Ich knie vor DIR weil ich DICH liebe, mein Gott!

Johannes Paul II. hat sich nie in der Anwesenheit der Eucharistie hingesetzt. Er hat sich immer auf die Knie gezwungen. Dazu benötigte er die Hilfe von anderen Menschen, damit er die Knie beugen konnte, sich knien konnte und auch um wieder aufzustehen. Bis zu seinen letzten Tagen hat er uns ein großes Zeugnis der Ehrfurcht vor dem Heiligen Sakrament gegeben.

Kniend, leidend – aus Liebe. – Papst Johannes-Paul II.

Es ist nicht nur unsere Pflicht, dass wir vor Gott niederknien.
Erinnern wir uns an die zehn Gebote,
und lesen wir das Wort:

„Ich, der Herr, bin dein Gott,
der dich aus dem Land Ägypten,
aus dem Haus der Knechtschaft, herausgeführt hat.
Du sollst keine anderen Götter neben mir geben!“ (Ex 20,2-3).

Die Hostie im Tabernakel:
Es ist der Herr, vor ihm knien wir voll Ehrfurcht nieder.
Die Anbetung Gottes, unseres Herrn Jesus Christus,
ist das wirksamste und radikalste Mittel
gegen die Götzendiener von gestern und heute.

Vor der Heiligen Eucharistie zu knien
ist ein Bekenntnis zur Freiheit:
Wer sich vor Jesus verbeugt,
kann und soll sich vor keiner irdischen Macht niederwerfen,
egal wie stark sie auch sein mag.

Christen knien nur vor Gott,
vor dem Allerheiligsten,
weil wir wissen und glauben,
dass der einzige wahre Gott,
der die Welt geschaffen und ihn so sehr geliebt hat,
dass er seinen einzigen Sohn gibt (vgl. Joh 3),
in IHM gegenwärtig ist.

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Dr. Regina Willi + / Die österliche Freude

Es gibt eine Zeit für die Freude, sagt Salomo, und eine Zeit für die Traurigkeit. Die Traurigkeit ist vorbei, die Zeit der Freude ist gekommen – die wahre Freude, die in der Auferstehung Christi gründet. Er ist wahrhaft erstanden und hat die Seele seiner Mutter wiederaufgerichtet. Sie lag wie in einer engen Grube des Kummers begraben, während der Herr im Grabe lag. Als er aber auferstanden war, kam ihre Seele zum Leben zurück und wie aus einem Tiefschlaf erwachend, ahnt sie im morgendlichen Licht die Sonne der Gerechtigkeit und die Strahlen des Auferstandenen, sie schaute den Aufgang der sich erhebenden Morgenröte und die zukünftige Auferstehung des Fleisches, die sich zuerst in ihrem Sohn realisiert hat. Sie weidete ihre Augen an dem leuchtenden Leib des Auferstandenen und ihr Geist erkannte die Herrlichkeit der Gottheit: Innerlich und äußerlich, hinaustretend und eintretend, erfreute sie sich so der Weiden der wahren und ewigen Glückseligkeit. Außer sich vor Glück und sich in ihrer Freude selbst vergessend hing sie mit weitem Herzen dem Vater der Geistwesen an und, fest in Gott verankert, wurde sie ganz zu demjenigen hinübergetragen, dessen unendliche Liebe sie ganz erfüllte.

Amédée von Lausanne (1110‒1159)
aus: Huit homélies mariales, Paris 1960, 161.
Übers. von Regina Willi, Ostern 2019.

Regina Willi wird heute, am 18. Juni beerdigt.

Beten Sie für die Seele von Regina Willi!

Agnes Regina Willi 16.10.1968 – 8.6.2019

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Hören Sie die Vorträge von Regina Willi über das Lebenszeugnis der hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit, in 5 Teilen.

I. – https://www.youtube.com/watch?v=9eDlwBDM0IA&t=2190s

II. – https://www.youtube.com/watch?v=Fp1VJeuPkJY

III. – https://www.youtube.com/watch?v=4pWDMRA49aM

IV. – https://www.youtube.com/watch?v=gGUuLtcRiFM

V. – https://www.youtube.com/watch?v=mM9bdF13LMY

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Der zentrale Punkt: die Liebe – oder: die Versuchung lau zu werden

Der zentrale Punkt: die Caritas, die Liebe!

