Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 9/9

Badet im Blut des unbefleckten Lammes!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Laßt es Euch nicht lästig fallen, wenn ich Euch jetzt zu lange zugesetzt habe mit Worten, die mir die mir die Liebe für Euer Seelenheil diktierte. Wenn Gott es erlaubte, würde ich Euch viel lieber persönlich dazu auffordern – aber Sein Wille geschehe! Überdies verdientet Ihr ja, daß man Euch mehr mit Taten als mit Worten zusetzte. Aber ich will jetzt Schluß machen und nichts weiter mehr sagen, denn wenn es nach mir ginge, käme ich an kein Ende. So sehr erfüllt ist meine Seele von Schmerz und Trauer, weil ich bei jenen, die doch als Leuchten bestimmt sind, solche Verblendung sehe. Denn nicht Lämmer sind sie, deren Speise die Ehre Gottes, das Heil der unsterblichen Seelen und die Erneuerung der heiligen Kirche ist, sondern Räuber, die Gott die geschuldete Ehre rauben, um sie sich selber zu geben. Sie sind wie Wölfe, die die Lämmer zerreißen. Das ist es, warum ich so große Bitterkeit empfinde.

Ich bitte Euch um der Liebe zu jenem kostbaren Blut, das mit solcher Liebesglut für Euch vergossen wurde, erfrischt meine Seele, die nur Euer Heil sucht! Mehr will ich nicht sagen.

Bleibt in der heiligen und zärtlichen Liebe Gottes!
Badet Euch im Blute des unbefleckten Lammes! Darin verliert ihr dann jede sklavische Furcht. Und bleibt mit dem Licht in der heiligen Gottesfurcht!
Geliebter Jesus! Jesus, unsere Liebe.
Maria, geliebte Maria!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

Für alle, die den ganzen Text der hl. Caterina lesen möchten und dabei auch etwas über die Hintergründe ihrer Aussagen über die Kardinäle und Bischöfe erfahren wollen, können sich das PDF herunterladen:

+

Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 8/9

Fürchtet Gott und sein gerechtes Gericht!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Kehrt um, kehrt um und wartet nicht auf die Rute der Gerechtigkeit, denn der Hand Gottes können wir nicht entrinnen! Wir sind in seiner Hand, entweder für die Gerechtigkeit oder für die Barmherzigkeit. Und es ist besser für uns, unsere Schuld zu bekennen und in die Hand der Barmherzigkeit zu fallen, als in der Sünde zu verharren und in die Hand der Gerechtigkeit zu stürzen – denn unsere Sünden bleiben nicht ungestraft. Vor allem jene nicht, die gegen die heilige Kirche begangen werden. Ich aber will mich gerne verpflichten, Euch unter Tränen und in beständigem Gebet vor Gott hinzutragen und zusammen mit Euch die Buße auf mich zu nehmen, sofern Ihr nur zum Vater zurückkehren wollt, der Euch als wahrer Vater erwartet mit den geöffneten Flügeln der Barmherzigkeit.

O weh, o weh, flieht doch nicht diese Barmherzigkeit und weicht ihr nicht aus, sondern nehmt sie demütig an und glaubt nicht heimtückischen Ratgebern, die Euch dem Tod überliefert haben!

O weh!
Liebe Brüder – ja, liebe Brüder und Väter werdet Ihr mir wieder sein, wenn Ihr zur Wahrheit zurückfindet – widersteht doch nicht länger den Tränen und dem Angstschweiß, den die Diener Gottes Euretwegen vergießen, so daß Ihr Euch vom Kopf bis zu den Füßen darin baden könntet. Aber wenn Ihr dieses süße, angstvolle und schmerzliche Verlangen, das sie um Euch erleiden, zurückweist, wird Euch eine noch viel härtere Strafe zuteil werden.

Fürchtet Gott und sein gerechtes Gericht!

Ich hoffe, daß seine unendliche Güte an Euch das Verlangen seiner Diener erfüllen wird .

