Officium Divinum – Kloster Mariawald

Nachdem zuerst die KOMPLET, danach auch die übrigen Tagzeiten des Göttlichen Offiziums (LAUDES, PRIM, TERZ, SEXT, NON, VESPER) online gestellt wurden, befindet sich gerade die VIGIL im Aufbau und wird in Kürze zugänglich sein. Bereits jetzt kann der Interessierte die VIGIL des Sonntag einsehen bzw. mitbeten.

Mariawalder-Messbuch

Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Trappisten, die „Zisterzienser von der strengeren Observanz“ (OCSO), bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts ebenso wie die Kartäuser und manche andere Orden, das sogenannte „Officium parvum B.M.V.“ beteten. Das Generalkapitel des Ordens entschloß sich damals, diese geistliche Übung aufzugeben. Wahrscheinlich weiß heute niemand mehr, warum.

Damals erhob sich Abt Christophorus von Mariawald und gab zu bedenken, dass dieses schöne Offizium seit Bestehen des Zisterzienserordens bis auf diesen Tag mit großem Eifer verrichtet worden war. – Um nun nicht ganz auf diesen Lobpreis der Allheiligen Gottesmutter zu verzichten machte er folgenden Vorschlag: Es werden die Antiphonen der einzelnen Horen, der Versikel, die Oration und das Abschlussgebet Dulce nomen vor jeder kanonischen Hore gesungen. Der Beginn bleibt erhalten. Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung. – Die Abtei Mariawald hat bis auf den heutigen Tag an diesem Modus festgehalten.
Vgl.  Cella B.M.V. de Porta coeli S.O.Cist.

Aus diesem Grunde beginnt das nächtliche Offizium der Vigilien nach wie vor mit dem sehr verkürzen „Officium parvum B.M.V.“

O admirabile commercium *
Creator generis humani, animatum corpus sumens,
de Virgine nasci dignatus est:
et procedens homo sine semine,
largitus est nobis suam Deitatem. ( vi. T.)

V. Speciosa facta es, et suavis.
R. In deliciis tuis, sancta Dei Genitrix.

Oremus.
Concede nos famulaos tuos, quaesumus, Domine Deus, perpetua mentis et corporis sanitate gaudere: et gloriosa beatae Mariae semper Virginis intercessione, a praesenti liberari tristitia, et aeterna perfrui laetitia. Per Christum Dominum nostrum. R. Amen

Dulce nomen Domini nostri Jesu Christi et beatissimae Matris.
Ejus sit benedictum in saecula saeculorum.

+

O wunderbarer Tausch: *
der Schöpfer des Menschengeschlechtes wollte,
einen beseelten Leib annehmend,
von einer Jungfrau geboren werden,
und ohne Samen als Mensch hervorgehend,
hat er uns seine Gottheit geschenkt.

Schön bist du und hold in deinem Liebreiz.
Heilige Gottesmutter.

Lasset uns beten.
Wir bitten Dich, Herr, unser Gott, dass wir, Deine Diener, uns beständiger Gesundheit des Leibes und der Seele erfreuen, und daß wir durch die glorreiche Fürsprache der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, von der Trübsal dieser Zeit befreit werden und die ewige Freude genießen dürfen. Durch unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

Die liebreichen Namen unseres Herrn Jesus Christus und Seiner allerseligsten Mutter sollen gepriesen sein in alle Ewigkeit. Amen.

+

 

Priesterweihe und Primiz

Heute ist das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Die Tage um dieses Zeit herum dient der Kirche dazu, ihr neue Priester zuzuführen; es finden die jährlichen Priesterweihen statt.

Seit einigen Tagen wird im Internet ein Bild eifrig geteilt: es zeigt den Trappistenmönch Fr. Louis bei der Zelebration seiner ersten Heiligen Messe in der Kirche seiner Abtei Gethsemani in Kentucky/USA (Abbey of Our Lady of Gethsemani).

Fr. Louis ist niemand anderes als der berühmte Schriftsteller Thomas Merton. Merton durfte im Kloster ein Tagebuch führen. In dem Buch „Der Berg der sieben Stufen“, das ihn bekannt und berühmt machte, berichtet er über seine Studentenzeit, seiner Bekehrung, die Berufung und sein Eintritt ins Trappistenkloster und seine Zeit bis kurz vor der Ablegung seiner Mönchsgelübde. Weniger bekannt sind die weiteren Tagebuchnotizen, die in den folgenden Jahren entstanden sind und 1953 (1954 in deutscher Sprache) in seinem Buch „Das Zeichen des Jonas“ erschienen. Diese Aufzeichnungen enden im Juni 1952. Sie umfassen also die Zeit seiner feierlichen Profess (19.3.1947) und die folgenden verschiedenen Weihestufen auf dem Weg zum Priestertum. Die Priesterweihe erhält Merton am 28. Mai 1947. Am 29. Mai, dem Sonntag der Oktav von Christi Himmelfahrt, zelebriert Fr. Louis seine erste heilige Messe.

Photograph by H.B. Littell via AP Archives Quelle: aletheia.org – https://aleteia.org/2017/06/22/super-rare-photo-of-thomas-mertons-first-mass/

Wir wissen, dass Thomas Merton nicht zu denen gezählt werden kann, die als Zeugen für die Tradition der Kirche anzusehen sind. Er wird ja seit Jahrzehnten von linken und alternativen Strömungen für sich reklamiert. Und tatsächlich hat er in seinem letzten Lebensjahrzehnt manchen Anlass gegeben, an der Treue zu seinem Mönchsleben und seiner Treue zur katholischen Glaubenslehre zu zweifeln. Merton, geboren am 31.1.1915, starb außerhalb seines Klosters. Am 10. Dezember 1968 erlag er beim Duschen einem Stromschlag, als er anläßlich einer interreligiösen Veranstaltung in Bangkok einen Vortrag hielt. Er wurde nur 53 Jahre alt.

In seinen ersten Jahren im Kloster, also auch in der hier zu berichtenden Zeit, lebte Merton noch ganz in der trappistischen Tradition, der monastischen Welt. Viele seiner Gedanken sind deshalb auch heute noch, oder wieder, zu bedenken; freilich mit einem kritischen Geiste.

+ + +

Es folgen einige Auszüge aus dem Vierter Teil von „Das Zeichen des Jonas“ – „Zum Altare Gottes“.