Wiederum hat Mauro-Giuseppe Lepori, der Generalabt der Zisterzienser, allen Mitglieder des Ordens mit seinem diesjährigen Pfingst-Brief einen Spiegel vorgehalten. Er schreibt, wie er bei seinen Besuchen in den Klöstern des Zisterzienserordens die Kommunitäten vorfindet. Erschütternd. Doch diese Beschreibung gilt nicht nur für die Mönche und Nonnen hinter Klostermauern. Auch UNS wird ein Spiegel vorgehalten. Der Generalabt erteilt nun praktische wie geistliche Aufgaben. Auch wenn seine Worte in dem Brief nicht an Laien gerichtet sind, so dürfen sich dennoch alle angesprochen sehen, die sich dem Ruf Jesu in die Nachfolge Christi verpflichtet fühlen.

(Ausschnitte aus dem Brief)

Die Probleme, mit denen wir heute im Leben unserer Berufung konfrontiert werden, sind vielfältig und nicht neu. Die ständige Auseinandersetzung mit diesen Problemen, wie auch der Umstand, dass uns der Wunsch nach Einheit und der Auftrag, nach Lösungen zu suchen, häufiger zusammenführen, machen eine entscheidende Frage immer drängender: Was vereint uns? Warum gehen wir einen gemeinsamen Weg? Sind es wirklich die Probleme, die Schwierigkeiten, die Schwächen, die uns verbinden? Sind es nur die kanonischen Gesetze, die Pflichten, die wir mit unseren Gelübden auf uns genommen haben? Ist es nicht etwas viel Tieferes?

Diese Frage wird in dem Mass akuter, wie wir uns bewusst werden, dass uns eben nicht diese Faktoren und nicht nur die Aufgabe, die Schwierigkeiten anzugehen und durchzustehen, tatsächlich verbinden. Viele meiden die Gemeinschaft unter uns oder fliehen vor ihrer eigenen Gemeinschaft, gerade um den Problemen auszuweichen, oder weil sie eine nur auf Gesetz gegründete Treue und durch Gelübde eingegangene Verpflichtung nicht mehr ertragen.

Mitten in dieser Situation, in der die Zahl derer, die mit Freude Verantwortung im Orden, sein Charisma, seine Berufung und Sendung anzunehmen bereit sind, immer geringer wird, ist es, als würde der Briefträger an unserer Türe läuten und uns einen Brief aushändigen, der vor 900 Jahren abgeschickt wurde. Das Datum des Poststempels erstaunt uns: 23. Dezember 1119!

Voller Erwartung und Neugierde öffnen wir und entdecken, dass es ein Liebesbrief ist. Was für eine Überraschung! Wir erröten, denn schliesslich sind wir nicht gewohnt, solche Briefe zu bekommen. Beim Lesen überrascht uns seine Frische. Er ist 900 Jahre alt und erstaunlich aktuell, so passend für uns heute! Woher hat er dieses immer Neu-sein? Es kommt davon, dass er die Liebe, die Caritas ins Zentrum stellt. So lässt er uns verstehen, wie wir den Schwierigkeiten und Problemen begegnen können, vor allem aber, wie wir unsere Berufung und Sendung leben können, wenn wir in diesem Zentrum verankert sind und es das Licht ist, das unser Zusammensein und unsern Umgang mit den schwierigen Situationen erleuchtet.

Eine grundsätzliche Frage

Die Carta caritatis stellt uns somit eine grundsätzliche Frage: Leben wir unsere Berufung im Licht der Caritas? Leben wir sie mit Liebe? Gehen wir den gemeinsamen Weg in Liebe? Sind wir eins in der Liebe? Leben wir unsere Zugehörigkeit zum Orden als Gemeinschaft der Liebe?

