EIN MENSCH WIRD FERTIG MIT GOTT

„Wir haben nur einen Grund traurig zu sein,
– daß wir nicht heilig sind.“

(Leon Bloy)

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Hinweis zum Buch

PATER M. RAYMOND

EIN MENSCH WIRD FERTIG MIT GOTT
Vom Cowboy zum Trappisten

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Der Trappistenautor Pater M. Raymond (Joseph David Flanagan, 1903-1990) trat 1936 in das Trap-pistenkloster Unsere Lieben Frau von Gethsemani in Kentucky ein. Er verfasste zahlreiche Bücher, die z. T. ins Deutsche übersetzt wurden. Bekannt sind „Die drei Rebellen“ über die Anfänge des Zister-zienserordens in Citeaux und „Die weißen Mönche von Kentucky“, ein Buch, in dem der Autor die Entstehungsgeschichte seines Klosters beschreibt. In Gethsemani war Pater Raymond Zeitgenosse seines berühmteren Mitbruders Pater Louis (Thomas Merton), der ihn jedoch als Autor nicht schätzte.

1941 veröffentlichte Pater Raymond sein Buch „The man who got even wich God“. Es handelt sich um eine romanhafte Biografie des zwei Generationen vor ihm im selben Kloster lebenden Laienbruders Joachim, der als John Green Hanning (1849-1908) nur unweit der Trappistenabtei in Kentucky aufgewachsen ist. Das Buch ist in den USA vielfach nachgedruckt worden. Es wurde auch in viele Sprachen übersetzt und hat sogar in Deutschland mehrere Auflagen erfahren. Sein deutscher Titel lautet: „Ein Mensch wird fertig mit Gott. Vom Cowboy zum Trappisten“.

Mit den aufgeklärten Augen der heutigen Zeit gelesen handelt es sich um einen unmögliches Buch. Kein deutscher Verlag würde es heute so veröffentlichen. Nicht nur, dass die Sprache altmodisch erscheint, sie ist vor allem nicht „politisch-korrekt“. Ebenso hat sich das Bild von einem frommen und religiösen Leben vollständig gewandelt. Ein, wie hier geschildertes Klosterleben scheint dem modernen und vor allem „nachkonziliaren“ Menschen nicht nur wie unwirklich, sondern geradezu unmenschlich zu sein. Warum also sollte jemand dieses Buch lesen?

Ein Mensch wird fertig mit Gott. Vom Cowboy zum Trappisten“.

Pater Raymond hat in Gethsemani schon als junger Mönch durch seine älteren Mitbrüdern von Bruder Joachim gehört. In den Archiven des Klosters suchte er nach Aufzeichnungen, wovon allerdings nicht viel zu finden war. Doch das beflügelte den Autor umso mehr, zwar keine Biografie, dafür aber eine romanhafte Lebensbeschreibung zu verfassen. Was er gehört hatte und in den Klosterannalen fand, verarbeitete er zu einem spannenden Triller. Dabei fließen geschichtliche Ereignissen des 19. Jahr-hunderts ebenso ein wie die gesellschaftlichen Gegebenheiten jener Zeit.

Die etwas reißerisch daherkommenden Titel und Untertitel passen vielleicht zum Stil des Romans, auch nicht unbedingt zu einer Beschreibung des geistlichen Weges eines Trappistenmönches. Das als derbe beschrieben Klosterleben erinnert an heroische Zeiten. Beinahe so, als sei man im 17. Jahrhundert in La Trappe und bei Abt de Rance, dem Gründer der Trappisten. Es ging darum, heilig zu werden. Dafür kam man in solche Klöster. Das schaffte man aber nur, so war man der Ansicht, wenn es gelang, das eigene Ich abzutöten. Die dabei notwendigen Härten, die sich vor allem im Gehorsam dem Vater Abt, dem Oberen gegenüber zeigten, halfen dabei, den Mönch näher zu Gott zu führen. Dieser harte Weg vollzieht sich anhand der klösterlichen Gelübde von Armut, Gehorsam und Keuschheit. Das Ziel ist der Himmel.