+

„Nach meiner ersten Messe verstand ich vollkommen und zum erstenmal in meinem Leben, daß nichts anderes auf der Welt von Bedeutung ist, als Gott zu lieben und Ihm in Einfalt und Freude zu dienen. Ich erkannte ganz klar, daß es sinnlos und trügerisch ist, Ihm auf irgendeine auffallende und außerordentliche Weise dienen zu wollen, da aller gewöhnliche Dienst erhaben und außerordentlich wird, sobald er durch die Liebe zu Ihm verwandelt wird. Ich erkannte auch, daß Seine Gnade und insbesondere die Gnade des Priestertums die Liebe zur leichtesten Sache in der Welt gemacht hat. Gott zu lieben kostet weniger Mühe, als zu essen, zu schlafen, zu atmen oder die einfachsten und instinktivsten Akte unseres natürlichen Lebens zu vollziehen. Denn ein Willensakt erfordert überhaupt keine Anstrengung, wenn unser Wille immer von Seiner Gnade beherrscht und gelenkt ist, denn dann wird die Liebe etwas ebenso Natürliches und Beständiges und Ununterbrochenes wie der Atem. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was gibt es Leichteres, als Gott in dir leben zu lassen und Ihn zu lieben, der dich liebt?“

+

„Bei dieser Menge von Menschen, die zu meiner Primiz gekommen waren, konnte ich nicht daran denken, über die Weihe zu schreiben, über das Messelesen, über die Agape, die drei Tage dauerte. Vielleicht wird es eines Tages rückschauend in Bruchstücken herauskommen. Bewußtsein des einfach ungeheuren Werkes, das in diesen letzten drei Tagen an mir und durch mich geschehen ist, wobei jeder Tag eine Steigerung war. Weihe, Salbung, Weihemesse – dann die erste stille Messe und was sich daran anschloß, endlich gestern das Hochamt und nachmittags die Gespräche unter den Bäumen der Allee. Als Ergebnis bleibt in mir das Gefühl, daß ich nicht nur umgestaltet worden bin, sondern daß durch die Mühen und Freuden dieser drei höchst erschöpfenden Tage irgendwie eine neue Welt ins Dasein gerufen worden ist, eine erhabene Welt voller Dinge, die keiner von uns in den nächsten ein oder zwei Jahren verstehen wird.“

+

„Die Messe ist das Wunderbarste, das je in mein Leben getreten ist. Am Altar fühle ich, daß ich endlich der Mensch bin, als den Gott mich haben wollte. Über die Klarheit und den Frieden dieses vollkommenen Opfers kann ich nichts logisch Zusammenhängendes sagen. Aber ich bin mir der einzigartigen Gnadenatmosphäre tief bewußt, in welcher der Priester in diesem Augenblick – und danach noch den ganzen Tag lang – lebt und atmet. Gewiß, diese besondere Gnade ist etwas rein Persönliches und Nichtmitteilbares, aber sie hat ihren Ursprung auch in der Gemeinschaftsnatur der Messe. Die größte Gabe, die ein Mensch je empfangen kann, ist die Teilnahme an dem unendlichen Akt, in dem Gottes Liebe sich auf alle Menschen ergießt. In diesem Sinne verschmelzen die höchsten Gnaden der Einsamkeit und der Gemeinschaft und werden eins – und das vollzieht sich im Priester bei der Messe, so wie es sich in der Seele Christi und im Herzen Marias vollzieht.“

+

„Das große Ereignis meines Tages war früher die Kommunion. Nun ist es das Opfer, von dem die Kommunion nur ein Teil ist. Der Schwerpunkt meines geistlichen Lebens hat sich von der halben Stunde, in der ich im Dunkel bei Unserer Lieben Frau vom Siege knie, zu den zehn oder fünfzehn Minuten verlagert, da der Leib und das Blut Christi sich vor mir auf dem Altar befinden und meine Hände jene verkrampfte kleine Gebärde des Flehens andeuten, die bei uns allmählich die weit ausgebreiteten Arme der orantes ersetzt hat. Dennoch scheint mir eine gewisse Zurückhaltung das Beste an der Messe in unserer Liturgie zu sein. Das ganze Opfer ist etwas so Ungeheures, daß es dem höchsten Überschwang niemals gelingen wird es auszudrücken. Sich unbemerkt niederzubeugen und beim Supplices te rogamus den Altar zu küssen, ist eine Gebärde, die mich mir selbst enthebt und meinen Frieden verdoppelt. Das Pater noster zu sprechen ist, als schwämme man im Herzen der Sonne.“

+

„Täglich begeistert und verwirrt mich zugleich die Messe. Diese wunderbare Mischung von Freude und Klarheit und Zurückhaltung erweist sich von Tag zu Tag als heilkräftig an mir. Am Altar bin ich gezwungen, einfach zu sein. Unsere Liturgie hat eine ganz eigene Intensität, gerade weil sie so schlicht und verhalten ist. Nirgends ein Ausruf! Niemals ein Aufschrei!“

+

„Tag für Tag kommt mir mehr zum Bewußtsein, daß ich am Altar alles andere bin als mein alltägliches Ich. Dieses Gefühl von Unschuld ist tatsächlich, als wäre man ausgewechselt. Ich bin verdrängt von Einem, in dem ich ganz wirklich bin. Ein Anderer hat meine Identität angenommen (oder sie enthüllt), und dieser Andere ist ganz Kindheit. Und ich stehe am Altar – man verzeihe die Sprache, es sollten keine außergewöhnlichen Worte sein – ich stehe am Altar, die Augen ganz rein gewaschen im Lichte, das die Ewigkeit ist, und ich werde zu einem, der alterslos wiedergeboren ist. Ich bitte um Entschuldigung für diese Sprache. Ich weiß keine Worte, die einfach genug wären, um so etwas zu beschreiben, ich kann nur sagen, daß ich jeden Tag einen Tag alt bin, und am Altar bin ich das Kind, das Gott ist; und dennoch, wenn alles vorüber ist, muß ich sprechen: «Lux in tenebris lucet, et tenebrae eam non comprehenderunt», und ich falle zurück in meine eigene, in meine armselige «propria», die Ihn überhaupt nicht aufnehmen kann. Ich muß mich sogar freuen, nichts zu sein als eine Schale. Ich durfte einen Abglanz Seiner Reinheit auffangen, und es hat Ungeheures bedeutet, für mich und für die Welt, so daß ich bei meinem sehr langen Memento für die Lebenden in einem Meer von Freude schwimme, das mich fast von meinem Ankergrund losreißt und mich vom Altar wegspült.“

+

„Es ist auch gerade die Messe, bei der ich am einsamsten bin und zugleich für die übrige Welt am meisten bedeute. Es ist tatsächlich der einzige Augenblick, in dem ich den anderen Menschen etwas geben kann. Und ich allein kann es ihnen geben, denn wenn ich es ihnen nicht zuwende, wird ihnen die besondere Frucht dieser meiner Messe nicht zu eigen werden.“

+

„Ich wünschte, ich könnte auf irgendeine Weise die Stufenfolge erklären, welche die drei Tage meines Festes kennzeichnete. Jede Stufe schien mir eine ungeheure Entwicklung darzustellen, die ich nicht imstande bin zu begreifen oder zu erklären. Zum Schluß hatte ich den Eindruck, daß alle meine Besucher sich mit Gesängen und Botschaften und Prophezeiungen in alle vier Himmelsrichtungen zerstreuten, mit Zungen redeten und fähig wären, Tote zu erwecken, denn tatsächlich waren wir drei Tage lang voll des Heiligen Geistes und der Geist Gottes schien immer stärker von allen unseren Seelen Besitz zu ergreifen – durch die drei ersten Messen meines Lebens, meine drei größten Gnaden.“

+

„Es ist mir alles so ungewohnt. Die Gnaden gehören einer apostolischen Ordnung an, die über meine Erfahrung hinausgeht. Dennoch kann ich – wenn ich nicht undankbar und töricht sein will – nicht sagen, daß sie außerhalb meiner Berufung liegen, da sie in gewissem Sinne deren Krönung sind. Ich meine, sie krönen diesen Abschnitt meiner Lebensgeschichte, meine letzten sieben Jahre. Hierfür bin ich geboren worden.“

+

„Das Vollkommenste und Persönlichste im Leben jedes Menschen ist gerade das Element, das sich nicht auf eine allgemeine Formel bringen läßt. Es ist das Element, das nur uns und Gott gehört, niemand sonst. Es ist unser eigenstes, wahres, nicht mitteilbares Leben, das Leben, das im Herzen Gottes für uns vorgebildet und verwirklicht worden ist.