Wenn ein Verliebter seiner Erwählten einen Liebesbrief schreibt, dann erklärt er ihr vor allem seine Liebe und bittet sie darum, dass auch sie ihm ihre Liebe ausdrücke. Uns ist wohl das feine Gespür für so etwas abhanden gekommen. Wir täten aber gut daran, die grundlegenden Texte unseres Glaubens und unserer Berufung gerade wie eine Liebeserklärung zu lesen, die auf unsere Liebeserklärung wartet. Ist nicht die Heilige Schrift, ist nicht das Evangelium eine Liebeserklärung? Sind das nicht auch die Benediktsregel oder die Werke unserer Autoren? Und gerade das ist die Carta caritatis des heiligen Stephan Harding und seiner Zeitgenossen.

Wir müssten es eigentlich deutlich spüren, dass wir geliebt, dass wir privilegiert sind, wenn wir einen Text in der Hand haben, der sich seit 900 Jahren darum bemüht uns zu zeigen, wie wir voll und ganz unsere Berufung leben können, und uns dafür Ratschläge und die geeigneten Mittel gibt: Zeiten gemeinsamen Lebens, gemeinsamen Betens gemeinsamer Ausbildung, Gesten gegenseitiger Zurechtweisung, um uns ständig zu läutern von unserer Tendenz, die „erste Liebe“ erkalten zu lassen, lau zu werden gegenüber unserer fundamentalen Berufung, nämlich „der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen“ (RB 4,21).

Die Versuchung lau zu werden

Was ist Lauheit, diese Lauheit der Kirche von Laodikia, die Christus so anwidert, dass ihn davor ekelt (vgl. Offb 3,15-16)? Lau sein, weder warm noch kalt, heisst, sich an die Temperatur der Umgebung anzupassen. Lauheit ist die Temperatur der Welt. Lau sein bedeutet im Grunde sich nach der Welt richten. Es ist niederschlagend zu sehen, wie leicht wir uns an die Welt, an ihre Eitelkeit anpassen in allem, was uns im Gegenteil eine andere Temperatur geben sollte selbst bei der Verrichtung von Dingen, die auch alle anderen tun: Gebet, Arbeit, Erholung, menschliche Beziehungen … Lauheit ist die Versuchung, in die wir leicht hineinschlittern, weil die Glut des Heiligen Geistes etwa so verlorengeht, wie ein Kaffee erkaltet oder ein erfrischendes Getränkt sich erwärmt: Allmählich gleicht sich die Flüssigkeit, die nicht frisch erwärmt oder abgekühlt wird, der Raumtemperatur an und verliert ihren Geschmack und wir das Vergnügen, sie zu trinken.

Diese Erfahrung machen wir alle. Wir verlieren den Eifer, die Begeisterung, die Freude an unserer Berufung. Wir verlieren den Geschmack an dem, was uns einmal angefeuert hat, z.B. den Geschmack am Wort Gottes oder am Gebet, oder den Geschmack am brüderlichen Leben, oder den Geschmack am Dienst für die Gemeinschaft, den Orden, die Kirche.

Dieser Lauheit kann man nicht mit Thermosflaschen beikommen, die künstlich die ursprüngliche Begeisterung erhalten. Es genügt nicht die Wärme, die Flamme, die unmittelbar und ununterbrochen die Temperatur des Herzens und des Lebenserwärmt, zu konservieren, man muss sie anfeuern. Ist nicht gerade das der Sinn jeglicher monastischen Disziplin, das Ziel all dessen, was die Regel des heiligen Benedikt uns rät und vorschreibt? Die treue Wiederholung der Gesten und Zeiten der Gemeinsamkeit mit Gott und den Brüdern und Schwestern bekämpft das unweigerliche Lauwerden, in das wir so leicht abrutschen, oder in das uns die illusorische Faszination der Welt hineinziehen will.

Das Feuer, das wir dringend benötigen und das wir ständig unterhalten müssen, ist die Liebe, die Liebe Gottes, die uns der Heilige Geist mitteilt. Ein Hymnus für die Terz lässt uns den Heiligen Geist darum bitten: „flammescat igne caritas – in Feuer entflamme die Liebe“. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig helfen, die Flamme der Liebe zu Christus lebendig zu erhalten, wie die Carta caritatis uns lehrt.

