„Körperliche Reaktionen auf ungesunde Stimulationen.“

… – oder: „Die Toten mit schlagendem Herzen.“

Kliniken in den USA sind schnell bei der Hirntoddiagnose. Und sicherlich treffen die gezeigten Tatsachen und Vorgehensweisen bei uns genauso zu.

Hospitals are Quick to Declare Patients Brain Dead to Harvest Their Organs. Here`s Why.

Kliniken sind schnell dabei, wenn es darum geht, einen Patienten für hirntot zu erklären.
Hier erfahren Sie, warum.

Kommentar:  Brad Mattes June 16, 2016/ 7:14 PM Washington, DC

Jeden Tag werden in den USA Patienten für „hirntot“ erklärt, und mehr als die Hälfte dieser Patienten werden nach Aussage eines Arztes, der Organe entnimmt, zu Organ- und Gewebespendern gemacht. Es ist äußerst alarmierend, dass die meisten Amerikaner nicht wissen, wie subjektiv die Hirntod-Diagnostik ist.

Je mehr ich zu diesem Thema lese, desto besser verstehe ich die Motive für die ansteigende Häufigkeit von Hirntod-Diagnosen. Vor kurzem habe ich etwas herausgefunden, das die Hintergründe klar beleuchtet.

Nancy Valko, eine Gutachterin, die jahrzehntelang als Intensiv-Pflegerin gearbeitet hat, erklärt, wie es sein kann, dass in der einen Klinik ein Patient  behandelt wird, der in einer anderen Klinik für hirntot erklärt würde. Sie verweist auf Forschungsergebnisse, die in „Jama Neurology“ veröffentlicht wurden und aufzeigten, dass es in über 500 Kliniken große Differenzen bei der Hirntod-Diagnose gibt.

Im Jahr 2010 wurden die Richtlinien der „American Academy of Neurology“ überarbeitet, um mehr Übereinstimmung bei den Hirntod-Diagnosen zu erreichen. Allerdings betont Valko auch, dass eine Analyse dieser neuen Richtlinien ergibt, dass sie sich vielmehr  auf subjektive Ansichten berufen.

Lassen Sie diese Information auf sich einwirken.

Subjektive Schlussfolgerungen könnten erklären, warum der Arzt Alan Shewmon Berichte von Fällen aufdeckte, in denen sogenannte „Hirntote“ mit noch funktionierenden Körpern weiterlebten. Diese „Toten mit schlagendem Herzen“ (der Begriff, den man für diese für hirntot Erklärten gefunden hat) hielten ihre Körpertemperatur konstant, ihre Wunden heilten, sie konnten Infektionen bekämpfen, und ihre Organe und Gewebe funktionierten weiterhin, Frauen konnten Kinder austragen, und hirntote Kinder reiften sexuell und wuchsen.

Passt dies alles zu Ihrer Vorstellung von Hirntod?
…..

Welche Gründe bringen Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten, dazu, ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der amerikanischen Bürger aufs Spiel zu setzen?
Dick Teresi, der anfänglich den Hirntod als Tod des Menschen gesehen hat, hat ein anrührendes Buch geschrieben: „The Undead“, das haargenau die Verführbarkeit beschreibt. Ein Auszug aus seinem Buch wurde online gepostet. Welche Beweggründe können Menschen, die im medizinischen Bereich tätig sind, dazu bringen, ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der amerikanischen Bürger aufs Spiel zu setzen? Dick Teresi, anfangs ein Befürworter des Hirntod-Konzeptes, hat ein beeindruckendes Buch geschrieben mit dem Titel „Die Untoten“, das haargenau  die Verführbarkeit aufzeigt. Ein Exzerpt seines Buches ist online zu finden.

Da ist auf der einen Seite das Geld. Teresi berichtet, dass die Transplantations-Industrie 20 Milliarden Dollar im Jahr generiert, indem sie über 1 Milliarde an immunsuppressiven Medikamenten im Jahr verbraucht und auch die Transplantationschirurgen ansehnlich vergütet. Auch die Kliniken kommen dabei finanziell nicht zu kurz. Sie erhalten gewissermaßen einen „Finderlohn“, bezeichnet als Verwaltungskosten. Die einzigen, die von diesem Geldfluss ausgeschlossen sind, sind die Spender und ihre Familien.

