Maria Königin – Königin aller Heiligen; 31. Mai

Das Fest „Maria, Königin aller Heiligen“ wurde zuerst in der Hafenstadt Ancona (Italien) gefeiert. In der dortigen Kathedrale wird ein Gnadenbild unter diesem Titel verehrt. 1550 hat es ein Schiffskapitän der dortigen Kirche geschenkt, und zwar als Dankgabe für die Errettung seines Sohnes aus einem furchtbaren Seeunwetter, die er seinem inständigen Gebet vor diesem Bilde zuschrieb. Sogleich setzte eine eifrige Verehrung dieses Bildes seitens des Volkes ein. – Während der argen Bedrängnis der Kirche im Jahre 1796 beobachtete man am 25. und 26. Juni dieses Jahres an dem Bilde eine Bewegung der Augen, die mehrmals von vielen wahrgenommen wurde. Das löste eine starke Volksbewegung aus, denn die gleichen Erscheinungen wiederholten sich öfters bis zum 23. Januar 1797. Die Verehrung wuchs immer mehr. Viele Ungläubige bekehrten sich. Dadurch veranlaßt, beschloß der Stadtmagistrat die Abhaltung eines eigenen Festes zu Ehren der „Königin aller Heiligen“. Gregor XVI. gab dem Feste 1845 die kirchliche Bestätigung, anerkannte das Fest und gab ihm ein eigenes Stundengebet, nachdem Pius VII. bereits im Jahre 1814 das Gnadenbild feierlich krönen ließ. Natürlich blieb dieses Fest nicht auf die Kathedrale von Ancona beschränkt. Es wurde bald von vielen Diözesen Italiens und auch anderer Länder übernommen. Liegt doch seine eigentliche Begründung in der einzigartigen Auserwählung Mariens.

Die Rose nennen wir die Königin unter allen Blumen. Jeder weiß, damit soll gesagt werden: Keine Blume könne an Pracht mit der Rose wetteifern. Gleiches wollen wir sagen, wenn wir Maria als die Königin aller Heiligen bezeichnen. An Heiligkeit kommt ihr demnach keiner der seligen Himmelsbewohner gleich. Alle überstrahlt sie durch die Fülle der Gnaden, durch die Fülle ihrer Tugenden, durch die Fülle ihrer Seligkeit. Bewundernd schauen alle Heiligen des Himmels zu ihr auf als zur Herrlichsten, zur Reichsten, zur Vornehmsten unter ihnen. Aber nicht nur alle seligen Mitmenschen dort oben, sondern selbst die heiligen und mächtigen Engelgeister.

Unzählige Male haben die christlichen Lobredner Mariens Erhabenheit über alle Himmelsbewohner geschildert. So besingt sie Johannes von Damaskus:
Sei gegrüßt, Gnadenvolle, sei gegrüßt, da du heiliger bist als die Engel, würdiger als die Erzengel. Sei gegrüßt, Gnadenvolle, da erhabener als die Throne, herrschgewaltiger als die Herrschaften, mächtiger als die Kräfte. Sei gegrüßt, Gnadenvolle, die Fürstentümer überragt und Gewalten übersteigt. Sei gegrüßt, Gnadenvolle, kostbarer als die Cherubim, erhabener als die Seraphim!

Für die seligen Menschen führt es Petrus Damiani weiter:
Weder der Patriarchen ehrwürdige Versammlung, noch der Propheten vorausschauende Schar, noch der Apostel Richtersenat, noch der Märtyrer siegreiche Reihen, noch einer der ältern noch einer der jüngern Väter kann mit der seligsten Jungfrau verglichen werden!

Haben nicht ebenso gerne die Maler Maria als die Himmelskönigin im Kranze zahlreicher Heiligen dargestellt?

Königin der Heiligen kann aber noch etwas anderes, etwas mehr besagen. Denn einer echten Königin kommt nicht nur der Vorantritt zu, sondern auch das Herrschen und Befehlen. Einer echten Königin zollt man nicht nur Bewunderung und leistet freiwillig Gefolgschaft, sie verlangt vielmehr Gehorchen und Dienen. Steht das auch der Jungfrau als Himmelskönigin zu, so wie wir es bei ihrem Sohne, dem Könige des Alls, bejahen müssen?

Kirchengebet
Gott, Du willst, daß wir die allerseligste Jungfrau Maria
als Königin aller Heiligen und Mutter der schönen Liebe verehren.
Gewähre uns gnädig, daß wir unter ihrem Schutz
Dich hier auf Erden in allem und über alles lieben
und im Himmel die selige Gemeinschaft
Deiner Heiligen genießen.

