Die Zeit läuft ab – für jeden Einzelnen

„Die Zeit läuft ab,
aber Sie können noch beichten und ihre
Sünden, Verbrechen und Sakrilege bereuen, und das öffentlich.
Ihr ewiges Heil ist in Gefahr.
Eine öffentliche Reue ihrerseits wäre für eine schwer verwundete Kirche
eine außerordentliche Maßnahme zur Heilung.
Machen Sie der Kirche dieses Geschenk.“

Erzbischof Carlo Maria Vigano an den 89jährigen Ex-Kardinal McCarrick

+

 

Advertisements

Wööööölkiiiii ein Narrrrr

Der Kardinalerzbischof von Köln hat in seiner Kathedrale einen großen, ungeheuren Schatz: den Dreikönigsschrein.

Er ist das größte, künstlerisch bedeutendste und inhaltlich anspruchsvollste Reliquiar des Mittelalters. Die Gebeine der Heiligen drei Könige wurden 1164 aus Mailand kommend nach Köln gebrachten und befinden sich seither dort. Sie werden weithin verehrt, besonders in der Weihnachtszeit.

Dass ausgerechnet am Tag vor dem Hochfest Epiphanie, also dem Festtag der Heiligen drei Könige, der höchste Repräsentant des kölnischen Spengels in seiner Kathedrale sich selbst zum Narren macht ist mehr als schändlich.

Kardinal Wölki 5.1.2019 – https://koelnerkarneval.de/2018/01/05/domgottesdienst-kardinal-woelki-fordert-zum-tanz-auf/

Vor den Narren Kölns verballhornte er seine Berufung und seinen Rang. So tanzen er mit Kölns Narren vor oder um den Dreikönigsschrein und vielleicht ereiferte er sich wie das Rumpelstilzchen:

Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!

Wörtlich sagte er, sein liturgisches Gewand mit einer Narrennase verunehrend:

„Im Karneval können wir auch mal aus der Reihe tanzen.
Denn das Leben ist ein Fest,
da muss man immer mal aus der Reihe tanzen
und dabei Kraft schöpfen.
Am besten – wie Cat Ballou es singt – immer, immer widder!”

Quelle: https://koelnerkarneval.de/2018/01/05/domgottesdienst-kardinal-woelki-fordert-zum-tanz-auf/

Die Kölnische Rundschau schreibt:

„Karnevalskerze entzündet.“ Und:
„Kardinal Woelki will Lappenclown-Stola ‚voller Stolz‘ tragen.“

Und weiter geht’s mit KNA:

Kardinal und Karneval – Woelki bei jeckem Gottesdienst im Dom

Köln (KNA) Jecke und auch weihnachtliche Töne im Kölner Dom: Mit einem stimmungsvollen ökumenischen Gottesdienst haben die Karnevalisten am Donnerstagabend die fünfte Jahreszeit auch religiös eingeläutet. Bei der traditionellen Feier mit dem Kölner Dreigestirn sagte Kardinal Rainer Maria Woelki, dass Kölsch die Sprache Gottes sei. Er erinnerte an das Lied „Drink doch eine met“ der Bläck Fööss; schöner könne man Nächstenliebe einfach nicht zum Ausdruck bringen.

Die Sprache Gottes sei die Sprache „der Mitmenschlichkeit und Solidarität“, betonte der Erzbischof. „Es ist eine Sprache, die Unterschiede respektiert, aber keine Unterschiede macht.“ Sie könne auch ohne Worte weitergegeben werden, in dem man sich für mehr Fairness in der Gesellschaft engagiere, Kinder und Jugendlichen Perspektiven eröffne oder Einsame und Trauernde ins Leben zurückhole.

Zu Beginn der Feier, an der auch der evangelische Pfarrer Gebhard Müller und Stadtdechant Robert Kleine teilnahmen, entzündete das Kölner Kinderdreigestirn eine von ihm selbst gebastelte Karne-valskerze. Darauf dargestellt sind der Dom, blaue Wellenlinien für den Rhein, drei Sterne für die Heiligen Drei Könige und Sprechblasen als Zeichen für die in Köln gepflegten 180 Sprachen.