Meine Priesterweihe, das fühlte ich, war das eine große Geheimnis, für das ich geboren war. Zehn Jahre vor meiner Weihe, als ich in der Welt lebte und einer der letzten Menschen auf Erden zu sein schien, der zum Priester bestimmt war, hatte ich plötzlich begriffen, daß die Priesterweihe für mich tatsächlich eine Frage von Leben oder Tod, Himmel oder Hölle war. Und als endlich dieses vollkommene Einswerden mit dem unerforschlichen Willen Gottes unmittelbar bevorstand, klärte sich mir meine Berufung. Es war Gnade und Geheimnis, so völlig mir allein zu eigen, daß ich anfangs entschlossen war, zu niemand davon zu sprechen. Da jedoch kein Mensch für sich allein zum Priester geweiht wird und da ich durch meinen Priesterberuf nicht nur Gott, sondern allen Menschen gehöre, so war es nur recht und billig, daß ich aus der Fülle meines Herzens ein wenig zu den Freunden sprach, die zu meiner Weihe gekommen waren. Ich habe mir nicht die Zeit genommen, in diesem Tagebuch darüber zu schreiben, und habe auch jetzt nicht die Absicht. Nur die folgenden kurzen Bemerkungen möchte ich machen.

Zunächst ist das Größte, was bei der Priesterweihe geschieht, zugleich das Gewöhnlichste. Darum ist die Heilige Weihe in ihrem Vollzug das einfachste der Sakramente. Wortlos legt der Bischof dem Weihekandidaten seine Hände aufs Haupt. Dann spricht er ein Gebet, und der neue Priester empfängt die Gnade und das unauslöschliche Zeichen des Priestertums. Er wird identisch mit dem Einen Hohenpriester, dem Inkarnierten Wort, Jesus Christus. Er ist Priester auf ewig.

Gott tut niemals etwas halb. Er heiligt uns nicht Stück um Stück. Er macht uns nicht zu Priestern oder Heiligen, indem Er ein außerordentliches Dasein auf unser gewöhnliches Leben stülpt. Er ergreift unser gesamtes Leben und Sein und hebt es auf eine übernatürliche Ebene; Er gestaltet es von innen her um und läßt es äußerlich sein was es ist: gewöhnlich.

So war die Gnade meines Priestertums, die größte meines Lebens, für mich etwas weit Bedeutenderes als ein vorübergehender Höhenflug über den eintönigen Niederungen des Alltagsdaseins. Es verwandelte mein gewöhnliches, alltägliches Leben für immer. Es war eine Umgestaltung aller einfachen und gewohnten Dinge, eine Erhebung der schlichtesten und natürlichsten Akte auf die Ebene des Sublimen. Es zeigte mir, daß die Liebe Gottes genügt, um die Erde zum Himmel zu machen. Denn Gott ist die Liebe, und die Liebe ist der Himmel.

Gott zu lieben ist alles. Und die Liebe genügt. Nichts anderes hat Wert, höchstens insofern als es durch die Liebe Christi umgestaltet und veredelt wird. Aber das geringste Ding, von der Liebe berührt, verwandelt sich sogleich und wird erhaben.

Die beiden charakteristischsten Erscheinungsformen der göttlichen Liebe im Herzen eines Priesters sind Dankbarkeit und Barmherzigkeit. Dankbarkeit ist die Form seiner Liebe zum Vater, Barmherzigkeit ist der Ausdruck von Gottes Liebe, die in ihm wirkt, sich durch ihn auf seine Mitmenschen erstreckt. Dankbarkeit und Barmherzigkeit vereinigen und decken sich vollkommen in der Messe, die nichts anderes ist als die Liebe des Vaters für uns, die Liebe des Sohnes für uns und für den Vater, die Liebe des Geistes, welche die Liebe ist, die uns mit dem Vater und dem Sohn vereint.“

+

„Nach meiner ersten Messe verstand ich vollkommen und zum erstenmal in meinem Leben, daß nichts anderes auf der Welt von Bedeutung ist, als Gott zu lieben und Ihm in Einfalt und Freude zu dienen. Ich erkannte ganz klar, daß es sinnlos und trügerisch ist, Ihm auf irgendeine auffallende und außerordentliche Weise dienen zu wollen, da aller gewöhnliche Dienst erhaben und außerordentlich wird, sobald er durch die Liebe zu Ihm verwandelt wird. Ich erkannte auch, daß Seine Gnade und insbesondere die Gnade des Priestertums die Liebe zur leichtesten Sache in der Welt gemacht hat. Gott zu lieben kostet weniger Mühe, als zu essen, zu schlafen, zu atmen oder die einfachsten und instinktivsten Akte unseres natürlichen Lebens zu vollziehen. Denn ein Willensakt erfordert überhaupt keine Anstrengung, wenn unser Wille immer von Seiner Gnade beherrscht und gelenkt ist, denn dann wird die Liebe etwas ebenso Natürliches und Beständiges und Ununterbrochenes wie der Atem. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was gibt es Leichteres, als Gott in dir leben zu lassen und Ihn zu lieben, der dich liebt?“

Dem interessierten Leser bieten wir hier die Lektüre des entsprechenden Kapitels [Vierter Teil] von Das Zeichen des Jonas:

Thomas Merton. Das Zeichen des Jonas, T.4

+ + +

 

Der Ledergürtel der Trappisten

Im Jahr 1999 gründeten die Nonnen von „Our Lady of the Mississippi“ USA) auf Bitten des örtlichen Bischofs ein neues Kloster für Trappistinnen in Norwegen: das Trappistinnenkloster Tautra Mariakloster. Es ist inzwischen ein „modernes Kloster“ entstanden.

https://tautramariakloster.no/velkommen.php

Am vergangenen Fest des heiligen Johannes d. T. durfte Sr. Renata nach Abschluss ihres zweijährigen Noviziates die einfache Profess ablegen. Bei dieser Gelegenheit entstand das folgende Foto: Die Novizin legt das weiße Skapulier ab und legt das schwarze Skapulier an. Es wird nicht, wie während der Noviziatszeit mit einem Stoffgürtel befestigt, sondern mit einem Ledergürtel. Dieser hat jedoch keine Schnalle, wie sie üblicherweise bei uns gebraucht wird.

Der Ledergürtel der Trappisten ist einzigartig: Je nach Körpergröße des Mönchs / der Nonne ist das Lederband etwa 2-2,5 Meter lang. Es wird auf einer Seite eingeschnitten, so dass sich zwei gleich breite Streifen als Endstücke ergeben, die auf der linken Seite lang herunterhängen (etwa wie ein Zingulum oder der franziskanische Strick) . Die breite Seite des Gürtels wird eingeritzt. So können die beiden schmalen Lederstreifen jeweils durch die entsprechende Öffnung gezogen werden und hängen auf der Seite herunter. Damit diese schmalen Streifen nicht herausrutschen, werden ihnen mehrere kleine Quasten aus Leder angenäht (beachte den Gürtel der Priorin und siehe auch kleines Foto ganz unten). So hält der Gürtel den schmalen oder korpulenten Leib des Mönchs / der Nonne mit dem Mönchs-/ Nonnen-Habit zusammen.

