Welches Vertrauen?

In praktischer Hinsicht bedeute das Motu proprio nach Ansicht von Pater de Tanoüarn, dass neue Zusammenkünfte zur Feier der alten Messe zunächst Sache des Ortsbischofs seien. Außerdem hätten die Institute päpstlichen Rechts, „die geschaffen wurden, um die Blessuren des liturgischen Kampfes der Siebziger zu heilen, nicht mehr das Recht haben, sich irgendwo niederzulassen, neue Strukturen zu gründen und zu wachsen“. Letztendlich gehe es also darum, „diese Gemeinschaften aufzuheben“, indem die Seminare keine Priesteramtskandidaten mehr aufnehmen dürften. Was die derzeitige Hierarchie der Kirche nicht verstehe, so Pater de Tanoüarn, sei „diese Rekrutierung von Priestern im Schoß der Tradition – im Vergleich zu den Seminaristen ‚neuer Art‘“. Da der Papst diese Ausbreitung der altrituellen Gemeinschaften nicht versteht, so de Tanoüarn weiter, „setzt er mit diesem Motu proprio alles aufs Spiel, um sie zu zerschlagen – auf die Gefahr, die Kirche zu schädigen. Offenbar bevorzugt man eine Kirche, die endgültig priesterarm ist, in der man jedoch jegliche Form der Konkurrenz methodisch ausgeschaltet hat“.

Aus: DIE TAGESPOST
(Institut du Bon Pasteur: „Traditionis custodes“ will traditionellen Ritus auslöschen)

Traditionis Custodes – die andere Heimsuchung

Sehen wir im Moto Proprio eine Heimsuchung, die dazu da ist, uns entschlossener zu machen! Der Geist lässt sich nicht in Ketten legen – schon gar nicht, wenn er heilig ist. Wir müssen nur auf seine Kraft vertrauen und uns noch mehr in seinen Gaben üben:

– in der Erkenntnis, dass die Zeit der Illusionen vorbei ist.
– In der Einsicht, dass wir alternative Strukturen aufbauen müssen.
– In dem Rat, unser Geld für den Aufbau neuer Strukturen zu verwenden, anstatt mittels Kirchensteuer gottferne Amtsstrukturen zu unterstützen.
– In der Weisheit, unsere Kräfte zu bündeln.
– In der Stärke, Repressalien auszuhalten ohne zu verbittern.
– In einer Gottesfurcht, die Christus über alles stellt.
– In der Frömmigkeit, auf den himmlischen Beistand zu vertrauen.

„Veni Creator Spiritus“ –
sangen die Karmelitinnen von Compiègne, als sie während der französischen Revolution von ihren Gefängniswärtern zum Schaffot geführt wurden, weil sie sich geweigert hatten, ihre Ordensgelübde zu brechen. …

Prof. Peter Stephan

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Antikatholisches Getrampel

Dieses neue Motu Proprio ist allerdings nur dann so übel, wie es aussieht, wenn wir es uns zumuten, so zu denken und zu handeln, als ob es uns binden könnte, als ob seine Vorschriften legitim wären. Wenn wir jedoch erkennen, daß es durch und durch anti-katholisch ist und daß kein Papst berechtigt ist, so auf den Gliedern der Kirche und ihren verehrungswürdigen Riten herumzutrampeln, wie Franziskus das hier versucht, dann werden wir diese Vorschriften eher als eine von außen auferlegte Last begreifen, wie eine Seuche, einen Krieg oder einen Hungersnot, wie eine schlechte Regierung, die man stürzen oder ertragen muß, bis sie abtritt. Hat der Papst die Volmacht, ein solches Diktat zu erlassen? Nein. Es ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist.

Die Gläubigen, die die überlieferte Liturgie lieben und in ihr den Fokus des Erbes Christi erkennen, werden nach besten Kräften weiter machen. Sie werden nicht um Erlaubnis bitten, um die Messe aus unvordenklichen Zeiten zu feiern. Sie werden keine Lesungen nach „den Zugelassenen Ausgaben“ vortragen. Sie werden lieber als Märtyrer untergehen, denn in der Schmach der Unterwerfung zu sterben.

P. Kwasniewski

Statt Frieden : Krieg

Wenn Kardinal Sarah sagt:
Benedikt XVI. wird in Erinnerung bleiben als
Papst des liturgischen Friedens“,

muss man ihm heute antworten,
dass Franziskus
der Papst des liturgischen Krieges
genannt werden muss.

