Wie alt muss ein Mann geworden sein, wenn …

… er 81 Jahre Mönch und 70 Jahre Priester gewesen ist?

Pater Benjamin aus dem Trappistenkloster Acey ist am Schutzengelfest 94-jährig gestorben. Mit 12 Jahren ist er als Oblate ins Kloster eingetreten, da er noch nicht das kanonische Alter für das Noviziat hatte. Er wurde so alt, obgleich er sein ganzes Leben lang, aufgrund einer kindlichen Tuberkuloseerkrankung, kränklich war.
Seine Seele möge in Frieden ruhen!

P.-Benjamin-Acey-pdf

VIDEO    –    Abbaye N.D. d’Acey

Muttergottes mit Jesuskind in der Abteikirche Acey
Abbaye Notre-Dame d’Acey

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Trappisten im Bruch mit der Vergangenheit

Geschichte eines Bruches.

Dom Eric Varden, Abt von Mount St. Bernard ergriff am 18.9.2017 anlässlich des Generalkapitels der „Zisterzienser der strengeren Observanz“ (OCSO) das Wort. In seiner Rede über die Vision des Ordens im einundzwanzigsten Jahrhundert sagte er einen Satz, der auf den Bruch dieses alten Ordens mit der katholischen und monastischen Tradition hinweist. Dieser Bruch entwickelte sich bereits seit dem Generalkapitel des Jahres 1969, als die alten Ordensstatuten (Usus) von jetzt auf gleich für ungültig erklärt wurden und stattdessen ein Dokument mit dem Titel „Einheit und Pluralismus“ das neue Leben der Mönche regeln sollte, was bedeutete, das jede Kommunität weitgehend das machen konnte was sie wollte.

Dom Eric Varden, Abt von Mount St. Bernard:

“I feel gratitude. I also feel perplexity. My perplexity springs from what I see as a crisis of transmission. It is on this I wish to reflect. When I entered the monastery in 2002, I was conscious of entering a flow of continuous life. I was no less conscious of entering a history of rupture.”
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„Ich fühle Dankbarkeit. Ich fühle auch Verwirrung [Ratlosigkeit?]. Meine Bestürzung entspringt dem, was ich als eine Übertragungskrise sehe. Darüber möchte ich nachdenken. Als ich 2002 in das Kloster eintrat, war ich mir bewusst, einen Fluss kontinuierlichen Lebens zu betreten. Ich war mir nicht weniger bewusst, in eine Geschichte des Bruches einzugehen.

Foto: Dom Eric Varden. GC2017.OCSO

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Schließung von drei Trappistenklöstern

Das Generalkapitel des Ordens der „Zisterzienser von der strengeren Observanz“ (OCSO), das zur Zeit in Assisi stattfindet, hat entschieden, dass einige ihrer Klöster geschlossen werden. Die betroffenen Trappistenklöster sind:

Mount Melleray Abbey,
1832 gegründet durch die französischen Trappistenabtei Melleray. Von hier kam eine regelrechte Kolonie irischer und englischer Mönche, die durch die Französische Revolution aus der Abtei Melleray vertrieben wurden. Ihr neues Kloster in Irland nannten sie nach dem Mutterkloster „Mount Melleray“. Der Zulauf an Mönchen war so zahlreich, dass schon 1835 in England das Kloster „Mount St. Bernhard“ gegründet werden konnte.
(Mount Melleray Abbey, Cappoquin, Co. Waterford, Ireland)

Assumption Abbey,
1950 gegründet von fünf Mönchen der Abtei New Melleray (Iowa) in Missouri bei dem Ort Ava. Wie bei alle Gründungen in den USA gehörte zu dem Kloster ein großes Grundstück, hier mit einem riesigen Wald. Zisterziensergründungen sind von Anfang an dafür bekannt, dass Wildnis zu blühenden Gärten wird. Auch hier war es so. 1956 wird das Kloster zur Abtei erhoben. Die Mönche verdienten ihren Lebensunterhalt u. a. durch die Herstellung eines leckeren Fruchtkuchens, der in ganz Amerika verkauft wurde. Das Rezept dazu überließ ihnen ein ehemaliger Koch des Herzogs und der Herzogin von Windsor.
(Assumption Abbey, Route 5, Box 1056, Ava, MO 65608)