Auf dem Foto ist zu erkennen, wie die Äbtissin die schmale Seite des Gürtels von hinten nach vorn durch die Öffnung zieht, was bei einem neuen Gürtel, der noch steif, weil durch den dauernden Gebrauch noch nicht weich geworden, auch einmal etwas Mühe machen kann.

Schwester Renata wünschen wir Gottes Segen!

 

 

 

 

 

+

 

Durch das Kostbare Blut Jesu Christi – (Franz Pfanner)

O Ihr Heiligen Gottes!
Erlangt mir die Gnade,
welche ich durch das
Kostbare Blut Jesu Christi
begehre: nämlich,
immer den Willen Gottes zu tun,
immer mit Gott vereinigt zu sein,
nichts anderes zu denken
als nur an Gott,
alles zu tun wegen Gott,
in allem die Ehre Gottes zu suchen,
mein Nichts vollständig zu erkennen,
den Willen Gottes immer besser zu erkennen
und die Geistessammlung zu bewahren.

(Abt Franz Pfanner, Trappist in Mariawald
und Gründer der Mariannhiller Missionare)

+

Abt Franz Pfanner, Trappist und Ordensgründer

(21. Sep. 1825 Langen-Hub bei Bregenz – 24. Mai 1909 Emaus, Südafrika)

Franz Pfanner wurde 1850 nach beendetem Theologiestudium zum Priester geweiht und Pfarrer in Haselstauden-Dornbirn (Österreich). 1863 trat er in die Abtei Mariawald ein. Ein Jahr später legte er dort die Profess ab und wurde wenige Wochen danach zum Subprior ernannt. 1865 übernahm er das Amt des Novizenmeisters.
Am 23. Juli 1867 wurde Pfanner ausgesandt, um in Österreich ein neues Kloster zu gründen, was aber scheiterte. Daraufhin wollte er eine Neugründung im heutigen Kroatien versuchen, wurde jedoch durch ein Schreiben des Abtes der Abtei Ölenberg, dem Mutterkloster der Abtei Mariawald, daran gehindert. Pfanner ging sodann nach Rom. Dort beauftragte ihn Papst Pius IX., die Abtei Tre Fontane in Rom wieder aufzubauen. Nach dem Pfanner diesen Auftrag erfüllt hatte, begab er sich in das heutige Bosnien, um dort eine Klosterneugründung zu versuchen. Im Frühjahr 1869 begann er bei Banja Luka mit der Gründung des Klosters Mariastern, dessen Prior er 1872 wurde.
1879 brach Pfanner nach Natal in Südafrika auf, um dort eine Klosterneugründung zu versuchen. 1880 traf er dort mit 31 weiteren Mönchen ein und gründete das Kloster Mariannhill bei Durban, zu dessen erstem Abt er am 27. Dezember 1885 geweiht wurde. Im selben Jahr gründete Pfanner die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut.
Mariannhill entwickelte sich zu einer Missionsstation. Da die Missionstätigkeit mit dem beschaulichen Trappistenleben nicht vereinbar war, wurde das Kloster Mariannhill 1909, kurz nach Pfanners Tod, von Papst Pius X. vom Trappistenorden getrennt und zum Mutterhaus der Mariannhiller Missionare erhoben.
1893 gab Abt Franz das Abtsamt auf und lebte bis zu seinem Tod am 24. Mai 1909 zurückgezogen in Mariannhill.
Franz Pfanner war erster Abt von Mariannhill und Gründervater der Kongregation der Mariannhiller Missionare und der Missionsschwestern vom kostbaren Blut
1981 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet.

Zeitgenössisch

+

 

Dominica ad PRIMAM. – Am Sonntag zur PRIM

Die PRIM, wie sie am Sonntag bei den TRAPPISTEN gebetet wird.

V. Deus in adjutorium meum intende.
R. Domine ad adjuvandum me festina.
Gloria Patri, et Filio, et Spiritui sancto.
Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in sæcula sæculorum. Amen.

O Gott, komm mir zu Hilfe!
Herr, eile, mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

HYMNUS
Jam lucis orto sidere,
Deum precemur supplices,
Ut in diurnis actibus
Nos servet a nocentibus.

Schon ist erwacht der Sonne Strahl,
Drum fleh’n zu Dir wir allzumal,
Dass Du in allem Tun uns heut’ /
Bewahrest frei vor Sünd’ und Leid.

Linguam refrænans temperet,
Ne litis horror insonet :
Visum fovendo contegat,
Ne vanitates hauriat.

Der Zunge lege Zügel an, /
Dass nimmer Streit anheben kann, /
Und unsre Augen decke Du /
Vor allem eitlen Trugbild zu.

Sint pura cordis intima,
Absistat et vecordia,
Carnis terat superbiam
Potus cibique parcitas.

Des Herzens Innerstes soll rein /
Und frei von aller Torheit sein. /
In Speis und Trank durch rechtes Maß /
Der Sinne Übermut uns zügeln lass,

Ut cum dies abscesserit,
Noctemque sors reduxerit,
Mundi per abstinentiam
Ipsi canamus gloriam.

Dass, wenn der Tag sich wieder neigt, /
Die Nacht zur Erde niedersteigt, /
Wir durch Entsagung froh und rein /
Dir, unserm Gott, das Danklied weih’n.

Deo Patri sit gloria,
Ejusque soli Filio,
Cum Spiritu Paraclito,
Et nunc, et in perpetuum. Amen.

Lob sei dem Vater auf dem Thron /
Und seinem eingebornen Sohn, /
Dem Heiligen Geist auch allezeit /
Von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

EX PSALMO 118.
Beati immaculati in via : * qui ambulant in lege Domini.
Selig sind, deren Weg ohne Tadel ist, * die da wandeln im Gesetze des Herrn.

Beati, qui scrutantur testimonia ejus : * in toto corde exquirunt eum.
Selig sind, die seine Gebote halten, * und ihn suchen mit ganzem Herzen;

Non enim qui operantur iniquitatem, * in viis ejus ambulaverunt.
die kein Unrecht tun, * sondern auf seinen Wegen gehn.

Tu mandasti * mandata tua custodiri nimis.
Deine Satzung hast Du gegeben, * daß sie in Treuen gehalten werde.

Utinam dirigantur viæ meæ, * ad custodiendas justificationes tuas.
Wären doch meine Wege sicher geführt, * daß sie Deinen Weisungen folgten.

Tunc non confundar, * cum perspexero in omnibus mandatis tuis.
Niemals werde ich zu Schanden, * wenn ich auf jedes Deiner Gebote achte.

Confitebor tibi in directione cordis : * in eo quod didici judicia justitæ tuæ.
Redlichen Herzens will ich Dich preisen, * wenn ich mir Deiner Gerechtigkeit Sprüche zu eigen gemacht.

Justificationes tuas custodiam : * non me derelinquas usquequaque.
Deinen Weisungen will ich folgen: * laß, o Herr, mich niemals im Stich. –

Gloria Patri, et Filio, * et Spiritui sancto.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist.

