Das Sterben des Herrn am Kreuz – 7/14

Die Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick, nach Clemens Brentano.

(…) – Zustand der Stadt und des Tempels während der Finsternis

Es war nun ungefähr 1/2 2 Uhr, und ich wurde in die Stadt geführt, zu sehen, wie es dort hergehe. Ich fand eine allgemeine Angst und Bestürzung. Nebel und Nacht lag in de n Straßen, die Menschen tappten verirrt umher, viele lagen in Winkeln mit verhülltem Haupt und schlugen an die Brust, viele schauten nach dem Himmel und standen auf den Dächern und wehklagten.

Die Tiere brüllten und verbargen sich, die Vögel flogen niedrig und fielen nieder. Ich sah, daß Pilatus den Herodes besucht hatte und daß sie in großer Bestürzung nach dem Himmel schauten, auf derselben Terrasse, von welcher Herodes am Morgen die Verspottung Jesu mitangesehen hatte. Dies sei nicht natürlich, sagten sie, Jesus sei gewiß zuviel geschehen. Ich sah hierauf Herodes mit Pilatus nach dessen Palast über das Forum gehen. Sie waren beide sehr geängstigt und gingen mit starken Schritten, von Wachen umgeben. Pilatus schaute nicht nach dem Richterstuhl Gabbatha hin, wo er Jesus verurteilt hatte.

Das Forum war öde, die Leute eilten hie und da in die Häuser, andere liefen wehklagend umher.

Es sammelten sich auch einige Haufen auf den öffentlichen Plätzen. Pilatus in seinem Palast ließ die Ältesten aus den Juden berufen und fragte sie, was ihnen diese Finsternis bedeute, er halte sie für ein drohendes Zeichen, ihr Gott scheine über sie zu zürnen, daß sie den Galiläer mit Gewalt zum Tode begehrt, der gewiß ihr Prophet und König gewesen sei, er habe seine Hände gewaschen usw. Sie aber blieben hartnäckig, legten alles als eine gewöhnliche Naturerscheinung aus und bekehrten sich nicht. Jedoch hie und da bekehrten sich viele Leute, und zwar auch alle jene Soldaten, die gestern bei der Gefangennehmung Jesu am Ölberg gefallen und wieder aufgestanden waren.

Es sammelte sich unterdessen viel Volk vor dem Schloß des Pilatus, und wo sie morgens geschrien:
«Kreuzige ihn, hinweg mit ihm!»,
schrien sie jetzt:
«Ungerechter Richter! Sein Blut komme auf seine Mörder!»

Pilatus mußte sich mit Soldaten umgeben, und jener Zadoch, der am Morgen, als Jesus ins Richthaus ging, seine Unschuld laut ausgerufen, schrie und lärmte dermaßen vor dem Palast, daß Pilatus ihn beinahe festnehmen ließ.

Pilatus, der elende Mensch ohne Seele, machte den Juden die größten Vorwürfe: er habe keinen Teil daran, es sei ihr König, ihr Prophet, ihr Heiliger gewesen, den sie zum Tode gebracht, und nicht der seine, ihn gehe er nichts an, sie hätten seinen Tod gewollt.

Im Tempel herrschte Angst und Schrecken im höchsten Grade. Sie waren im Schlachten des Osterlammes begriffen, als plötzlich die Nacht einfiel, alles war verwirrt, und hie und da brach bange Wehklage aus. Die Hohenpriester taten alles, um die Ruhe und Ordnung zu erhalten; man steckte alle Lampen beim hellen Tage an, aber die Verwirrung ward nur noch größer. Ich sah Annas in peinliche Angst geraten, er lief aus einem Winkel in den andern, um sich zu verbergen. Als ich wieder zur Stadt hinausging, bebten die Schirme und Gitter vor den Fenstern der Häuser, und es war doch kein Sturm.

Die Dunkelheit ward immer größer. Ich sah auch im äußeren Teil der Stadt an der West/Nordgegend, gegen die Stadtmauer zu, wo viele Gärten und Gräber sind, einzelne Grabeingänge einsinken, als wanke der Boden.

(…)

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Das Sterben des Herrn am Kreuz – 6/14

Die Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick, nach Clemens Brentano.