Abbey of the Holy Trinity,
1947 gegründet von der damals größten Abtei des Ordens, Gethsemani in Kentucki.
Die letzte Heilige Messe wurde am 27. August 2017 zelebriert. Offizielles Ende des Bestehens dieses Trappistenklosters war, nach 70 Jahren seiner Existenz, der 1. September 2017. Einst wurde es in einer weiten Ebene der Rocky Mountains auf einer Höhe von etwa 2000 Meter errichtet. Die Mönche benutzten zunächst Kasernen aus dem Zweiten Weltkrieg und errichteten ihr Kloster in einer vereinfachten Bauweise, nämlich mit Wellblechen. Die spannende Entstehungsgeschichte des Trappistenklosters, das sich in der Diözese Salt Lake City im Mormonenstaat Utah befindet (befand), ist teilweise in dem Buch „Die weißen Mönche von Kentucky“ nachzulesen.
(Abbey of the Holy Trinity, Country USA, City Huntsville, 1250 South 9500 East)

Einige Fotos der drei „ehemaligen“ Trappistenklöster –

Mount Melleray Abbey
Mount Melleray Abbey, Abteikirche
Mount Melleray Abbey, Auszug der Trappisten
Es war einmal, Assumption Abbey
P. Cyprian dekoriert Früchtekuchen, Assumption Abbey
Friedhof der Assumption Abbey
Our Lady of Holy Trinity, Huntsville
Br. Bonaventura, einer der letzten Mönche auf dem Friedhof der Holy Trinity Abbey in Huntsville
Der letzte schließt das Tor. – Holy Trinity Abbey

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Armutszeugnis

Derzeit findet in Assisi das Generalkapitel der „Zisterzienser von der strengeren Observanz“ (OCSO) statt. Dort treffen sich die Abgeordneten aus fast allen Klöstern der Trappisten und Trappistinnen, meist Äbte/Äbtissinnen und Prioren/Priorinnen.

Wiederum legt dieser Orden, der bis vor wenigen Jahren als einer der strengsten Orden in der Kirche bezeichnet wurde, bei dieser Gelegenheit ein Zeugnis der Armut ab: der LITURGISCHEN Armut.

Die nachfolgenden Fotos bleiben unkommentiert. Jeder mag sich selbst ein Bild einer völlig entgleisten „Liturgie“ machen, die mit der heiligen, ja göttlichen Ordnung der Heiligen Liturgie eines monastischen Ordens nichts mehr gemein hat.

Zur Erläuterung: die Plenarsitzungen finden im großen Konferenzsaal des DOMUS PACIS Hotels statt. Die Heilige Messe im Hotel-eigenen Kinosaal. …

Ein wahrliches Armutszeugnis!

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Alle folgenden Fotos: siehe OCSO

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Officium Divinum – Kloster Mariawald

Nachdem zuerst die KOMPLET, danach auch die übrigen Tagzeiten des Göttlichen Offiziums (LAUDES, PRIM, TERZ, SEXT, NON, VESPER) online gestellt wurden, befindet sich gerade die VIGIL im Aufbau und wird in Kürze zugänglich sein. Bereits jetzt kann der Interessierte die VIGIL des Sonntag einsehen bzw. mitbeten.

Mariawalder-Messbuch

Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Trappisten, die „Zisterzienser von der strengeren Observanz“ (OCSO), bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts ebenso wie die Kartäuser und manche andere Orden, das sogenannte „Officium parvum B.M.V.“ beteten. Das Generalkapitel des Ordens entschloß sich damals, diese geistliche Übung aufzugeben. Wahrscheinlich weiß heute niemand mehr, warum.

Damals erhob sich Abt Christophorus von Mariawald und gab zu bedenken, dass dieses schöne Offizium seit Bestehen des Zisterzienserordens bis auf diesen Tag mit großem Eifer verrichtet worden war. – Um nun nicht ganz auf diesen Lobpreis der Allheiligen Gottesmutter zu verzichten machte er folgenden Vorschlag: Es werden die Antiphonen der einzelnen Horen, der Versikel, die Oration und das Abschlussgebet Dulce nomen vor jeder kanonischen Hore gesungen. Der Beginn bleibt erhalten. Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung. – Die Abtei Mariawald hat bis auf den heutigen Tag an diesem Modus festgehalten.
Vgl.  Cella B.M.V. de Porta coeli S.O.Cist.