Ein Aha-Erlebnis war für mich, als Teresi beschrieb, wie Ärzte  menschliches Leben beschreiben. Das menschliche Herz war früher sozusagen die Zentrale, die Menschen am Leben hielt. Doch heute sehen die meisten Mediziner das Gehirn als entscheidendes Kriterium für Leben und Tod, wobei dem  Hirnstamm die größte Bedeutung beigemessen wird. Darum zähle alles andere, wie er schreibt, nicht mehr als menschliches Leben.“

Als Roe v. Wade ein Preisschild auf das menschliche Leben klebte, hatte das bei vielen Medizinern eine zerstörerische Wirkung auf die Bewertung des Lebens. Wir sehen es es immer dann, wenn während einer Schwangerschaft ein Problem entsteht oder beim Baby das Down-Syndrom festgestellt wird. Abtreibung wird dann oft genannt, angeraten oder sogar vom Arzt dringend nahegelegt.

Ärzte, die Patienten nur als Kohlenstoff-Material sehen, beurteilen Menschen, die nichts mehr „leisten“, als Verschwender von Ressourcen. Ihr Wert endet, wenn ihre Organe geerntet worden sind für andere, produktivere Menschen.

Aber die Kavallerie ist auf dem Weg. Anaesthesisten, wie Teresi berichtet, sind führend unter den Medizinern, die den Hirntod in Frage stellen. Sie haben mit eigenen Augen den Nachweis von Lebenszeichen gesehen, wenn man Leichen mit schlagendem Herzen aufschneidet, um ihre Organe zu „ernten“. Einer von ihnen sah, wie ein Patient spontan atmete und sich als Reaktion auf das Skalpell bewegte, aber der Chirurg sah über seine Einwände hinweg, weil sie vorher schon eingeschätzt hatten, dass er sich nicht erholen würde. „Ich würde es so sagen: Seine Organe zu entnehmen hing mit der Prognose zusammen.“

Lebenszeichen werden routinemäßig ignoriert als spontane Bewegungen. Ein Chirurg bezeichnete sie als „körperliche Reaktionen auf ungesunde Stimulationen.“ Ja, ich bin mir ganz sicher, dass ein Patient, der bei Bewusstsein ist, die chirugische Entfernung seiner Leber als „ungesunde Stimulation“ bezeichnen würde.

LifeNews.com Note: Bradley Mattes ist Vorstandsvorsitzender des „Life Issues Institute“.

Aus dem Englischen übersetzt von Renate Focke (2016-08-21)

http://www.lifenews.com/2016/06/16/hospitals-are-quick-to-declare-patients-brain-dead-to-harvest-their-organs-heres-why/

 

40 Jahre „Freundeskreis Maria Goretti e. V.“ – FMG

Den nachfolgenden Text empfehle ich allen zu lesen, auch wenn er etwas länger ausfällt. – Vielleicht werden Sie danach mit Freuden FMG-Unterstützer.

Aus FMG-Information Nr. 116, August 2016

Es werden in wenigen Wochen 40 Jahre sein, dass der FREUNDESKREIS MARIA GORETTI (FMG) am 13. September 1976 gegründet wurde. Ursache dafür war, dass in den Schulen Bayerns und darüber hinaus in der Folge der 1968er Sexrevolution die sog. „Sexualerziehung“ (SE) eingeführt worden war – völlig neu für die Schule, weil Schamhaftigkeit, Intimsphäre und Würde des Einzelnen bis dahin hoch geschätzt waren. Zunächst geschah dies weithin unbemerkt von den Eltern und der Öffentlichkeit, und wenn man davon hörte, waren viele im guten Glauben, es sei nur „ein wenig Aufklärung“, um den jungen Menschen zu helfen, die erwachende Geschlechtlichkeit im Sinn der Ordnung GOTTES zu bewältigen. Man erkannte nicht, dass eine weltweite Ideologie dahinter stand, die im Lauf dieser Jahrzehnte nun immer totalitärer geworden ist. Die Abwendung gegen die christlichen Wurzeln, ja der Kampf gegen sie, hat auch im Raum der Kirche immer tiefere Einbrüche gebracht.