Das Buch gewährt diesen Einblick in das Mönchs- insbesondere des Trappistenlebens- jener Zeit. Es wird die Opferbereitschaft und der Heldenmut jener Männer deutlich, die das Klosterleben ergriffen, um Gottes Ruf zu folgen und bereit waren wirklich alles hinzugeben, sogar ihren eigenen Willen mit ihrem ganzen Leben. Hier wird klar, dass Menschen der heutigen Zeit kaum Verständnis für jene Sichtweise  aufbringen können: den eigen Willen aufzugeben für Gott widerspricht der modernen Idee, seinen eigenen Willen ausleben zu müssen. Nein, einem anderen vorbehaltlos zu vertrauen und zu folgen, sich den eigenen Willen brechen zu lassen, ist dem modernen Menschen nicht vorstellbar. Doch vielleicht wird er nach der Lektüre dieses Buches erkennen, dass gerade der moderne Mensch sich mehr und mehr einem fremden Willen (Medien, Mainstream, usw.) unterwirft und in Wirklichkeit keinen eigenen Willen mehr besitzt. – Doch was ist schöner und größer, als sich Gottes Willen anzuvertrauen…

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Es gab einmal Zeiten, als es –

… keine unveränderlichere Speisekarte gab,
als die der Trappisten.
Selbst wenn ein Fest wie Weihnachten,
oder das des hl. Bernhard auf einen Montag fällt,
so wird doch keine Ausnahme gemacht …
es gibt Bohnen.

(M. RAYMOND, O.C.S.O. – EIN MENSCH WIRD FERTIG MIT GOTT)

Refektorium – Trappistenkloster Notre-Dame des Praires. 1892 bis 1978

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Prostratio nach den Exequien von Zisterziensern

Bei Exsequien kommt die Prostratio in folgender Weise vor:

Im letzten Teil der Beerdigungsliturgie, nach der Versenkung des Verstorbenen ins Grab, kehrt die Mönchsprozession in die Kirche zurück; die Mönche stellen sich der Seniorität nach entlang der Altarstufe auf und prosternieren sich mit dem Kopf zum Altar. Ist der Konvent groß, bildet sich eine zweite Reihe, eine Körperlänge dahinter, die sich ebenso zu Boden wirft. Der Abt kehrt, nachdem er in der Sakristei die Messgewänder abgelegt hat, an die Stufe zurück und nimmt seinen Platz auf dem Boden ein, den die ältesten Mönche ihm freihielten.

Aus: Cist. Chronik 27 (1915) 218-221.

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Trappisten-Stift-Engelszell

Im Trappistenkloster „Stift Engelszell“ in Österreich ist am 31. August 2018 Pater Stephan Losbichler gestorben. Der Senior des Hauses wurde 1929 in Kleinraming in Oberösterreich geboren. 1947 trat er in Engelszell ein, machte 1953 seinen feierlichen Profeß und wurde 1956 zum Priester geweiht. Pater Stephan war 89 Jahre alt, von denen er 68 Jahre unter den Mönchsgelübden stand. – Er möge ruhen in Frieden!

So leben in Engelszell noch vier Mönche, zwei Patres und zwei Brüder.

Die Schließung des einzigen österreichichen und damit letzten deutschsprachigen Trappistenklosters steht bevor. In diesen Tagen des September 2018 verlassen die letzten deutschen Trappisten Mariawald in der Eifel.

Foto – Stift Engelszell

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Dom Alexis Presse

Am Gedenktag des heiligen Alexis sei an einen seiner vielen Namensvetter erinnert. Auch Dom Alexis Presse trug seinen Namen. Darum sei heute an diesen großen Trappistenabt erinnert.

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Dom Alexis Presse wurde geboren am 26. Dezember 1883 in Plouguenast/Bretagne und erhielt in der Taufe den Namen Mathurin. Nachdem er sich die notwendige Schulbildung angeeignet und erste Studien im Priesterseminar von Saint-Brieuc absolviert hatte, trat er 1903 in die Zisterzienserabtei Timadeuc ein. Nach seiner zeitlichen Profess am 11. Februar 1905, der Feierlichen Profess am 16. Februar 1908 und seiner Priesterweihe am 29. Juni des gleichen Jahres setzte er seine Studien in Rom fort, bei dem er sich speziell mit kirchenrechtlichen Fragen beschäftigte und im Jahr 1914 zum Doktor des kanonischen Rechts promoviert wurde.

Nach seiner Teilnahme am 1. Weltkrieg konnte er nach einem Aufenthalt in Timadeuc für drei Jahre, von 1920 bis 1923, als Lehrer in der Abtei Bonnecombe wirken. Schon 1923 wurde er jedoch als Superior in die Abtei Tamié geschickt, deren Mönche ihn 1925 zu ihrem Abt wählten.