(…) – Verfinsterung der Sonne
Zweites und drittes Wort am Kreuz

Bis gegen 10 Uhr, da das Urteil durch Pilatus gesprochen ward, waren abwechselnd einzelne Hagelschauer gefallen, dann trat bis 12 Uhr heller Himmel und Sonnenschein ein, und nun kam ein trüber, roter Nebel vor die Sonne. Um die sechste Stunde aber nach der Sonne, wie ich sah, um halb eins etwa, denn die jüdische Zeit zählte anders und weicht ab von der Sonne, da entstand eine ganz wunderbare Verfinsterung der Sonne.

Es wurde mir der Hergang sehr ausführlich gezeigt, aber leider konnte ich es nicht behalten und habe keine Ausdrücke, es wieder zu sagen. Ich war anfangs wie außer der Erde, als ich es ankommen sah; ich sah allerlei Himmelsringe und Sternbahnen wunderbar durcheinander kreisend. Ich sah den Mond an einer anderen Seite der Erde und sah ihn einen schnellen Lauf oder Sprung tun, wie eine schwebende Feuerkugel; dann war ich wieder in Jerusalem und sah den Mond über dem Ölberg hervorschießen, voll und bleich, die Sonne war umnebelt, und er zog sehr schnell von der Morgenseite vor die Sonne heran. Anfangs sah ich an der Ostseite der Sonne wie eine dunkle Bank, diese wurde wie ein Berg und bedeckte sie bald ganz, der Kern des Bildes erschien fahl, ein roter Schein wie ein glühender Ring war umher, der Himmel wurde ganz dunkel, die Sterne traten rotschimmernd hervor.

Es kam ein ungemeines Erschrecken über Menschen und Tiere, das Vieh brüllte und lief von dannen, die Vögel suchten sich Schlupfwinkel und fielen scharenweise auf die Hügel um den Kalvarienberg nieder, man konnte sie mit Händen greifen.

Die Spötter begannen zu schweigen, die Pharisäer versuchten noch, alles natürlich zu erklären, es gelang ihnen aber schlecht, und auch sie wurden von einer inneren Angst befallen. Alle Menschen schauten zum Himmel empor. Viele schlugen an die Brust und rangen die Hände und schrien:
«Sein Blut komme auf seine Mörder!»

Manche in der Ferne und Nähe warfen sich auf die Knie und baten Jesus um Verzeihung, und Jesus wendete in seinen Schmerzen die Augen zu ihnen.

Während die Finsternis immer zunahm und alles zum Himmel schaute und das Kreuz, außer von Jesu Mutter und nächsten Freunden, verlassen stand, richtete Dismas, der in tiefer Reue versunken gewesen war, in demütiger Hoffnung sein Haupt auf zu Jesus und sprach:
«Herr! Lasse mich an einen Ort kommen, wo du mich erlösen magst, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!»
Da sprach Jesus zu ihm:
«Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.»

Die Mutter Jesu, Magdalena, Maria Cleophä, Maria Magdalena und Johannes standen aber zwischen den Kreuzen der Schacher um Jesu Kreuz und schauten den Herrn an, und die Heilige Jungfrau, ganz von Mutterliebe überwältigt, flehte innerlich sehr inbrünstig, Jesus möge sie doch mit ihm sterben lassen. Da blickte der Herr seine liebe Mutter gar ernst und mitleidig an und wendete seine Augen zu Johannes und sagte zu ihr:
«Frau, sieh, das ist dein Sohn; er wird noch mehr dein Sohn sein, als wenn du ihn geboren hättest.»
Er lobte auch noch Johannes und sagte:
«Er ist immer arglos glaubend gewesen und hat sich nicht geärgert, außer damals, da seine Mutter ihn wollte erhöht haben.»

Zu Johannes aber sagte er:
«Sieh! Das ist deine Mutter!»,
und Johannes umarmte die Mutter Jesu, die nun auch seine Mutter geworden war, ehrerbietig wie
ein frommer Sohn unter dem Kreuz des sterbenden Erlösers. Die Heilige Jungfrau aber war nach diesem feierlichen Vermächtnis ihres sterbenden Sohnes so von Schmerz und Ernst erschüttert, daß sie in den Armen der heiligen Frauen das äußere Bewußtsein verlor und, von ihnen umgeben, dem Kreuz gegenüber eine Weile auf den Erdwall niedergesetzt und sodann aus dem Kreise des Richtplatzes zu ihren Freundinnen gebracht wurde.

Ich weiß nicht, ob Jesus alle diese Worte laut mit seinen heiligen Lippen aussprach, aber ich ward sie inne, als er seine heilige Mutter dem Johannes als Mutter und diesen ihr als Sohn vor seinem Tod übergab. In solchen Betrachtungen wird vieles vernommen, was nicht geschrieben steht, und man kann nur das wenigste mit den gewöhnlichen Worten wiedererzählen.