Anfangs der 1970er Jahre hatte sich eine Gruppierung engagierter Christen zusammengefunden, ein „Kreis katholischer Eltern und Erzieher Regensburg-München“. Daraus erwuchs auch der Gedanke, sich unmittelbar an einer „Schaltstelle“ der Schulpolitik zum Gebet zusammenzufinden. So wird seit dem 19. März 1976 zweimal monatlich stellvertretend vor dem Bayerischen Kultusministerium der Rosenkranz gebetet im Anliegen der reinen, gläubigen Erziehung der jungen Menschen und der Abschaffung der falschen, verführerischen Schul-SE.

Noch früher wurde der hl. Erzengel Michael angerufen, dessen Name die Verteidigung der Rechte GOTTES ausdrückt, er möge die Rechte GOTTES in den Kinderseelen verteidigen und irgendeine Möglichkeit eröffnen, wirkungsvoller zusammenzuarbeiten und Einfluss nehmen zu können. So nahm im Sommer 1976 die Idee Gestalt an, eine sich ganz dem Einsatz gegen Verführung und für die reine Erziehung widmende Vereinigung zu bilden. Auch die Finanzierung für den Anfang wurde ermöglicht – und seither arbeitet der FMG vollkommen auf Spendenbasis. Es war keine große Organisation angestrebt, doch der FMG sollte überregional sein. Dass wir auch über die Landesgrenzen hinaus Freunde gewinnen würden, auch manche aus anderen Konfessionen, hatte sich anfangs nicht absehen lassen.

Der FMG ist von Laien gegründet worden, wenn auch mit priesterlicher Begleitung und späterer Mitarbeit. Dabei war bewusst, dass „alle Gläubigen aufgrund ihrer Taufe und Firmung zum öffentlichen Bekenntnis ihres von GOTT durch die Kirche erhaltenen Glaubens verpflichtet“ und befähigt sind; dass sie ihn „als echte Zeugen CHRISTI verbreiten und verteidigen müssen“ (hl. Papst Johannes Paul II.). Dass diese Tätigkeit aus katholischem Geist, auf dem Boden der katholischen Lehre stehend, geschehen solle, war von Anfang an selbstverständlich und wurde auch in die Vereinssatzung aufgenommen.

Zunächst wurde versucht, über die Schul-SE aufzuklären, Unterstützer zu gewinnen, auf die Verantwortlichen einzuwirken – mit Briefen, Flugblattaktionen, Unterschriftensammlungen,
Informationsabenden etc., ab 1977 schon mit der FMG-INFORMATION, deren erste Nummer noch hektographiert war.

Es blieb nicht aus, dass Entwicklungen in der Kirche, Missbräuche und Irrlehren, die als verkehrt und schädlich erkannt werden und unter denen wir mit vielen Gläubigen zutiefst leiden, in Ehrfurcht vor dem kirchlichen Amt, aber auch in Klarheit genannt werden. Richtschnur ist uns dabei nach bestem Bemühen nicht die eigene Meinung, sondern die beständige katholische Lehre.

Eine besondere Freude und Ermutigung war es, als im Oktober 1979 Kardinal Karol Wojtyla Papst wurde, der uns erst Wochen vorher geschrieben hatte: „Für die mir zugesandte INFORMATION und die guten Worte… danke ich Ihnen von Herzen. Eine große Freude ist mir das Bewusstsein, dass die großen und schwierigen Probleme der Welt von heute in der Gemeinschaft der hl. Kirche tiefes Verständnis finden und treue Verfechter für die Güter des Glaubens und der wahren Sittlichkeit. GOTT segne euer GOTT-gefälliges Wirken.