Und Krieg bedeutet:
der Kampf geht weiter.

Und zur gutmeinenden Erkenntnis(?), dass es Papst Bergoglio
doch sicher mit jedem nur gut meint, weil er ja so barmherzig sei:

 

Begriffe Klerikalismus,
Zentralismus und Autoritarismus
haben seit heute (16.07.2021)
eine neue Dimension angenommen.
Das Maskenspiel ist zu Ende.
(Armin Schwibach)

Der Diktatorpapst

Der Diktatorpapst
hat sein wahres Gesicht
noch nie so deutlich gezeigt
wie wir am 16. Juli 2021,
erlebt haben,
als er seinem lebenden Vorgänger
Papst Benedikt XVI.
die Faust ins Gesicht schlug
und damit zeigte,
was damit gemeint ist,
dass zwischen beide Päpste
kein Stück Papier passt:

sein wichtigstes Vermächtnis
SUMMORUM PONTIFICUM
wirft er auf den Scheiterhaufen
des Franziskus-Pontifikates.

Aktueller denn je ist das Buch
von Marcantonio Colonna und Henry Sire:

Der Diktatorpapst

Darin ist u. a. zu lesen:

„Sobald die öffentlichen Kameras ausgeschaltet sind,
verwandle sich Papst Franziskus in eine ganz andere Gestalt:
arrogant, geringschätzig zu den Menschen,
verschwenderisch mit Schimpfwörtern
und berüchtigt für seine wüsten Wutausbrüche,
von denen jeder zu kosten bekommt,
vom Kardinal bis hin zum Chauffeur.“

Das Buch bestellen

Spätestens jetzt ist es an der Zeit
für Papst BenediktXVI. zu beten!

Alles Übrige
wird der Herr über Leben und Tod
richten.

Predigttext von Weihbischof Athanasius Schneider

(21. Juni 2021, Karlskirche Wien)

Papst Johannes Paul II. formulierte diesen Satz: „Rettet den ungeborenen Menschen vor der Bedrohung durch den geborenen Menschen, der sich anmaßt, das Leben eines Kindes im Mutterschoß antasten und toten zu dürfen!“ (Angelus Ansprache Eschen, Liechtenstein, 8. September 1985). Durch die legale Abtreibung wird die Menschheit in einen Zustand versetzt, in dem sie in zwei Klassen geteilt wird, die geborene und die ungeborene, wobei die Klasse der Geborenen die Klasse der Ungeborenen zerstört und sie zu ihrem eigenen Vorteil nutzt. Der Zustand einer Gesellschaft wird vornehmlich von ihren Gesetzen geprägt, nicht so sehr von den privaten Präferenzen einzelner Personen. Man darf nicht vergessen, dass die sittliche Bedeutung einer Handlung in unserem Fall durch den Zustand einer Gesellschaft beeinflusst wird, die uns in Geborene und Ungeborene einteilt und in der ungeborene den geborenen Menschen untergeordnet werden. Die weit verbreitete Ansicht, dass der Besitz und die Verwendung von Zelllinien aus Abtreibungen nichts Falsches ist, stammt auch aus der Nichtbeachtung der Auswirkung dieses Prinzips der Zweiklassengesellschaft.

Der Einsatz für den Schutz des ungeborenen Lebens hat heute eine neue historische und qualitative Phase erreicht. Es geht darum ein bisher wenig beachtetes Gräuel zu denunzieren, nämlich die horrende fetale Industrie und den Handel mit Geweben und Zellen abgetriebener, d.h. ermordeter ungeborener Kinder. Jeder Einsatz von Impfstoffen oder Medikamenten, der die Zerstörung des Lebens ungeborener Kinder, das Recycling und die Vermarktung seiner Körperteile zur Folge hat, bringt uns in die unmittelbare Mitwirkung mit dem Bösen bzw. in das unmittelbare Profitieren von diesen bösen Handlungen, gerade weil so geartete Impfstoffe und Medikamente trotz ihres Anspruchs auf das Gute schon in ihrem Ansatz sittlich verkehrt sind. Die Wohltat, die man von mit Grausamkeit befleckten Medikamenten und Impfstoffen für den gesundheitlichen Vorteil selbst von Millionen Menschen erwartet, wird in der Tat durch das Quälen und Leiden ungeborener Kinder erreicht. Wenn es schon heutzutage modern geworden ist, wie z.B. bei der „Vegan-Bewegung“, sogenannte „tierversuchsfreie“ („cruelty-free“) Lebensmittel, Arzneien, Impfstoffe und Kosmetika zu fordern, d. h. Produkte, die frei von Grausamkeit sind, die man Tieren angetan hat, um wie viel mehr müssten dann die Christen gegen Arzneien und Impfstoffe protestieren, die mit einer Grausamkeit zusammenhängen, die man ungeborenen Kindern angetan hat! Es ist an der Zeit, „menschenversuchsfreie“ Medikamente und Impfstoffe zu fordern.