Was dort so klar ist, daß man glaubt, es verstehe sich von selbst, das weiß man hier nicht mit Worten verständlich zu machen. So verwundert man sich dort gar nicht, daß Jesus, die Heilige Jungfrau anredend, nicht
«Mutter»
spricht, sondern
«Frau»;
denn man fühlt sie in ihrer Würde als das Weib, welches der Schlange das Haupt zertreten sollte in dieser Stunde, da durch den Opfertod des Menschensohnes, ihres Sohnes, jene Verheißung wahr geworden ist. Man wundert sich dort nicht, daß er ihr, die der Engel gegrüßt:
«Du bist voll der Gnade!»,
den Johannes zum Sohn gibt, weil man sieht, daß dessen Name ein Name der Gnade ist, denn dort sind alle das, was sie heißen, und Johannes war ein Kind Gottes geworden, und Christus lebte in ihm. Man fühlt dort, daß Jesus mit jenen Worten Maria allen zur Mutter gegeben, welche, ihn wie Johannes aufnehmend und an seinen Namen glaubend, Kinder Gottes werden und nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Man fühlt dort, daß die Reinste, Demütigste, Gehorsamste, welche, zu dem Engel sprechend:
«Siehe die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte»,
die Mutter des ewigen fleischgewordenen Wortes geworden war, jetzt, da sie von ihrem sterbenden Sohne vernimmt, daß sie nun auch eine geistliche Mutter eines andern Sohnes sein solle, mitten in den zerreißenden Schmerzen des Abschieds wieder demütig gehorsam in ihrem Herzen gesprochen hat:
«Siehe die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte»,
und daß sie alle Kinder Gottes, alle Brüder Jesu als ihre Kinder aufnahm. Alles dieses erscheint aber dort so einfach und hier so mannigfaltig, daß es mehr durch die Gnade Gottes zu fühlen als mit Worten auszusprechen ist. Ich muß bei solchen Dingen gedenken, wie mir mein himmlischer Bräutigam einst sagte:
«In den glaubenden, hoffenden, liebenden Kindern der Kirche steht alles geschrieben.»

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Corona-Krise und unsere Begegnung mit ihr – eine Buchempfehlung

Jeder von uns ist von der sogenannten „Corona-Krise“ betroffen. Selbst jene, die wie die überwältigende Mehrheit der Menschen NICHT an Convid-19 erkrankt sind, erfahren tagtägliche deren Auswirkungen. Kaum jemand ist in der Lage, sich diesem Hype zu entziehen: Ein jeder ist bemüht, sich selbst und andere zu schützen. Die meisten Menschen nehmen das sehr ernst: sie halten Abstand, tragen Einmalhandschuhe und Mundschutz. Vor allem halten sie sich von anderen Menschen fern, sie halten Abstand voneinander.

Völlig losgelöst von der Frage nach der tatsächlichen Gefahr, die von dem Corona-Virus ausgeht, stellen wir fest, dass sich die Menschen aus dem Weg gehen. Aus Sorge, andere anzustecken? Aus Angst, angesteckt zu werden? Wir wenden uns von den Menschen ab, obwohl wir, so menschenfreundlich wir sind, einem jeden zurufen: bleiben Sie gesund!

Hilfe für die wirklich Betroffenen: die in verschiedensten Einrichtungen kasernierten Behinderten etwa, die wochenlang ihre Einrichtungen (Heime, Wohngruppen usw. nicht verlassen dürfen, noch Besuch empfangen können; aber auch die wirklich Kranken, überlassen wir getrost den professionellen Diensten.

Und wir stellen fest: selbst die Kirche zieht sich fast völlig zurück. Und dies, so scheint uns, ist etwas neues, etwas, das es in der Kirchengeschichte so noch nicht gegeben hat. Denn stets waren es die Diener der Kirche, Priester und Ordensleute, aber auch die Gläubigen selbst, die sich einer konkreten Situation angenommen und tatkräftig geholfen haben. Dabei waren die Sakramente immer im Vordergrund gegenwärtig: Beichte, Taufe, Kommunion, Sterbesakrament.

Blicken wir auf eine Heilige, die in unserem Deutschland lebte und wirkte: die heilige Elisabeth. Über sie hat Frau Dr. Barbara Stühlmeyer ein Buch geschrieben, das ich SEHR empfehlen möchte.