Zum „Kontra“ gegen Verführung und Sexualisie-rung und gegen die Missachtung des Elternrechts gehört zugleich das „Pro“ für eine Erziehung zu Selbstbeherrschung und Keuschheit. Für das christliche Leben unentbehrlich sind die Gnade GOTTES, das Gebet, und das Vorbild heiligmäßiger Gestalten (wofür unsere Namensgeberin St. Maria Goretti steht). Das hat dann auch zur Verbreitung und Herausgabe von guter, aufbauender, die Reinheit fördernder Literatur und Medien geführt. So wollten und wollen wir mithelfen, die Kinder und Jugendlichen zu stärken, wenn der tiefe Wunsch nach Achtung der Intimsphäre, nach Reinheit und einer christlichen Lebensführung selbst in der Schule schon missachtet wird und Widerstand findet.

Das erste Ziel, die Abschaffung der stimulierenden, unchristlichen Schul-SE zu erreichen, war nicht möglich. Vielmehr wurden von den weltweit mächtigen Organisationen und ihren willentlichen oder getäuschten Nachläufern immer neue Themen und Kampagnen gefunden, um die Sexualisierung weiter voranzutreiben – Kondompropaganda in den Schulen, um – wie man behauptete – ungewollte Schwangerschaften zu verhindern; AIDS-„Aufklärung“, Gleichberechtigung und Feminismus, Homosexualisierung, Gender usw. Dagegen muss weiterhin für die Keuschheit, für Lebensrecht, Elternrecht, Ehe und Familie Zeugnis gegeben werden. Und wir suchen seit Anfang den Eltern, die sich oft ohnmächtig fühlen und wenigstens ihr Kind vor der sittlichen Belastung, der Verletzung ihrer Intimsphäre und der Verführung zu bewahren suchen, ratend und betend zur Seite zu stehen. An Zahl mögen es nicht viele sein, aber jede einzelne Menschenseele ist unendlich kostbar.

Schon zum 25. Jubiläum des FMG heißt es in der FMG-INFORMATION 75 (November 2001): „Der äußere Erfolg ist kein christlicher Maßstab. Wo es um die Anliegen geht, die mit dem Glauben, der geistlichen Einstellung und dem Willen des Menschen zum Guten zu tun haben, müssen wir es im Letzten vertrauensvoll dem HERRN der Ernte überlassen, was aus dem ausgestreuten Samen wird.“ Der hl. Johannes Paul II. hat 1980 im Kölner Dom gesagt: „Die Erkenntnis der Wahrheit trägt ihren Sinn in sich selbst.“ Beitragen-dürfen zur Erkenntnis und zum Bekanntmachen der Wahrheit, ist also ehrenvoller Dienst. Und gerade im Blick etwa auf die NS-Zeit wird deutlich, dass jedes Zeugnis des Widerstands gegen den Abfall eines Volkes von GOTT im Urteil der Geschichte viel wiegt, selbst wenn es im Hinblick auf den erkennbaren Zusammenhang der Geschichtsabläufe ohnmächtig war oder eine Wirkung nicht unmittelbar belegbar ist. Für den Glaubenden wird doch manches an Wirkung spürbar und ist Grund zu notwendiger und freudiger Dankbarkeit.

Dankbar haben wir festgestellt, dass – gegenüber den 70er-, 80er-Jahren, als man dem Wort Keuschheit nur einen verklemmten, veralteten Klang zusprach, und trotz des Einbruchs einer Sexualisierung auch in den Raum der Kirche – von neuen geistlichen Gemeinschaften, von katholischen Internet-Portalen, von Bloggern usw. Keuschheit wieder als kostbarer Wert erkannt und vertreten wird. Dennoch bedrückt es, wenn in der gegenwärtigen, wahrlich berechtigten Kritik gegen Gender-Ideologie, Bildungsplan, „Sexualpädagogik der Vielfalt“ nicht gesehen wird, dass es nicht reicht, nur gegen „Früh-Sexualisierung“ zu sein, und wenn z. B. gegen den Entwurf neuer SE-Richtlinien in Bayern die bisherigen Richtlinien als „bewährt“ gelobt werden. Sie waren und sind keineswegs gut, auch wenn mit der Sturzflut von Gender auch in Bayern eine noch schlimmere zerstörerische Ideologisierung hereinbricht.

