Sorge und Befremden

„Mit brennender Sorge und steigendem Befremden
beobachten Wir seit geraumer Zeit
den Leidensweg der Kirche,
die wachsende Bedrängnis
der ihr in Gesinnung und Tat treu bleibenden Bekenner und Bekennerinnen
inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst
die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat.“

Papst Pius XI. – Enzyklika „Mit brennender Sorge“
Palmsonntag, den 14. März 1937

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Wie die synodale Kirche aussehen könnte

Mit Licht und CD-Musik feiert sich die Gemeinde in der Grabeskirche

Schwalmtal ist eine in den siebziger Jahren des letzen Jahrhunderts künstlich gebildete Gemeinde im Westen Deutschlands. Heute leben hier etwa 19 000 Menschen. Im nördlichen Bistum Aachen gelegen gab es hier einst 6 katholische Pfarreien mit eigenen Pfarrkirchen. Die Bistumsleitung machte daraus einen ersten Prototyp zukünftiger Pfarreienpastoral. Mit der Zusammenlegung der zuvor selbständigen Pfarreien St. Michael, St. Maria Himmelfahrt, St. Georg, St. Anton, St. Gertrud und St. Jakobus entstand daraus eine „Gemeinschaft der Gemeinden“, aus der in einem „demokratischen Prozess“ die Pfarrei St. Matthias geschaffen wurde.

Selbstverständlich wurden „Gottesdienste“ immer schon und immer mehr „gestaltet“ und die Kreativität von Laien unter der Anleitung von Gemeinde- und Pastoralreferenten mit einbezogen. Priester wurden bald zum schmückenden, der Feierlichkeit wegen beibehaltenes Beiwerk. Ende des Jahres 2019 war es dann endlich so weit, dass der letzte Pfarrer in der Gemeinde einen Schlussstrich gezogen und seinen Hut genommen hat. Am 31.12.2019 feierte er den letzten Gottesdienst. Er hatte genug von besserwisserischen Gemeindemitgliedern und Gremien. Seither ist die Pfarrei verweist, was die Zuständigen Herren- und Damenschaften natürlich ganz anders sehen. Endlich können die schon seit Jahrzehnten regelmäßig gefeierten „Mit-neuen-Augen-sehen-Messen“ als Notwendigkeit „verkauft“ werden und die vollends gelungene Übernahme der katholischen Liturgie in Laienhand als das zukünftige Bild einer synodalen Kirche vorgezeigt werden. Übrigens erscheint bei „notwendigen Gottesdiensten“ als zuständiger Priester der Regionaldekan aus einer anderen Pfarreiengemeinschaft.

Dass bei all dem auch Menschen auf der Strecke geblieben sind, interessiert ohnehin niemanden. Viele gute Katholiken haben sich längst aus dieser Art neuer Kirche verabschiedet.

Die Kirche St. Anton machte man (obwohl es im Umkreis bereits mehrere davon gab) zu einer Grabeskirche, wodurch eine dauerhafte Finanzierung dieser „Kirchenimmobilie“ gesichert wird. Hier gibt es nicht nur Bestattungen, sondern auch „Gottesdienste“, Konzerte und Lichtinstallationen. Zur letzten Veranstaltung war zu lesen, dass sie großen Zuspruch gefunden habe, da an zwei Tagen rund 180 Menschen vorbeikamen.

Den Besuchern wurde „das Neue Testament anhand der Illumination“ gezeigt. „So wurden etwa zur Darstellung des Gartens Genezareth Zweige an die Wand projiziert und es waren Vogelstimmen zu hören.“ Das berichtete der Rheinischen Post der „technische Geschäftsführer in der Grabeskirche“.

Die ehemals schöne Kirche St. Anton, für deren Umbau weit über eine Million Euro investiert wurde, war nach dem „Motuproprio Summorum Pontificum“ von Papst Benedikt XVI. Gegenstand einer Anfrage an den damals zuständigen Pfarrer. In einen Gespräch mit einigen Teilnehmern lehnte er die Zulassung der Zelebration der tridentinischen Messe, die fortan „heilige Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus“ genannt wird, kategorisch ab. Auch die Überlassung der Kirche an eine private Initiative zum ständigen Gebrauch als katholische Kirche wurde abgelehnt.

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„Summorum Pontificum“ – Negatives

Die Feier von heiligen Messen im klassischen römischen Ritus wird an manchen Stellen immer noch unterdrückt, erschwert, die Information darüber, wann wer wo zelebriert, untersagt. Das reicht von der „Bestrafung“ traditioneller Gottesdienstgemeinden durch Rücknahme der Genehmigung zur Feier der alten Messe – weil die Gläubigen etwa mit einer Petition gegen irgendetwas protestiert haben – bis zur Forderung an junge Männer, die Priester werden wollen, alle im Internet publizierten Artikel, in denen sie sich positiv zur außerordentlichen Form des römischen Ritus äußern, zu löschen beziehungsweise löschen zu lassen.