Hier lesen Sie hier daraus das Kapitel „Im Dienst der Kranken“:

Dass es in Marburg ein neues Hospital gab, in dem eine ehemalige Landgräfin sich aufopfernd um die Kranken kümmerte, sprach sich schnell herum. Vor allem wanderte die Nachricht, dass Elisabeth auch Bettler und Mittellose willkommen hieß und mitunter überreich beschenkte, von Mund zu Mund. Angesichts der öffentlichkeitswirksamen Aktion, mit der Elisabeth für ihr Hospital warb, ist das allerdings wenig erstaunlich.

Denn als sie ihr Witwengut von 2000 Mark erhalten hatte, ließ sie im Umkreis von 20 Kilometern um Marburg – was etwa einer Tagesreise für jemanden entspricht, der nicht ganz so gut zu Fuß ist – verkünden, dass sie ein Viertel dieser Summe an die Armen verteilen werde. Um zu verstehen, welche Bedeutung diese Summe für die so Beschenkten hatte, lohnt sich der Blick auf ein Rechenbeispiel. Für eine Mark, die als Zähleinheit im Mittelalter 144 Pfennige umfasste, konnte man mehr als fünfhundert Heringe kaufen. Schon mit einer einzigen Mark konnte Elisabeth also mehrere hundert Menschen für einen Tag satt und glücklich machen. Kein Wunder, dass die Armen aus der Region in Scharen herbeiströmten, denn die neue Leiterin des Spitals verteilte zusätzlich zu den 72 000 Pfennigen noch Brot und bot dazu warme Getränke an. Die Vita schildert, wie aufmerksam und gerecht sie dabei vorging. Denn natürlich herrschte auch unter den Armen und Kranken der Gesellschaft keine uneingeschränkte Nächstenliebe.

„Nach dem Weggang der kräftigen Leute“, so schildert es die Lebensbeschreibung der Heiligen, blieben in der folgenden Nacht bei Mondschein sehr viele schwächere und kranke Personen am Zaun des Krankenhauses und in den Winkeln des Hofes liegen.“ Und ihre Hoffnung gab ihnen Recht, auch ihnen gab Elisabeth von ihrem Reichtum ab und versorgte sie mit Nahrungsmitteln. Als die Armen vor Freude zu singen begannen, sagte Elisabeth zu ihren Dienerinnen:

Seht, ich habe euch doch gesagt, wir sollen die Menschen froh machen.

Auch wenn die Rolle der edlen Spenderin sehr gut in das Verhaltensmuster einer Landgräfin passte, die Szene blieb ein Einzelfall. Der Alltag Elisabeths entsprach vielmehr genau der radikalen Nachfolge des armen Jesus, nach der sie sich schon seit Jahren gesehnt hatte. Die ehemalige Fürstin verrichtete die einfachsten Handarbeiten. Sie kochte, putzte und spann Wolle, die sie im Kloster Altenberg, in dem ihre Tochter lebte, verkaufte, um so zum Unterhalt des Hospitals beizutragen. Allerdings war sie als Hausfrau nur schwach qualifiziert. Schon auf der Wartburg hatte sie manch einen mit den unbeholfenen Versuchen, eigenhändig eine Kuh zu melken, belustigt.

Elisabeths Dienerinnen berichten in ihrer Lebensbeschreibung über ihre eifrigen, aber unzulänglichen Versuche, Haus und Handarbeit zu verrichten:

Sie bereitete

„Speisen, aber ganz unschmackhaft, weil sie weder kochen konnte noch das Nötige dafür zur Verfügung hatte. Wegen ihrer überaus großen Armut gab sie sich oft mit wässrigen Suppen aus Hülsenfrüchten oder Krautblättern zufrieden. Diese an sich schon erbärmliche Speise, die sie wegen ihres Betens unaufmerksam zubereitete, schmeckte dann auch noch angebrannt. Wenn die selige Elisabeth Kochtöpfe säuberte und wegen anderer Beschäftigungen der Mägde einfache und armselige Speisen aus Kräutern und Hülsenfrüchten ohne Gewürz und unschmackhaft, so gut sie konnte, selbst zubereitete oder wegen zu dürftiger Kleidung unter Kälte litt, kam sie oftmals dem schwachen Feuer nahe. Sie hatte nämlich ihre Kleider ohne Rücksicht auf sich selbst an die Armen verschenkt. Da geschah es dann manchmal, dass sie bei der Arbeit ihrer Hände in Gebet oder Beschauung versunken mit Augen und Herz mehr dem Himmel zugewandt war (in dieser Haltung pflegte sie stets zu beten, wenn sie allein war) und eine Flamme oder ein Funke ihre armseligen Kleider ergriff, große Löcher hineinbrannte und sie verdarb. Aber sie merkte den Brand nicht, bis eine der Mägde zurückkehrte, den Geruch wahrnahm und das Feuer ausschlug. Elisabeth, durch die lauten Vorwürfe der Magd wieder zu sich gekommen, suchte hier und dort einfache Lappen jedweder Farbe zusammen, nähte sie eigenhändig an und beseitigte den Brandschaden so gut wie möglich. In dieser Weise besserte sie auch alte, zerrissene Stellen ihres verschlissenen Gewandes aus, indem sie es, obwohl der Nadel unkundig, mit billigen Fetzen flickte.“

