Vom Wesen des hl. Messopfers (6/18)

5.
Was für ein Opfer nun jenes ist, welches Christus seiner Kirche gegeben hat, das lehrt uns die heilige katholische Kirche auf dem Konzil von Trient, indem sie sagt:
Da im alten Testamente nach dem Zeugnis des Apostels Paulus wegen der Schwäche des levitischen Priestertums Vollkommenheit nicht möglich war, so musste nach der Anordnung Gottes, des Vaters der Barmherzigkeit, ein anderer Priester nach der Ordnung des Melchisedech aufstehen, unser Herr Jesus Christus, dass er alle, soviele geheiligt werden sollten, vollenden und zur Vollkommenheit hinführen könnte. Dieser also unser Gott und Herr wollte einmal sich selbst auf dem Altare des Kreuzes durch seinen Tod Gott dem Vater opfern, um dort eine ewige Erlösung zu bewirken. Weil jedoch sein Priestertum nicht durch den Tod erlöschen sollte, so hat er beim Ietzten Abendmahle, in der Nacht, da er verraten wurde, seinen Leib und sein Blut unter den Gestalten von Brot und Wein Gott dem Vater aufgeopfert, beides unter denselben Gestalten den Aposteln, die er damals zu Priestern des neuen Bundes einsetzte, zum Genusse dargereicht und ihnen sowie ihren Nachfolgern im Priesteramte zu opfern vorgeschrieben mit den Worten: Tuet dies zu meinem Andenken. Dadurch hat er sich selbst als den für ewig bestimmten Priester nach der Ordnung Melchisedechs dargestellt. Das hat er getan, um seiner geliebten Braut, der Kirche, wie es die menschliche Natur verlangt, ein sichtbares Opfer zu hinterlassen, durch welches das einmal am Kreuze blutigerweise dargebrachte vor Augen gestellt werden, das Andenken an dasselbe bis zum Ende der Zeiten lebendig bleiben und seine heilsame Kraft zur Nachlassung jener Sünden, die von uns täglich begangen werden, in Anwendung kommen sollte. So hat es die katholische Kirche immer verstanden und gelehrt. Und das ist nun jenes reine Opfer, das durch keine Unwürdigkeit oder Bosheit der Opfernden befleckt werden kann, wovon der Herr gesagt hat durch den Propheten Malachias, dass er seinem Namen, der groß werden solle unter den Völkern, an allen Orten als ein reines Opfer werde dargebracht. Auch der Apostel Paulus spricht nicht dunkel davon, wenn er den Korinthern (1 Kor. 10,20 ff.) schreibt, es dürften diejenigen, die sich durch Teilnahme am Tische der Teufel befleckt hätten, nicht auch teilnehmen am Tische des Herrn, wobei er beidemal unter „Tisch“ den Altar versteht. Dieses ist schließlich das Opfer, von welchem die verschiedenen Opfer zur Zeit der Naturreligion und des Alten Testamentes Vorbilder waren; es enthält ja alle jene Güter, die durch jene angedeutet wurden, denn es ist die vollkommene Vollendung von ihnen allen.“ (Sitzg. 22, Kap. 1)

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Vom Wesen des hl. Messopfers (5/18)

4.
Da nun alle Völker und Nationen neben Gebeten, Gesängen, Almosen, Bußwerken und anderem Gottesdienst ihre heiligen Opfer gehabt haben, durch welche sie dem wahren Gott oder ihren vermeintlichen Göttern die gebührende Ehre erwiesen, so war es geziemend, dass auch Christus seiner Kirche mit dem wahren Glauben ebenso ein wirkliches Opfer als äußeren Gottesdienst verordnete, durch welches sie Gott die ihm gebührende Ehre geben und ihm den größten Gefallen erweisen könnte. Es wird sich ja kein vernünftiger Mensch denken können, dass Christus seiner Kirche oder Gemeinde, die er in allen Dingen auf das vollkommenste ausstatten wollte, diesen höchsten Gottesdienst vorenthalten und sie in einer so gar hochwichtigen Sache voll Mangel hatte sein lassen wollen. Dann wäre die Kirche in diesem Stücke ja doch geringer gewesen als das Judentum, welches so herrliche Opfer hatte, dass selbst vornehme Heiden aus fernen Landen kamen, um diesen jüdischen Gottesdienst zu sehen, und dass einige heidnische Könige die Unkosten, die derselbe erforderte, bestritten haben, wie im zweiten Buche der Makkabäer zu lesen ist.