Sicut erat in principio, et nun et semper : * et in sæcula sæculorum. Amen.
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit * und in Ewigkeit. Amen.
+
In quo corrigit adolescentior viam suam? * in custodiendo sermones tuos.
Wie hält wohl ein Jüngling rein seinen Weg? * Indem er Deine Worte bewahrt.

In toto corde meo exquisivi te : * ne repellas me a mandatis tuis.
Aus ganzem Herzen suche ich Dich: * laß mich nicht weichen von Deinen Geboten.

In corde meo abscondi eloquia tua : * ut non peccem tibi.
Im Herzen heg ich Dein Wort, * daß ich mich nie wider Dich vergehe.

Benedictus es Domine : * doce me justificationes tuas.
Sei gepriesen, o Herr; * Deine Weisungen lehr mich verstehn.

In labiis meis, * pronuntiavi omnia judicia oris tui.
Mit meinen Lippen verkünde ich * jeden Spruch Deines Mundes.

In via testimoniorum tuorum delectatus sum, * sicut in omnibus divitiis.
Des Weges Deiner Gebote bin ich froh, * wie aller Schätze der Welt.

In mandatis tuis exercebor : * et considerabo vias tuas.
Deinen Satzungen sinne ich nach, * und Deine Wege betrachte ich.

In justificationibus tuis meditabor: * non obliviscar sermones tuos.
Deiner Weisungen freue ich mich, * und Deine Worte vergesse ich nicht.

Gloria Patri, et Filio, * et Spiritui sancto.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist.

Sicut erat in principio, et nun et semper : * et in sæcula sæculorum. Amen.
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit * und in Ewigkeit. Amen.
+
Retribue servo tuo, vivifica me: * et custodiam sermones tuos.
In Gnaden gewähr Deinem Knecht, dass er lebe * und heilig halte Dein Wort.

Revela oculos meos : * et considerabo mirabilia de lege tua.
Tu meine Augen auf, * dass ich die Wunder Deines Gesetzes betrachte.

Incola ego sum in terra : * non abscondas a me mandata tua.
Dein Schutzbefohlener bin ich auf Erden: * verbirg mir Deine Gebote nicht.

Concupivit anima mea desiderare justificationes tuas, * in omni tempore.
Die Seele verzehrt sich mir * in Sehnsucht nach Deinen Sprüchen allezeit.

Increpasti superbos: * maledicti qui declinant a mandatis tuis.
Die Stolzen bedrohest Du: * Fluch ist auf denen, die Dein Gebot verlassen.

Aufer a me opprobrium, et contemptum,: * quia testimonia tua exquisivi.
Schmach und Verachtung nimm von mir, * Deinen Geboten gehorche ich.

Etenim sederunt principes, et adversum me loquebantur : * servus autem tuus exercebatur in justificationibus tuis.
Mächtige mögen im Rate wider mich planen, * doch Deines Knechtes Sinn weilt in Deinem Gesetz.

Nam et testimonia tua meditatio mea est : * et consilium meum justificationes tuæ.
Deine Ordnungen sind meine Lust, * Deine Satzungen meine Berater. –

Gloria Patri, et Filio, * et Spiritui sancto.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist.

Sicut erat in principio, et nun et semper : * et in sæcula sæculorum. Amen.
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit * und in Ewigkeit. Amen.
+
Adhaesit pavimento anima mea : * vivifica me secundum verbum tuum.
Im Staube liegt meine Seele: * belebe mich wieder nach Deinem Wort.

Vias meas enuntiavi, et exaudisti me : * doce me justificationes tuas.
Ich habe Dir meine Wege bekannt, und Du hast mich erhört: * Deine Weisungen lehr mich verstehn.

Viam justificationum tuarum instrue me: * et exercebor in mirabilibus tuis.
Den Weg Deiner Satzungen zeige mir: * ich will mich in Deine Wunder versenken.

Dormitavit anima mea præ tædio: * confirma me in verbis tuis.
Tränen entquellen meinem Herzen vor Leid: * nach Deinem Wort richte mich auf.

Viam iniquitatis amove a me: * et de lege tua miserere mei.
Vom falschen Weg halte mich fern * und Dein Gesetz gib mir zu eigen.

Viam veritatis elegi: * judicia tua non sum oblitus.
Ich habe den Weg der Wahrheit gewählt, * Deine Urteile mir vor Augen gestellt.

Adhæsi testimoniis tuis Domine: * noli me confundere.
Deinen Vorschriften hange ich an: * laß mich, o Herr, nicht zu Schanden werden.

Viam mandatorum tuorum cucurri, * cum dilatasti cor meum. 
Den Weg Deiner Satzung will ich gehn, * wenn Du das Herz mir frei gemacht.

Gloria Patri, et Filio, * et Spiritui sancto.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Sicut erat in principio, et nun et semper: * et in sæcula sæculorum. Amen.
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

+

Dicitur consequenter Symbolum sequens quando Officium fit de Dnica. Excipiuntur autem Dnicæ infra Octavas Nativitatis Domini et Epiphaniæ, ac etiam Vigiliæ Nativitatis Dni, et Epiphaniæ, quando occurrunt in Dnica.

Nur an den einfachen Sonntagen, an denen kein Gedächtnis eines Duplexfestes oder einer Oktav stattfindet, wird beigefügt:

Symbolum S. Athanasii. – Das Athanasianische Glaubensbekenntnis

De fide sanctæ Trinitatis et Incarnationis Christi.

-[Siehe untenstehendes Foto]

QUICUMQUE vult salvus esse : * ante omnia opus est, ut teneat Catholicam fidem.
Wer selig werden will, * muß vor allem den katholischen Glauben festhalten.

Quam nisi quisque integram inviolatamque servaverit : * absque dubio in æternum peribit.
Ein jeder, der diesen nicht in seinem ganzen Umfange und unverletzt bewahrt, * geht ohne Zweifel auf ewig verloren.

Fides autem Catholica hæc est: * ut unum Deum in Trinitate, et Trinitatem in Unitate veneremur.
Der katholische Glaube aber ist der: * daß wir einen Gott in drei Personen und drei Personen in der Einheit verehren.

Neque confundentes personas: * neque substantiam separantes.
Wir dürfen nicht die Personen vermischen * und auch nicht die Wesenheit trennen.

Alia est enim persona Patris, alia Filii, * alia Spiritus sancti.
Eine andere ist nämlich die Person des Vaters, eine andere die des Sohnes * und eine andere die des Heiligen Geistes.

Sed Patris, et Filii, et Spiritus sancti una est divinitas: * æqualis gloria, coæterna Majestas.
Aber in dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste ist nur eine Gottheit, * eine gleiche Herrlichkeit, eine gleich ewige Majestät.

Qualis Pater, talis Filius, * talis Spiritus sanctus.
Wie der Vater, so der Sohn, * so der Heilige Geist.

Increatus Pater, increatus Filius, * increatus Spiritus sanctus.
Unerschaffen der Vater, unerschaffen der Sohn, unerschaffen der Heilige Geist.

Immensus Pater, immensus Filius, * immensus Spiritus sanctus.
Unermeßlich der Vater, unermeßlich der Sohn, * unermeßlich der Heilige Geist.

Æternus Pater, æternus Filius, æternus Spiritus sanctus.
Ewig der Vater, ewig der Sohn, * ewig der Heilige Geist.

Et tamen non tres æterni: * sed unus æternus.
Und doch sind es nicht drei Ewige, * sondern nur ein Ewiger.