Es ist also wenig erstaunlich, dass Elisabeth ungeachtet ihres Eifers wirtschaftlich gesehen nicht besonders erfolgreich war. Die Preise, die sie in Altenburg für ihre selbstgesponnene Wolle erzielte, waren gering, was der minderwertigen Qualität ihrer Handarbeit geschuldet war. Allerdings hatte Elisabeth inzwischen einen Punkt erreicht, an dem sie tatsächlich mit dem auskommen musste, was sie erwirtschaftete, denn sowohl ihre kostbaren Kleider, als auch ihr Schmuck und aller Hausrat von Wert waren nach und nach verkauft worden, um das Geld den Armen zu geben. Was ihr an Geschicklichkeit im häuslichen Bereich fehlte, machte sie jedoch durch ihre bewundernswerte Hingabe bei der Krankenpflege wett. Was sie anging, lachte niemand über Elisabeth, die, wie zahlreiche Zeitgenossen berichten, beispielsweise einen gelähmten Jungen Nacht für Nacht mehrmals auf ihren Schultern zum Abort trug, dessen Bett sie säuberte und um den sie sich in jeder Weise liebevoll kümmerte.

Dass viele der Wunderberichte, die später im Zuge ihres Heiligsprechungsprozesses zusammengetragen wurden, Kinder betreffen, hängt auch damit zusammen, dass Elisabeth ihnen besonders zugetan war. Wir erkennen hier ein wenig von dem Zwiespalt Elisabeths. Sie war eine liebende Mutter. Ihre Kinder ließ sie aber, weil das Leben, zu dem sie sich berufen fühlte, untragbar für sie gewesen wäre und vielleicht ebenfalls zu einem frühen Tod geführt hätte, standesgemäß erziehen und kümmerte sich stattdessen um die armen Kinder.

(Siehe auch HIER)

 

Barbara Stühlmeyer
Elisabeth von Thüringen: Spiritualität – Geschichte – Wirkung (Topos Taschenbücher) (Deutsch)
160 Seiten; 12 Euro;
ISBN: 978-3836711258

HIER bestellen

 

 

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Das Sterben des Herrn am Kreuz – 5/14

Die Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick, nach Clemens Brentano.

(…) – Verspottung und erstes Wort Jesu am Kreuz

Nach der Kreuzigung der Schacher und der Teilung der Kleider des Herrn rafften die Schergen alle ihre Geräte zusammen, schimpften und höhnten Jesus und zogen von dannen. Auch die übrigen anwesenden Pharisäer zu Pferd setzten sich in Bewegung, ritten um den Kreis vor das Angesicht Jesu, höhnten ihn mit vielen schmählichen Worten und ritten von dannen. Ebenso zogen die hundert römischen Soldaten mit ihren Führern vom Berg und aus der Gegend ab, denn es zogen fünfzig andere römische Soldaten herauf und besetzten die Posten.

Der Hauptmann dieser neuen Schar war Abenadar, ein geborener Araber, der später Ktesiphon getauft ward, und der Unteroffizier hieß Cassius, er war eine Art Beiläufer des Pilatus und erhielt später den Namen Longinus. Es ritten auch von neuem einige Älteste herauf, worunter jene wiederkehrten, die abermals vergeblich von Pilatus eine andere Inschrift für den Kreuztitel begehrt hatten. Er hatte sie gar nicht einmal vor sich gelassen. Sie waren um so erbitterter. Sie ritten um den Kreis und vertrieben die Heilige Jungfrau, welche sie ein loses Weib nannten; sie ward von Johannes zu den zurückstehenden Frauen gebracht, Magdalena und Martha hatten sie in den Armen.