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Vom Wesen des hl. Messopfers (4/18)

3.
Der hl. Thomas von Aquin sagt, es sei ein Gesetz der Natur, dem allmächtigen Gott Sakrifizia oder göttliche Opfer darzubringen, und dass der Mensch von Natur aus, auch ohne besonderes Gebot und Ermahnung, dazu angetrieben werde. Das sehen wir an Abel, Noe, Abraham, Job und den anderen Patriarchen, welche ohne besonderen göttlichen Befehl, aus bloßem Antrieb der Natur göttliche Opfer verrichtet haben. Aber selbst die Heiden haben, angetrieben durch das natürliche Licht ihrer Vernunft, Opfer dargebracht den Götzen, die sie für Götter hielten. Den Israeliten hat Gott es dann im Gesetze ausdrücklich befohlen, dass sie ihm täglich und an allen hohen Festtagen Opfer bringen sollten. Nicht bloß gebot er ihnen, dass sie ihm Lämmer, Schafe, Kälber und Stiere zum Geschenke geben, sondern dass diese durch die geweihten Priester unter bestimmten Gebeten und Zeremonien aufgeopfert werden sollten. Diese mussten unter dem Klang der Posaunen und dem Gesang von Psalmen die Tiere schlachten, ihnen die Haut abziehen, das Blut um den Altar gießen und das Fleisch auf dem Altare verbrennen. Das waren die jüdischen Sakrifizia oder Opfer, durch welche sie Gott dem Allerhöchsten die ihm gebührende Ehre geben und bezeugen wollten, dass Gott der wahre Herrscher über alle Geschöpfe sei.

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Vom Wesen des hl. Messopfers (3/18)

2.
Dass ein solches Sakrifizium Gott allein zukomme, beweist der hl. Augustinus aus dem allgemeinen Gebrauch aller Völker, indem er sagt: „Wer hat jemals dafür gehalten, dass man ein Sakrifizium einem anderen darbringen solle als einzig demjenigen, den man als Gott erkannt hat oder dafür hält?“ Und an einer anderen Stelle: „Der Teufel würde von den Seinigen kein Sakrifizium fordern, wenn er nicht wüsste, dass dieses dem wahren Gott zukäme. Viele große Herren haben wohl andere Dienste, die Gott erwiesen werden, auch für sich gefordert; aber es sind doch wenige gewesen, die verlangt haben, dass man ihnen göttliche Opfer darbringen sollte. Diejenigen aber, welche dies zu verlangen sich erkühnt haben, wollten sich für Götter halten lassen.

Aus diesen Worten des hl. Augustinus kannst du ersehen, das Sakrifizium ist ein göttlicher Dienst der keinem Menschen oder Heiligen oder Engel zukommt.

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Vom Wesen des hl. Messopfers (2/18)

1.b
Das Sakrifizium wird also Gott geheiligt und jedem anderen Gebrauche durchaus entzogen, weswegen bei der Darbringung gewöhnlich eine Zerstörung der Gabe stattfindet. Hierdurch wird angedeutet, dass das alles eigentlich Gott gehört und seiner Herrschaft gänzlich unterworfen ist, auch der Mensch mit allem, was er ist und was er hat. – Daraus kannst du nun abnehmen, dass ein Sakrifizium weit mehr ist als ein Opfer. Deswegen werde ich in diesem Buche das Wort „Sakrifizium“ öfter anstatt des Wortes „Opfer“ gebrauchen, damit du bei Anhörung dieses Wortes daran denkst, dass es sich um jenes vortreffliche Opfer und jenen so hohen Dienst handelt, der allein dem unendlichen Gott, aber keiner einzigen Kreatur gebührt.

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Vom Wesen des hl. Messopfers (1/18)

1.a
Die hl. Messe wird auf lateinisch Sakrifizium genannt, ein Wort, das sich auf Deutsch in seiner ganzen Bedeutung nicht eigentlich wiedergeben lässt. Wir sagen zwar dafür ein Opfer, aber ein Opfer kann auch viel weniger sein als ein Sakrifizium. Wenn man zum Beispiel ein Stück Geld auf den Altar legt, so ist dieses ein Opfer, und ein solches Opfer ist umso grösser, je grösser die Selbstentäußerung ist, die man bei der Hingabe übt. Das weißt du aus dem Lobe, das der liebe Heiland der Witwe spendete, die von ihrer Armut das opferte, was sie hatte (Mark 12,42ff.). Aber ein Sakrifizium war dies keineswegs, denn das ist etwas viel Größeres und Erhabeneres. In seiner eigentlichen Bedeutung wird nämlich als Sakrifizium bezeichnet eine äußere Gabe, die allein Gott als den Allerhöchsten dargebracht und von einem rechtmäßig verordneten und geweihten Priester auf gewisse bedeutungsvolle Weise konsekriert oder geheiligt wird, zur Anerkennung der höchsten Herrschaft des allmächtigen Gottes über alle Kreaturen.

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Der Kapuziner Pater Martin von Cochem

Die Schriften des Kapuzinerpaters Martin von Cochem gehören zu dem Schönsten, was die deutsche Erbauungsliteratur besitzt, die seit dem 2. Vatikanischen Konzil in der weichgespülten katholischen Kirche keine Rolle mehr spielt.

Wer jedoch dem überlieferten Glauben treu ist und einmal etwas von Martin von Cochem gelesen hat, der wird ihn samt seinen Schriften auch heute wieder liebgewinnen, wie es in vergangenen Jahrhunderten weit verbreitet war. Der fromme Kapuziner war ein Mann mit einer wunderbaren Kindeseinfalt und einem tiefgläubigen Sinn; beides hat zu seiner Beliebtheit im katholischen Volke beigetragen. Der Beinamen „von Cochem“ bezeichnet, wie es in der Zeit üblich war, die Herkunft seiner Person. Pater Martin wurde am 12. Dezember 1634 in Cochem an der Mosel geboren.