Aus diesem Grunde beginnt das nächtliche Offizium der Vigilien nach wie vor mit dem sehr verkürzen „Officium parvum B.M.V.“

O admirabile commercium *
Creator generis humani, animatum corpus sumens,
de Virgine nasci dignatus est:
et procedens homo sine semine,
largitus est nobis suam Deitatem. ( vi. T.)

V. Speciosa facta es, et suavis.
R. In deliciis tuis, sancta Dei Genitrix.

Oremus.
Concede nos famulaos tuos, quaesumus, Domine Deus, perpetua mentis et corporis sanitate gaudere: et gloriosa beatae Mariae semper Virginis intercessione, a praesenti liberari tristitia, et aeterna perfrui laetitia. Per Christum Dominum nostrum. R. Amen

Dulce nomen Domini nostri Jesu Christi et beatissimae Matris.
Ejus sit benedictum in saecula saeculorum.

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O wunderbarer Tausch: *
der Schöpfer des Menschengeschlechtes wollte,
einen beseelten Leib annehmend,
von einer Jungfrau geboren werden,
und ohne Samen als Mensch hervorgehend,
hat er uns seine Gottheit geschenkt.

Schön bist du und hold in deinem Liebreiz.
Heilige Gottesmutter.

Lasset uns beten.
Wir bitten Dich, Herr, unser Gott, dass wir, Deine Diener, uns beständiger Gesundheit des Leibes und der Seele erfreuen, und daß wir durch die glorreiche Fürsprache der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, von der Trübsal dieser Zeit befreit werden und die ewige Freude genießen dürfen. Durch unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

Die liebreichen Namen unseres Herrn Jesus Christus und Seiner allerseligsten Mutter sollen gepriesen sein in alle Ewigkeit. Amen.

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Priesterweihe und Primiz

Heute ist das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Die Tage um dieses Zeit herum dient der Kirche dazu, ihr neue Priester zuzuführen; es finden die jährlichen Priesterweihen statt.

Seit einigen Tagen wird im Internet ein Bild eifrig geteilt: es zeigt den Trappistenmönch Fr. Louis bei der Zelebration seiner ersten Heiligen Messe in der Kirche seiner Abtei Gethsemani in Kentucky/USA (Abbey of Our Lady of Gethsemani).

Fr. Louis ist niemand anderes als der berühmte Schriftsteller Thomas Merton. Merton durfte im Kloster ein Tagebuch führen. In dem Buch „Der Berg der sieben Stufen“, das ihn bekannt und berühmt machte, berichtet er über seine Studentenzeit, seiner Bekehrung, die Berufung und sein Eintritt ins Trappistenkloster und seine Zeit bis kurz vor der Ablegung seiner Mönchsgelübde. Weniger bekannt sind die weiteren Tagebuchnotizen, die in den folgenden Jahren entstanden sind und 1953 (1954 in deutscher Sprache) in seinem Buch „Das Zeichen des Jonas“ erschienen. Diese Aufzeichnungen enden im Juni 1952. Sie umfassen also die Zeit seiner feierlichen Profess (19.3.1947) und die folgenden verschiedenen Weihestufen auf dem Weg zum Priestertum. Die Priesterweihe erhält Merton am 28. Mai 1947. Am 29. Mai, dem Sonntag der Oktav von Christi Himmelfahrt, zelebriert Fr. Louis seine erste heilige Messe.

Photograph by H.B. Littell via AP Archives Quelle: aletheia.org – https://aleteia.org/2017/06/22/super-rare-photo-of-thomas-mertons-first-mass/

Wir wissen, dass Thomas Merton nicht zu denen gezählt werden kann, die als Zeugen für die Tradition der Kirche anzusehen sind. Er wird ja seit Jahrzehnten von linken und alternativen Strömungen für sich reklamiert. Und tatsächlich hat er in seinem letzten Lebensjahrzehnt manchen Anlass gegeben, an der Treue zu seinem Mönchsleben und seiner Treue zur katholischen Glaubenslehre zu zweifeln. Merton, geboren am 31.1.1915, starb außerhalb seines Klosters. Am 10. Dezember 1968 erlag er beim Duschen einem Stromschlag, als er anläßlich einer interreligiösen Veranstaltung in Bangkok einen Vortrag hielt. Er wurde nur 53 Jahre alt.

