Gehen wir in ein Trappistenkloster um zu lernen

Alle Vorschriften, die wir mit Freude annehmen, wenn wir hierher kommen – der mit unbedingter Regelmäßigkeit ablaufende Stundenplan, das Fehlen jeglicher Freiheit im Gebrauch unserer Zeit, der Schlaf ohne Bequemlichkeit und das Aufstehen in der Morgenfrühe, die Praxis der Bußübungen und des Fastens, die Arbeit und das Schweigen -, sind in keiner Weise, wie man sich allzuoft vorstellt und wie eine gewisse Literatur gelegentlich den Eindruck erwecken könnte, willkürliche Schikanen oder ein ausgeklügelter Masochismus, der uns den Weg zu einem widernatürlichen Mystizismus öffnen soll.

Die Wahrheit ist viel einfacher und viel menschlicher.

Um Den zu empfangen, den wir zum Ziel unseres Lebens gewählt haben, verhalten wir uns instinktiv wie die Frau, die einen Gast erwartet: alles Ungeordnete, Trübe, Schmutzige aufräumen, hell und sauber machen.

Wir wissen ja, daß sie jeder von uns mit sich herumträgt, die Zwänge, die Komplexe und die Trugbilder, in denen man von jetzt an die einzige Erklärung unseres menschlichen Verhaltens sehen möchte. Und wir wissen, daß wir unser eigenes Opfer werden, wenn wir sie nicht durch die Disziplinierung von Körper und Geist, von Gedanken und Taten beherrschen lernen. Wir würden nicht länger für die Suche nach Gott bereit sein, die doch der Sinn unseres Ordenslebens ist und deren Zeuge Sie für einige Wochen werden wollten. Es ist ganz natürlich, daß der Liebende jede Unruhe, die ihn vom Gegenstand seiner Liebe ablenken könnte, aus seinen Gedanken drängt; es ist ganz natürlich, daß er jede Gelegenheit flieht, wo seine Treue Gefahr laufen würde, sich einer zu harten Prüfung unterziehen zu müssen. Wenn wir die Vorschriften unserer Ordensregel beobachten, tun wir nichts anderes, und wir tun es ebenso natürlich.

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Unsere liebe Frau vom Tal. Nach dem Feuer 1950

Am 21. März 1950, dem Fest des Heiligen Benedikt, wurden die Mönche des Trappistenklosters „Unsere liebe Frau vom Tal“ (USA) von einer Feuersbrunst verwüstet. Nach dem fürchterlichen Brand knieten die Mönche noch einmal vor dem Altar, bevor sie an anderer Stelle ein neues Kloster errichteten.

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Gregorianik: „Unsere Stimme schmettere dir Lieder“ – 2/2

(über die letzten Jahre in der Trappistenabtei Mariawald, bevor der „frische Wind des 2. Vatikanischen Konzils den Mief der Jahrhunderte“ Begann hinauszuwehen; darüber schreibt ein ehemaliger Mönch dieses Klosters, der 1966 eingetreten ist:)

Wenn ich mich an hohen Feiertagen nach zweieinhalb oder fast drei Stunden Gesang von den Vigilien zum Frühstück ins Refektorium begab, war ich ganz benommen von einer eigenartigen Mischung aus Erschöpfung und Euphorie.

Ich glaube, der gregorianische Choral konnte seine ganze Schönheit und Tiefe, ja hinreißende Gewalt nur vollkommen im Rahmen jener sprachlichen und kulturellen Ganzheit entfalten, die ich gerade noch einige Jahre erleben durfte. Das Latein, in dem er gesungen wurde, war die Sprache der Vulgata, in der wir auch die Bibel lasen, und genauso die Sprache der wenigen Literatur, die wiederum vorwiegend von biblischen Themen und Bildern durchsetzt war. Wir hoben also sozusagen all das Sprachliche und Gedankliche, womit wir den ganzen Tag beschäftigt waren, unmittelbar auf die Ebene des Gesangs. Die Ränder zwischen Lektüre, Sprache und Gesang waren fließend. Unser Choral erhob sich aus dem Schweigen, tanzte in jubelnde Höhen, spielte auf den Wellen seiner meditativen Melodien, tauchte in traurige Abgründe und glitt schließlich wieder ins Schweigen unseres Alltagslebens zurück. Mich fragte in diesen Jahren einmal jemand, ob ich es nicht als Entbehrung empfände, niemals Musik hören zu können. Mir kam spontan die Antwort: »Ich lebe doch den ganzen Tag in der Musik.«