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

+

Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 7/9

Wartet nicht auf die Zeit, denn die Zeit wartet nicht auf Euch!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Ich bitte Euch, zögert doch nicht länger und schlagt nicht aus gegen den Stachel des Gewissens, das Euch ja doch beständig beunruhigt!
Laßt Euch von der Verwirrung des Geistes und vom Bösen, das Ihr getan habt, nicht derart erdrücken, daß Ihr in Scham und Verzweiflung Euer Heil aufgebt, als ob keine Rettung mehr zu finden wäre.
Nein, so dürft Ihr nicht handeln!
Vertraut vielmehr in lebendigem Glauben und in fester Hoffnung auf Euren Schöpfer und kehrt in Demut zu Eurem Joch zurück!
Denn diese letzte Sünde der hartnäckigen Verzweiflung wäre sogar ärger und abscheulicher in den Augen Gottes und der Welt und würde Euch mehr schaden als das erstere.
So erhebt Euch also und laßt Euch erleuchten! Denn ohne Licht würdet Ihr in der Finsternis gehen, so wie Ihr es bisher getan habt.

Ich weiß in meiner Seele, daß wir ohne das Licht die Wahrfreit weder erkennen noch lieben können. Und darum habe ich eingangs gesagt und sage es jetzt erneut, daß ich mit ganz großer Sehnsucht danach verlange, Euch der Finsternis entrissen und mit dem Licht vereint zu sehen.

Zwar erstreckt sich dieses mein Verlangen auf alle Menschen, aber ganz besonders auf Euch […], die Ihr mir mit Euren Sünden größeren Kummer bereitet habt als die anderen Schuldigen.

Denn wenn auch alle anderen ihren Vater verlassen haben, so hättet wenigstens Ihr zu jenen Söhnen gehören müssen, die ihn unterstützen und sich zur Wahrheit bekennen. Und wenn der Vater Euch tatsächlich nichts als nur Vorwürfe gemacht hätte, so hättet Ihr dennoch nicht zu Verrätern werden und Seine Heiligkeit in jeder Hinsicht verleugnen dürfen.

Auch vom natürlichen Standpunkt aus – denn was die übernatürliche Tugend betrifft, sollten wir ja alle gleich sein. Aber rein menschlich gesprochen ist der Christus auf Erden ein Italiener wie Ihr, so daß Euch darum nicht falscher Patriotismus leiten konnte wie die ultramontanen (nichtitalienischen) Kardinäle. Ich sehe also keinen anderen Grund für Euren Abfall als nur Eure Eigenliebe.

Entledigt Euch heute noch dieser Selbstsucht und wartet nicht auf die Zeit, denn die Zeit wartet nicht auf Euch!
Reißt sie nieder voll Haß gegen das Laster und aus Liebe zur Tugend!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

+

Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 6/9

Seid keine Bäume aus dem Erdreich des Stolzes und der Eigenliebe!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O Elend über Elend!
O Blindheit über Blindheit, die das eigene Vergehen und das Unheil für Leib und Seele nicht mehr erkennen läßt! Hättet Ihr es nämlich erkannt, so wäret Ihr nicht so leichtfertig in sklavischer Furcht von der Wahrheit abgewichen.

Ihr wurdet von der Leidenschaft getrieben, gleich stolzen Menschen, die gewohnt sind, ihre Laune nach den Genüssen und Freuden der Welt zu richten. Ihr konntet einen Tadel wegen Eures augenblicklichen Verhaltens nicht ertragen und seid wegen eines scharfen Vorwurfs sogleich rebellisch geworden – das ist der Grund, warum Ihr abgefallen seid.

Denn die Wahrheit ist:
Bevor der Christus auf Erden damit begonnen hatte, Euch zurechtzuweisen, habt Ihr ihn als Stellvertreter Christi (der er auch tatsächlich ist) anerkannt und verehrt. Aber Eure letzte todbringende Frucht zeigt, was für Bäume Ihr seid; nämlich Bäume, die gepflanzt sind im Erdreich des Stolzes, der aus Eurer Eigenliebe entspringt. Und diese Ichsucht hat Euch das Licht der Vernunft geraubt.

O weh!
Um der Liebe Gottes willen, macht doch nicht so weiter! Benützt den Ausweg der Verdemütigung unter die starke Hand Gottes und des Gehorsams gegen seinen Stellvertreter, solange Ihr noch Zeit habt; denn wenn die Zeit abgelaufen ist, gibt es keine Rettung mehr! Gesteht Eure Schuld ein!

Werdet demütig und erkennt Gottes unendliche Güte darin, daß er der Erde noch nicht befohlen hat, Euch zu verschlingen, und den wilden Tieren noch nicht den Befehl gab, Euch zu zerreißen!

Er läßt Euch tatsächlich noch Zeit zur Umkehr.