Die Abtei, der er nun vorstand, hatte schwere Prüfungen zu bestehen. Die Gemeinschaft war aus zwei Klöstern zusammengelegt worden und dadurch nicht wirklich geeint. Finanzielle Probleme und fehlender Nachwuchs bedrängten die Gemeinde, die nach tatkräftiger Führung verlangte. Dom Alexis verstand es, die Mönche und Konversen zu fördern und zu ermutigen. Er brachte unter vielen Mühen die desolate Finanzsituation wieder ins Lot und versuchte, mit neuen Einnahmequellen der angespannten Lage Herr zu werden. Seiner Gemeinde war er ein liebevoller Abt, seine Kontakte zum Klerus der Diözese waren hervorragend und seine Begeisterung für das zisterziensische Leben mitreißend. Er hatte intensiven Kontakt zu dem unermüdlichen Verbreiter der in Vergessenheit geratenen Schriften der frühen Zisterzienserväter, Dom Anselme Le Bail.

Schon bald nach seiner Berufung nach Tamié im Jahr 1923 sanierte er das Kloster etappenweise. Junge Novizen traten der Gemeinde bei, unter ihnen auch der später sehr bekannte Kunsthistoriker P. Anselme Dimier, der schließlich nach Scourmont übertreten sollte. Nicht alle Änderungen und Neuerungen, die Dom Alexis in Tamié einführte, stießen auf Zustimmung bei den Ordensoberen.

Die Einführung altzisterziensischer Gebräuche wurde nur widerstrebend geduldet, so dass sogar in Rom Beschwerden gegen ihn eingingen. Auf den Generalkapiteln der Strengeren Observanz musste er sich wiederholt rechtfertigen. Allerdings stärkte der einflussreiche Vater Immediat von Tamié, Dom Jean-Baptiste Chautard von Sept-Fons, dem temperamentvollen jungen Abt oft den Rücken.

Schließlich jedoch wurden die Übertretungen der Ordensdisziplin in Tamié in bestimmten Punkten zum Anlass genommen, Dom Alexis streng zurechtzuweisen und auf sofortigen und strikten Gehorsam zu pochen. Nachdem er sich geweigert hatte, sich öffentlich zu den Maßnahmen zu äußern, die gegen ihn ergriffen werden sollten, falls er nicht bedingungslos einlenken würde, zitierte ihn das Generalkapitel nach Cîteaux und verhängte über ihn die Exkommunikation des Ordens, indem es ihm mit sofortiger Wirkung verbot, nach Tamié zurückzukehren und mit seinen Mönchen und Konversen Kontakt zu haben.

Dom Marie Godefroy als Vaterabt hatte diese Strafe der erschütterten Gemeinschaft in Tamié zu verkünden und die weiteren Schritte zu regeln, die sich als Konsequenzen aus der Exkommunikation von Dom Alexis ergaben. Er und seine Begleiter gestatteten dem ratlosen Abt allerdings aus Freundschaft, die notwendigen persönlichen Dinge aus seinem bereits versiegelten Zimmer zu holen. Alexis Presse war kein sehr diplomatischer Mensch. Die Differenzen zwischen der Ordensleitung und seiner Person waren die Folge des ungestümen bretonischen Charakters von Dom Alexis und einer Konzeption des Ordenslebens seitens der Ordensleitung, die sich ganz auf aszetische und rubrizistische Ideale stützte.

Dom Alexis Press in Bocuqen

Relativ bald, schon im Oktober 1936, besiedelte Alexis Presse daraufhin die alte Zisterzienserabtei Boquen wieder. Als Gebäude fast ganz ruiniert und zerstört, baute Dom Alexis in geduldiger und harter Arbeit Teile des ursprünglichen Klosters wieder auf. Eine kleine Gemeinschaft begann ein Leben nach den ursprünglichen Gebräuchen von Cîteaux, wie sie Dom Alexis interpretierte.

Das Leben in Boquen zeichnet sich durch große Flexibilität und gesundes Maßhalten aus, zeigte aber auch Tendenzen zu historisierenden Engführungen, vor allem in hygienischer Hinsicht. Alexis Presse war es vergönnt, Unterstützung zu finden von den verschiedenen Generaläbten ocist.