Sicut non tres increati, nec tres immensi: * sed unus increatus , et unus immensus.
Wie es nicht drei Unerschaffene und drei Unermeßliche, * sondern nur einen Unerschaffenen und einen Unermeßlichen gibt.

Similiter omnipotens Pater, omnipotens Filius, * omnipotens Spiritus sanctus.
Ebenso ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, * allmächtig der Heilige Geist.

Et tamen non tres omnipotentes: * sed unus omnipotens.
Und doch sind es nicht drei Allmächtige, * sondern nur ein Allmächtiger.

Ita Deus Pater, Deus Filius, * Deus Spiritus sanctus.
Ebenso ist der Vater Gott, der Sohn Gott, * der Heilige Geist Gott.

Et tamen non tres Dii: * sed unus est Deus.
Und doch sind es nicht drei Götter, * sondern nur ein Gott.

Ita Dominus Pater, Dominus Filius, * Dominus Spiritus sanctus.
Ebenso ist der Herr der Vater, Herr der Sohn, * Herr der Heilige Geist.

Et tamen non tres Domini: * sed unus est Dominus.
Und dennoch sind es nicht drei Herren, * sondern nur ein Herr.

Quia sicut singillatim unamquamque personam Deum ac Dominum confiteri Christiana veritate compellimur: * ita tres Deos, aut Dominos dicere, Catholica religione prohibemur.
Denn so wie wir durch die christliche Wahrheit angeleitet werden, jede Person einzeln für sich als Gott und Herrn zu bekennen, * so wird uns durch die katholische Lehre verboten, von drei Göttern oder Herren zu reden.

Pater a nullo est factus: * nec creatus, nec genitus.
Der Vater ist von niemand gemacht, * nicht geschaffen, nicht gezeugt.

Filius a Patre solo est: * non factus, nec creatus, sed genitus.
Der Sohn ist vom Vater allein, * nicht gemacht, nicht geschaffen, sondern gezeugt.

Spiritus sanctus a Patre et Filio: * non factus, nec creatus, nec genitus, sed procedens.
Der Heilige Geist ist vom Vater und vom Sohn, * nicht gemacht, nicht geschaffen, nicht gezeugt, sondern ausgegangen.

Unus ergo Pater, non tres Patres : ζ unus Filius, non tres Filii: * unus Spiritus sanctus, non tres Spiritus sancti.
Es gibt also nur einen Vater, nicht drei Väter; nur einen Sohn, nicht drei Söhne; * nur einen Heiligen Geist, nicht drei Heilige Geister.

Et in hac Trinitate nihil prius aut posterius, ζ nihil majus aut minus: * sed totæ tres personæ coæternæ sibi sunt, et coæquales.
Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher und später, nichts größer und kleiner, * sondern alle drei Personen sind gleich ewig und einander gleichwertig.

Ita ut per omnia, sicut jam supra dictum est: * et Unitas in Trinitate, et Trinitas in Unitate veneranda sit.
So daß in jeder Hinsicht, wie schon gesagt ist, * die Einheit in der Dreiheit und die Dreiheit in der Einheit zu verehren ist.

Qui vult ergo salvus esse: * ita de Trinitate sentiat.
Wer also selig werden will, * muß derartig von der Dreieinigkeit denken.

Sed necessarium est ad æternam salutem: * ut incarnationem quoque Domini nostri Jesu Christi fideliter credat.
Aber es ist zur ewigen Seligkeit notwendig, * daß man auch die Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus gläubig annimmt.

Est ergo fides recta, ut credamus et confiteamur: ζ quia Dominus noster Jesus Christus Dei Filius, * Deus et homo est.
Es ist also der richtige Glaube, daß wir annehmen und bekennen: * unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist Gott und Mensch.

Deus est ex substantia Patris ante sæcula genitus: * et homo est ex substantia matris in sæculo natus.
Gott ist er, aus der Wesenheit des Vaters vor aller Zeit gezeugt, * und Mensch ist er, aus der Wesenheit der Mutter in der Zeit geboren.

Perfectus Deus, perfectus homo: * ex anima rationali, et humana carne subsistens.
Ganz Gott, ganz Mensch, * aus einer vernünftigen Seele und einem menschlichen Leibe bestehend.

Æqualis Patri secundum divinitatem : * minor Patre secundum humanitatem.
Er ist dem Vater gleich wegen der Gottheit, * kleiner als der Vater wegen der Menschheit.

Qui licet Deus sit, et homo: * non duo tamen, sed unus est Christus.
Er ist aber, obwohl er Gott und Mensch ist, * dennoch nicht zwei, sondern ein Christus.

Unus autem non conversione divinitatis in carnem: * sed assumptione humanitatis in Deum.
Einer, aber nicht durch Umwandlung der Gottheit in den Leib, * sondern durch Aufnahme der Menschennatur in Gott.

Unus omnino non confusione substantiæ: * sed unitate personæ.
Einer im vollsten Sinn, nicht durch Vermischung der Wesenheit, * sondern auf Grund der Einheit in der Person.

Nam sicut anima rationalis et caro unus est homo: * ita Deus et homo unus est Christus.
Denn wie die vernünftige Seele und der Leib ein Mensch ist, * so ist Gott und Mensch ein Christus.

Qui passus est pro salute nostra, descendit ad inferos: * tertia die resurrexit a mortuis.
Er hat gelitten um unseres Heiles willen; ist abgestiegen zur Totenwelt, * am dritten Tage ist er auferstanden von den Toten.

Ascendit ad cœlos, sedet ad dexteram Dei Patris omnipotentis: * inde venturus est judicare vivos et mortuos.
Er ist aufgestiegen in den Himmel und sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, * von dort wird er wiederkommen zu richten die Lebendigen und die Toten.

Ad cujus adventum omnes homines resurgere habent cum corporibus suis: * et reddituri sunt de factis propriis rationem.
Bei seiner Ankunft werden alle Menschen mit ihren Leibern auferstehen * und von ihren eigenen Taten Rechenschaft ablegen.

Et qui bona egerunt, ibunt in vitam æternam: * qui vero mala, in ignem æternum.
Die Gutes getan haben, werden zum ewigen Leben eingehen, * die aber Böses getan, in das ewige Feuer.

Hæc est fides Catholica: ζ quam nisi quisque fideliter firmiterque crediderit, * salvus esse non poterit.
Das ist der katholische Glaube: * wer diesen nicht treu und fest annimmt, kann nicht selig werden.

Gloria Patri, et Filio, * et Spiritui sancto.
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.

Sicut erat in principio, et nun et semper: * et in sæcula sæculorum. Amen.
Wie es war in Anfang so auch jetzt, und allezeit, und in Ewigkeit. Amen.

Ana.
Alleluia, alleluia, alleluia, alleluia. viij.
Alleluja, alleluja, alleluja, alleluja.

+

Capitulum. I. Tim. 1..6

Regi sæculorum immortali, et invisibili soli dei honor et Gloria *: in sæcula sæculorum. Amen.
R. Deo gratias.
Dem König der Ewigkeit, dem unsterblichen, unsichtbaren, dem einen Gott, sei Ehre und Ruhm in alle Ewigkeit. Amen.
Dank sei Gott.