Wenn Ihr Eure Schuld nicht einsehen wollt, wird Euch die von Gott angebotene Gnade zu einem harten Gericht werden. Aber wenn Ihr bereit seid, in die Hürde zurückzukehren und Euch wieder an der Brust der Braut Christi in Wahrheit zu nähren, werdet Ihr vom Christus im Himmel und vom Christus auf Erden in Barmherzigkeit aufgenommen trotz des von Euch begangenen Unrechts.

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

+

Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 5/9

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Ihr Toren, die Ihr tausendmal den Tod verdienen würdet! In Eurer Verblendung seht Ihr Eure eigene Bosheit nicht! Ihr seid so verwirrt, daß Ihr Euch selbst zu Lügnern und Götzendienern macht! Denn wenn es wahr wäre – was aber nicht der Fall ist, und ich rufe es aus und verleugne es nicht, daß Papst […] der rechtmäßige Papst ist! -, wenn es auch wahr wäre, was Ihr jetzt behauptet: Hättet Ihr uns dann nicht belogen, als Ihr uns sagtet, er wäre (und er ist es auch!) der oberste Pontifex? Hättet Ihr ihm dann nicht Eure Ehrfurcht nur vorgetäuscht, als Ihr ihm, dem Christus auf Erden, die Huldigung erwiesen habt? Und wäret Ihr dann nicht der Simonie schuldig geworden, als Ihr Euch (von ihm) Gunsterweise erbatet und dann davon unerlaubterweise Gebrauch machtet? Ja, in der Tat! Und jetzt haben sie einen Gegenpapst aufgestellt. Und Ihr habt mitgeholfen – jedenfalls was Euer äußeres Auftreten und Handeln betrifft, da Ihr einverstanden wart, dort zu bleiben, als die fleischgewordenen Teufel den Teufel wählten!

Ihr könntet mir vielleicht sagen: „Wir haben ihn nicht gewählt!“ Aber ich weiß nicht, ob ich Euch das glauben soll. Und warum? Weil ich nicht annehme, daß Ihr es gewagt hättet, Euch dort einzufinden, wenn Euer Leben in Gefahr gewesen wäre. Jedenfalls machen mich Euer Verschweigen der Wahrheit und das Unterlassen eines Protestes geneigt zu glauben, Ihr wäret schuldig an dem Übel zusammen mit den anderen, obwohl Eure Absicht vielleicht weniger schlecht war als die ihre. Was kann ich da noch sagen?

Nur dies: Wer nicht für die Wahrheit ist, der ist gegen sie. […] Darum sage ich Euch, daß Ihr Schuld habt an dem Übel […] und ich kann nur sagen, daß ein Glied des Teufels gewählt wurde! Denn wäre er nämlich ein Glied Christi, so hätte er eher den Tod auf sich genommen, als einer solchen Untat zuzustimmen. Er weiß ganz genau, was die Wahrheit ist, und kann sich nicht mit Unkenntnis entschuldigen. Mit diesem Teufel aber begeht auch Ihr all diese Sünden. Ihr habt ihn ja als Papst anerkannt, obwohl es nicht wahr ist, und Ihr habt dem Ehrfurcht erwiesen, dem sie nicht gebührt. Ihr habt Euch vom Licht getrennt und seid zur Finsternis übergegangen, habt die Wahrheit verlassen und Euch mit der Lüge verbündet. Wie man es auch wendet; überall finde ich nichts als Lüge. Ihr verdient eine strenge Strafe, und ich sage Euch — um mein Gewissen in dieser Angelegenheit zu entlasten: Wenn Ihr nicht in echter Demut zum Gehorsam zurückfindet, wird dieses Strafgericht wirklich über Euch kommen.

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

+

Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 4/9

Bestreit die Wahrheit nicht durch Lügen!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O was für ein Wahnsinn, uns die Wahrheit zu verkünden, während Ihr es vorzieht, die Lüge zu verkosten!

Und jetzt wollt Ihr diese Wahrheit preisgeben und uns das Gegenteil vormachen, indem Ihr behauptet, Ihr hättet Papst […] nur aus Furcht gewählt. Das ist nicht wahr! Und wer das behauptet – ich spreche jetzt ohne alle Ehrerbietung gegen Euch, da Ihr Euren Anspruch auf Ehrfurcht aufgegeben habt -, der lügt auf sein eigenes Haupt! Denn der, von dem Ihr behauptet, ihn aus Furcht erwählt zu haben, war ja ganz offensichtlich […].