Im Jahr 1950 wurde er offiziell zum Abt von Boquen ernannt. Die Narben der Verwundungen von 1936 konnten langsam heilen und voller Freude durfte Alexis Presse zu seinem goldenen Priesterjubiläum im Jahr 1958 den ehemaligen Generalabt ocso und einstigen Wegbegleiter aus seiner Zeit in Timadeuc in Boquen begrüßen. Seine große Liebe zum Zisterzienserorden und seine außerordentliche Gelehrsamkeit ließen ihn den Versuch wagen, auch im 20. Jahrhundert der ursprünglichen Observanz des frühen Cîteaux gerecht zu werden. Dazu führte er in Boquen den mittelalterlichen Tagesplan wieder ein, der die Stunden nach dem Sonnenstand berechnete und harmonisch dem natürlichen menschlichen Rhythmus folgte. Schon in Tamié hatte Dom Alexis mit Sorgfalt nach den alten Melodien des zisterziensischen Offiziums (vor allem der gesungenen Teile des Nachtgottesdienstes) gesucht und konnte daher in Boquen auf seinen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Dormitorium in Bocquen. LIFE-Magazin-Photo

Die Weihe der wiedererrichteten Abteikirche am 22. August 1965 unter großer Anteilnahme der offiziellen Förderer und vieler Freunde von Boquen konnte Dom Alexis vom Rollstuhl aus mitfeiern.

Allerdings waren ihm nur noch wenige Wochen zu leben vergönnt. Wie er es sich gewünscht hatte, starb Dom Alexis, erschöpft und krank, in der Nacht des Festes Allerheiligen, das er schon im Himmel feiern wollte, und wurde unter zahlreicher Beteiligung in der Abteikirche von Boquen bestattet.

Text: Cistopedia

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Wie alt muss ein Mann geworden sein, wenn …

… er 81 Jahre Mönch und 70 Jahre Priester gewesen ist?

Pater Benjamin aus dem Trappistenkloster Acey ist am Schutzengelfest 94-jährig gestorben. Mit 12 Jahren ist er als Oblate ins Kloster eingetreten, da er noch nicht das kanonische Alter für das Noviziat hatte. Er wurde so alt, obgleich er sein ganzes Leben lang, aufgrund einer kindlichen Tuberkuloseerkrankung, kränklich war.
Seine Seele möge in Frieden ruhen!

P.-Benjamin-Acey-pdf

VIDEO    –    Abbaye N.D. d’Acey

Muttergottes mit Jesuskind in der Abteikirche Acey
Abbaye Notre-Dame d’Acey

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Trappisten im Bruch mit der Vergangenheit

Geschichte eines Bruches.

Dom Eric Varden, Abt von Mount St. Bernard ergriff am 18.9.2017 anlässlich des Generalkapitels der „Zisterzienser der strengeren Observanz“ (OCSO) das Wort. In seiner Rede über die Vision des Ordens im einundzwanzigsten Jahrhundert sagte er einen Satz, der auf den Bruch dieses alten Ordens mit der katholischen und monastischen Tradition hinweist. Dieser Bruch entwickelte sich bereits seit dem Generalkapitel des Jahres 1969, als die alten Ordensstatuten (Usus) von jetzt auf gleich für ungültig erklärt wurden und stattdessen ein Dokument mit dem Titel „Einheit und Pluralismus“ das neue Leben der Mönche regeln sollte, was bedeutete, das jede Kommunität weitgehend das machen konnte was sie wollte.

Dom Eric Varden, Abt von Mount St. Bernard:

“I feel gratitude. I also feel perplexity. My perplexity springs from what I see as a crisis of transmission. It is on this I wish to reflect. When I entered the monastery in 2002, I was conscious of entering a flow of continuous life. I was no less conscious of entering a history of rupture.”
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„Ich fühle Dankbarkeit. Ich fühle auch Verwirrung [Ratlosigkeit?]. Meine Bestürzung entspringt dem, was ich als eine Übertragungskrise sehe. Darüber möchte ich nachdenken. Als ich 2002 in das Kloster eintrat, war ich mir bewusst, einen Fluss kontinuierlichen Lebens zu betreten. Ich war mir nicht weniger bewusst, in eine Geschichte des Bruches einzugehen.

Foto: Dom Eric Varden. GC2017.OCSO

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