Hoc Capitulum dicitur ad Primam diebus duodecim et trium Lectionum et per Octavas solemnes.
Im folgenden R. wird, wenn angegeben, statt des Verses; Du sitzest zur Rechten des Vaters, ein anderer Vers gesetzt:
R. Christus, Sohn des lebendigen Gottes, * erbarme Dich unser (Wiederholen.)
V Du sitzest zur Rechten des Vaters. Erbarme Dich unser. Ehre sei … Christus …

Capitulum. Zach. 8

Pacem et veritatem diligite: * ait Dominus omnipotens. R. Deo gratias.
Liebt den Frieden und die Wahrheit, * so spricht der Herr. Dank sei Gott.
V. Exsurge, Christe, adjuva nos.
R. Et libera nos propter nomen tuum.
Erhebe Dich, Christus, und hilf uns.
Und mach uns frei um Deines Namens willen.

Kyrie eleison. Christe eleison. Kyrie eleison.
Pater noster secreto usque ad:
V. Et ne nos inducas in tentationem.
R. Sed libera nos a malo.
V. Dominus vobiscum.
R. Et cum spiritu tuo.
Herr, erbarme Dich. Christus erbarme Dich. Herr erbarme Dich.
Vater unser still bis:
Und führe uns nicht in Versuchung.
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Der Herr sei mit euch.
Und mit Deinem Geiste.

Tagesgebet.
Oremus. ζ
Domine Deus omnipotens, qui ad principium hujus diei nos pervenire fecisti, ζ tua nos hodie salva virtute: * ut in hac die, ad nullum declinemus peccatum: ζ sed semper ad tuam justitam faciendam nostra procedant eloquia, *dirigantur cogitationes et opera. Per Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum: ζ qui tecum vivit et regnat in unitatete Spiritus sancti Deus: * per omnia sæcula sæculorum. Amen.
Lasset uns beten!
Herr, allmächtiger Gott, Du hast uns diesen Tag beginnen lassen; schütze uns auch heute durch Deine Kraft! Laß uns an diesem Tag in keine Sünde fallen, vielmehr sei unser Sprechen, Denken und Tun stets darauf gerichtet, Deine gerechten Anordnungen zu erfüllen; durch unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

V. Dominus vobiscum.
R. Et cum spiritu tuo.
V. Benedicamus Domino.
R. Deo gratias.
V. Divinum auxilium maneat semper nobiscum.
R. Et cum fratribus nostris absentibus.
V. Fidelium animæ per misericordiam Dei requiescant in pace.
R. Amen.
Der Herr sei mit euch.
Und mit Deinem Geiste.
Lasset uns preisen den Herrn.
Dank sei Gott.
Die göttliche Hilfe sei mit uns allezeit.
Und mit unseren abwesenden Brüdern.
Die Verstorbenen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
Amen.

Deo Gratias
Dank sei Gott

SIEHE – MARIAWALDER MESSBUCH

Symbolum S. Athanasii. – QUICUMQUE

+

 

Das Stundengebet bei den Trappisten (14/14) – Komplet. Die Nacht beginnt.

(Ausschnitte aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Nach dem kurzen Abendessen und einer halben oder dreiviertel Stunde freier Zeit kamen wir um 18.15 Uhr für eine Viertelstunde im Kapitelsaal zur so genannten Kompletlesung zusammen. Dort wurde ein Text als spiritueller Impuls zum Tagesabschluss vorgelesen oder der Abt formulierte selbst einen solchen oder gab noch irgendetwas bekannt.

Von dort aus zogen wir um 18.30 Uhr ein letztes Mal in die Kirche. Die dortige Tagzeit-Feier der Komplet führte das Thema „Schlaf“ aus der Vesper weiter – und auch das Thema „Mystik“. Die im höchsten Maß mystische Feier war trotzdem für mein Empfinden die Vesper, weil in ihr die Vollendung mit der Klarheit des Geistes einherging – „Den Geist lass nicht entschlummern“, hieß eine Stelle im dortigen Hymnus, und weil dort das Herz, gemäß der Hoheliedstelle: „Ich schlief, doch mein Herz war wach“ (5,2), als wach und aktiv vorgestellt wurde: in seiner tiefsten Tiefe singend, auf seiner höchsten Höhe Gott träumend.

Die Komplet musste jeder ganz auswendig können. Da wir sie früh am Abend hielten, sangen wir sie monatelang im Hellen, ja um Mitte Juni sogar einige Zeit im hell hereinflutenden Abendlicht. Es gab aber auch Zeiten, wo zu Beginn die Dämmerung schon vorgeschritten war und, weil während der Komplet grundsätzlich kein Licht brannte, gegen Ende die andere Chorseite nicht mehr zu sehen war und wir einander durch die Nacht die Psalmverse zusangen.

Von ungefähr Mitte November bis Mitte Januar brannte das kleine Licht über dem Eingang, bis alle ihre Plätze gefunden hatten; dann wurde es gelöscht und wir fingen in schwarzer Nacht unsere Loslass-Übung in die mystische Nacht der Sinne und des Geistes an. Die bei der geringsten Innenbeleuchtung fahl und stumpf wirkenden die Scheiben der hohen Fenster glänzten in einer zauberhaften schwarzen oder grauen, kristallklaren Transparenz. Manchmal schienen vom Mond beleuchtete Wolken schwach herein. Da gefiel mir die Komplet am besten.

Jetzt wirkten die Bilder der drei Psalmen am stärksten, etwa aus Psalm 3: „Getreide, Wein und Öl haben wir in Fülle empfangen. So kann ich jetzt in Frieden einschlafen und ruhen. Denn mit einer einzigartigen Hoffnung hast du, Herr, mich ausgerüstet.“ Oder aus Psalm 90: „Du brauchst vor keinem nächtlichen Schrecken – a timore nocturno – Angst zu haben, auch nicht vor Machenschaften, die im Finstern laufen – a negotio perambulante in tenebris. Denn seinen Engeln hat Gott dich anvertraut, dass sie dich auf allen deinen Wegen behüten. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit du nicht versehentlich mit deinem Fuß an einen Stein hinstößt.“ Was wir da Tag für Tag bewegten, aufsogen, von uns gaben, einander zusangen, waren nicht Gesänge nur für eine Nacht, sondern zugleich Prophetien, Vor-Erfahrungen für die letzte Nacht, denn der Psalm endete ausdrücklich mit dem Ausblick: „Mit einer Länge über alle Tage hinaus werde ich dich erfüllen und mein Heil dich schauen lassen.“

Die frühen Zisterzienser hatten nach den Psalmen einen siebenstrophigen Hymnus gesungen, der bei uns inzwischen durch den kurzen, in der römischen Liturgie üblichen Te lucis ante terminum ersetzt war. Er hatte mit der Anrufung begonnen: „Christus, du bist Licht und Tag, deckst die Finsternisse jeder Nacht auf“ – Christe, qui lux es et dies, noctis tenebras detegis, und die im Lateinischen viel markanter klingenden Bitten enthalten: Sit nobis in te requies, „in dir sei unsere Ruhe“, oculi somnium capiant, cor ad te semper vigilet, „unsere Augen mögen den Schlaf einfangen, das Herz dagegen bleibe immer zu dir hin wach.“