In seinen ersten Jahren im Kloster, also auch in der hier zu berichtenden Zeit, lebte Merton noch ganz in der trappistischen Tradition, der monastischen Welt. Viele seiner Gedanken sind deshalb auch heute noch, oder wieder, zu bedenken; freilich mit einem kritischen Geiste.

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Es folgen einige Auszüge aus dem Vierter Teil von „Das Zeichen des Jonas“ – „Zum Altare Gottes“.

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„Nach meiner ersten Messe verstand ich vollkommen und zum erstenmal in meinem Leben, daß nichts anderes auf der Welt von Bedeutung ist, als Gott zu lieben und Ihm in Einfalt und Freude zu dienen. Ich erkannte ganz klar, daß es sinnlos und trügerisch ist, Ihm auf irgendeine auffallende und außerordentliche Weise dienen zu wollen, da aller gewöhnliche Dienst erhaben und außerordentlich wird, sobald er durch die Liebe zu Ihm verwandelt wird. Ich erkannte auch, daß Seine Gnade und insbesondere die Gnade des Priestertums die Liebe zur leichtesten Sache in der Welt gemacht hat. Gott zu lieben kostet weniger Mühe, als zu essen, zu schlafen, zu atmen oder die einfachsten und instinktivsten Akte unseres natürlichen Lebens zu vollziehen. Denn ein Willensakt erfordert überhaupt keine Anstrengung, wenn unser Wille immer von Seiner Gnade beherrscht und gelenkt ist, denn dann wird die Liebe etwas ebenso Natürliches und Beständiges und Ununterbrochenes wie der Atem. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was gibt es Leichteres, als Gott in dir leben zu lassen und Ihn zu lieben, der dich liebt?“

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„Bei dieser Menge von Menschen, die zu meiner Primiz gekommen waren, konnte ich nicht daran denken, über die Weihe zu schreiben, über das Messelesen, über die Agape, die drei Tage dauerte. Vielleicht wird es eines Tages rückschauend in Bruchstücken herauskommen. Bewußtsein des einfach ungeheuren Werkes, das in diesen letzten drei Tagen an mir und durch mich geschehen ist, wobei jeder Tag eine Steigerung war. Weihe, Salbung, Weihemesse – dann die erste stille Messe und was sich daran anschloß, endlich gestern das Hochamt und nachmittags die Gespräche unter den Bäumen der Allee. Als Ergebnis bleibt in mir das Gefühl, daß ich nicht nur umgestaltet worden bin, sondern daß durch die Mühen und Freuden dieser drei höchst erschöpfenden Tage irgendwie eine neue Welt ins Dasein gerufen worden ist, eine erhabene Welt voller Dinge, die keiner von uns in den nächsten ein oder zwei Jahren verstehen wird.“

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„Die Messe ist das Wunderbarste, das je in mein Leben getreten ist. Am Altar fühle ich, daß ich endlich der Mensch bin, als den Gott mich haben wollte. Über die Klarheit und den Frieden dieses vollkommenen Opfers kann ich nichts logisch Zusammenhängendes sagen. Aber ich bin mir der einzigartigen Gnadenatmosphäre tief bewußt, in welcher der Priester in diesem Augenblick – und danach noch den ganzen Tag lang – lebt und atmet. Gewiß, diese besondere Gnade ist etwas rein Persönliches und Nichtmitteilbares, aber sie hat ihren Ursprung auch in der Gemeinschaftsnatur der Messe. Die größte Gabe, die ein Mensch je empfangen kann, ist die Teilnahme an dem unendlichen Akt, in dem Gottes Liebe sich auf alle Menschen ergießt. In diesem Sinne verschmelzen die höchsten Gnaden der Einsamkeit und der Gemeinschaft und werden eins – und das vollzieht sich im Priester bei der Messe, so wie es sich in der Seele Christi und im Herzen Marias vollzieht.“