Der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, schenkte Woelki eine Stola, die auf der Vorderseite das Vaterunser auf Kölsch zeigt und auf der Rückseite bunte Quadrate eines Lappenclowns. Dies sei schon vorab ein Dank für die gemeinsame Pilgerfahrt, die den Kardinal und das Dreigestirn kommende Woche zur Generalaudienz mit Papst Franziskus führen wird. Der Erzbischof segnete die Stola und trug sie anschließend bei dem Karnevalsgottesdienst. Auch Papst Franziskus wird am Mittwoch eine solche närrische Stola überreicht bekommen.

Quelle: Landesdienst Nord-West der Katholischen Nachrichtenagentur, Nr. 5 v. 11.01.19, (KNA – tkllk-89-00190)

+

In der Abtei Mariendonk investieren sie in Indexfonds

So um Weihnachten und Sylvester herum bringen allerlei Zeitungen und Zeitschriften, auch solche, die eher wenig positiv über Glauben und Kirche berichten, manchmal schöne Geschichten aus irgendeinem Kloster. Zu Sylvester 2018 hat die Süddeutsche Zeitung den klösterlichen Aufmacher gebracht: „Morgens beten, abends zählen“. Es gibt darin nichts Heimeliges zu lesen, stattdessen geht es um handfeste Finanzpolitik

Im Bistum Aachen, wo es ohnehin scheinbar in der Hauptsache ums liebe Geld geht, weshalb, wie bekannt, sogar die Aachener Printen gegen Geld in den Kellern des Kaiserdomes lagern, gibt es ab Sommer nur noch ein einziges monastisches Kloster, also eines, bei dem das Beten im Vordergrund steht. Und dieses Kloster hat die SZ gefunden um über – nein, nicht einzelne Aktien -, sondern über Indexfons zu berichten, weil die dem Kloster „mehr Zinsen“ bringen.

In der Abtei Mariendonk in Grefrath ist Schwester Lioba für das Geld zuständig. Für jede der 27 Schwestern verwaltet sie ein Vermögen von etwa 65 000 Euro – das beinhaltet den Unterhalt, Anteil an Sanierungen, die Altersvorsorge. Schwester Lioba hat es vor einigen Jahren ins Wall Street Journal geschafft – als die Nonne, die morgens betet und nachmittags mit Aktien handelt. Das ist natürlich sehr vereinfacht. Aber die Cellerarin, wie das Amt in der Fachsprache heißt, setzt tatsächlich auf Wertpapiere. Bis 2013 investierte der Orden in einen Aktienfonds, aufgelegt von der katholischen Kirche, sowie in Festgeld und Sparbriefe. Als die Zinsen zu stark sanken, suchte sie Alternativen. Inzwischen investieren die Nonnen auch in fünf Indexfonds. Schwester Lioba behält die Depots im Blick, kontiert Rechnungen, spricht sich mit ihrer Mitschwester aus der Buchhaltung ab. „Ich kaufe keine Einzelaktien, auch wenn ich mich intensiv mit Geldanlagen beschäftigt habe“, sagt die Cellerarin – aber eben Fonds. In Absprache mit der Bank und dem Wirtschaftsrat von Mariendonk, zu dem die Äbtissin und Priorin gehören, und die Schwester, die Hausmeisterarbeiten erledigt. Gemeinsam haben sie überlegt, nach welchen Kriterien, vor allem ethische, sie ihr Geld anlegen möchten. So investieren die Schwestern auch in zwei Mikrofinanzfonds: „In manchen Ländern sind es ja die Frauen, die die Wirtschaft noch am Laufen halten“, sagt Schwester Lioba.

Quelle – SZ

Abteikirche. Blick in den Chor. – FOTO – http://vinpearl-baidai.info/?i=Abtei+Mariendonk+Startseite

Abtei Mariendonk

+

 

Mehr denn je aktuell: Wohin steuert der Vatikan?