40 Jahre FMG. Wir sind dankbar für alle, die das durch Ihre Spenden, Ihr Gebet, Ihre Unterstützung das Wirken des FMG möglich gemacht haben und machen, dankbar für alle, die immer wieder Zeit opferten und opfern, um (früher) bei Flugblattaktionen und all die Jahre beim Versenden der Schriften und besonders den großen Versandarbeiten der FMG-INFORMATION usw. sich einzusetzen. GOTT vergelte es! Der hl. Erzengel Michael, Schirmherr der Kirche, sei weiter machtvoller Helfer und Verteidiger.

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Ihr betendes Mittragen
Ihr FREUNDESKREIS MARIA GORETTI e. V. München

Besuchen Sie die Webseite:
http://www.freundeskreis-maria-goretti.de/

FMG 116

Warum ein Anaesthesist bei Organspenden benötigt wird

Ich musste nur einige Male den Tod feststellen. Einmal bei einem Dreijährigen, und einmal bei einem Erwachsenen. Bei beiden hatte das Herz aufgehört zu schlagen. Der Tod war offensichtlich.

Mit dem Hirntod ist schwerer umzugehen, sowohl aus medizinischer als auch psychologischer Sicht. Ich stelle mir vor, dass jeder an den Punkt kommt, die Frage zu stellen, „Bist du dir sicher? Bist du dir wirklich sicher? Woher weißt du das so genau? Wie kannst du dir sicher sein?“ Manchmal, wenn die Hirnstamm-Funktion erloschen ist und offensichtlich nicht wieder rückgängig zu machen ist, bleibt ein steter, starker Herzschlag. Stark. Kräftig. Aktive Lebenszeichen.

Einmal sah ich eine Wiederholung von „Ghost Whisperer“. Ich mag Gespenstergeschichten. Ich denke, egal ob man an eine Seele glaubt, die nach dem Tod weiterlebt oder nicht, können Gespenstergeschichten doch interessant und ansprechend sein, weil jeder sich an das Gefühl erinnert, verzaubert zu sein oder jemanden verzaubern zu wollen. Sogar der Impuls, Orte zu besuchen, die wir seit langem nicht mehr gesehen haben, zeigt diesen Drang zum Irrealen. Der Ort zieht uns immer noch in den Bann, und wir wollen dahin zurückkehren, um ihn ein bisschen heimzusuchen.

In dieser Episode von „Ghost Whisperer“erhält die Hauptfigur, die Gespenster sehen und mit ihnen sprechen kann, Zeichen und Visionen von einem Mann, dessen Körper im Koma liegt, aber dessen Seele sich danach sehnt, sich zu befreien und weiterzugehen. Seine Familie zögert, die lebenserhaltenden Maßnahmen beenden zu lassen, daher bleibt er gebunden, nicht imstande, entweder als erdgebundener Geist weiterzuwandern oder in den Bereich des Friedens zu gehen, der außerhalb dieser Welt besteht. Jedesmal, wenn ich eine Intensivstation betrete, denke ich an diese Episode. Auch wenn es keine Geister und Gespenster geben sollte, woher wissen wir, ob nicht in einem tief inneren Teil des Patienten dieses Gefühl da ist, in der Falle zu sein, gebunden an  Beatmungsgeräte und Schläuche?

Wenn sich eine Familie dazu entscheidet, ihren geliebten Angehörigen freizugeben und sich für die Leben schenkende Organspende entscheidet, denke ich daran, wie schmerzhaft es sein muss, ihn zum letzten Mal zu sehen. Ich habe Eltern und Geschwister weinen hören, während  ich darauf wartete, einen hirntoten Menschen in den Operationssaal zu bringen für die Organentnahme. Ich habe gesehen, wie eine Frau weinend den Ärzten und Pflegenden dankte, als sie zum letzten Mal die Intensivstation verließ und ihre Schwester in unserer Obhut ließ. Ich sah eine Patientin, die jünger war als ich, und dachte, „Dein Leben fing gerade erst an“ und fühlte mich elend und traurig. Und doch schreitet  mein Pflichtgefühl automatisch ein: Jetzt nicht. Jetzt ist keine Zeit für Gefühle. Du musst deine Arbeit machen. Sorge dafür, dass alle Familien, die heute auf einen neuen Anfang warten, die besten und gut erhaltenen Organe bekommen, die du diesen Familien beschaffen kannst. Aber ich fühle mich elend. Ich will etwas sagen. Ich will schreien. Nein. Keine Übelkeit. Kein Schrei. Du tust, was du tun musst, und weinst später. Das ist es, was ich tue.