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Bernardin Schellenberger
Gott suchen – sich selbst finden – Erfahrungen mit der Regel Benedikts
Verlag der Ideen 2016
ISBN: 978-3942006217
432 Seiten; 24,90 Euro

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Gregorianik: „Unsere Stimme schmettere dir Lieder“ – 1/2

(über die letzten Jahre in der Trappistenabtei Mariawald, bevor der „frische Wind des 2. Vatikanischen Konzils den Mief der Jahrhunderte“ Begann hinauszuwehen; darüber schreibt ein ehemaliger Mönch dieses Klosters, der 1966 eingetreten ist:)

Im Werktagsvesper-Hymnus Deus creator omnium sangen wir Gott zu:

Te cordis ima concinant,
te vox canora concrepet,

was sich mit keiner Übersetzung derart prägnant und zugleich poetisch wiedergeben lässt und jedenfalls heißt:

»Der tiefste Grund unseres Herzens singe dir zu,
unsere Stimme schmettere dir Lieder

Das Singen aus voller Kehle war nicht nur eine emotionale, sondern geradezu körperliche Erfahrung:
Man wurde selbst zum Klangkörper; es war, als vibriere man von Kopf bis Fuß, schaukle leibhaftig auf den sanften Wellen der Choralmelodien, die nicht betäuben, sondern eher eine spirituelle Sensibilität und Wachheit wecken – jene sobria ebrietas, »nüchterne Trunkenheit«, von der in einem Hymnus und in etlichen spirituellen Werken der Mönche die Rede ist.

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Bernardin Schellenberger
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Lesung vor der Komplet und die Komplet / Zisterzienser + Trappisten – 2 / 2

Nach dem kurzen Abendessen und einer halben oder dreiviertel Stunde freier Zeit kamen wir um 18.15 Uhr für eine Viertelstunde im Kapitelsaal zur so genannten Kompletlesung zusammen. Dort wurde ein Text als spiritueller Impuls zum Tagesabschluss vorgelesen oder der Abt formulierte selbst einen solchen oder gab noch irgendetwas bekannt.

Von dort aus zogen wir um 18.30 Uhr ein letztes Mal in die Kirche. Die dortige Tagzeit-Feier der Komplet führte das Thema „Schlaf“ aus der Vesper weiter – und auch das Thema „Mystik“. Die im höchsten Maß mystische Feier war trotzdem für mein Empfinden die Vesper, weil in ihr die Vollendung mit der Klarheit des Geistes einherging – „Den Geist lass nicht entschlummern“, hieß eine Stelle im dortigen Hymnus, und weil dort das Herz, gemäß der Hoheliedstelle: „Ich schlief, doch mein Herz war wach“ (5,2), als wach und aktiv vorgestellt wurde: in seiner tiefsten Tiefe singend, auf seiner höchsten Höhe Gott träumend.

Die Komplet musste jeder ganz auswendig können. Da wir sie früh am Abend hielten, sangen wir sie monatelang im Hellen, ja um Mitte Juni sogar einige Zeit im hell hereinflutenden Abendlicht. Es gab aber auch Zeiten, wo zu Beginn die Dämmerung schon vorgeschritten war und, weil während der Komplet grundsätzlich kein Licht brannte, gegen Ende die andere Chorseite nicht mehr zu sehen war und wir einander durch die Nacht die Psalmverse zusangen.

Von ungefähr Mitte November bis Mitte Januar brannte das kleine Licht über dem Eingang, bis alle ihre Plätze gefunden hatten; dann wurde es gelöscht und wir fingen in schwarzer Nacht unsere Loslass-Übung in die mystische Nacht der Sinne und des Geistes an. Die bei der geringsten Innenbeleuchtung fahl und stumpf wirkenden die Scheiben der hohen Fenster glänzten in einer zauberhaften schwarzen oder grauen, kristallklaren Transparenz. Manchmal schienen vom Mond beleuchtete Wolken schwach herein. Da gefiel mir die Komplet am besten.