Die Verteidigung des menschlichen Lebens muss heute auch ein Einsatz gegen jene Praktiken und Strukturen sein, die unschuldiges Leben zu einem Ersatzteillager biologischen Materials degradieren, das für Versuchs- und Herstellungsprozesse nutzbar gemacht wird. Es handelt sich vor allem um einen Kulturkampf. Es geht darum, jene Wunschkultur auf die deutlichste Weise abzulehnen, die den Menschen im vorgeburtlichen Lebensalter für jeden Zweck, ja sogar als Verbrauchsmaterial, als verfügbar ansieht. Ivan Karamazov in Dostojewkys Roman „Die Brüder Karamasow“ stellt die fatale Frage: „Sag mir direkt, ich rufe dich an – antworte mir: „Stelle dir vor, daß du selbst das Gebäude des menschlichen Schicksals aufführen könntest mit dem Endziel, alle Menschen zu beglücken, ihnen Frieden und Ruhe zu geben, daß es aber dazu unumgänglich nötig wäre, ein winzig kleines Wesen zu martern, wie jenes Kind, das sich mit den Fäusten an die Brust schlug, mit seinen ungerechten Tränen — würdest du dich bereit finden, unter solchen Bedingungen der Baumeister eines solchen Gebäudes zu werden? Sprich und lüge nicht!“

Man sagt uns heute oft, und selbst innerhalb der Kirche, dass man Kompromisse machen muss, dass man Zugeständnisse und Kompromisse machen muss, um das Ganze zu gewinnen, man sagt uns, dass man mit dem Strom schwimmen muss. Der moderne Apostel Wiens, der heilige Klemens Maria Hofbauer, kann für uns alle ein Beispiel sein, wie ein wahrer Katholik sich in solch einer Situation verhalten soll. Als junger Theologiestudent hörte Klemens Hofbauer von seinem Professor diese Worte: „Wir müssen mit dem Strom schwimmen, sonst bleiben wir zurück, sonst werdet ihr später vor leeren Bänken predigen“. Darauf erhob sich Klemens und sagte: „Mit dem Strom schwimmen nur Feiglinge. Wir leben in einer Zeit, in der das Leben nach dem Evangelium von uns das Schwimmen gegen Strom verlangt.“ Ein anderes Mal sagte der Student Hofbauer: „Herr Professor, was Sie jetzt sagte, ist nicht katholisch“ und stand darauf und verliess den Hörsaal. Einer nach dem anderen verliessen die Studenten den Hörsaal und der Professor stand vor leeren Bänken. Damals wie heute sagte man den Katholiken, dass man ein wenig nachgeben muss, um nicht das Ganze zu verlieren.

Viele in der Gesellschaft und innerhalb der Kirche fixieren sich auf das Zeitliche und blenden das Wichtigste aus, nämlich das ewige Leben. Man will das gegenwärtige irdische Leben geniessen ohne Probleme zu haben, indem man die Kunst des Kompromisses praktiziert. Die Menschen, und vor allem die jungen Menschen, die sich heute selbstlos und kompromisslos für den Schutz des ungeborenen Lebens und gegen die serienmässige Ausbeutung der Körperteile und der Zellen getöteter Kinder einsetzen, sollen sich nicht als eine kleine isolierte Gruppe betrachten. Nein, wie sind nicht allein. Wir sind verbunden mit einer grossen Kette von Katholiken, die den Geist des Glaubens und des Bekennermutes hatten seit dem Beginn der Kirche bis zum Ende der Welt. Vom Beispiel des heiligen Klemens Maria Hofbauer sehen wir, dass es derselbe Geist ist, dem er sich in seiner Zeit widersetzte, und dem wir uns heute widersetzen müssen. Unser Kampf begann nicht gestern. Er ist ein Tel einer goldenen Kette, die ihren Anfang nahm schon im Alten Bund und bis zum Ende der Zeiten reichen wird, vor allem auch in Zeiten, wie der unseren, wenn alles verloren zu sein scheint.