Ihr entgegnet mir vielleicht:
„Warum glaubst du uns nicht? Wir, die wir ihn gewählt haben, kennen die Wahrheit besser als du, die nicht dabei war!“

Darauf antworte ich:
Ihr selbst habt mir auf vielfache Weise bewiesen, daß Ihr von der Wahrheit abgewichen seid und ich Euch deshalb nicht glauben sollte (wenn Ihr jetzt sagt), Papst […] sei nicht der wahre Papst. Wenn ich Euer Leben betrachte, habe ich nicht den Eindruck eines so guten und heiligmäßigen Wandels, daß Euer Gewissen Euch von Lügen abhalten würde. Und wodurch wird das deutlich? Durch die Tatsache Eures zuchtlosen Lebens und das Gift der Häresie. Wenn ich auf die regulär durchgeführte Wahl schaue, bei der Ihr dabei wart, so haben wir doch erfahren, daß Ihr ihn kanonisch richtig und gültig und nicht aus Furcht gewählt habt. […] Die Festlichkeit, mit der seine Krönung gefeiert wurde, beweist uns die Gültigkeit seiner Wahl. Die Ehrfurcht, die Ihr ihm erwiesen habt, zeigt uns, daß die Feier echt war, und ebenso zeigen es die Gunstbeweise, die Ihr von ihm erbeten und von denen Ihr dann auch Gebrauch gemacht habt.

Diese Wahrheit könnt Ihr nicht bestreiten, höchstens durch Lügen!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

+

Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 3/9

Widersteht dem Antichrist!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O weh!
Wohin seid Ihr nur gekommen, da Eure Tugend sich nicht Eurer hohen Würde angeglichen hat!

Ihr wart dazu berufen, Euch an der Brust der heiligen Kirche zu nähren.

Wie Blumen wurdet Ihr in diesen Garten gesetzt, um den Wohlgeruch der Tugend zu verbreiten.

Als Säulen wart Ihr aufgestellt, um das Schiff der Kirche und den Stellvertreter Christi auf Erden zu stützen.

Ihr wart dazu bestimmt, Lichter auf dem Leuchter zu sein, um die Christgläubigen zu erleuchten und den Glauben zu verbreiten.

Ihr werdet schon wissen, ob Ihr dieser Euch gestellten Aufgabe gerecht geworden seid.
Leider nicht!
Denn die Selbstsucht hat Euch die Einsicht geraubt.

Die Wahrheit ist, daß Ihr nur dazu in diesen Garten der Kirche eingepflanzt wurdet, um Kraft und Licht zu spenden und das Beispiel eines guten, heiligen Lebens zu geben. Wäret Ihr Euch dieser Wahrheit bewußt geworden, so hättet Ihr sie geliebt und Euch mit ihr bekleidet.

Wo ist denn Eure schuldige Dankbarkeit geblieben gegenüber dieser Braut, die Euch an ihrer Brust genährt hat? Ich sehe nichts als Undank. Undank aber läßt die Quelle der Frömmigkeit austrocknen.

Und was zeigt mir Eure Undankbarkeit, Ihr feigen Mietlinge?
Die Verfolgung, die Ihr jetzt zusammen mit den anderen dieser Braut (der Kirche) bereitet, in einer Zeit, wo Ihr doch wie ein Schild den Schlägen der Irrlehre und Spaltung widerstehen müßtet! Dabei kennt Ihr ganz genau die Wahrheit […}

Jetzt aber habt Ihr eine Kehrtwendung gemacht wie feige, erbärmliche Ritter. Euer eigener Schatten hat Euch Angst eingejagt. Ihr habt Euch selbst abgetrennt von der Wahrheit, die Euch stark gemacht hat, und seid übergegangen zur Lüge, die Geist und Leib schwächt, indem sie Euch der geistlichen wie auch der zeitlichen Gnade beraubt.
Und der Grund dafür?
Das Gift der Eigenliebe, das die ganze Welt vergiftet.

Dieses Gift hat Euch, Ihr Säulen,
schwach gemacht wie Strohhalme.

Ihr seid nicht mehr Blumen, die Wohlgeruch verbreiten, sondern Gestank, der die ganze Welt verpestet. Ihr seid keine Lichter am Leuchter, die den Glauben verbreiten. Ihr habt Euer Licht unter dem Scheffel des Stolzes versteckt und seid daher nicht mehr Verkünder, sondern Beschmutzer des Glaubens, da Ihr nun Finsternis verbreitet in Euch selbst und den anderen.