Jetzt wirkten die Bilder der drei Psalmen am stärksten, etwa aus Psalm 3: „Getreide, Wein und Öl haben wir in Fülle empfangen. So kann ich jetzt in Frieden einschlafen und ruhen. Denn mit einer einzigartigen Hoffnung hast du, Herr, mich ausgerüstet.“ Oder aus Psalm 90: „Du brauchst vor keinem nächtlichen Schrecken – a timore nocturno – Angst zu haben, auch nicht vor Machenschaften, die im Finstern laufen – a negotio perambulante in tenebris. Denn seinen Engeln hat Gott dich anvertraut, dass sie dich auf allen deinen Wegen behüten. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit du nicht versehentlich mit deinem Fuß an einen Stein hinstößt.“ Was wir da Tag für Tag bewegten, aufsogen, von uns gaben, einander zusangen, waren nicht Gesänge nur für eine Nacht, sondern zugleich Prophetien, Vor-Erfahrungen für die letzte Nacht, denn der Psalm endete ausdrücklich mit dem Ausblick: „Mit einer Länge über alle Tage hinaus werde ich dich erfüllen und mein Heil dich schauen lassen.“

Die frühen Zisterzienser hatten nach den Psalmen einen siebenstrophigen Hymnus gesungen, der bei uns inzwischen durch den kurzen, in der römischen Liturgie üblichen Te lucis ante terminum ersetzt war. Er hatte mit der Anrufung begonnen: „Christus, du bist Licht und Tag, deckst die Finsternisse jeder Nacht auf“ – Christe, qui lux es et dies, noctis tenebras detegis, und die im Lateinischen viel markanter klingenden Bitten enthalten: Sit nobis in te requies, „in dir sei unsere Ruhe“, oculi somnium capiant, cor ad te semper vigilet, „unsere Augen mögen den Schlaf einfangen, das Herz dagegen bleibe immer zu dir hin wach.“

Bereits gegen Ende des letzten Psalms hatte sich derweil der Dienst habende Kirchendiener nach vorn in den Altarraum getastet und die beiden Altarkerzen und das Licht in der Ampel vor der Marienstatue angezündet. Waren der Hymnus, die Bibeltexte und die Schlussgebete der Komplet gesungen, so stellten sich alle außerhalb ihrer Stallen in Richtung dieses Marienbildes und der Kantor stimmte mit einem jubelnden Melisma den Minnegesang des zisterziensischen Salve Regina an Maria an, in dessen wogende Melodie der ganze Chor einfiel. Es ist eine der kostbarsten Perlen aus dem Erbe unserer Zisterzienser-Troubadoure. Der Gesang endete mit der Bitte: „Und nach diesem Exil zeige uns Jesus, die gesegnete Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!“

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Singulis Diebus ad COMPLETORIUM
An den einzelnen Tagen zur Komplet:

MARIAWALDER MESSBUCH

SALVE REGINA

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Lesung vor der Komplet und die Komplet / Zisterzienser + Trappisten – 1 / 2

(aus: Rituale cisterciense von 1892)

Von der Kollatslesung und der Komplet

[1.] Wenn das Zeichen zur Kollation – das ist die Lesung vor der Komplet – gegeben wurde, gehen die Brüder, sobald sie durch die läutende Glocke zusammengerufen werden, in den [Lesegang] Kreuzgang der Kollation bei der Kirche, oder, wenn die Kälte es dringlich erscheinen lässt, in den Kapitelsaal, nicht jedoch in die Kirche. Und, sich voreinander verneigend, setzen sie sich dergestalt, dass unterhalb des Priors zum unteren Kreuzgang hin die Priester seines Chores sind, die Jüngeren jedoch entgegengesetzt. Auf der anderen Seite hingegen zur Kirche hin die Priester des Abtschores, und entgegengesetzt die jüngeren Mönche und alle Novizen. Wer der Kollatslesung vorsteht, sitzt in der Mitte der Älteren vor dem Analogium, auf das der vorlesende Bruder das geöffnete Buch gelegt hat, bis jener [Obere] kommt. Und er liest sitzend an seinem Platz, wenn er es möchte, [jedoch] schweigend.

