Die Liebe ist in das Reich des Todes hinabgestiegen

oder:

Der Tod nach der Auferstehung

Bis zur Auferstehung Jesu hatte der Tod das Angesicht eines Leichnams.

Durch Seine Auferstehung von den Toten
hat der Tod
das Angesicht des Sohnes Gottes.

Gesegnet sind diejenigen,
die jetzt im Herrn sterben.

Der auferstandene Christus in der Vorhölle mit Adam und Eva und den Patriarchen – Hauptaltar der „Catedral de Cristo Salvador“ in Avila. 1499, von Pedro Berruguete (1450-1504).

+

 

Jesus ist hinabgestiegen um uns zu retten

Durch seinen Tod
öffnete Christus
die Pforte des Fegfeuers
den geretteten Seelen

Heute hast du dich herabgelassen,
unser Erlöser,
in die Hölle hinabzusteigen,
um sogar die alten Patriarchen und Propheten zu retten:
Wir flehen dich an, o Jesus,
schau auf unsere Seelen mit dem gleichen liebevollen und ängstlichen Blick,
mit dem du diese Menge der Gerechten gesehen hast
und der Heiligen, Joseph von Nazareth,
dein vermeintlicher Vater,
und errette uns durch die unendlichen Verdienste
deines schmerzhaften Leidens vor dem ewigen Tod,
indem du uns 
nach dem Ende unseres irdischen Exils
die himmlischen Freuden
für alle Ewigkeit gewährst.

3 Gloria Patri

Hinabstieg Christi in die Vorhölle, um 1482, Öl auf Holz, Französische Schule, 15. Jahrhundert (Musee des Beaux-Arts, Chambery, Savoie, Rhone-Alpes, France)

+

Gekreuzigt – samt unseren Lastern und Gelüsten

Der christliche Glaube ist ein Geheimnis von Tod und Leben; aber der Tod ist ihm nur Mittel, um das übernatürliche Leben in uns zu bewahren:

Non est Deus mortuorum sed viventium
Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.
(Matt 22,32)

Jesus Christus hat „durch seinen Tod unsern Tod überwunden und durch seine Auferstehung uns das Leben wiedergegeben“, wie die Präfation der Osterzeit so schön singt:

Mortem nostram moriendo destruxit et vitam resurgendo reparavit.

Die wesentliche Aufgabe des Christentums und sein Endziel, dem es naturnotwendig zustrebt, dient dem Leben. Das Christentum soll in unserer Seele das Leben Jesu Christi nachbilden. Man könnte […] das Leben Jesu Christi in die zwei Gedanken fassen:
„Unserer Sünden wegen ist er geopfert worden und unserer Rechtfertigung wegen ist er auferstanden.“ – Traditus est propter delicta nostra et resurrexit propter justificationem nostram. (Röm 4,25)

Der Christ soll allem absterben, was Sünde heißt, aber nur, damit er dann um so mehr lebe vom Leben Gottes. Die Buße dient in erster Linie nur als Mittel, um dieses Ziel, das Leben, zu gewinnen.

Das will auch der hl. Paulus sagen mit den Worten: „Wir tragen immerdar das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.“ (2Kor 4,10)
Das Leben Christi, das aus der Gnade entspringt und in der Liebe sich vollendet, ist unser Ziel, ein anderes gibt es nicht.

Aber um dieses Ziel zu erreichen, ist Abtötung vonnöten. Darum schreibt der hl. Paulus: „Die Christo angehören“ – und wir gehören durch die Taufe Christo an – „haben ihr Fleisch gekreuzigt samt ihren Lastern und Gelüsten,“ – qui sunt Christi, crucifixerunt carnem suam cum vitiis et concupiscentiis suis. (Gal 4,27)

Und noch deutlicher sagt er an einer anderen Stelle: „Wenn ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Werke des Fleisches ertötet, werdet ihr leben.(Röm 8,13)

(Columba Marmion OSB. Christus das Leben der Seele)

Columba Marmion:
Christus, das Leben der Seele
Patrimonium-Verlag 2016
478 Seiten; 24,80 Euro
ISBN: ‎978-3864170744

HIER BESTELLEN

+

 

Christus

(für alle, die heute Namenstag haben)

Wie hingerissen pilgernde Kroaten
Vielleicht vor unserer Vera Ikon stehen.
Der sie, unersättlich, sich in Sehnsucht nahten,
Betrachtend stehen und noch im Weitergehen
Sich sagen:
„Herr und Christ – so hat hinieden
Einmal Dein heilig Antlitz ausgesehen!“

(Dante. Göttliche Kommödie)

Volto Santo Manoppello – Paul Badde. Christus, das Gesicht der Barmherzigkeit

+