Ihr wart Engel im Fleisch, und Eure Aufgabe war es, uns vor dem höllischen Teufel zu schützen. Engelsdienste solltet Ihr verrichten, um die Schafe zum Gehorsam gegen die heilige Kirche zurückzuführen, aber Ihr habt Teufelsdienste übernommen.

Und nun versucht Ihr uns das Böse zu vermitteln, von dem Ihr selbst erfüllt seid, indem Ihr uns vom Gehorsam gegen den Christus auf Erden abbringen wollt und uns auffordert, dem Antichrist zu gehorchen. Er ist ein Glied des Teufels – und Ihr mit ihm, solange Ihr in dieser Häresie verbleibt!

Diese Verbblendung kommt aber nicht etwa aus einer Unkenntnis.
Sie kommt nicht daher, denn Ihr seid ja von keinem Menschen unterrichtet worden!
Nein, Ihr wißt, was die Wahrheit ist!
Ihr habt sie uns ja selber verkündet, nicht umgekehrt wir Euch!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

+

Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 2/9

Dreht Euch nicht wie ein Blatt im Wind
und redet nicht um zu gefallen!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O menschliche Verblendung!
Seht Ihr denn nicht, Ihr unglückseligen Menschen, wie jene Dinge, die Ihr für dauerhaft, beständig, beseligend, trefflich und schön erachtet, in Wirklichkeit veränderlich sind, voll von Elend, häßlich und ohne jeden Wert?

Damit meine ich nicht die geschaffenen Dinge, denn sie alle wurden von Gott, der die höchste Güte selber ist, gut erschaffen, sondern der Fehler liegt in der Sünde derer, die diese Dinge in ungeordneter Weise besitzen.

Wie vergänglich sind doch Reichtum und weltliche Ehren bei denen, die sie ohne Gott, das heißt, ohne Gottesfurcht besitzen! Heute gelten sie noch als reich und mächtig, und morgen sind sie schon arm.

Wie erbärmlich auch ist unser leibliches Leben, da wir während unseres irdischen Daseins aus allen Teilen unseres Körpers nur üblen Geruch verbreiten! Er ist wahrlich ein Sack voll Unrat, ein Fraß für die Würmer und für den Tod.

Unser Leben und die Schönheit der Jugend schwinden dahin wie eine Blume, nachdem sie gepflückt wurde. Niemand kann diese entschwindende Schönheit dem Menschen bewahren oder wieder zurückgeben, sobald es dem höchsten Richter gefällt, diese Blume des Lebens durch den Tod zu pflücken – und niemand weiß, wann das geschieht.

O armselige Menschen!
Die Finsternis der Eigenliebe
macht Euch blind für diese Wahrheit.

Denn würdet Ihr sie erkennen,
so würdet Ihr lieber jede Pein ertragen, als ein derartiges Leben zu führen;
Ihr würdet Eure Liebe und Euer Verlangen dann dem schenken, der allein das Sein in Fülle ist;
Ihr würdet seine Wahrheit mit Entschlossenheit verkosten und Euch nicht drehen wie ein Blatt im Wind;
Ihr würdet Eurem Schöpfer dienen und alles in Ihm und nichts ohne Ihn lieben.

Wie streng und vorwurfsvoll wird einmal am Ende diese Blindheit gerügt – und zwar in jedem!
Um wieviel mehr aber noch bei denen, die Gott aus dem Elend der Welt herausgeholt und mit der größtmöglichen Würde bekleidet hat, indem er sie zu Dienern des Blutes des demütigen und unbefleckten Lammes bestellte!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

+

Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 1/9

Richtet Euer geistiges Auge nicht auf vergängliche Dinge!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Teuerste Brüder und Väter in Christus, dem lieben Jesus!

Ich, Caterina, Dienerin und Magd der Diener Jesu Christi, schreibe Euch in seinem kostbaren Blut.

Ich möchte Euch sehen, wie Ihr aus der großen Finsternis und Verblendung, in die Ihr geraten seid, herauskommt und wieder zum wahren, vollkommenen Licht zurückkehrt; dann kann ich Euch wieder als Väter betrachten, sonst aber nicht.