2. Sobald der Obere kommt, stehen alle auf und es verneigen sich vor ihm, wenn es der Abt ist, diejenigen, vor denen er hergeht; und sie stehen so unbedeckten Hauptes und mit seitlich herabgelassenen Armen da, bis für den Leser der Segen gesprochen wurde [und] ohne neuerliche Verneigung setzen sie sich mit bedecktem Haupt, sobald der Obere sitzt. Sodann liest der Leser, der in der vorherige Woche zur Mahlzeit gelesen hat, den Stoff für die im Chor zu machende Betrachtung. An den Samstagen jedoch, wenn die Füße gewaschen werden, liest er nicht, noch empfängt er den Segen, außer nach dem Mandatum: Denn gleich, wenn der Obere dazukommt, setzen sich alle zusammen mit ihm.

3. Wenn vier oder fünf [Doppel-]Seiten gelesen sind, oder wie viel die Zeit erlaubt, sage der Obere: Tu autem [Du aber…], der Lektor [hingegen fährt fort]: Domine miserere nobis [Herr, erbarme dich unser]; und der Konvent [antwortet] aufstehend: Deo gratias. Dann wenden sich alle nach Osten oder zum Kreuzgang des Kapitels [und] der Obere singe, ohne sich zu bekreuzigen, mit der Flexa: Adjutorium nostrum, etc. [Unsere Hilfe, etc.] und wenn der stehende Konvent geantwortet hat: Qui fecit, etc. [Der Himmel und Erde gemacht hat.], verneigen ich alle und treten in folgender Ordnung in die Kirche ein:
1. Zuerst gehen die Novizen, gefolgt vom Magister,
2. [dann] die Priester und Jüngeren des Chores, die in der Nähe der Kirche sitzen,
3. [dann] der, der den Konvent leitet,
4. [dann] die Priester und Jüngeren des anderen Chores.

4. Nach dem Zeichen, auf einen Laut des Oberen hin, sprechen alle kniend oder verneigt, der [liturgischen] Zeit entsprechend, das Vater unser und das Gegrüßet seist du, Maria, unter Schweigen, und nach dem Lautzeichen wird die Hore begonnen, wie anderweitig [beschrieben], unter Voranschickung des Verses Converte nos, etc. [Bekehre uns, etc.], indirectum [auf einem Ton gesungen]. Die Psalmen psalliert man stehend und ohne Gesang: der Hymnus jedoch mit Noten [unterlegt]. Zum Vers Custodi nos [Behüte uns] wird die gewisse Glocke geläutet bis zum Deo gratias. Wenn der Priester spricht Benedicat, etc. [Es segne, etc.], bekreuzigen sich alle und sprechen darauf still kniend oder verneigt, wie zu Beginn der Hore, Vater unser, Gegrüßet seist du und Ich glaube. Wenn diese [Gebete] gesprochen wurden, wird die Komplet der Seligen [Jungfrau Maria] begonnen, ausgenommen am Vigiltag des Osterfestes; gegen deren Ende, also wenn der letzte Psalm gebetet wird, zündet der Kirchendiener zwei Kerzen an der Altarstufe an, oder aber beim Altar.

5. Nach dem Vers Dulce nomen, etc. [Süßer Name; der Komplet B.M.V.] erheben sich alle und stehen „extra stalla“, außerhalb der Stalle zum Altar gewendet, und, vom Kantor begonnen, singen alle feierlich die Antiphon Salve Regina weiter. Zum Vers Ave Maria beugen sie die Knie über die Artikel [Fingerknochen] der Hände, und während vom stehenden Oberen die Collecta gebetet wird, bleiben sie über die Knie gebeugt. Darauf knien sie oder verneigen sich über die Miserikordien, wenn derselbe [Obere] kniend oder gestützt wie die übrigen Divinum auxilium [Die göttliche Hilfe] und Fidelium, etc. [Die Seelen der Gläubigen] spricht.

6. Dann wird, außer am Vigiltag der Geburt des Herrn, das Zeichen zum Englischen Gruß gegeben, damit sie [die Klostergemeinde] drei Mal Gegrüßet seist du, Maria sprechen, stehend oder kniend über den „Artikeln“ [Handknöcheln], wie in Buch I, Kap. 2 [gesagt] und darauf halten sie mit gebeugten Knien stehend [!] zum Altar das Gebet bis zum Lautzeichen des Oberen: Wenn sie es gehört haben, stehen alle auf, verneigen sich, gehen in der Ordnung einer nach dem anderen durch den oberen Zugang des Chores hinaus, [wobei] der Obere vorausgeht, [und] verneigen sich wiederum, wenn sie am Hochaltar vorbeigehen. Der Obere steht bei dem Gefäß mit Weihwasser an der untersten Stufe der Dormitorium[streppe], wo er, wenn er das Aspergill entgegengenommen hat, die einzelnen besprengt, die sich vor ihm verneigen und ins Dormitorium hinaufgehen. Danach gehen sie, wenn die Nola [die kleine Glocke] des Dormitoriums für die Dauer etwa eines De profundis [Ps.129] geläutet hat, ohne Verzug ins Bett.