(Reinhard Raffalt’s Analyse von 1973:)

Unter Paul VI. dagegen reichte die Tendenz zum Hominismus bei der Reform bis in die Sprache der Meßtexte hinein. Im alten Missale Romanum war beim Offertorium das Brot als „immaculata hostia“, als makellose Opfergabe bezeichnet worden. Der Ordo Novus nannte es „fructurn terrae et operis manuum hominum“ – die Frucht der Erde und der Arbeit menschlicher Hände. Ebenso wurde der Wein, einstmals Kelch des Heiles, zur Frucht der Traube und – natürlich wieder – der Arbeit menschlicher Hände.

Während man in Rom noch um die Endfassung des Ordo Novus rang, ergriff einen beträchtlichen Teil des Klerus in allen Ländern der Welt bereits die Welle der Purifizierung. Im Hochgefühl nachkonziliarer Freiheit wurden Hochaltäre ausrangiert, Tabernakel entfernt oder nicht mehr benützt, Darstellungen von Heiligen verpönt. Neupriester verlangten als Bedingung für die Annahme ihrer Weihe die Zusicherung des Bischofs, sie würden niemals in einer barocken Kirche Dienst tun müssen.

Wie hoch die Dinge gediehen waren, zeigte der Verlauf der Messe, die Paul VI. am 17. September 1972 zum Abschluß des italienischen Eucharistie Kongresses in Udine feierte. 150.000 Menschen hatten sich eingefunden. Der Altar, sinnigerweise errichtet über einem camouflierten deutschen Wehrmachtsbunker, war ein riesiger weißgedeckter Tisch. Trotz seiner Größe reichte er nicht aus für die geplante Konzelebration. Die Veranstalter hatten errechnet, daß wenigstens zwei Drittel der zusammengeströmten Gläubigen den Wunsch hegen würden, die Kommunion zu empfangen. Folglich traten zur Konzelebration zweihundert Priester in Albe und Stola an, jeder mit einem Kelch voller Hostien. Sie wurden nicht um den Altar gruppiert, sondern hinter ihm in Fünferreihen gestaffelt. Für alle sprach der Papst die Wandlungsworte. Zur Austeilung des Sakraments verließen die Priester in langer Reihe die Plattform. Je zweien von ihnen wurde ein Jugendlicher beigegeben, der sie zu ihrem vorbestimmten Bezirk geleiten sollte. Alle diese Jugendlichen hatten es aus überzeugung verschmäht, durch Meßdienerkleidung und gereinigtes Haupthaar als Glieder des liturgischen Geschehens kenntlich zu sein. Also gab man ihnen ein Kreuz in die Hand, das sie ermächtigte, den nachfolgenden Priestern Raum zu schaffen. Hundert solcher Kreuze zu finden, war nur bei einer Firma möglich gewesen, die provisorische, mit leeren Emailschildern versehene Friedhofskreuze herstellte. Solcherart geleitet, gelangten die Priester mit dem Sakrament zu den Gläubigen. Nur recht wenige nahmen die Kommunion. Bald standen die Priester mit halbgefüllten Kelchen in der Menge und riefen: „Chi vuole ancorai“ – Wer möchte noch? Schließlich entdeckte ich zwei, die einander, die Hostien in der Hand, eine anscheinend komische Geschichte erzählten. Ein Mann neben mir sagte: „Und die wollen uns weismachen, daß das, was sie da austeilen, der Leib des Herrn ist.“ Auf der Ebene des Papstaltares hatte die neue Liturgie gerade noch gehalten. Fünf Meter tiefer, auf dem Parterre der Massen, war ihr Sinn verflogen.