Jeder, der sich darüber wundert, dass ein Anaesthesist bei der Organspende von Hirntoten erforderlich ist, hat keine Vorstellung davon, was dieser dabei zu tun  hat. Er muss dafür sorgen, dass die Organe gut durchblutet sind und mit Sauerstoff versorgt werden. Normalerweise bedeutet dies, einen Patienten unter Narkose am Leben zu halten. In diesem speziellen Fall bedeutet es, die Herz- und Lungenfunktion des Patienten stabil zu halten, damit die Spenderorgane einen oder mehrere andere Menschen am Leben erhalten. Ich möchte nicht  lügen und behaupten, dass ich mich bei diesen Fällen genauso wie bei anderen auch fühlen würde, genauso wie bei anderen Herz-Operationen. Das ist nicht so. Es ist befremdend. Der Patient ist tot für die Angehörigen, aber lebendig für andere. Tot, aber nicht ganz tot. Ich versorge die lebende Hülle eines Menschen. Einen Körper, der stirbt und am Ende tot ist.

Für den Anästhesisten kommt der Moment, wenn der Chirurg die Aorta abklemmt (und, falls das Herz entnommen werden soll, das Herz herausschneidet). Danach können wir den OP verlassen. Für die Transplantationschirurgen beginnt jetzt erst die Arbeit: Nach einer schätzungsweise vierstündigen Organexplantation müssen sie mit den Organen in die entsprechenden Kliniken fahren und dort etwa acht oder mehr Stunden operieren, jetzt, um die entnommenen Organe  hoffnungsvollen  Patienten einzupflanzen, die schon auf ihr neues Leben gewartet haben. Für uns aber ist es an der Zeit, die Geräte abzuschalten und den Patienten zurückzulassen: die einzige Gelegenheit, bei der wir einen Patienten unversorgt im Raum zurücklassen. Das fühlt sich immer unheimlich und falsch an, aber was kann man noch tun, wenn es weder ein schlagendes Herz, keine Durchblutung und keine Atmung mehr gibt? Und an diesem Punkt gibt es eine fast greifbare energetische Veränderung im Raum. Dieser Patient wird zu einer Hülle, ohne die Ausstrahlung, die ein lebender Mensch hat.

Danach schwirren alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Was, wenn es mein Liebster gewesen wäre? Oder ich es? Was hätte ich gewollt oder anders gemacht? Letzte Woche habe ich ein Eis gegessen. Letzte Nacht habe ich den Menschen umarmt, den ich am meisten liebe. Dieser tote Mensch wird das nie mehr können. Ich möchte Florence noch einmal sehen, bevor ich  das Universum verlasse. Ich möchte Croissants machen. Ich möchte meinen Sohn das Violin-Konzert von Bach spielen hören, an dem er gerade übt. Ich möchte herzhaft lachen können, wenn ich mit meiner Tochter spiele. Was sonst will ich noch auf jeden Fall erledigen? Die Gedanken kommen, wenn man ihnen Raum und Zeit gibt, und mein Pflichtgefühl muss mich nicht länger dazu bringen, nur an meine Aufgaben zu denken.

Organentnahme ist noch eingreifender als Operationen am Herzen. Sie erinnert uns konkret an unsere eigene Sterblichkeit und unser Festhalten am Leben. Vor kurzem habe ich die Vorfahren meiner Kinder väterlicherseits und auch meine Vorfahren erforscht, und wenn ich viele Generationen zurückgehe, und die Geburtsdaten, Todesdaten und Hochzeiten sehe – alles große Ereignisse, wenn wir sie erleben, aber dennoch  nur Tropfen im Ozean der Zeit, wenn wir sie über die Jahre aufgereiht  sehen – denke ich, wie paradox es ist, dass wir so klein und unwichtig sind, und dennoch so geliebt. und wichtig. Ich spüre auch, dass alles, was wir weitergeben an Gedanken und guten Taten viel wichtiger ist als das, was wir an Erbgut weitergeben. Unser Leben ist so kurz, danach ereilt uns alle der Tod. Man kann ihn nicht vermeiden. Dieser Augenblick ist alles, was wir haben. Es ist an der Zeit, das Beste daraus zu machen.