Rituale Cisterciense Deutsch, 3. Buch, 11. Kapitel: Von der Kollatslesung und der Komplet

Während die Mönche aus der Kirche ausziehen, läutet der Glöckner die Glocke

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Bitte ums Gebet

Der Orden der Cistercienser der strengerern Observanz – OSCO – hat zu Jahresende darum gebeten, besonders für einen ihrer Mönche zu beten.

Es handelt sich um Dom Eric Varden, ehemals Abt der Abtei des Mount Saint Bernard in England, der vor einigen Wochen zum Prälaten (Bischof) der Apostolischen Prälatur von Trondheim in Norwegen ernannt wurde. Aufgrund einer Krankheit musste der erste Termin der Bischofsweihe verschoben werden. Offenbar wurde nun auch der vorgesehene neue Termin verschoben.

Der Orden gibt als Grund für die Verzögerung der Bischofsweihe von Erik Varden an, dass er unter chronischer Müdigkeit leide.

Wir empfehlen ihn Ihren Gebeten.

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Sr. Marie-Claire, die hl. Margrit Bays und die Trappistinnen in Fille-Dieu

Am 23. November 2019 ist Sr. Marie-Claire Crausaz, Trappistin der Abtei Fille-Dieu in der Schweiz, von ihrem Schöpfer aus diesem irdischen Dasein abberufen worden. Sie starb 53-jährig.

Marie-Claire Crausaz wurde 1966 in dem kleinen Dorf Villarsiviriaux in der Nähe des Klosters geboren. Sie tat es einer ihrer Tanten gleich und trat im November 1991 in das Kloster ein

Nach ihrer feierlichen Profess 1998 wurde Sr. Marie-Claire mit den unterschiedlichsten klösterlichen Aufgaben betraut und wurde zu einer Stütze der Abtei. Sie ließ sich von keinem Auftrag abschrecken; alles ging sie im Vertrauen auf Gott und mit ihrer ganzen Kraft an. Ihre Anliegen und Sorgen teilte sie mit dem hl. Josef.

Als sie an Krebs erkrankte, erwartete sie nicht, dass dieser sie so schnell besiegen könnte. Noch am 13. Oktober 2019 durfte sie in Rom an der Heiligsprechung von Margrit Bays teilnehmen, die, wie sie selbst, im Dunstkreis der Trappistinnen von Fille-Dieu aufgewachsen ist und gelebt hat. – Am 25. November wurde Sr. Marie-Claire Crausaz auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.

Gott sei ihrer Seele gnädig. – RIP

Video: Ein Tag der Trappistinnen in Fille-Dieu

Margrit Bays wurde am Fest Mariä-Geburt am 8. September 1815 in La Pierraz, unweit des Klosters der Trappistinnen von Fille-Dieu, geboren. Sie wuchs als frommes, bescheidenes und häufig die Stille suchendes Kind in einer gut katholischen Bauernfamilie auf. Obwohl sie sehr religiös war, wollte sie keine Ordensfrau werden, weil sie sich dazu nicht berufen fühle. Sie erlernte den Beruf einer Näherin, der damals überwiegend in Näharbeiten bestand, die in den Bauersfamilien und in deren Häuser erledigt wurden.

Im Jahr 1853 erkrankt Margrit Bays und erhält die Diagnose Darmkrebs. Trotz OP verschlimmert sich die Krankheit. Am 8. Dezember 1854, dem Tag der Verkündigung des Dogmas von der unbefleckten Empfängnis, wird sie plötzlich geheilt. Von nun an trägt sie die Wundmale Jesu an ihrem Leib, die an jeden Freitag und während der Karwoche hervortreten. Margrit wurde „an ihrem Leibe durch die Stigmata verwundet und fiel oft in unaussprechliche Verzückungen“. Zwar verbirgt sie die Wundmale, sie werden trotzdem bekannt. Es folgen Untersuchungen von Ärzten, angeordnet durch kirchliche Behörden. Am 11. April 1873, einem Karfreitag, muss sie wieder eine Untersuchung über sich ergehen lassen. Der Arzt versucht mit einer Lanzette „Anzeichen von Empfindungen hervorzurufen“. Er will „dem Unfug“ ein Ende bereiten.