Man kann verstehen, daß kompromißlose Priester – selbst in Rom, unter den Augen des Papstes – einen Schritt weiter gingen und auf die Liturgie überhaupt verzichteten. Einer von ihnen war Don Gerardo Lutte, ein Salesianerpater aus Belgien, den das alsbald verhängte Berufsverbot wenig kümmerte. Die Barackensiedlung Monte Rotondo, in der Don Lutte arbeitete, ist umstellt von modernsten Luxusappartements. Als Besitzer fungiert ein römischer Aristokrat, dessen Vermögen aufs innigste mit den vatikanischen Finanzen verflochten ist. Jedes. Kind weiß, daß hier mit Riesensummen spekuliert wurde, deren Hauptgewinn in die päpstlichen Kassen fließt. Hundert Meter davon entfernt hielt Don Lutte seine Art von Messe in einem kahlen ungefegten Raum. Als ich hinkam, fand ich ihn und seine Anhänger mitten in einer politischen Diskussion. Don Lutte saß an einem alten Schreibtisch, neben sich eine wohlgekleidete, gepflegte Studentin der Soziologie, die plötzlich begann, aus dem Evangelium vorzulesen. In der anschließenden Aussprache sagte Don Lutte: „Ich weiß schon, warum heutzutage so wenig Leute zur Messe gehen. Die Kirche hat sich zu oft auf die Seite der Reichen gestellt. Sie hat das Wort des Herrn verleugnet, der gesagt hat, die Kirche müsse vor allem für den Dienst an den Armen da sein. Statt dessen hat sie die Rechte der Reichen gegen die Armen verteidigt. Für viele, die sich das klarrnachen, ist der Besuch der Messe wie ein Verrat – ein Verrat an den Arbeitern, an den Menschen, die leiden, die unterdrückt sind und ausgenützt werden. Nur wer sich dem Dienst an den Armen hingibt, darf ein Recht auf Autorität haben.“ Darauf ein junger Mann: „Wir untersuchen viel zu wenig, ob man sich gegen Autorität nicht empören, ob man sie nicht zusammenschlagen müßte. Ich glaube, es ist besser, aus der Kirche draußen zu bleiben, weil es wichtig ist, zu protestieren, auch wenn man im Irrtum ist.“ In den Augen der Zuhörer glänzte Zustimmung.

Don Lutte war kein Einzelfall. In Florenz hatte ich Gelegenheit, Zeuge eines Gottesdienstes zu sein, den der weitberühmte Don Mazzi auf dem Kirchenplatz des Isolotto hielt. Es regnete in Strömen. Unter Schirmen standen zweihundert Menschen im Kreis um einen improvisierten Altar. Zum Schluß sagte Don Mazzi, für das Ausharren der Gemeinde dankend: „Wir sind die Kirche der Armen, der Rechtlosen, Ausgesetzten und Unterdrückten. Wir sind stolz darauf, nichts mit den Prälaten gemein zu haben, die in ihren Basiliken sitzen und sich den Segnungen der Zentralheizung hingeben.“ Im Elendsviertel unter dem claudischen Aquädukt unweit der Via Appia nuova erklärte mir Don Roberto in franziskanischer Heiterkeit: „Ich bin kein Intellektueller, der am grünen Tisch ein vorgeformtes Schema ausheckt, mit dessen Hilfe er der Kirche suggerieren könnte, wie sie sich reformieren soll. Ich überlasse diese Frage den Armen. Wenn es wahr ist, daß die Armen der lebende Christus in der Geschichte sind, dann soll dieser Christus reden. Es muß ein Ende damit haben, daß das Schicksal der Kirche im Studierzimmer der Theologen entschieden wird oder gar in der Taubheit und Kälte der Kurie.“ In Ravenna gab es einen Priester namens Don Ulisse Frascali, der seinen Beruf als Busfahrer ausübte. Er ging von der Voraussetzung aus, das Christentum könne sich nur erneuern durch radikale Politisierung. Die Methode dazu biete der Marxismus, der aber nicht das Ziel sei. Dieses definierte Don Ulisse mit der totalen Selbstverwirklichung des Menschen in der Gemeinschaft. Er selber hatte am Stadtrand von Ravenna ein Kinderheim gegründet, dessen kleine Insassen sich darin angeblich so wohl fühlten, daß es ihnen als Strafe erschien, wenn sie hin und wieder in die eigene Familie zurück mußten. Damit bewies Don Ulisse seine These, die Familie sei eine Erfindung der bürgerlichen Gesellschaft zur Unterdrückung der freien Willensbildung der Kinder. Analog dazu seien die Sakramente eine Erfindung der amtlichen Hierarchie zur Unterdrückung der freien Willensbildung der Christen. Die Messe in ihrer rituellen Form feiere er noch, weil alte Leute daran gewöhnt sind und nicht enttäuscht werden dürfen. Im übrigen hielte er jede Art von Liturgie für einen Ausfluß des „Kultualismus“, der von Hierarchie und Bourgeoisie zusammen kreiert worden sei, um den Menschen durch den Zwang zur Verehrung unkontrollierbarer Mächte an seiner Selbstverwirklichung zu hindern. Da die Übernatur außerhalb der überschaubaren Welt liege, könne sie nicht in den Auftrag des Evangeliums einbegriffen sein. Deshalb stelle er einem Sterbenden stets als letzten Trost vor Augen, wie vollkommen er in der Gemeinschaft aufgegangen sei – Grund genug, um das Schicksal seiner Seele beruhigt Gott zu überlassen. „Wenn aber“, so fragte ich dagegen, „ein Mensch ganz und gar nicht so gelebt hat, wie Sie es wollen, wenn er ein Egoist, ein Geizhals, ein Verräter war und dies im letzten Augenblick einsieht – was sagen Sie ihm dann?“ – „Das“, so antwortete er, „muß ich bei der nächsten Versammlung diskutieren.“