Quelle OCIST

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Feuer und Asche von Notre-Dame – oder:

Maria, unsere Liebe Frau, erscheint im Feuer und der Asche

Die christliche Zivilisation wird in der Asche von Notre-Dame in Paris dargestellt. Ein weiteres Zeichen des kommenden Advents unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit und Majestät.

Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass die Kathedrale Notre-Dame fällt. Dieses Feuer ist nicht schlimmer als die Französische Revolution oder die Säkularisation, welche die Zivilisation verwüsteten. Doch bis heute ist deren Bedeutung nicht erkannt oder sie wird geleugnet. Der Fall von Notre-Dame geht in Frankreich einher mit der Vulgarität des Atheismus, des Jacobinismus, bis hin zu den Gelbwesten unserer Tage.

Es ist das Feuer Gottes. Doch was fühlt Gott? Wir können es nicht sagen. Die Kathedrale war in den letzten Jahren, wie viele katholische Dome, Basiliken und Kirchen, zu einer bloßen Touristenattraktion geworden. Sie war weithin ohne jeglichen Inhalt, verlassen von den Pfarrkindern und von einem Land, das wie ganz Europa im Namen der Freiheit auf seine christlichen Wurzeln verzichtet. Doch welche Freiheit? Jene, die die wahre Freiheit ignoriert, den Menschen verleugnet, das Naturrecht und Gott. So wurden wir bis heute nichts anderes als ein als ein Haufen Fleisch, manipuliert von einer Menschen- und gottesverachtenden Machtindustrie.

Selbst göttliche Symbole, auch Jesus selbst und die Jungfrau Maria, werden entweiht und tauchen bei den Händlern von T-Shirts, Schlüsselanhänger und Briefmarken wieder auf. Doch das alles ist nicht neu. Alles ist bereits geschehen und alles steht in der Bibel.

Weder die Welt noch der Mensch, die nach dem Vorbild unseres Schöpfers und von ihm geschaffen wurden, fallen mehr und mehr dem verordneten Denken zum Opfer. Es fallen auch die Schönheit, die Majestät, selbst die Kraft Mariens, die so oft von allen Lastern unserer Zeit geschändet wurde, wie dem Feminismus und anderen Abarten menschlicher Selbstüberschätzungen. All dies ist bereits schon seit langer Zeit dieses Feuer, in dem wir verbrennen. Und all das wird in der Feuersbrunst Unserer lieben Frau von Paris dargestellt.

Wir müssen uns auch fragen, inwieweit der Inhaber des Stuhles Petri, der vor Anführern des Sudan und Muslimen niederkniet und gleichgültig ist gegenüber mahnenden Stimmen der Hirten und anderen Gliedern der Kirche, mitverantwortlich ist für das derzeitige Desaster.

Wir befinden uns in der Karwoche und werden in den nächsten Stunden Tagen in der Liturgie mit allen Arten von Wehklagen konfrontiert, die unseren Erlöser und Heiland Jesus Christus betreffen.

Doch auch das Feuer von Notre-Dame wird uns beschäftigen; besonders wenn die Heuchler wehklagen über den Verlust unwiederbringlicher Kultur und Kunst. Dabei werden die meisten von ihnen niemals in Notre-Dame oder eine andere Kirche eingetreten sein um zu beten. Stattdessen erstiegen sie lieber den Eifelturm oder zum feinen Speisen den Tour d’Argent, oder sie jagten die Enten auf der Seine. Wie dekadent ist eine Welt ohne Gott.

Ja, die Mehrheit geht an Gott vorbei, obgleich sie jeden Tag in Liebe, Schmerz und Hoffnung verbringen und nach Erlösung verlangen. Doch um ihre Vernachlässigung Gottes zu rechtfertigen, beklagen sie sich über dessen Gleichgültigkeit und Grausamkeit, und beschweren sich, dass Gott ihnen keine Beachtung schenkt. Doch die Menschen – sie waren es, die in ihrer Arroganz und Brutalität Gott längst verlassen haben.