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Kirchengeschichte: Licht und Schatten

Eine Buchempfehlung

Gerade in der Osterzeit, an den Sonntagen zwischen dem Weißen Sonntag und Pfingsten, gehen hierzulande viele Kinder zum ersten Mal zur Heiligen Kommunion. Die Diskussionen darüber, welche (Lern-)Inhalte in den Vorbereitungsstunden vermittelt werden sollen, sind weit verbreitet und werden gelegentlich auch heftig geführt. Dabei bleibt oft nicht unerwähnt, dass auch und gerade bei den Eltern kaum noch Wissen vorhanden ist über Gott und die Kirche. Ja, es gibt Forderungen, die darauf zielen, auch den Eltern der Kommunionkinder eine gute Katechese angedeihen zu lassen. Gerade hinsichtlich der vorgeblich dunklen Seiten der Kirchengeschichte herrscht Aufklärungsbedarf, da Katholiken häufig gedankenlos die weltliche Interpretation kirchlicher Ereignisse als korrekt und über jeden Zweifel erhaben annehmen.

Mit dem Buch von DDDr. Peter Egger im Verlag „Media Maria“, „Kirchengeschichte – Licht und Schatten“, liegt ein sehr gutes Sachbuch vor, das geeignet scheint, Katholiken wie Glaubensfernen einen Einblick in die zweitausendjährige Geschichte der Kirche zu vermitteln. Beginnend mit dem Ursprung des Christentums bis hin zu einem Ausblick auf das 21. Jahrhundert werden 51 wichtige kirchengeschichtliche Ereignisse kurz und kompakt dargestellt. Die geistigen und gesellschaftlichen Hintergründe werden ebenso beleuchtet, wie die jeweiligen Licht- und Schattenseiten aufgezeigt werden. Themen sind etwa auch scheinbar schwierige Themen wie die Missionierung Europas, die Zeit der Kreuzzüge, die Inquisition, die Judenpogrome, die Glaubenskriege, die soziale Frage; ebenso Kommunismus, Nationalismus und Faschismus; auch das letzte Konzil und die Krise danach werden kenntnisreich besprochen.

Bevor der Autor sein Buch mit dem Gebet „Unter deinen Schutz und Schirm“ beendet, schreibt er davon, dass wir heute in einem Marianischen Zeitalter leben: „Maria nimmt die Menschen unserer Zeit unter ihren Schutz und stärkt sie in ihrem Widerstand gegen das Böse. Sie ruft die Menschen zum Rosenkranzgebet, zum Fasten und zur Sühne auf, um die Macht des Bösen zu brechen. […] Wo Maria in Erscheinung tritt, wird das Reich des Bösen überwunden.

Erstveröffentlicht bei kath.net

Peter Egger
Licht und Schatten
Verlag Media Maria
272 Seiten; 18,95 Euro
2017 Media Maria
ISBN 978-3-945401-31-6

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Der kleine Weg: „Ich will euch tragen“

Ich habe immer danach verlangt, eine Heilige zu werden;
aber ach!
Wenn ich mich mit den Heiligen verglich, stellte ich fest, dass zwischen ihnen und mir derselbe Unterschied besteht wie zwischen einem Berg, dessen Gipfel sich in die Himmel verliert, und einem unscheinbaren Sandkorn, über das die Füße der Leute achtlos hinwegschreiten.
Statt zu verzagen, sagte ich mir:
Der Liebe Gott flößt keine unerfüllbaren Wünsche ein,
ich darf also trotz meiner Kleinheit nach Heiligkeit streben;
mich größer machen ist unmöglich;
ich muß mich ertragen, wie ich bin, mit all meinen Unvollkommenheiten;
aber ich will ein Mittel suchen, in den Himmel zu kommen, auf einem kleinen Weg, einem recht geraden, recht kurzen, einem ganz neuen kleinen Weg.

Wir leben in einem Jahrhundert der Erfindungen, man nimmt sich jetzt die Mühe nicht mehr, die Stufen einer Treppe emporzusteigen, bei den Reichen ersetzt ein Fahrstuhl die Treppe aufs vorteilhafteste. Auch ich möchte einen Aufzug finden, der zu Jesus emporhebt, denn ich bin zu klein, um die beschwerliche Treppe der Vollkommenheit hinaufzusteigen.

Ich suchte daher in den heiligen Büchern nach einem Hinweis auf den Fahrstuhl, den ich begehrte, und ich stieß auf die aus dem Munde der Ewigen Weisheit kommenden Worte:
„Ist jemand ganz klein, so komme er zu mir.“ (Sprüche 9,4)
So kam ich denn, ahnend, dass ich gefunden hatte, was ich suchte.
Weil ich wissen wollte, o mein Gott! was du dem ganz Kleinen tätest, der deinem Ruf folgen würde, setzte ich meine Erkundungen fort und fand: –
„Wie eine Mutter ihr Kind liebkost, so will ich euch trösten; an meiner Brust will ich euch tragen und auf meinen Knien wiegen!“ (Isaias 66, 13.12)
Ach! niemals sind zartere, lieblichere Worte erfreuend an meine Seele gedrungen; der Fahrstuhl, der mich bis zum Himmel emporheben soll, Deine Arme sind es, o Jesus!

Hl. Theresia von Lisieux

Heilige Therese (von Lisieux) vom Kinde Jesu und vom Heiligsten Antlitz