Wir leben in einer Welt, die in einen Weg des Lebens und einen Weg des Todes aufgeteilt ist. Der Weg des Todes ist dieser: Der geborene Mensch unterwirft sich den ungeborenen Menschen zu seinem eigenen Vorteil. Der Weg des Lebens aber ist dieser: Der geborene Mensch beschützt unerschütterlich und entschlossen den ungeborenen Menschen, selbst zum eigenen Nachteil. Zu welcher Kultur wollen wir gehören? Womit identifizieren wir uns? Jesus hat uns gesagt: „Was nützt es einem Mann, sein Leben zu gewinnen, aber seine Seele zu verlieren?“ (Mt. 16, 26). Gott hat jeden Menschen, auch den kleinsten und zerbrechlichsten im ersten Augenblick seiner Existenz im Mutterleib liebevoll in seine Hand und in sein Herz geschrieben, auch jene unzähligen Ungeborenen, die auf grausame Weise getötet werden und dessen Körperteile und Zellen für Menschenversuche, für die Produktion von Medikamenten und Impfstoffen und anderes mehr und für den Handel missbraucht werden. Das sagt uns das Wort Gottes im Buch der Psalmen: „O Gott, Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke. Dir waren meine Glieder nicht verborgen, als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewirkt in den Tiefen der Erde. Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen. In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war. Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott! Wie gewaltig ist ihre Fülle! Wollte ich sie zählen, sie sind zahlreicher als der Sand. Ich erwache und noch immer bin ich bei dir“ (Ps. 139, 13-18).

(Weihbischof Athanasius Schneider)

VIDEO

https://gloria.tv/post/P7y7jmdnWms84hnogfeAziQaV

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Eine Katastrophe kosmischen Ausmaßes

Für den Historiker Hiery kommen nach Malachias im Anschluss an Papst Franziskus noch mindestens drei weitere Päpste. Aber die heutige Gegenwart wäre bereits der Anfang der apokalyptischen Endzeit. Unter dem mit „De labore solis“ (Sonnenfinsternis) beschriebenen Papst werde sich bald ein Ereignis kosmischen Ausmaßes vollziehen, vielleicht ein riesiger Meteor oder Asteroid, der der Erde nahekommt und die Sonne verdunkelt.

Dann käme der mit „Gloriae olivae“ gemeinte Nachfolger Petri, dessen Sinnspruch immer mit Israel und dem Judentum in Verbindung gebracht worden sei. Diesem folgen würde dann mit „Petrus Romanus“ die letzte und größte Verfolgung der Christenheit. Sollte die Papstweissagung des Malachias tatsächlich echt sein, dann würden für Hiery zumindest unsere Kinder und Enkel Zeitzeugen der Apokalypse sein. Das mag aus heutiger Sicht kaum jemand glauben. Aber was, fragt der Bayreuther Historiker zum Abschluss, kann man heute überhaupt noch glauben, wo links und rechts selbst Fundamente zusammenbrechen, die man vor gar nicht so langer Zeit noch als unerschütterlich ansah?

TAGESPOST online am 28.06.2021

Nachgedacht: über „Tradition“

[…] Tradition von vornherein abzulehnen, noch dazu wenn es sich um die Tradition der Kirche handelt, verrät Unkenntnis der Grenzen der eigenen Vernunft. Denn wenn wir fragen: wie legitimiert sich die kirchliche Tradition, so werden wir letzten Endes auf Gott zurückverwiesen, auf seine Offenbarung. Nur von ihm als der Quelle aller Wahrheit können wir Wahrheit empfangen, nur sein Wort ist so wertvoll, dass er für alle Zeiten bewahrt werden sollte.