„Und als er an den Ort kam, sprach er zu ihnen:
Betet, dass ihr nicht in Versuchung fallet!
Er entfernte sich von ihnen einen Steinwurf weit, kniete nieder, und betete.
Und er sprach: Vater, wenn du willst, so nimm diesen Kelch hinweg von mir;
jedoch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!
Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel, und stärkte ihn.
Als ihn Todesangst befiel, betete er inständiger.
Und sein Schweiß ward wie Tropfen auf die Erde herabrinnenden Blutes.“

(Lukas 22, 40-44)

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Islamismus und Kompatibilität

<<Das Merkelsche Axiom („der Islam gehört zu Deutschland“) ist nicht nur eine politische Meinung. Es zeitigt bereits konkrete, praktische Konsequenzen, die für das christliche Deutschland verhängnisvoll sein können. Denn das Bundesamt für Verfassungsschutz führt in seiner Begründung für die Prüfung der AfD auch ein Kriterium an, das sich aus diesem Axiom ableitet. Das Amt spricht von einer „verfassungsschutzrelevanten Islamfeindlichkeit“. Es folgt damit dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz, das bereits mit diesem Begriff operiert, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Das sei, so die Zeitung, „eine harte Linie. Der Verfassungsschutz kann auf diese Weise eine neue Gruppe von Personen ins Visier nehmen“.>>

Christen, auch Bischöfen, „die dem Islam die Kompatibilität mit dem Grundgesetz absprechen„. Man könnte auch sagen: Gesinnungsinakzeptanz die sich dem vorherrschenden politischen, wirtschaftlichen, kulturellen usw. Mainstream nicht fügt ist kein Teil dieser Gesellschaft, also viel weniger als Islamisten … – also nicht kompatibel.

(Jürgen Liminski, DIE TAGESPOST )

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Robert Spaemann ist gestorben – RIP

Der große Philosoph, Streiter für Wahrheit und Freiheit, –
der Katholik und Verteidiger des tridentinischen Ritus –
der Herr nehme ihn auf in sein Reich.

RIP

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Robert Spaemann – noch immer sind seine Aussagen aktueller denn je.
Er sagte zur heute benutzten Definition des Toleranzbegriffes:

Schon die Rede von „unseren Werten“ oder von „christlichen Werten“ usw. ist relativistisch. Sie suggeriert ja, dass Werte in Wertungen gründen statt umgekehrt Wertungen in Werten.

Und wenn dann doch für europäische Werte ein Absolutheitsanspruch erhoben wird, dann gilt dieser Anspruch eigentlich nur einem Wert, der unbedingt gelten soll, dem höchsten Wert Europas nach Auskunft unserer Bundeskanzlerin, dem Wert der Toleranz. Darin steckt aber ein Denkfehler.

Toleranz gilt den Überzeugungen anderer Menschen, die wir für irrig halten, aber achten, weil es Menschen sind, die sich mit ihnen identifizieren. Und solche Toleranz gründet selbst in einer höchst voraussetzungsvollen eigenen Überzeugung von der Würde jedes Menschen.

Heute wird aber landauf, landab gesagt, so etwas wie unbedingte Wahrheitsüberzeugungen seien ihrer Natur nach intolerant, weil sie gegenteilige Überzeugungen für falsch halten. Und damit kippt der ganze Wertekanon um. Toleranz respektiert Überzeugungen. Der neue Begriff von Toleranz aber verbietet es, Überzeugungen zu haben, weil diese per definitionem intolerant sind.

(Robert Spaemann, Wahrheit spricht mit leiser Stimme, im Kölner Stadtanzeiger, 13. Juni 2008)

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Engelbert Recktenwald, Schüler von Robert Spaemann:

Er war kein Freund der Schönfärberei, aber gleichzeitig von einer so heiteren Gelassenheit, dass man merkte: Die schlimmen Zeitläufte können dem Frieden seiner Seele nichts anhaben. Dieser hatte seine Quellen woanders. Davon zeugen seine Psalmenmeditationen, die er über Jahrzehnte hinweg niedergeschrieben hatte und schließlich nach Abschluss seiner philosophischen Editionen auch publizierte. Er hatte keine Angst vor dem Tod. Er war sich der ewigen Heimat sicher. Jetzt darf er schauen, was er als Philosoph gedacht und als Christ geglaubt und erhofft hatte.

Pater Engelbert Recktenwald erinnert sich an Robert Spaemann.

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