So arbeitet denn die Lanzettenspitze weiter. Sie sticht in die Stigmata der Hände und des Herzens; sie sticht in die Nasenlöcher, unter die Fingernägel und sogar in die Augen.“ „Margrit verharrt im Zustand völliger Empfindungslosigkeit. Keine einzige Bewegung, nicht das geringste Zittern, überhaupt kein Reflex. Alles an ihr verhält sich wie bei einer Toten.

Als sie nach 25 Minuten aus der Ekstase erwachte, fühlte sie mit einem Schlag die von den Lanzettenstichen hervorgerufenen Schmerzen, an denen sie noch mehrere Wochen zu leiden hatte. Sie bat Gott, er möge die Wundmale von ihr nehmen, doch die Schmerzen belassen. Von diesem Tag an verschwanden die Stigmata. Sie wurde „von innerem Feuer verzehrt“.

Margrit wird Terziarin im Dritten Orden des heiligen Franziskus. Doch das Kloster der Trappistinnen von Fille-Dieu ist ihr ein Stück Heimat. Dort ist sie oft zu Gast und erhält sogar einen eigenen Platz im Chor der Schwestern. Manchmal bleibt sie eine ganze Woche dort.

Der Schweizer Franziskaner Pater Gottfried Egger hat zum Anlass der Heiligsprechung von Margrit Bays eine Kleinschrift beim Miriam-Verlag herausgegeben. Er zitiert einen Satz von Bischof Bürcher von Rejkjavik, der darin zum Ausdruck bringt, dass es sich bei Margrit Bays zuerst und vor allem um ein treues katholisches Leben handele:

Margit, ein wunderbar ausgeglichenes Leben, aufgeteilt zwischen Gebet, Betrachtung und tätiger Liebe an ihrem Nächsten, das alles macht aus ihr ein Lebensmodell, ein Beispiel der Heiligkeit für uns alle.

P. Gottfried Egger OFM
Hl. Margrit Bays – Die Näherin mit den Wundmalen
Bebilderte Biografie und Novene
Miriam-Verlag 2019
64 Seiten; 3,80 Euro
ISBN: 978-3- 87449-418-2

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Robert Loup
Margrit Bays. Die stigmatisierte Näherin
Paulus-Verlag (Herder) 2019
144 Seiten; 24 Euro
ISBN: 978-3722809410

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Sébastien Wyart , Trappist

Geboren am 12. Oktober 1839 Bouchain, Nordfrankreich,
24. Aug. 1860 – 20. Sept. 1870 – Soldat der päpstlichen Armee,
11. Februar 1872 – Eintritt und Einkleidung in Mont-de-Cats,
12. Februar 1874 – Profess,
31. März 1877 Priesterweihe (Lateranbasilika, Kard. Monaco della Valletta),
30. Jan. 1883 – Weihe zum Abbas,
30. Jan. 1883 – 15. Juni 1889 – Abt von Mont-de-Cats,
28. Okt. 1887 – 14. Juni 1899 – Abt von Sept-Fons,
Okt. 1892 – 18. Aug. 1904 – Generalabt OCSO,
1899 – 18. Aug. 1904 – Abt von Cîteaux,
31. Dez. 1892 – 1900 – Apostolischer Administrator von Tre Fontane,
18. Aug. 1904 gestorben am Rom.

Sébastien Wyart – Generalabt der Trappisten

Sébastien Wyart hatte viele Jahre seines Lebens in Rom verbracht und daher ausgezeichnete Verbindungen zu Papst Pius IX., dem er als Zuavenoffizier (Offizier eines Infanterie-Regiment, das 1861 zur Verteidigung des Kirchenstaates aufgestellt wurde) gedient hatte, Leo XIII. und Pius X.