Tradition geht somit zurück auf Gott, auf die Hingabe Gottes an den Menschen, auf Inkarnation im weitesten Sinne des Wortes. Unsere Beziehung zu Gott ist zunächst nicht davon geprägt, dass wir uns Gottübereignen, sondern dass Gott sich uns nähert, sich uns tradiert. Gott geht ein in die menschliche Wirklichkeit, um so für den Menschen erkennbar und erfahrbar zu werden. Da wir die Sprache Gottes nicht verstehen, spricht er in der Sprache der Menschen. Da wir sterben müßten, wenn wir ihn schauen, erscheint er in menschlicher Gestalt. Da wir auf sinnliche Wahrnehmung angewiesen sind, dürfen wir ihn, der sich uns gibt, nicht nur nehmen, sondern buchstäblich in uns aufnehmen unter den Gestalten von Brot und Wein.

Gott selber liefert sich uns aus: Der Vater liefert den Sohn aus, der Sohn gibt sich hin für das Leben der Welt und beide geben den Jüngern den Geist. In dem Wort „ausliefern“ als Übersetzung für „tradere“ schwingt schon das ganze Risiko mit, das Gott bei diesem Vorgang eingeht. Er gibt sich selbst in die Hände des Menschen (vgl. Mt 17,22), er übereignet sich dem antwortenden Glauben oder auch Unglauben des Menschen.

Annahme oder Ablehnung von Tradition bedeutet also Annahme oder Ablehnung der Wahrheit, die Gott ist. In diesem Zusammenhang in Abgrenzung von Tradition auf die Möglichkeiten des eigenen Verstandes zu verweisen, zeugt von Arroganz, ja von Dummheit. Wenn es wirklich einen Gott gibt – und das glauben wir – der Himmel und Erde geschaffen hat, dann kann Wahrheit nur von ihm und in ihm empfangen werden und zwar auf dem Weg, den er für den besten hält. Wahrheit an einer anderen Stelle zu suchen als dort, wo er sie hinterlegt hat, in der Heiligen Schrift und im Glauben der Kirche, kann nur in Irrtum führen.

Tradition (Überlieferung) ist Grundstruktur der Offenbarung Gottes, ist aber auch Grundstruktur des Rückweges des Menschen zu Gott. Wir stammen von Gott und gehen zu ihm zurück; er ist unser Ursprung und unser Herz ist unruhig, bis es in ihm Ruhe findet. Doch wir können diesen Rückweg nur antreten, indem wir uns eingliedern lassen in den Leib Christi und ihn gehen zusammen mit den Glaubenden aller Zeiten. In diesem Zusammenhang ist Tradition das Band der Einheit, das durch die Identität des einen Glaubens den Leib Christi in der Wahrheit zusammenhält.

Dieser Gedanke leitet über zu einem weiteren Punkt, den ich zum Schluß noch kurz ansprechen möchte. Schon auf rein menschlicher Ebene, aber auch für unseren Glauben hat Tradition immer auch die Funktion eines Korrektivs. Tradition relativiert den eigenen geschichtlichen Standort und zeigt und, dass wir nicht unbedingt der bis jetzt unerreichte Höhepunkt der Menschheitsentwicklung sind. Gott hat nicht uns, sondern unsere Väter auserwählt, seine Offenbarung zu empfangen; insoweit auch wir sieempfangen – und wir empfangen sie wirklich- empfangen wir sie aus ihren Händen. Tradition könnte uns beistehen im Kampf gegen alle Formen des Götzendienstes, sei es auch die Vergötzung der eigenen Vernunft.

KarI Barth sagte einmal: „Kritischer müßten mir die Kritischen sein“. Vielleicht kann uns die Tradition lehren, kritisches Denken auch auf uns selbst, auf unsere eigene Vernunft anzuwenden und im Spiegel früherer Denkbemühungen zu erkennen, wie viel von dem, was uns als der letzte Schrei erscheint, nur unkritisch übernommenem Zeitgeist entstammt, dem was moderne Philosophie „die Verfallenheit an das Man“ nennt.

Wenn wir aus der Tradition erkennen, dass z.B. ein Origenes oder Augustinus auf Fragen, die uns heute bewegen, sehr viel tiefere Antworten zu geben wußte als das, was unsere moderne wissenschaftliche Theologie zustande bringt, könnte uns das zu größerer Bescheidenheit führen und vielleicht zu der Bereitschaft auf die Wahrheit und nur auf sie zu hören, wo immer sie uns begegnet.