Beispiele, die für Hunderte stehen. Sie sollen zeigen, daß der Kampf, der unter den Augen des Papstes tobte, nicht abzutun war mit Begriffen wie „Häresie“ und „Sektierertum“. Die dissidenten Priester bildeten längst eine weltweite Bundesgenossenschaft. Wer sie am Werke sah, mochte über die Blindheit klagen, mit der sie die Erlösungsbedürftigkeit der menschlichen Natur mißkannten, er mochte bestürzt sein über die Kraft, die hier vergeudet wurde, anstatt der Kirche neues Leben zuzuführen. Aber er konnte jenen Priestern nicht den Idealismus absprechen. Sie liebten es sehr, den heiligen Franziskus als Vorbild anzuführen. In der Tat hat der Poverello von Assisi ihre Grundsätze an Radikalismus womöglich noch übertroffen. Aber in einem unterscheidet er sich von ihnen. Er hat die Kirche, deren damaliger Feudalismus ihm höchst unchristlich erscheinen mußte, niemals angetastet. Er starb in der Überzeugung, gescheitert zu sein – nicht weil er an seiner Idee irre geworden wäre, sondern weil er in der Kirche verblieb. Ich fragte Don Ulisse, was nach seiner Ansicht die Kirche der Zukunft tun solle. „Selbstzerstörung“, sagte er, „ist ihr einziger Weg, und sie wird ihn gehen.“ – „Ist das eine Voraussage?“ – „Mehr – eine Forderung an die ganze Hierarchie.“ – „Und wenn sie erfüllt ist?“ – „Dann wird es keine Kirche mehr geben, keinen Vatikan, keine Priester, aber eine christliche Menschheit.“ Joachim von Fiore hat am Ende des dreizehnten Jahrhunderts für das letzte Zeitalter der Welt das gleiche prophezeit. Er war ein Mystiker. Don Ulisse dagegen behauptete, er sei ein Realist.

Hier wurde bloßgelegt, wie sehr die offenkundige Verwirrung in der katholischen Kirche ein Klerusproblem war. Man hatte sich angewöhnt, diesen Klerus nach einem Schema zu ordnen, das zwar bequem, aber falsch war. Im Vatikan fluktuierten Vertreter aller Richtungen, die wechselweise das Ohr des Papstes erreichten. Paul VI. selbst war stets im Geiste fortschrittlich, im Herzen aber konservativ, folglich als Regent ein Janus mit zwei Gesichtern. Schließlich konnte man in Rom deutlich wahrnehmen, daß den drei scheinbar wohlunterschiedenen Gruppen stets eines gemeinsam war – die Angst, unmodern zu sein.