Wenn sie, das Kreuz umziehend, vor das Angesicht Jesu kamen, schüttelten sie verächtlich den Kopf und sagten:
«Pfui über dich, Lügner! Wie zerbrichst du den Tempel und baust ihn wieder in drei Tagen?» –
«Andern hat er immer helfen wollen und kann sich
selbst nicht helfen!» –
«Bist du Gottes Sohn, so steige vom Kreuz herab!» –
«Ist er der König Israels, so steige er vom Kreuz nieder, so wollen wir ihm glauben.» –
«Er vertraute Gott, der helfe ihm nun.»
Auch die Soldaten spotteten und sagten: «Bist du der Judenkönig, so hilf dir nun.»

Als Jesus noch in der Ohnmacht so elend hing, sagte Gesmas, der Schacher zur Linken:
«Sein Teufel hat ihn nun verlassen.»

Ein Soldat aber steckte einen Schwamm mit Essig auf einen Stab und hielt ihn Jesus vor das Angesicht, und er schien ein wenig zu saugen; das Höhnen währte fort. Der Soldat sagte:
«Bist du der Judenkönig, so hilf dir selbst.»
Alles dieses geschah, während die frühere Schar durch den Haufen des Abenadar abgelöst wurde.

Jesus aber richtete sein Haupt etwas auf und sagte:
«Vater! Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun»,
und betete still weiter.
Da rief Gesmas:
«Bist du Christus, so hilf dir und uns!»

Das Höhnen währte fort, aber Dismas, der rechte Schächer, ward tief gerührt, als Jesus für seine Feinde betete, und da Maria ihres Kindes Stimme hörte, konnte ihre Umgebung sie nicht mehr zurückhalten, sie drang in den Kreis. Johannes, Salome und Maria Cleophä folgten ihr, und der Hauptmann vertrieb sie nicht.

Dismas, der rechte Schacher, erhielt durch das Gebet Jesu einen inneren Strahl der Erleuchtung, als die Heilige Jungfrau herzutrat, und er erkannte innerlich, daß Jesus und seine Mutter ihm als Kind schon geholfen, und er erhob seine Stimme ganz mächtig und laut und sagte ungefähr folgendes:
«Wie ist es möglich, ihr lästert ihn, und er betet für euch, er hat geschwiegen und geduldet und betet für euch, und ihr lästert, er ist ein Prophet, er ist unser König, er ist Gottes Sohn!»

Über diese unerwartete Strafrede aus dem Mund des elend hängenden Mörders entstand ein Tumult unter den Spöttern, und sie suchten Steine und wollten ihn am Kreuz steinigen. Der Hauptmann Abenadar aber wehrte ab, ließ sie auseinandertreiben und stellte Ordnung und Ruhe her.

Unterdessen fühlte sich die Heilige Jungfrau ganz gestärkt durch Jesu Gebet, und Dismas sagte zu Gesmas, welcher zu Jesus hinschrie:
«Wenn du Christus bist, so helfe dir und uns!»
«Und auch du fürchtest dich nicht vor Gott und leidest doch gleiches Urteil; wir aber sind mit Recht in dieser Peinigung, denn wir empfangen den Lohn unserer Taten, dieser aber hat nichts Ungerechtes getan. Oh! Bedenke deine Stunde und wende deine Seele um»,
usw. Er war aber ganz erleuchtet und gerührt und bekannte Jesus seine Schuld, sprechend:
«Herr, wenn du mich verdammst, so geschieht mir recht, aber erbarme dich meiner.»
Und Jesus sagte zu ihm:
«Du sollst meine Barmherzigkeit erfahren.»

Dismas erhielt nun die Gnade einer tiefen Reue, eine Viertelstunde lang. Das zuletzt Erzählte geschah meistens alles zugleich und dicht hintereinander von 12 bis 1/2 1 Uhr nach der Sonne, ein paar Minuten gleich nach der Kreuzaufrichtung; aber es wendete sich schnell alles anders in der Seele der meisten Zuschauer, denn noch unter den Reden des reumütigen Schächers geschah ein großes Zeichen in der Natur und erfüllte alle mit Angst.

(…)

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Das Sterben des Herrn am Kreuz – 4/14

Die Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick, nach Clemens Brentano.

(…) – Der gekreuzigte Jesus und die Schächer

Nach dem heftigen Stoß des aufgerichteten Kreuzes vergoß das Haupt Jesu, das, mit der Dornenkrone beschwert, heftig erschüttert wurde, reiche Ströme von Blut, und auch von den Händen und Füßen Jesu tropften Ströme seines heiligen Blutes nieder. Die Schergen aber stiegen nun auf Leitern hinan und lösten die Stricke von dem heiligen Leib, mit welchen sie ihn an den Kreuzesstamm gebunden hatten, auf daß er bei dem Aufrichten nicht aus den Nägeln reiße.