Väter nenne ich Euch erst wieder, wenn Ihr dem Tod entflieht und zum Leben zurückkehrt […] – denn derzeit seid Ihr ja des Gnadenlebens beraubt und seid Glieder, die sich vom Haupt getrennt haben, von dem Ihr das Leben empfangen hattet.

All jene, die das Licht haben und die in diesem Licht die Wahrheit erkennen und sie lieben, leben in diesem Gehorsam. Was wir nicht sehen, können wir nicht erkennen, und was wir nicht erkennen, lieben wir auch nicht. Die aber nicht lieben, fürchten auch nicht den Schöpfer; sie lieben sich selbst in sinnlicher Liebe; und auch alles andere – Reichtum, Ehre und weltlichen Glanz – lieben sie nur mit sinnlicher Liebe. Da sie aber für die Liebe geschaffen wurden und ohne Liebe nicht leben können, lieben sie entweder Gott oder aber mit todbringender Liebe sich selbst und die Welt.

Geblendet von der falschen Eigenliebe richten sie ihr geistiges Auge nur auf die vergänglichen Dinge, die wie ein Windhauch vergehen, wodurch sie unfähig werden, das Wahre und Gute zu erkennen. Weil sie kein Licht besitzen, erkennen sie nichts, sondern nur noch die Lüge. Denn hätten sie das Licht, so würden sie wahrlich erkennen, daß ihnen aus dieser Art von Liebe nur Pein und ewiger Tod erstehen und ihnen bereits jetzt ein Vorgeschmack der Hölle bereitet wird: denn diejenigen, die sich und die weltlichen Dinge nur in ungeordneter Weise lieben, werden sich selbst unerträglich.

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

+

Laien als Kardinäle?

Der italienische Historiker Roberto de Mattei hat kürzlich in einem HIER ins Deutsche übersetzten Artikel auf folgendes hingewiesen:

[In der] Apostolischen Konstitution über die Römische Kurie Praedicate Evangelium vom 9. März 2022 heißt es, daß „jeder Gläubige einem Dikasterium oder einem Organismus“ der Römischen Kurie „kraft der Vollmacht, die sie vom Papst erhalten hat, in dessen Namen sie mit stellvertretender Gewalt in der Ausübung des primazialen Amtes handelt“, vorstehen kann.“ Wie der neuernannte Kardinal Gianfranco Ghirlanda bei der Vorstellung des Dokuments im Pressesaal des Vatikans erklärte, ist „die stellvertretende Vollmacht zur Ausübung eines Amtes dieselbe, egal ob sie von einem Bischof, einem Presbyter, einem geweihten Mann oder einer geweihten Frau oder einem Laien empfangen wird“.
Das bedeutet, daß jeder Laie, auch eine Frau, zum Beispiel zum Staatssekretär oder zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt werden könnte, da sie ihre Befugnisse direkt vom Papst und nicht vom Weihesakrament erhalten.
Wir stehen vor einem revolutionären Akt, indem Papst Franziskus die etablierte Tradition der Kirche umstößt und Laien Aufgaben überträgt, die traditionell dem Klerus vorbehalten waren.

Nun erinnert de Mattei an Kardinal Giacomo Antonelli (geb. am 2. April 1806 in Sonnino; gest. am 6. November 1876 in Rom), der zwar war ein Kleriker, aber kein Priester (sondern Diakon) war und dennoch von Papst Pius IX. zum Kardinal, sogar zum Kardinalstaatssekretär erhoben wurde.

dewiki gibt Auskunft über diese schillernde Persönlichkeit:

Giacomo Antonelli, geboren an der neapolitanischen Grenze, aus einer wohlhabenden Familie stammend, kam, als sein Geburtsort 1819 durch die päpstliche Gendarmerie als berüchtigtes Räubernest zerstört wurde, nach Rom und trat hier in das Große Seminar ein, wo er sich bald durch seine Talente auszeichnete. Bis 1827 studierte er am Collegio Romano und der Universität La Sapienza ziviles und kanonisches Recht.