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„Das große Ereignis meines Tages war früher die Kommunion. Nun ist es das Opfer, von dem die Kommunion nur ein Teil ist. Der Schwerpunkt meines geistlichen Lebens hat sich von der halben Stunde, in der ich im Dunkel bei Unserer Lieben Frau vom Siege knie, zu den zehn oder fünfzehn Minuten verlagert, da der Leib und das Blut Christi sich vor mir auf dem Altar befinden und meine Hände jene verkrampfte kleine Gebärde des Flehens andeuten, die bei uns allmählich die weit ausgebreiteten Arme der orantes ersetzt hat. Dennoch scheint mir eine gewisse Zurückhaltung das Beste an der Messe in unserer Liturgie zu sein. Das ganze Opfer ist etwas so Ungeheures, daß es dem höchsten Überschwang niemals gelingen wird es auszudrücken. Sich unbemerkt niederzubeugen und beim Supplices te rogamus den Altar zu küssen, ist eine Gebärde, die mich mir selbst enthebt und meinen Frieden verdoppelt. Das Pater noster zu sprechen ist, als schwämme man im Herzen der Sonne.“

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„Täglich begeistert und verwirrt mich zugleich die Messe. Diese wunderbare Mischung von Freude und Klarheit und Zurückhaltung erweist sich von Tag zu Tag als heilkräftig an mir. Am Altar bin ich gezwungen, einfach zu sein. Unsere Liturgie hat eine ganz eigene Intensität, gerade weil sie so schlicht und verhalten ist. Nirgends ein Ausruf! Niemals ein Aufschrei!“

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„Tag für Tag kommt mir mehr zum Bewußtsein, daß ich am Altar alles andere bin als mein alltägliches Ich. Dieses Gefühl von Unschuld ist tatsächlich, als wäre man ausgewechselt. Ich bin verdrängt von Einem, in dem ich ganz wirklich bin. Ein Anderer hat meine Identität angenommen (oder sie enthüllt), und dieser Andere ist ganz Kindheit. Und ich stehe am Altar – man verzeihe die Sprache, es sollten keine außergewöhnlichen Worte sein – ich stehe am Altar, die Augen ganz rein gewaschen im Lichte, das die Ewigkeit ist, und ich werde zu einem, der alterslos wiedergeboren ist. Ich bitte um Entschuldigung für diese Sprache. Ich weiß keine Worte, die einfach genug wären, um so etwas zu beschreiben, ich kann nur sagen, daß ich jeden Tag einen Tag alt bin, und am Altar bin ich das Kind, das Gott ist; und dennoch, wenn alles vorüber ist, muß ich sprechen: «Lux in tenebris lucet, et tenebrae eam non comprehenderunt», und ich falle zurück in meine eigene, in meine armselige «propria», die Ihn überhaupt nicht aufnehmen kann. Ich muß mich sogar freuen, nichts zu sein als eine Schale. Ich durfte einen Abglanz Seiner Reinheit auffangen, und es hat Ungeheures bedeutet, für mich und für die Welt, so daß ich bei meinem sehr langen Memento für die Lebenden in einem Meer von Freude schwimme, das mich fast von meinem Ankergrund losreißt und mich vom Altar wegspült.“

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„Es ist auch gerade die Messe, bei der ich am einsamsten bin und zugleich für die übrige Welt am meisten bedeute. Es ist tatsächlich der einzige Augenblick, in dem ich den anderen Menschen etwas geben kann. Und ich allein kann es ihnen geben, denn wenn ich es ihnen nicht zuwende, wird ihnen die besondere Frucht dieser meiner Messe nicht zu eigen werden.“

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„Ich wünschte, ich könnte auf irgendeine Weise die Stufenfolge erklären, welche die drei Tage meines Festes kennzeichnete. Jede Stufe schien mir eine ungeheure Entwicklung darzustellen, die ich nicht imstande bin zu begreifen oder zu erklären. Zum Schluß hatte ich den Eindruck, daß alle meine Besucher sich mit Gesängen und Botschaften und Prophezeiungen in alle vier Himmelsrichtungen zerstreuten, mit Zungen redeten und fähig wären, Tote zu erwecken, denn tatsächlich waren wir drei Tage lang voll des Heiligen Geistes und der Geist Gottes schien immer stärker von allen unseren Seelen Besitz zu ergreifen – durch die drei ersten Messen meines Lebens, meine drei größten Gnaden.“