Nun drang der durch die ebene Lage und das Schnüren veränderte Blutlauf in der senkrechten Lage in neue Bewegung. Alle Schmerzen wurden neu und ganz betäubend, und Jesus senkte das Haupt auf die Brust und hing wohl sieben Minuten ohnmächtig wie tot. Es war eine kurze Ruhe umher, die Kreuziger waren mit der Teilung der Kleider Jesu beschäftigt, das Posaunengetön vom Tempel verhallte in der Luft.

Alle Anwesenden waren in Grimm und Schmerz erschöpft, und ich sah meinen Jesus, mein Heil, der Welt Heil, unbeweglich wie tot, in Schmerzen ohnmächtig, und schaute ihn an mit Ernst und Schrecken und Mitleid, auch ich war dem Tode nah und glaubte, eher zu sterben als zu leben.

Mein Herz war voll Bitterkeit und Liebe und Leid, mein Haupt war wie wahnsinnig von einem Dornennest von Stacheln umgeben, meine Hände und Füße waren wie Glühöfen von Pein, es rissen und zuckten tausend Blitze unsäglicher Schmerzen durch all meine Adern und Nerven und begegneten sich in allen inneren und äußeren Gliedern meines Leibes und kämpften, wo sie sich begegneten, und wurden eine Quelle neuer Qualen, und alles dieses entsetzliche Leiden war doch lauter Liebe, und alles dieses zuckende Feuer der Schmerzen war doch eine Nacht, in welcher ich jetzt nichts sah als meinen und aller Seelen gekreuzigten Bräutigam, und ich schaute ihn an mit großem Jammer und Trost.

Sein Angesicht mit der furchtbaren Krone, dem Blut, das die Augenhöhlen, die Haare, den Bart und den verschmachtend offenen Mund füllte, war zur Brust gesunken und vermochte auch später wegen des Umfangs der Krone sich nur mit unsäglicher Pein zu erheben. Seine Brust war weit zerspannt und gewaltsam hinaufgerissen, seine Achseln waren hohl und schrecklich ausgedehnt, seine Ellbogen und Handgelenke wie aus den Geweben gezogen, das Blut strömte an den Armen nieder von den weitgerissenen Handwunden. Unter der hinaufgezogenen Brust war eine tiefe Höhle, sein ganzer Unterleib war hohl und schmal, wie hinweggeschwunden.

Gleich den Armen waren die Lenden und Beine des Herrn auf eine entsetzliche Weise wie aus den Gelenken gezogen. Seine Glieder waren so gewaltsam ausgedehnt, alle Muskeln und die zerrissene
Haut so jammervoll gespannt, daß man alle seine Gebeine zählen konnte, das Blut träufelte unter dem furchtbaren Nagel, der seine heiligen Füße durchbohrte, an dem Kreuzstamme nieder, sein ganzer heiliger Leib war mit Wunden, roten Schwielen, Striemen, braunen, blauen und gelben Flecken und Beulen und blutig geschundenen Stellen bedeckt. Die verwundeten Stellen rissen von der heftigen Spannung und ergossen hie und da rotes Blut.

Später ward das Blut bleich und wäßrig und der heilige Leib immer weißer, die Rinden der Wunden fielen ab, und er glich ganz verblutetem Fleische. Trotz aller dieser gewaltiger Entstellung erschien der Leib unseres Herrn am Kreuz unaussprechlich edel und rührend, ja der Sohn Gottes, die ewige, sich in der Zeit opfernde Liebe war schön, rein und heilig in dem zertrümmerten, mit den Sünden aller Menschen beladenen Leib des sterbenden Gotteslammes.

Die Hautfarbe der Heiligen Jungfrau und so auch unseres Herrn war von Natur fein gelblich schimmernd, mit durchscheinendem Rot gemischt.

Durch die Anstrengungen und Reisen in den letzten Jahren waren seine Wangen unter den Augen und seine Nasenknorpel etwas röter gebräunt. Er hatte eine hohe und breite Brust, sie war rein und unbehaart, die Brust des Johannes des Täufers war ganz rot behaart wie ein Fell.