Seine ersten Studien wird er im dortigen Kapuzinerkloster gemacht haben, in das er im Alter von 18 Jahren eingetreten ist. Der Kapuzinerorden, der im 17. Jahrhundert die einstige Strenge des hl. Franziskus wieder aufleben ließ, war damals erst wenige Jahrzehnte in Deutschland, hatte aber eine ungeahnte Verbreitung gefunden. Selbst in den Schreckensjahren des Dreißigjährigen Krieges konnte er mehr als 60 Niederlassungen gründen; neben den Jesuiten hat Deutschland hauptsächlich den Kapuzinern die Erhaltung und Wiederbelebung des katholischen Glaubens zu verdanken.

Nach seiner Priesterweihe, die Martin wohl 1660 empfing, bekleidete er zunächst 7 Jahre das Amt eines Lektors im Kloster zu Mainz; er lehrte Philosophie und Theologie. Als erstes seiner Bücher gab er hier 1666 einen kleinen Katechismus heraus. Der Verleger erkannte sofort, wie volkstümlich das Buch geschrieben war, und schlug vor, der Pater Martin solle sich intensiver der volkstümlichen Schriftstellerei widmen. Bald war sein Name in ganz Deutschland bekannt. Mit großem Fleiße sammelte er Material zu immer neuen Büchern, die fast alle bald neue Auflagen erlebten. Hauptsächlich sind es Gebetbücher, aber auch Legenden, Beispielsammlungen, Biblische und Kirchengeschichte, das oft gedruckte „Leben Jesu“ und mehrere Bücher von der hl. Messe.

Pater Martin wirkte außerdem eifrig in der Seelsorge. 1668 kam er als Missionspriester nach Bensheim an der Bergstraße; danach finden wir ihn im Kloster Nothgottes bei Rüdesheim, ferner in Königstein am Taunus und in Dieburg. Wie sehr der Erzbischof von Mainz, in dessen Bistum diese Kapuzinerklöster lagen, ihn schätzte, ersehen wir daraus, daß er ihn wegen seiner Gelehrsamkeit, seines Eifers und seiner Frömmigkeit für die Jahre 1682—85 zum Visitator und Missionar hauptsächlich in der Gegend des Spessart (Aschaffenburg, Unterfranken) bestellte, die in ganz besonderer Weise durch die Kriegswirren gelitten hatte. Hier sollte er die Städte, Flecken, Dörfer und Weiler aufsuchen, in den Kirchen, Schulen, Privathäusern und anderen passenden Orten Unterricht erteilen und predigen und auch bei der Geistlichkeit überall nach dem Rechten sehen.

Die folgenden Jahre konnte er sich wieder in den Klöstern seines Ordens der Schriftstellerei widmen. Als im Jahre 1689 Ludwig XIV. seine Kriege gegen Deutschland wieder begann, mußten die Kapuziner die Heimat verlassen. Auch für Pater Martin begann wiederum eine Zeit rastloser Wanderungen, die ihn bis nach Österreich und Böhmen führen sollte.

Erst 1696 konnte er wieder zurückkehren und versah nunmehr die Seelsorge im Wallfahrtskloster Walldürn. Hier schrieb er seine Erklärung der hl. Messe, die zu dem Besten und Tiefsten gehört, was er verfaßt hat. Die über Jahrhunderte bestehende Liebe des deutschen Volkes zur hl. Messe dürfte zum großen Teile auf dieses weit verbreitete Buch zurückzuführen sein.

Wie hoch Martin von Cochem selbst die hl. Messe schätzte, erkennt man am besten daraus, daß er ungeachtet seiner vielen Arbeiten keine hl. Messe, der er beiwohnen konnte, versäumte. Wenn bei Begräbnissen viele Priester zugegen waren, wartete er mit dem Zelebrieren bis zuletzt, um vorher an den Messen der übrigen Priester beiwohnen zu können.

Schon über 60 Jahre alt geworden, mußte er die Mühen eines Visitators des Stiftes Trier übernehmen. Pater Martin von Cochem hatte ein äußerst tätiges Leben mit vielen Entberungen geführt. Dazu legte er sich mancherlei schwerer Abtötungen auf. Jahrelang trank er keinen Wein und aß weder Fisch noch Fleisch. Ebenfalls gönnte er sich nachts nur 3-4 Stunden Schlaf.

Erst als fünfundsiebzigjähriger Greis durfte er sich etwas Ruhe gönnen. In Waghäusel, einem Wallfahrtskloster in Baden, Bistum Speyer, beteiligte er sich noch, so gut es ging, an der Seelsorge der Pilger; sogar als Beichtvater, obgleich ihm dies nur noch mit Hilfe eines Hörrohres möglich war.

Pater Martin von Cochem starb am 10. September 1712.

Martin von Cochem hat 66 Schriften verfasst. Aus allen leuchtet eine glühende Liebe zum dreifaltigen Gott, zum Allerheiligsten Altarssakrament und zur allerseligsten Jungfrau hervor.

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