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„Es ist mir alles so ungewohnt. Die Gnaden gehören einer apostolischen Ordnung an, die über meine Erfahrung hinausgeht. Dennoch kann ich – wenn ich nicht undankbar und töricht sein will – nicht sagen, daß sie außerhalb meiner Berufung liegen, da sie in gewissem Sinne deren Krönung sind. Ich meine, sie krönen diesen Abschnitt meiner Lebensgeschichte, meine letzten sieben Jahre. Hierfür bin ich geboren worden.“

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„Das Vollkommenste und Persönlichste im Leben jedes Menschen ist gerade das Element, das sich nicht auf eine allgemeine Formel bringen läßt. Es ist das Element, das nur uns und Gott gehört, niemand sonst. Es ist unser eigenstes, wahres, nicht mitteilbares Leben, das Leben, das im Herzen Gottes für uns vorgebildet und verwirklicht worden ist.

Meine Priesterweihe, das fühlte ich, war das eine große Geheimnis, für das ich geboren war. Zehn Jahre vor meiner Weihe, als ich in der Welt lebte und einer der letzten Menschen auf Erden zu sein schien, der zum Priester bestimmt war, hatte ich plötzlich begriffen, daß die Priesterweihe für mich tatsächlich eine Frage von Leben oder Tod, Himmel oder Hölle war. Und als endlich dieses vollkommene Einswerden mit dem unerforschlichen Willen Gottes unmittelbar bevorstand, klärte sich mir meine Berufung. Es war Gnade und Geheimnis, so völlig mir allein zu eigen, daß ich anfangs entschlossen war, zu niemand davon zu sprechen. Da jedoch kein Mensch für sich allein zum Priester geweiht wird und da ich durch meinen Priesterberuf nicht nur Gott, sondern allen Menschen gehöre, so war es nur recht und billig, daß ich aus der Fülle meines Herzens ein wenig zu den Freunden sprach, die zu meiner Weihe gekommen waren. Ich habe mir nicht die Zeit genommen, in diesem Tagebuch darüber zu schreiben, und habe auch jetzt nicht die Absicht. Nur die folgenden kurzen Bemerkungen möchte ich machen.

Zunächst ist das Größte, was bei der Priesterweihe geschieht, zugleich das Gewöhnlichste. Darum ist die Heilige Weihe in ihrem Vollzug das einfachste der Sakramente. Wortlos legt der Bischof dem Weihekandidaten seine Hände aufs Haupt. Dann spricht er ein Gebet, und der neue Priester empfängt die Gnade und das unauslöschliche Zeichen des Priestertums. Er wird identisch mit dem Einen Hohenpriester, dem Inkarnierten Wort, Jesus Christus. Er ist Priester auf ewig.

Gott tut niemals etwas halb. Er heiligt uns nicht Stück um Stück. Er macht uns nicht zu Priestern oder Heiligen, indem Er ein außerordentliches Dasein auf unser gewöhnliches Leben stülpt. Er ergreift unser gesamtes Leben und Sein und hebt es auf eine übernatürliche Ebene; Er gestaltet es von innen her um und läßt es äußerlich sein was es ist: gewöhnlich.

So war die Gnade meines Priestertums, die größte meines Lebens, für mich etwas weit Bedeutenderes als ein vorübergehender Höhenflug über den eintönigen Niederungen des Alltagsdaseins. Es verwandelte mein gewöhnliches, alltägliches Leben für immer. Es war eine Umgestaltung aller einfachen und gewohnten Dinge, eine Erhebung der schlichtesten und natürlichsten Akte auf die Ebene des Sublimen. Es zeigte mir, daß die Liebe Gottes genügt, um die Erde zum Himmel zu machen. Denn Gott ist die Liebe, und die Liebe ist der Himmel.

Gott zu lieben ist alles. Und die Liebe genügt. Nichts anderes hat Wert, höchstens insofern als es durch die Liebe Christi umgestaltet und veredelt wird. Aber das geringste Ding, von der Liebe berührt, verwandelt sich sogleich und wird erhaben.