Er war die treibende Kraft hinter der 1892 vollzogenen Loslösung der Trappisten vom Zisterzienserorden der gewöhnlichen Observanz und wurde daher auch zum ersten Generalabt des neuen Ordens gewählt.

Schwankend zwischen der eigenen Neigung zur militärischen und dem Wunsch der Eltern zur geistlichen Laufbahn, hatte Henri Wyart nach der Seminarzeit in Cambrai zunächst am Kolleg in Turcoing unterrichtet, war dann aber 1860, dem Ruf Pius IX. folgend, in die päpstliche Armee eingetreten. Er nahm an mehreren Gefechten gegen die piemontesischen Truppen teil, wurde bei Castelfidardo verwundet und stieg langsam bis zum Hauptmann auf. Nach der Kapitulation Roms und der Auflösung des päpstlichen Truppen 1870 kämpfte er, wie die meisten aus Frankreich stammenden päpstlichen Zuaven, als Soldat seines Heimatlandes im Deutsch-Französischen Krieg und wurde für seine Tapferkeit mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Nach der Niederlage Frankreichs 1871 wechselte Wyart die Offiziersuniform gegen den Mönchshabit und trat als Novize in die Zisterzienserabtei strengerer Observanz Mont-des-Cats (Ste.-Marie-du-Mont) in Nordfrankreich ein (5. Feb. 1872). Nach seiner Profess wurde er zum Studium der Theologie nach Rom geschickt (1875–1880), was damals nicht üblich war im Orden, wurde – immer noch zweifelnd – am Karsamstag 1877 auf Wunsch und im Beisein Pius‘ IX. zum Priester geweiht und im Mai 1880 zum Doktor der Theologie promoviert.

Wegen der klosterfeindlichen Gesetzgebung in Frankreich eilig in sein Kloster zurückgerufen und ausgesandt, für den Konvent ein Exil im Ausland zu finden, gründete P. Sébastien in den Niederlanden das Kloster Koningshoeven, wurde aber schon bald wieder als Prior nach Mont-des-Cats zurückbeordert und 1883 zum Abt gewählt. Im folgenden Jahre kam er wieder nach Rom, um auf den Wunsch Leos XIII. das Kloster zu den Katakomben des hl. Calixtus zu gründen (später nach Frattocchie verlegt). 1887 auf den Abtstuhl von Sept-Fons berufen, war er damit auch Vorsteher (Generalvikar) der gleichnamigen Kongregation.

Als das Generalkapitel der Trappisten im Oktober 1892 schließlich die schon lange in der Luft liegende Ablösung der Kongregationen von Westmalle, Sept-Fons und Melleray von der gewöhnlichen Observanz beschloss, wurde Wyart, der durch seine guten Verbindungen nach Rom die Trennung maßgeblich vorangetrieben hatte, zum ersten Generalabt des neuen Ordens der reformierten Zisterzienser gewählt.

Auch in seiner neuen Funktion blieb Wyart, obwohl in Rom residierend, Abt von Sept-Fons, bis es 1898 gelang, die infolge der französischen Revolution 1790 aufgehobene Zisterziensergründungsabtei Cîteaux wieder für den Orden zu gewinnen und der hl. Stuhl ihn 1899 zu deren Abt ernannte.

Als Generalabt gelang es Sébastien Wyart, die ehemaligen Kongregationen zu einem gemeinsamen Orden zu formen. Als Student hatte er den Wert einer fundierten wissenschaftlichen Ausbildung schätzen gelernt, die zu seiner Zeit noch eine Ausnahme bei den reformierten Zisterziensern war, und gründete nun ein eigenes Studienhaus in Rom, in dem die Studenten während ihres Studiums wohnen konnten.

Sébastien Wyart genoss das Vertrauen Leos XIII. und Pius‘ X. und wurde, über seine Leitungsfunktion im Orden hinaus, mit wichtigen Missionen betraut, u.a. 1897 von Leo XIII. mit einer Vertrauensmission zu den französischen Bischöfen. Schon lange an Diabetes erkrankt, starb er am 18. August 1904 in Rom und wurde in der Abtei Trefontane beigesetzt. Sein Nachfolger als Generalabt wurde Augustin Marre, Abt von Igny und Weihbischof in Reims.