Damit bin ich zum Schluß gekommen. Zusammenfassend könnte man das bekannte Wort des Plato „kümmert euch nicht um Sokrates, kümmert euch um die Wahrheit“, abändern und sagen: „kümmert euch nicht um Tradition, kümmert euch um Gott.“ Es geht nicht darum, Tradition als solche festzuhalten, es geht auch nicht darum, sie abzuschaffen, letztlich geht es für uns als Christen darum, Gott zu dienen und an seinem Leben in Ewigkeit Anteil zu gewinnen. Wo Tradition sich verselbständigt, wo der Mensch ihre Pflege absolut setzt, da wird selbst das Wort der Schrift zum Buchstaben, der tötet. Wo auf der anderen Seite Tradition leichtfertig abgebrochen wird, da wird nicht nur das Band zwischen den Generationen zerrissen, sondern auch der Zugang zum Glauben und d.h. zu Gott selber verstellt. Von daher könnte man vielleicht sagen, dass gerade eine Gemeinschaft wie die unsrige dazu berufen ist, im gemeinsamen Gespräch der Generationen miteinander und vor allem im ständigen Blick auf ihn, der Mitte und Ziel unseres Lebens ist, Tradition und damit den Zugang zu Gottes Offenbarung zu bewahren oder auch neu zu eröffnen.

Aus einem Aufsatz von Christiane Reemts OSB, Äbtissin.

Abtei Mariendonk – www.mariendonk.de

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Mai 2021: Provokation gegenüber dem Lehramt der Kirche

[…] Die Katakombenzeit ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass […] die Diskrepanz zwischen dem universalen Anspruch des Evangeliums und der Minderheitssituation derer, die diesen Anspruch anerkennen, bis zum Ende der Tage nicht verschwinden wird. Und dass es deswegen kein Betriebsunfall ist, wenn man als Christ be- und abgedrängt wird.

Im Gegenteil, es gehört sogar ein offensiver missionarischer Impetus dazu. Die Bedrängnis, zu der die frühe Kirche gezwungen war, hat ihr am Anfang ihrer Ausbreitung einen ihrer Wesenszüge geradezu in Fleisch und Blut übergehen lassen. Es ist die Unbekümmertheit, mit der die Christen berufen sind, IN der Welt aber nicht VON der Welt zu sein.

Und letzteres als ein unaufgebbares Merkmal so zu leben, dass an den Glaubenden ablesbar ist, wo der Ausgang aus der Welt der Schatten ist, nämlich dort, wo Christus bekannt und bezeugt und wo nach Seinen Geboten gelebt wird. Im Leben nach den nicht von der Welt und ihren „Wirklichkeiten“ erdachten Weisungen liegt die Rettung aus der Sklaverei des Vergänglichen.

Die Christen in der Verfolgung haben deswegen durch die Verfolgung zu allen Zeiten ein Gespür für die Wahrheit behalten. Denn die Prüfungen haben sie ihren Glauben nicht als ihre eigene Idee von einer Gottesbeziehung, sondern als ein Geschenk, als Gnade erfahren lassen. Sie waren automatisch imprägniert gegen die Versuchung, dieses Geschenk für austauschbar zu halten.

Das Athanasianische Glaubensbekenntnis spricht es in seinem ersten, den meisten nicht bekannten Satz aus, wenn es sagt: „Wer immer gerettet werden will, für den ist es vor allem notwendig, dass er den katholischen Glauben festhält.

Legt man diese Haltung der frühen, im Untergrund durch Leiden und durch den Zwang zu Entscheidung zu beachtlicher Dynamik gereiften Kirche auf das, was wir derzeit in den Wirrnissen der Zukunftsplanungen des „Synodalen Weges“ der deutschen Kirche erleben, zeigt sich, dass beides nicht zueinander passen will.

Denn heute ersetzt die Lebenswirklichkeit die Offenbarung, die Mission wird nicht mehr von dem Willen zur Rettung bestimmt, sondern abgelöst von der Einreihung einiger weniger unanstößiger christliche Inhalte in die Parade der Religionen und Weltanschauungen. Die Theologie hat sich ihrer Fähigkeit zur Objektivität entledigt, weshalb sich die Praxis der Seelsorge nicht mehr am Glaubensgut orientiert.