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„Anesthesioboist T“ ist ein Anaesthesist, der unter http://anesthesioboist.blogspot.de/
bloggt. – VORSICHT für jene, die entsprechende Fotos nicht ertragen können.
Anesthesioboist T., MD/ Mediziner/ 13.2.2012
http://www.kevinmd.com/blog/2012/02/anesthesiologist-needed-organ-donation.html

 

Die Organ-Geier warten auf dich!

Mirranda Lawson ist ein zweijähriges Mädchen, das sich am 11. Mai an einem Popcorn verschluckt hat. Innerhalb weniger Tage eröffneten die Ärzte und die Klinik den Eltern, dass Miranda „hirntot“ sei. Jedoch konnten sie die Diagnose „Hirntod“ nicht verifizieren, ohne den entscheidenden und tödlichen Apnoe-Test vorzunehmen.

Mirrandas Eltern forderten, die künstliche Beatmung fortzusetzen, aber die Ärzte und die Klinik wollten Mirrandas Beatmung für 10 Minuten unterbrechen. Diese Vorgehensweise nennt man Apnoe-Test, und er kann Mirrandas Zustand verschlimmern und sie möglicherweise töten.

Am Donnerstag, den 9. Juni, waren wir im Gerichtssaal. Als der Richter die Zeugenaussagen gehört hatte, sagte er, er würde am Freitag, den 10. Juni, seine Entscheidung bekanntgeben. Sein Urteil lautete: Ärzte und die Klinik sollten die Tests weiterführen und auswerten nach ihrem Ermessen.

Der Richter hörte die Aussagen von Zeugen, welche besagten, dass die Beendigung der künstlichen Beatmung Mirranda nur Schaden zufügen und sie möglicherweise umbringen würde. Dennoch traf er die Entscheidung, dass  Ärzte und die Klinik die lebenerhaltenden Maßnahmen bei Mirranda abstellen dürften.

Ja, wir hören von der Ermordung vieler unschuldiger Menschen in Orlando. Es ist schrecklich, dass so etwas passiert. Aber ist es nicht genauso schlimm wie das Medizin- und Rechtswesen, die das wunderschöne zweijährige Kind Mirranda Lawson zum Sterben  verurteilen?

Mirranda verschluckte sich an Popcorn. Sie litt an Sauerstoffmangel, der dazu führte, dass sie sich in einem bewusstlosen Zustand befindet, aber noch lebt. Wenn jemand, vor allem ein junger Mensch, bewusstlos ist und künstlich beatmet wird, dann gibt es ein großes Verlangen, die lebenswichtigen Organe für Transplantationszwecke zu gewinnen, nämlich für andere, die eine größere Lobby haben.

Ist Mirranda das einzige Opfer eines Medizin- und Rechtssystems, welches Organe begehrt?  –
Nein, jedesmal, wenn ein Herz transplantiert wird, ist es ein schlagendes Herz, das der Chirurg zu sehen bekommt, wenn er es so präpariert, dass es zu schlagen aufhört, und er es herausschneidet. Jedesmal gibt es eine „Hirntod“-Erklärung, gefolgt von der Entnahme von lebenden Organen; der Transplantationschirurg eröffnet den Brustkorb und sieht das schlagende Herz. Kennt er nicht den Unterschied zwischen Leben und Tod?

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Jahi McMath wurde am 2. Dezember 2013, als sie 13 war, für tot erklärt. Sie musste nach New Jersey gebracht werden, um ihr Leben zu retten. Jahi hat in New Jersey ihren 14. und 15. Geburtstag verbracht, aber  in Kalifornien ist sie für tot erklärt.

Ist Jahi am Leben? Ja, und sie war nicht tot, als sie für „hirntot“ erklärt und ihr Totenschein ausgestellt wurde. Jahi war und ist immer noch eine lebende Person.