Quelle: zisterzienserlexikon

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Trappist wird Bischof einer Diözese

Am 1. Oktober 2019 erfolgte im Vatikan die Ernennung des neuen Bischofs von Trondheim, Norwegen:

Erik Varden, OCSO.
Abt der Abtei Mount Saint Bernard in Leicestershire, England.

Dom Eric Varden, Trappisten-Abt von Mount Saint Bernard

Abt Erik Varden wurde am 13. Mai 1974 im norwegischen Sarpsborg in der Diözese Oslo geboren. Er studierte Philosophie und Theologie in Cambridge, promovierte in Theologie und am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom. 2002 trat er in den Zisterzienserorden (Trappisten) ein und legte am 6. Oktober 2007 in der Abtei Mount Saint Bernard in Leicestershire, England, seine Gelübde ab. Am 16. Juli 2011 wurde er zum Priester geweiht und 2015 zum Abt von Mount Saint Bernard gewählt.

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Diakon Erik Varden
singt in der Osternacht des 23. April 2011
das Exultet in der Peterskirche in Rom

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Trappisten 1970

Schon während der Zeit des 2. Vatikanischen Konzils drängten Neuerungen in das strenge Klosterleben der Trappisten. Es war aber auch jene Zeit, da nicht nur fast alle Klöster dieses Ordens voll besetzt waren. 60, 70, ja 100 und mehr Mönche lebten damals in vielen Trappistenklöstern weltweit.

Während die bisher eintretenden meist ein Büßerleben suchten und gänzlich von der Welt getrennt das Lob Gottes an die erste Stelle setzten, änderte sich nun die Situation. Es wurde mehr die eigene und ganz persönliche Gotteserfahrung hervorgehoben. Dazu bedürfe es nicht mehr jener strengen Tagesordnung, meinte man. In allen Lebensbereichen gab es Lockerungen; auch traten Bedürfnisse Einzelner in den Vordergrund, ihre Selbstverwirklichung.

Es herrschte regelrechte Euphorie und man dachte, die Zukunft der Kirche und der Klöster würde mehr als rosig werden. Dass es anders kommen musste spürte so mancher Mönch. Doch im Gehorsam blieben die meisten von ihnen still und schwiegen; und so kam es zu vielerlei Veränderungen.

Am auffälligsten traten die Neuerungen in der Klosterkirche zutage. Natürlich wurde als erstes ein sogenannter Volksaltar vor dem Hauptaltar platziert, an dem nun nicht mehr die Opfermesse zelebriert, sondern das Gemeinschaftsmahl gefeiert wurde.

Ein sehr interessantes Zeitdokument ist das hier verlinkte Video aus dem Jahr 1970. Ein Dokumentarfilm über das Leben in der Trappistenabtei von Orval zeigt ansatzweise, teilweise sehr deutlich, die bereits eingetretenen Neuerungen.

Video – N.D. de ORVAL 1970

Abbaye d’Orval – Abtei von Orval

Die Liturgie wurde zunächst durch die Muttersprache ergänzt, aufgewertet und bald weitestgehend ersetzt. Die altehrwürdigen, wenigen liturgischen Bücher wurden immer mehr an den Rand gedrängt und vielfach kaum noch oder gar nicht mehr benutzt.

Bald benötigte man die alten liturgischen Bücher, die allesamt in der Druckerei der belgischen Abtei Westmalle hergestellt wurden, nicht mehr. Vielfach wurden sie entsorgt.

Die Druckplatten, die einen unschätzbaren Wert besaßen, wurden in den siebziger Jahren zerschlagen.

Heutige Trappistenliturgie : Ringbücher, lose Blätter, Ringbücher …

Es sei noch erwähnt, dass in jenen Jahren, ab Ende der 60er und für ungefähr zehn Jahre, die meisten Ordensleute aus ihren Klöstern abgewandert sind, sie verlassen haben. Ein Gott wohlgefälliges Leben könne man auch in der Welt führen und ein Büßerleben war nun nicht mehr notwendig, wo doch die theologische Auffassung immer mehr um sich griff, dass alle Menschen bereits erlöst seien.

Übrigens ist nie untersucht worden, wie viele Mönche nicht aus solchen oder ähnlichen Beweggründen ihr Kloster verlassen haben, sondern deswegen, weil die neue Ordnung nicht mehr mit ihrer Berufung übereinstimmte.

Liturgische Bücher aus der Vergangenheit – für die Zukunft?

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