Die beiden charakteristischsten Erscheinungsformen der göttlichen Liebe im Herzen eines Priesters sind Dankbarkeit und Barmherzigkeit. Dankbarkeit ist die Form seiner Liebe zum Vater, Barmherzigkeit ist der Ausdruck von Gottes Liebe, die in ihm wirkt, sich durch ihn auf seine Mitmenschen erstreckt. Dankbarkeit und Barmherzigkeit vereinigen und decken sich vollkommen in der Messe, die nichts anderes ist als die Liebe des Vaters für uns, die Liebe des Sohnes für uns und für den Vater, die Liebe des Geistes, welche die Liebe ist, die uns mit dem Vater und dem Sohn vereint.“

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„Nach meiner ersten Messe verstand ich vollkommen und zum erstenmal in meinem Leben, daß nichts anderes auf der Welt von Bedeutung ist, als Gott zu lieben und Ihm in Einfalt und Freude zu dienen. Ich erkannte ganz klar, daß es sinnlos und trügerisch ist, Ihm auf irgendeine auffallende und außerordentliche Weise dienen zu wollen, da aller gewöhnliche Dienst erhaben und außerordentlich wird, sobald er durch die Liebe zu Ihm verwandelt wird. Ich erkannte auch, daß Seine Gnade und insbesondere die Gnade des Priestertums die Liebe zur leichtesten Sache in der Welt gemacht hat. Gott zu lieben kostet weniger Mühe, als zu essen, zu schlafen, zu atmen oder die einfachsten und instinktivsten Akte unseres natürlichen Lebens zu vollziehen. Denn ein Willensakt erfordert überhaupt keine Anstrengung, wenn unser Wille immer von Seiner Gnade beherrscht und gelenkt ist, denn dann wird die Liebe etwas ebenso Natürliches und Beständiges und Ununterbrochenes wie der Atem. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was gibt es Leichteres, als Gott in dir leben zu lassen und Ihn zu lieben, der dich liebt?“

Dem interessierten Leser bieten wir hier die Lektüre des entsprechenden Kapitels [Vierter Teil] von Das Zeichen des Jonas:

Thomas Merton. Das Zeichen des Jonas, T.4

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Der Ledergürtel der Trappisten

Im Jahr 1999 gründeten die Nonnen von „Our Lady of the Mississippi“ USA) auf Bitten des örtlichen Bischofs ein neues Kloster für Trappistinnen in Norwegen: das Trappistinnenkloster Tautra Mariakloster. Es ist inzwischen ein „modernes Kloster“ entstanden.

https://tautramariakloster.no/velkommen.php

Am vergangenen Fest des heiligen Johannes d. T. durfte Sr. Renata nach Abschluss ihres zweijährigen Noviziates die einfache Profess ablegen. Bei dieser Gelegenheit entstand das folgende Foto: Die Novizin legt das weiße Skapulier ab und legt das schwarze Skapulier an. Es wird nicht, wie während der Noviziatszeit mit einem Stoffgürtel befestigt, sondern mit einem Ledergürtel. Dieser hat jedoch keine Schnalle, wie sie üblicherweise bei uns gebraucht wird.

Der Ledergürtel der Trappisten ist einzigartig: Je nach Körpergröße des Mönchs / der Nonne ist das Lederband etwa 2-2,5 Meter lang. Es wird auf einer Seite eingeschnitten, so dass sich zwei gleich breite Streifen als Endstücke ergeben, die auf der linken Seite lang herunterhängen (etwa wie ein Zingulum oder der franziskanische Strick) . Die breite Seite des Gürtels wird eingeritzt. So können die beiden schmalen Lederstreifen jeweils durch die entsprechende Öffnung gezogen werden und hängen auf der Seite herunter. Damit diese schmalen Streifen nicht herausrutschen, werden ihnen mehrere kleine Quasten aus Leder angenäht (beachte den Gürtel der Priorin und siehe auch kleines Foto ganz unten). So hält der Gürtel den schmalen oder korpulenten Leib des Mönchs / der Nonne mit dem Mönchs-/ Nonnen-Habit zusammen.

Auf dem Foto ist zu erkennen, wie die Äbtissin die schmale Seite des Gürtels von hinten nach vorn durch die Öffnung zieht, was bei einem neuen Gürtel, der noch steif, weil durch den dauernden Gebrauch noch nicht weich geworden, auch einmal etwas Mühe machen kann.

Schwester Renata wünschen wir Gottes Segen!

 

 

 

 

 

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