Monika Rheinschmitt im Interview mit CNA

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Ich will dich nicht mehr sehen, basta …

… sagte PF zu Erzbischof Georg Gänswein.

(Man beachte die Körpersprache)

Er hat nicht gesagt, dass das in diesem Augenblick, den das Foto festhält, geschehen muss. Aber es ist geschehen …

General audience at the Saint Peters‘ square on 25 September 2019 in Vatican.
Photo Massimo Valicchia/ NurPhoto via Getty Images.

General audience at the Saint Peters‘ square on 25 September 2019 in Vatican. Photo Massimo Valicchia/ NurPhoto via Getty Images.

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Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971 – 7/7

Tröstliches zum Kirchenbau

Salva reverentia fragt man sich nach der Lektüre manchmal, ob unsere Bischöfe auf einem anderen Stern leben! Offenbar mußte erst ein bekennender Atheist wie der Frankfurter Sozialpsychologe Alfred Lorenzer kommen, um nach weltweiten Recherchen zu dem Fazit zu gelangen, daß der nachkonziliare Bildersturm in den Kirchen zu einem Vandalismus ohnegleichen geführt hat, der die Kirchen ihres einstmals so herrlichen sakralen Interieurs beraubt hat und oft nur noch „Sinnruinen“ übrigließ, die mitunter nur noch den Charme einer kahlen Radrennhalle oder Konzerthalle übrig ließen. – [Alfred Lorenzer: Das Konzil der Buchhalter. Die Zerstörung der Sinnlichkeit. Eine Religionskritik. Frankfurt am Main 1981]

Mitunter scheint Lorenzer in der Trauer über die Beseitigung der Schönheit und des Glanzes in den Kirchen sein nur sozialkritisches Anliegen zu vergessen und sich von einem Outsider in ein engagiertes und den Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte beklagendes Mitglied des Kirchenvolkes zu verwandeln. Die weltweite Zerstörung wunderbarer Hochaltäre, die brutale Überpinselung und Vernichtung der Deckengemälde unvergleichlicher Barockkirchen, die Schließung von Seitenkapellen voller Kostbarkeiten: man könnte mit den Listen dieser Zerstörung Bände füllen. – [Vgl. Walter Hoeres: Nachkonziliarer Bildersturm. In: Zwischen Diagnose und Therapie, a.a.O. S. 80 ff.]

„Weder die Bilderstürmer der Reformation noch die der Revolutionen“, so Lorenzer, „haben ähnlich systematisch Hand an den Sakralraum gelegt und sind dabei so bedenkenlos, kaltblütig ans Werk gegangen.“ – [Walter Hoeres: Nachkonziliarer Bildersturm. In: Zwischen Diagnose und Therapie, a.a.O. S. 209]

Und was sagen unsere Bischöfe dazu?
Nichts weiter als peinliche Allgemeinplätze, die mich an das salomonische Wort eines ehemaligen Professors erinnerten, dem ich versehentlich meine spätere Habilitationsschrift zur Begutachtung vorlegte: „er sei sowohl für das Alte wie das Neue auch“!

Höffner lobte die im Kirchenbau involvierten Künstler mit den Worten:
Ihr Dienst an der sakralen Kunst ist ein Bekenntnis zur nachkonziliaren Kirche, die eine Kirche der Armut sein will“.

Kardinal Frings meinte zum Kirchenbau der Nachkriegszeit, den zahlreichen Betonbauten, die nicht nur von ferne an Schwimmhallen erinnern und in vorausschauendem Gehorsam schon den nachkonziliaren Kahlschlag der Heiligen- und Engelverehrung vorwegzunehmen schienen:
„Deshalb ist der einfache Altar, meist auf einem Podium errichtet, den Gläubigen nähergerückt, damit sie ihn möglichst in der Form eines Halbkreises umschließen können“.

Nirgendwo ein Wort zu dem unbegreiflichen Greuel der Verwüstung, dem entsetzlichen Vandalismus, in dem der Traditionsbruch so manifest geworden ist. Nicht selten haben wir unsere Artikel mit dem Wort Juvenals beschlossen: „Difficile est satiram non scribere“.

Angemessener wäre es vielleicht, nach allem und nach der Lektüre mit den Worten zu schließen: „Haud difficile, non fundere lacrimas“ – es ist schon schwer genug, keine Tränen zu vergießen!

(Walter Hoeres: Widerspruchsvolle Bekenner – Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971, KIRCHLICHE UMSCHAU, Januar 2015)

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