Aus: Reinhard Raffalt. Wohin steuert der Vatikan? Papst zwischen Religion und Politik.
Verlag R. Piper & Co. München, Zürich 1973.

+

„Wenn ein Mann kein guter Ehemann und Vater wäre, wird er auch kein guter Priester sein“

So einen ähnlichen Satz habe ich zum ersten mal vor Jahrzehnten aus dem Mund meines Vaters gehört. Er erzählte von seinem Ringen um seine Berufung als Christ. Ein frommer Kapuziner, der ihn schon lange kannte, sprach so zu ihm und gab ihm auf den Weg „und du wirst ein guter Ehemann und Familienvater“. Vater und Mutter sind seit über 68 Jahre verheiratet. Kinder, Enkel und Urenkel sind aus dieser Ehe hervorgegangen. Täglich danken beide Gott. Dank sei Gott!

Den obigen Satz formulierte Pfarrer Bill Peckman aus Boonville und Fayette in Missouri, USA, angesichts der bestehenden Kirchenkrise. Was er sagte war am 11. Dezember 2018 bei CNA zu lesen:

Seit vielen Jahren sage ich, dass ein Mann, wenn er nicht ein guter Ehemann und Vater wäre, auch kein guter Priester sein wird.

Ich denke, die aktuellen Skandale in der Kirche bestätigen das klar und deutlich.

Ein guter Ehemann ist seiner Frau völlig treu ergeben.
Ein guter Priester ist der Kirche vollkommen treu.

Ein guter Ehemann bringt seinen Kindern bei, wie man seine Mutter liebt.
Ein guter Priester lehrt seine Herde, wie man Christus und seine Kirche vollkommen liebt.

Ein guter Mann führt seine Frau näher zu Gott.
Ein guter Priester führt seine Herde näher zu Gott.

Ein guter Ehemann sieht selbstlos nach dem Wohl seiner Frau.
Ein guter Priester schaut selbstlos auf das Wohl seiner Herde.

Ein guter Ehemann stellt seine Karriere, seine Ambitionen und seinen persönlichen Komfort nicht vor seine Frau und seine Kinder.
Ein guter Priester stellt seine Karriere, seine Ambitionen und seinen persönlichen Trost nicht vor seine Herde.

Ein guter Ehemann und Vater denkt nicht einmal daran, seine Frau und seine Kinder auszunützen, ihnen Schaden zuzufügen oder sich an ihnen zu rächen.
Ein guter Priester denkt nicht einmal daran, seine Gemeinde auszunützen, ihr Schaden zuzufügen oder sich an ihnen zu rächen.

Ein guter Ehemann und Vater ist edelmütig, heroisch, stark, beschützend und selbstlos da für seine Frau und seinen Kindern.
Ein guter Priester ist edelmütig, heroisch, stark, beschützend und selbstlos mit seiner Herde.

Meine Brüder […] ob wir verheiratete sind oder geweihte Männer sind:

Wir sollten Vorbild dessen sein, was einen solchen Mann ausmacht.

Wenn wir wollen, dass unsere Söhne oder die jungen Männer unserer Pfarreien gute Ehemänner und Väter oder Priester werden, sollten wir uns besser damit beschäftigen, diese Männer zu sein, die gute Ehemänner und Väter oder Priester sind.

Die Zukunft hängt davon ab.

Quelle CNAdeutsch

+

 

Wo könnte die Kirche heute dazulernen?

„In puncto Askese, Mystik und Disziplin. Als Gegenmodell zu einer hedonistischen Lebenswelt soll sie wahre und falsche Propheten unterscheiden. Wir sind in einer Situation, die mit der Zeit vor und nach der Spaltung der abendländischen Christenheit im 16. Jahrhundert oder der Säkularisation Ende des 18. Jahrhunderts vergleichbar ist. Erst die Erneuerung im Glauben und im Wissen um die Sendung der Kirche hat damals einen wirklichen Neuanfang möglich gemacht.“

Kardinal Müller

+