Der Wunsch, alle Menschen an dem teilhaben zu lassen, was zur Ewigkeit dient, wird durch die Sucht ersetzt, die Kissen im Diesseits möglichst flauschig aufzuschütteln, um das Dösen im Halbschlaf nachmoderner philanthropischer Träume nicht zu stören.

Dabei geht es auch ans Eingemachte, wenn die zeitüberhobene Gültigkeit des verbrieften Glaubensgutes, wie es im Katechismus zusammengefasst ist, bestritten und zur Änderung freigegeben wird.

So geschieht es derzeit im Hinblick auf die Anerkennung und Würdigung von außerehelichen Paarbeziehungen und deren Installation als ordentliche Heilswege, bei der Forderung nach einer Aufgabe des katholischen Eucharistieverständnisses zugunsten einer Gleichzeitigkeit in der Anerkennung gegensätzlicher Vorstellungen von dem, was das Vermächtnis des Herrn bedeutet, und beim Ruf nach Aufgabe der wesenhaften Ausschließlichkeit in der Spendung des Weihesakraments an dazu berufene Männer.

Nicht nur Theologen, sondern auch Bischöfe fordern eine Hermeneutik der apostolischen Tradition, die lange schon nicht mehr der Verständlichmachung der Wahrheit in der jeweiligen Zeit dienen will, sondern die Botschaften der Zeit in kirchliches Vokabular kleidet, damit man an sie glaubt. Man krönt diesen betrügerischen Ersatz der Verkündigungsinhalte mit den Begriffen „Fortschreibung“ oder „Weiterentwicklung“ der Lehre, eine perfide Methode des Durcheinanderwerfens.

Der Mai dieses Jahres ist voller Akte der Provokation gegenüber dem Lehramt unter dem Vorzeichen einer neuen Zukunftsfähigkeit der Kirche.

Man braucht wenig Phantasie, um sich den Zusammenbruch der Institution vorzustellen, der nach der offiziellen Aufgabe der Bindung an die Offenbarung und in der Abkehr von einer, von der Wahrheitsfähigkeit des Menschen überzeugten objektiven Theologie und ihrer lehramtlichen „Leitplanken“ (Bischof Stefan Oster) folgen wird.

Was allerdings noch tragischer im Raum steht, ist die damit verbundene Zerstörung der Kirche als Heilsinstrument.

Wenn Rom die Entscheidung einiger deutscher Bischöfe ungeahndet lässt, die Basis des katholischen Glaubens mit wohlfeilen Argumenten zu verlassen und sowohl die neopagane „Lebenswirklichkeit“ einer von allem Christlichen weitgehend entbeinten Gesellschaft als auch eine, die apostolische Tradition ignorierende „pastorale Praxis“ gegen das authentische Lehramt in Stellung zu bringen, wird es keine andere Wahl für die Treuen geben, sich dem Paradigmenwechsel durch den Gang in die Katakomben zu entziehen. Alles andere würde bedeuten, sich an einem Verrat durch die Mimikry eines verbissenen Dabeibleibens zu beteiligen.

Somit ist die Stunde des Martyriums wieder da. Und inmitten des teutonischen Feldzugs gegen das Wesen der Kirche steht diese Herausforderung: die mutige Entscheidung, inmitten eines neuen deutschen Schismas, das in vertikaler Hinsicht als Lösung von der lehramtlichen Autorität und in horizontaler Hinsicht als Trennung der Theologie von der Rechtgläubigkeit daherkommt, katholisch zu bleiben.

Die neue Bedrängnis kommt nicht von den Cäsaren, sondern aus der Mitte der Kirche.

Das, was jetzt im Mai in der Segnung und kirchlichen Würdigung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und in der Aufgabe des katholischen Eucharistieverständnisses durch die Übernahme einer protestantischen Auslegung inklusive der von Bischof Georg Bätzing ermutigten Interkommunion geschieht, bedeutet eine reguläre Kirchenspaltung und öffnet strukturell den Weg zu immer neuem Verrat.

Wer sich jetzt als Bischof, Priester oder Laie unsicher fühlt, wohin er gehen soll, kann sich von Octavius den Ausweg zeigen lassen. Man wird auf ihm allerdings nur als Märtyrer bestehen.

Pfarrer Dr. Guido Rodheudt

(Auszug aus: „Octavius und die Kirche in Deutschland“,
VATICAN-Magazin Mai 2021)

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