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Israel Stinson, ein zweijähriger Junge, erlitt Anfang April 2016 einen Asthma-Anfall. Innerhalb  weniger Tage wurde er für „hirntot“ erklärt. Israel benötigte Nahrung und Wasser, was ihm einen Monat lang verweigert wurde. Er brauchte einen Luftröhrenschnitt wie jeder andere Patient, der etwa zwei Wochen lang künstlich beatmet wird. Kein Arzt und keine Klinik in diesem Land wollten Israel behandeln. Darum war es nötig, ihn aus unserem Land in ein Entwicklungsland zu transportieren, wo er die erforderliche Ernährung, den notwendigen Luftröhrenschnitt und eine Magensonde erhielt. Israel lebt und muss in die USA zurückkommen. Aber wer bezahlt das Geld für seine Überführung in die USA, und wo ist der Arzt, wo die Klinik, die ihn behandeln würden?

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Ja, die Morde in Orlando waren schrecklich, aber was geschieht in unserem Medizin- und Rechtssystem, das darauf angelegt ist, Organe von Patienten zu entnehmen, die bewusstlos sind und beatmet werden, besonders wenn sie noch jung sind? Wenn die Eltern einen Apnoe-Test verweigern, der nur schädlich ist und möglicherweise das Kind tötet, dann bitten sie die Ärzte um Hilfe und gehen  sogar vor Gericht, um Unterstützung zu bekommen. Doch es gibt keine Hilfe, weil ein Medizin-und Rechtssystem eigens dafür errichtet wurde, um  bewusstlosen, komatösen und beatmeten Patienten Organe für Transplantationszwecke zu entnehmen.

Der Richter hat Mirranda Lawson nicht geholfen, genauso wenig wie das Rechtssystem Israel Stinson nicht geholfen hat. Um diesen Patienten eine bessere Behandlung zu ermöglichen, brauchen wir Krankenhäuser und Richter, die das Leben von bewusstlosen, komatösen und beatmeten Patienten schützen.

(Autor: Paul A. Byrne, M. D. June 15, 2016)

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Dr. Paul A. Byrne ist zertifizierter Neonathologe und Kinderarzt. Er ist Gründer der kinderärztlichen Intensivstation  der SSM Kinderklinik in St. Louis, MO. Er ist Mitglied der  US-Academy of Pediatrics und Fellowship of Catholic Scholars.

Dr. Byrne ist ehemaliger Präsident der Catholic Medical Association (USA), ehemaliger Klinischer Professor für Kinderheilkunde an der St. Louis Universität in St. Louis, MO und Creighton Universität in Omaha, Nebraska. Er war Professor für Kinderheilkunde und Vorsitzender der Kinderabteilung an der Oral Roberts University School of Medicine und Vorsitzender des „Ethics Committee of the City of Faith Medical and Research Center in Tulsa, Oklahoma. Er ist der Autor und Produzent des Films „Continuum of Life“ und Autor der Bücher „Life, Life Support and Death“, „Beyond Brain Death“ und „Is Brain Death True Death?“

Dr. Byrne hat bei 9 Gesetzesvorlagen zu „Lebensfragen“ seit 1967 mitgewirkt. Beim Fernsehprogramm „Crossfire“ hat er gegen Dr. Kervorkian argumentiert. Er wurde bei „Good Morning America“ interviewt, im Öffentlichen Fernsehen in Japan und war beteiligt an der Britischen Dokumentationsreihe „Are the Donors rally dead?“
Dr. Byrne hat Artikel gegen Euthanasie, Abtreibung und „Hirntod“ in medizinischen und juristischen Fachzeitschriften sowie in anderen Zeitschriften verfasst.
Paul war 48 Jahre mit Shirley verheiratet bis zu ihrem Tod, Weihnachten 2005. Sie sind stolze Eltern von 12 Kindern, Großeltern von 31 Großkindern und haben 5 Urgroßkinder.

Copyright 2016 by Paul A. Byrne, M.D.

http://renewamerica.com/columns/byrne/16061

Übersetzung aus dem Englischen: Renate Focke, –

KAO – Kritische Informationen über
Organtransplantation, Organspende und Hirntod