Nachdem er am 20. September 1829 die niederen Weihen und 1840 die höhere Weihe zum Diakon empfangen hatte, zog ihn Papst Gregor XVI. in seine Nähe und bestimmte ihn für die staatsmännische Laufbahn. Antonelli wurde zum Prälaten erhoben, war bereits ab 1834 als Assessor beim obersten Strafgerichtshof tätig, später als Delegat in Orvieto, Viterbo und Macerata und wurde 1841 zum Unterstaatssekretär in der Verwaltung des Innern, 1844 zum zweiten Schatzmeister im Finanzwesen, 1845 aber zum Großschatzmeister (Finanzminister) ernannt. Als Pius IX. 1846 den päpstlichen Thron bestieg, ging er eifrig auf dessen liberale Reformbestrebungen ein und gewann bald einen maßgebenden Einfluss auf diesen.

Am 12. Juni 1847 erhielt Antonelli als Diakon den Kardinalshut und wurde am 14. Juni desselben Jahres Kardinaldiakon von Sant’Agata dei Goti, zugleich trat er in den ersten förmlichen Ministerrat ein, mit dessen Bildung Papst Pius IX. seine politischen Reformen eröffnete. Als Anfang März 1848 die Bildung eines aus weltlichen und geistlichen Mitgliedern gemischten Ministeriums erfolgte, übernahm Antonelli den Vorsitz. Während der Papst am 14. März ein Staatsgrundgesetz proklamierte, schmeichelte Antonelli der nationalen Stimmung, indem er die 10.000 Mann starke päpstliche Armee an die nördliche Grenze schickte, von wo das Korps zur Unterstützung der Piemontesen in die Lombardei einrückte.

Nach der Kapitulation der römischen Truppen am 16. Juni 1848 bei Vicenza versicherte der Papst auf Antonellis Drängen, dass er seine Truppen nicht zur Bekämpfung der Österreicher abgesendet habe. Seitdem betrieb Antonelli den Anschluss an Österreich und die größtmögliche Wiederherstellung des alten Zustandes. Der Unwille des Volks über diesen Abfall von der nationalen Sache äußerte sich in Rom so drohend, dass Antonelli und seine Kollegen einem neuen Ministerium Platz machen mussten. Antonelli wurde nun der geheime Leiter und Ratgeber des Papstes, der auf seinen Rat zunächst den Grafen Pellegrino Rossi an Stelle von Terenzio Mamiani berief. Antonelli war es auch, der nach dem Angriff des Volkes auf den Quirinal den Papst am 25. November 1848 zur Flucht nach Gaeta bewog, wo Antonelli mit der Würde eines Staatssekretärs bekleidet wurde.

Nach Wiederherstellung der päpstlichen Gewalt am 15. Juli 1849 durch die französische Intervention trat Antonelli, der am 12. April 1850 mit dem Papst nach Rom zurückgekehrt war, an die Spitze des neuerrichteten Staatsrates, reorganisierte die Verwaltung, verfolgte seine politischen Gegner auf das härteste und führte ein streng absolutistisches Polizeiregiment ein. Alle Mahnungen der Mächte zur Mäßigung und zu zeitgemäßen Reformen wies er hartnäckig zurück, verstand sich auch zu keinem Zugeständnis an die nationalen Wünsche der Italiener bereit und begleitete die Beraubungen des Kirchenstaats durch das neue Königreich Italien mit ohnmächtigen Protesten. Auch die kirchliche Politik von Papst Pius IX. unterstützte er durch seine gewandt geschriebenen Noten. In der Öffentlichkeit wurde ihm Nepotismus vorgeworfen, gerade da sein Bruder Filippo in leitender Funktion für den Bau der römischen Eisenbahn und die Banco di Roma verantwortlich war. Von 1868 bis zu seinem Tode erhielt er zusätzlich die Titeldiakonie von Santa Maria in Via Lata.

Wenn er sich auch selbst – innerlich frivol und religiös gleichgültig – aus weltlicher Klugheit manchmal gern nachgiebig gezeigt und hierdurch die Gunst der Mächte gesichert hätte, so wollte er doch vor allem nicht sein Amt und seine Gewalt verlieren und fügte sich daher den Wünschen des Papstes. Zu Beginn des Jahres 1876 verschlimmerte sich sein Gichtleiden, doch ließ sich Kardinal Antonelli auch davon nicht in seinem Arbeitseifer bremsen und hatte weiterhin eine tägliche Audienz bei Pius IX. Er starb am 6. November 1876 in Rom und hinterließ ein bedeutendes Vermögen, über das sich „ein nicht skandalfreier Prozess“ zwischen einer angeblichen Tochter Antonellis, der Gräfin Lambertini, und seinen Verwandten entspann.

https://dewiki.de/Lexikon/Giacomo_Antonelli

+