewiki gibt Auskunft über diese schillernde Persönlichkeit:

Giacomo Antonelli, geboren an der neapolitanischen Grenze, aus einer wohlhabenden Familie stammend, kam, als sein Geburtsort 1819 durch die päpstliche Gendarmerie als berüchtigtes Räubernest zerstört wurde, nach Rom und trat hier in das Große Seminar ein, wo er sich bald durch seine Talente auszeichnete. Bis 1827 studierte er am Collegio Romano und der Universität La Sapienza ziviles und kanonisches Recht.

Nachdem er am 20. September 1829 die niederen Weihen und 1840 die höhere Weihe zum Diakon empfangen hatte, zog ihn Papst Gregor XVI. in seine Nähe und bestimmte ihn für die staatsmännische Laufbahn. Antonelli wurde zum Prälaten erhoben, war bereits ab 1834 als Assessor beim obersten Strafgerichtshof tätig, später als Delegat in Orvieto, Viterbo und Macerata und wurde 1841 zum Unterstaatssekretär in der Verwaltung des Innern, 1844 zum zweiten Schatzmeister im Finanzwesen, 1845 aber zum Großschatzmeister (Finanzminister) ernannt. Als Pius IX. 1846 den päpstlichen Thron bestieg, ging er eifrig auf dessen liberale Reformbestrebungen ein und gewann bald einen maßgebenden Einfluss auf diesen.

Am 12. Juni 1847 erhielt Antonelli als Diakon den Kardinalshut und wurde am 14. Juni desselben Jahres Kardinaldiakon von Sant’Agata dei Goti, zugleich trat er in den ersten förmlichen Ministerrat ein, mit dessen Bildung Papst Pius IX. seine politischen Reformen eröffnete. Als Anfang März 1848 die Bildung eines aus weltlichen und geistlichen Mitgliedern gemischten Ministeriums erfolgte, übernahm Antonelli den Vorsitz. Während der Papst am 14. März ein Staatsgrundgesetz proklamierte, schmeichelte Antonelli der nationalen Stimmung, indem er die 10.000 Mann starke päpstliche Armee an die nördliche Grenze schickte, von wo das Korps zur Unterstützung der Piemontesen in die Lombardei einrückte.

Nach der Kapitulation der römischen Truppen am 16. Juni 1848 bei Vicenza versicherte der Papst auf Antonellis Drängen, dass er seine Truppen nicht zur Bekämpfung der Österreicher abgesendet habe. Seitdem betrieb Antonelli den Anschluss an Österreich und die größtmögliche Wiederherstellung des alten Zustandes. Der Unwille des Volks über diesen Abfall von der nationalen Sache äußerte sich in Rom so drohend, dass Antonelli und seine Kollegen einem neuen Ministerium Platz machen mussten. Antonelli wurde nun der geheime Leiter und Ratgeber des Papstes, der auf seinen Rat zunächst den Grafen Pellegrino Rossi an Stelle von Terenzio Mamiani berief. Antonelli war es auch, der nach dem Angriff des Volkes auf den Quirinal den Papst am 25. November 1848 zur Flucht nach Gaeta bewog, wo Antonelli mit der Würde eines Staatssekretärs bekleidet wurde.

Nach Wiederherstellung der päpstlichen Gewalt am 15. Juli 1849 durch die französische Intervention trat Antonelli, der am 12. April 1850 mit dem Papst nach Rom zurückgekehrt war, an die Spitze des neuerrichteten Staatsrates, reorganisierte die Verwaltung, verfolgte seine politischen Gegner auf das härteste und führte ein streng absolutistisches Polizeiregiment ein. Alle Mahnungen der Mächte zur Mäßigung und zu zeitgemäßen Reformen wies er hartnäckig zurück, verstand sich auch zu keinem Zugeständnis an die nationalen Wünsche der Italiener bereit und begleitete die Beraubungen des Kirchenstaats durch das neue Königreich Italien mit ohnmächtigen Protesten. Auch die kirchliche Politik von Papst Pius IX. unterstützte er durch seine gewandt geschriebenen Noten. In der Öffentlichkeit wurde ihm Nepotismus vorgeworfen, gerade da sein Bruder Filippo in leitender Funktion für den Bau der römischen Eisenbahn und die Banco di Roma verantwortlich war. Von 1868 bis zu seinem Tode erhielt er zusätzlich die Titeldiakonie von Santa Maria in Via Lata.

Wenn er sich auch selbst – innerlich frivol und religiös gleichgültig – aus weltlicher Klugheit manchmal gern nachgiebig gezeigt und hierdurch die Gunst der Mächte gesichert hätte, so wollte er doch vor allem nicht sein Amt und seine Gewalt verlieren und fügte sich daher den Wünschen des Papstes. Zu Beginn des Jahres 1876 verschlimmerte sich sein Gichtleiden, doch ließ sich Kardinal Antonelli auch davon nicht in seinem Arbeitseifer bremsen und hatte weiterhin eine tägliche Audienz bei Pius IX. Er starb am 6. November 1876 in Rom und hinterließ ein bedeutendes Vermögen, über das sich „ein nicht skandalfreier Prozess“ zwischen einer angeblichen Tochter Antonellis, der Gräfin Lambertini, und seinen Verwandten entspann.

https://dewiki.de/Lexikon/Giacomo_Antonelli

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