Jesus hatte breite Schultern und starke Armmuskeln, seine Lenden waren auch mit starken, ausgezeichneten Muskeln, seine Knie waren kräftig und stark wie eines Menschen, der viel gewandert und viel kniend gebetet, seine Beine waren lang und mit starken Wadenmuskeln vom vielen Reisen und Bergsteigen. Seine Füße waren sehr schön und stark ausgearbeitet, sie hatten vom vielen barfüßigen Wandeln auf rauhen Wegen starke Schwielen unter den Sohlen. Seine Hände waren schön, mit langen und schönen Fingern, nicht weichlich, aber auch nicht wie eines schwer Handarbeitenden. Sein Hals war nicht kurz, aber stark und muskelig, sein Haupt in einem schönen Verhältnis und nicht zu groß, seine Stirne frei und hoch und das ganze Angesicht ein reines schönes Oval, seine Haare, nicht übermäßig dick, waren rötlichbraun, schlicht gescheitelt hingen sie bis zum Nacken, sein Bart war nicht lang, sondern spitz und auf dem Kinn geteilt.

Jetzt war sein Haar größtenteils ausgerissen und das übrige mit Blut verklebt, sein Leib hatte Wunde an Wunde, seine Brust war wie zerbrochen, man sah hohl unter das Brustgewölbe, sein Leib war weggezogen, die Rippenbeine sahen hie und da durch die zerrissene Haut. Über den hervorstehenden Beckenknochen war sein Leib so dünn ausgespannt, daß er den Kreuzstamm nicht ganz deckte. Das Kreuz war hinten etwas rundlich, vorn flach und an den nötigen Stellen ausgehauen, es war der Kreuzstamm ungefähr ebenso breit wie dick.

Die einzelnen Stücke des Kreuzes waren von verschiedenen Holzfarben, teils braun, teils gelblich, und der Stamm dunkler, wie Holz, das lange im Wasser gelegen ist.

Die Kreuze der Schacher waren roher und standen links und rechts am Rande des Hügels, von Jesu Kreuz so weit entfernt, daß ein Mann durchschreiten konnte. Sie schauten sich etwas an und standen tiefer. Die Schacher beteten und höhnten zu Jesus hinauf, er sprach zu Dismas etwas herab.

Der Anblick der Schacher am Kreuz war schrecklich, besonders des linken, eines grimmigen, berauschten Bösewichts voll Fluch und Hohn. Sie hingen ganz verdreht, zerbrochen, verschwollen und zerschnürt. Ihre Gesichter waren braun und blau, ihre Lippen braun vom Getränk und aufdringenden Blut, ihre Augen geschwollen und rot hervordringend. Sie brüllten und schrien unter den Schnüren scheußlich. Gesmas fluchte und lästerte, die Nägel der angehefteten Querhölzer drückten ihre Köpfe vorwärts, sie zuckten und drehten sich im Schmerz, und trotz der harten Knebelung der Beine arbeitete sich der Fuß des einen in die Höhe, so daß das Knie vorstand.

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Das Sterben des Herrn am Kreuz – 3/14

Die Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick, nach Clemens Brentano.

(…) – Würfeln um die Kleider Jesu

An der Stelle, wo die Schacher außer dem Kreis gelegen, hatten unterdessen die Kreuziger die Kleider Jesu in mehreren Haufen zusammengelegt, um sie unter sich zu verlosen. Der Mantel war oben enger als unten und hatte mehrere Falten, an der Brust war er doppelt und bildete dadurch Taschen.

Sie zerrissen ihn in langen Bahnen und teilten sie; auch den weißen langen Rock, der an der Brust offen war und dort durch Riemen geschlossen wurde, zerrissen sie in Bahnen und teilten ihn; sie teilten auch die Halsbahn, den Gürtel, das Brustskapulier und die Unterleibshülle, die alle von dem Blut des Herrn durchdrungen waren. Weil sie aber über seinen braunen gewirkten Rock uneins wurden, der ihnen durch Zerreißen unnütz geworden wäre, so nahmen sie ein Brett mit Zahlen und bohnenförmige Steine mit Zeichen, die sie bei sich hatten, und warfen mit denselben auf das Brett und verlosten den Rock. Da jedoch nun ein Bote von Leuten, die Nikodemus und Joseph von Arimathäa dazu bestellt hatten, zu ihnen heraufgelaufen kam und sagte, daß sich unten Käufer für die Kleider Jesu befänden, so rafften sie alle die Kleider zusammen, liefen hinab und verkauften sie, und so blieben diese Heiligtümer bei den Christen.

(…)

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