Bereits gegen Ende des letzten Psalms hatte sich derweil der Dienst habende Kirchendiener nach vorn in den Altarraum getastet und die beiden Altarkerzen und das Licht in der Ampel vor der Marienstatue angezündet. Waren der Hymnus, die Bibeltexte und die Schlussgebete der Komplet gesungen, so stellten sich alle außerhalb ihrer Stallen in Richtung dieses Marienbildes und der Kantor stimmte mit einem jubelnden Melisma den Minnegesang des zisterziensischen Salve Regina an Maria an, in dessen wogende Melodie der ganze Chor einfiel. Es ist eine der kostbarsten Perlen aus dem Erbe unserer Zisterzienser-Troubadoure. Der Gesang endete mit der Bitte: „Und nach diesem Exil zeige uns Jesus, die gesegnete Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!“

(B. Schellenberger. Das Stundengebet)

Singulis Diebus ad COMPLETORIUM
An den einzelnen Tagen zur Komplet
MARIAWALDER MESSBUCH

salve_chambarandSALVE REGINA

Siehe: Buchvorstellung

Beachte:
– Das Stundengebet bei den Trappisten (1/14) – Siebenmal und in der Nacht.
– Das Stundengebet bei den Trappisten (2/14) – Nacht+Aufstehen+Auferstehen.
– Das Stundengebet bei den Trappisten (3/14) – Ein Tagesplan.
– Das Stundengebet bei den Trappisten (4/14) – Mitten in der Nacht ist der Anfang des Tages
– Das Stundengebet bei den Trappisten (5/14) – Die Vigilien, das Nachtoffizium (a)
– Das Stundengebet bei den Trappisten (6/14) – Die Vigilien, das Nachtoffizium (b)
– Das Stundengebet bei den Trappisten (7/14) – Laudes
– Das Stundengebet bei den Trappisten (8/14) – Die Morgenzeit
– Das Stundengebet bei den Trappisten (9/14) – Die Prim
– Das Stundengebet bei den Trappisten (10/14) – Die Terz
– Das Stundengebet bei den Trappisten (11/14) – Die Sext
– Das Stundengebet bei den Trappisten (12/14) – Die Non
– Das Stundengebet bei den Trappisten (13/14) – Die Vesper

Das Stundengebet bei den Trappisten (13/14) – Die Vesper

(Ausschnitte aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Zur Vesper flutete an sonnigen Tagen das rotgoldene Licht der Sonne durch das hohe Westfenster in den rückwärtigen Teil der Kirche und floss bis zu uns in den Chor nach vorn. Es wirkte ferner als das Morgenlicht, das uns durch die nahen Fenster der Apsis direkt angestrahlt hatte.

Wir hatten vorwiegend im Freien gearbeitet, im Wald oder auf den Feldern. Vor einer Viertelstunde waren wir hereingekommen, hatten uns kurz mit kaltem Wasser gewaschen, uns umgezogen und waren in die Kirche geeilt, nicht eigentlich erschöpft von der Arbeit – ganz anders als zur Zeit der Sext –, sondern eher aufgeräumt und zufrieden. So hatte die Vesper immer einen leicht festlichen Grundzug. Sie begann nicht mit dem Hymnus, sondern sofort mit ihren vier Psalmen; das waren für jeden Tag tatsächlich besonders festliche Psalmen.

Wer eine Zeit lang wenigstens die Sonntagsvesper regelmäßig lateinisch gesungen hat, dem werden für immer die Worte der ersten Antiphon und des ersten Psalms, des 109., ins Gedächtnis geprägt bleiben: „Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten“ – Dixit Dominus Domino meo: Sede a dextris meis.

Ganz unabhängig vom Textzusammenhang wirkten diese Bilder vom majestätischen Sprechen und Sitzen staunenswert nachhaltig. Der christliche Glaube und folglich das Mönchsleben ist ein Sprachereignis, lebt von der Anrede und Rede, vom Wort. Darum sangen wir täglich fünf, sechs Stunden das Wort in allen seinen Variationen. Die Verheißung aber, das Ziel dieses Glaubens ist, sofern man dem Ruf dieses Wortes, diesem Sprechen folgt, das Ankommen, das definitive Sitzen zur Rechten.

Nicht nur die Sonntagsvesper, jede Vesper hatte etwas von diesem Ankommen und Sitzen. Vor allem im Winterhymnus Deus Creator omnium wurde dieses Thema besungen. Er sprüht von prägnanten Formulierungen, die leider nur im Latein voll verkostet werden können. Ich möchte trotzdem einige vorstellen und auch Nichtlateinern zu schmecken geben. Zum wörtlichen Übersetzen bin ich auf Prosa angewiesen, die leider nicht den Klang der Poesie wiedergibt. Sofort in der Eingangsstrophe wurde wieder das Licht-Thema angeschlagen: Wir priesen den Schöpfer, dass er den Tag in immer neuen Lichtschmuck kleide, vestiens diem decoro lumine, und die Nacht geschaffen habe mit ihrer Gnade, ganz tief schlafen zu können, noctem soporis gratia.

Vom Arbeitsschluss und der Entspannung war in der 2. Strophe die Rede:

Artus solutos ut quies
Reddat laboris usui
Mentesque fessas allevet
Luctusque solvat anxios.

„Ruhe löse die Glieder, stärke sie neu für die Arbeit,
richte die ermatteten Geister auf und löse alle angstvolle Trauer.“

In den folgenden Strophen fanden sich Bitten wie: „Der tiefste Grund unseres Herzens singe dir zu, unsere Stimme schmettere dir Lieder“ – Te cordis ima concinant, te vox canora concrepet, und „die höchsten Gipfel unseres Herzens mögen“, während wir schlafen, „im Traum dich erreichen“ – te cordis alta somnient.

Im Sommer, zur Zeit intensiver Arbeit, waren die Texte etwas prosaischer und nahmen Rücksicht auf unsere Beanspruchung durch Irdisches. Da wurde uns täglich in der Lesung zugerufen, Gott sei der „Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis“ (2 Kor 1,3–4), und im entsprechenden Sommer-Hymnus, mit dem wir Gott als „besten Schöpfer des Lichts“, als lucis creator optime anriefen, baten wir, er möge unseren Geist davor bewahren, nur „Nicht-Ewiges zu denken“, sondern uns inspirieren, damit unser Innerstes im Takt der himmlischen Sphären pulsiere, coelorum pulset intimum.

(B. Schellenberger. Das Stundengebet)

Siehe: Buchvorstellung

Beachte:
– Das Stundengebet bei den Trappisten (1/14) – Siebenmal und in der Nacht.
– Das Stundengebet bei den Trappisten (2/14) – Nacht+Aufstehen+Auferstehen.
– Das Stundengebet bei den Trappisten (3/14) – Ein Tagesplan.
– Das Stundengebet bei den Trappisten (4/14) – Mitten in der Nacht ist der Anfang des Tages
– Das Stundengebet bei den Trappisten (5/14) – Die Vigilien, das Nachtoffizium (a)
– Das Stundengebet bei den Trappisten (6/14) – Die Vigilien, das Nachtoffizium (b)
– Das Stundengebet bei den Trappisten (7/14) – Laudes
– Das Stundengebet bei den Trappisten (8/14) – Die Morgenzeit
– Das Stundengebet bei den Trappisten (9/14) – Die Prim
– Das Stundengebet bei den Trappisten (10/14) – Die Terz
– Das Stundengebet bei den Trappisten (11/14) – Die Sext
– Das Stundengebet bei den Trappisten (12/14) – Die Non