Es lebe Jesus!

Gütiger Jesus, mein Herr, mein Heiland und mein Gott!
Ich lege dieses Werk zu Deinen Füßen nieder und weihe es Deiner Ehre.
Belebe seine Worte durch Deinen Segen,
damit die Seelen, für die ich es verfasst habe,
daraus die heiligen Eingebungen empfangen, die ich ihnen wünsche.
Mögen sie vor allem Dein unendliches Erbarmen auf mich herabrufen,
dass ich nicht anderen den Weg zur Frömmigkeit hienieden zeige
und selbst im anderen Leben verworfen und auf ewig zu Schanden werde.
Lass mich mit ihnen ohne Ende den Triumphgesang singen,
dieses herrliche Wort,
das ich von ganzem Herzen als Treuegelöbnis
inmitten dieses unsteten Lebens ausspreche:
Es lebe Jesus!
Es lebe Jesus!
Ja, Herr Jesus,
lebe und herrsche
in unseren Herzen
von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Franz von Sales, PHILOTHEA

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Hl. Franz von Sales – 29. Januar

Feierliche Erklärung

Ich versetze mich in die Gegenwart Gottes und des ganzen himmlischen Hofes. Ich habe die unendliche Barmherzigkeit seiner göttlichen Güte gegen mich erwogen, sein unwürdiges und schwaches Geschöpf, das er aus dem Nichts erschaffen, erhalten, aus so vielen Gefahren befreit, mit so vielen Wohltaten überhäuft hat.

Ich habe vor allem die unbegreifliche Güte und Langmut erwogen, mit der Gott mich so väterlich in meinen Sünden ertragen, so oft und so liebevoll zur Umkehr eingeladen, so langmütig auf meine reuige Buße gewartet hat, bis zu diesem … Jahr meines Lebens, trotz all meiner Undankbarkeit, Unredlichkeit und Untreue. Immer wieder habe ich meine Bekehrung hinausgeschoben, seine Gnade missachtet, Gott schändlich beleidigt.

Ich habe auch erwogen, dass ich am Tag meiner heiligen Taufe ein Kind Gottes geworden bin. Zu meinem Glück und zu meiner Heiligung wurde ich ihm geweiht und dargebracht. Entgegen dem Gelöbnis, das damals in meinem Namen abgelegt wurde, habe ich meinen Geist so oft und so schändlich entweiht und vergewaltigt, da ich ihn gegen Gottes Majestät wandte und missbrauchte.

Nun komme ich zu Dir und werfe mich im Geist vor dem Thron der göttlichen Gerechtigkeit nieder. Ich erkenne und bekenne mich schuldig des Verbrechens, die Majestät Gottes beleidigt zu haben, schuldig am Leiden und Sterben Jesu durch die Sünden, die ich begangen habe. Für sie ist er gestorben und hat die Kreuzesqualen erduldet; darum habe ich verdient, für ewig verloren und verdammt zu sein.

Ich wende mich nun dem Thron der unendlichen Barmherzigkeit Gottes zu. Ich verabscheue von ganzem Herzen und aus allen Kräften die Sünden meines bisherigen Lebens. Ich bitte demütig um Gnade, Barmherzigkeit und Verzeihung, um vollständige Vergebung meines Verbrechens, kraft des Leidens und Todes Jesu, des Herrn und Erlösers meiner Seele. Auf diese einzige Grundlage stütze ich meine Hoffnung.

So erneuere ich das heilige Treuegelöbnis, das ich am Tag meiner Taufe abgelegt habe: Ich widersage dem Teufel, der Welt und dem Fleisch. Ich verabscheue ihre unseligen Ratschläge, ihre Eitelkeiten und ihre Lust für mein ganzes Leben und für alle Ewigkeit.

Ich wende mich meinem gütigen und barmherzigen Gott zu und bin unwiderruflich entschlossen, ihm zu dienen und ihn zu lieben, jetzt und ewig. Ich weihe ihm zu diesem Zweck meinen Geist mit all seinen Fähigkeiten, meine Seele mit all ihren Kräften, mein Herz mit all seiner Liebe, meinen Leib mit all seinen Sinnen.

Ich erkläre hiermit, dass ich nie mehr eine meiner Fähigkeiten gegen seinen göttlichen Willen und seine alles überragende Majestät missbrauchen will. Im Geiste bringe ich mich ihm zum Opfer. Auf ewig will ich ihm treu und als sein Geschöpf redlich ergeben sein. Nie mehr will ich mich von ihm abwenden oder meine Hingabe bereuen.

Sollte ich jemals durch Versuchung des Teufels oder durch menschliche Schwäche irgendwie gegen diesen Entschluss und diese Weihe verstoßen, so erkläre ich hiermit feierlich:

Ich bin entschlossen, mit der Gnade des Heiligen Geistes davon abzulassen, sobald ich es bemerke, um mich sogleich ohne Zögern und Zaudern der göttlichen Barmherzigkeit zuzuwenden.

Dies ist mein Wille, meine Absicht, mein unabänderlicher und unwiderruflicher Entschluss, den ich hiermit bekunde und bekräftige, ohne Ausnahme und Vorbehalt.

Ich erkläre ihn im Angesicht Gottes, der triumphierenden und der streitenden Kirche, meiner Mutter; sie nimmt diese Erklärung in der Person dessen entgegen, der mich als ihr Vertreter bei diesem Akt anhört.

Möge es Dir gefallen,
ewiger, allmächtiger und allgütiger Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist,
diesen Entschluss in mir zu stärken
und dieses Opfer meines Herzens und meiner Seele
gütig anzunehmen.
Du hast mir durch Deine Eingebung den Entschluss geschenkt,
gib mir auch die Kraft und Gnade, es zu vollziehen.
O Gott, Du bist mein Gott (Ps 16,2),
der Gott meines Herzens (Ps 73,26),
der Gott meiner Seele und meines Geistes.
So will ich Dich sehen und anbeten
jetzt und in alle Ewigkeit.
Es lebe Jesus!

Franz von Sales

(Philothea – 1/20. Kapitel – Feierliche Erklärung als Abschluss der verschiedenen Bußübungen. Sie will der Seele den Entschluss einprägen, Gott zu dienen)

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Deine Unruhe – die Quelle vieler Versuchungen

Die Unruhe ist nicht einfach eine Versuchung, sondern die Quelle vieler Versuchungen. Die Traurigkeit ist ein seelischer Schmerz über ein Übel, das uns gegen unseren Willen zustößt, gleichgültig, ob dieses Übel von außen kommt wie Armut, Krankheit, Verachtung, oder unserem Geist anhaftet wie Unwissenheit, geistliche Dürre, Widerwillen, Versuchung. Wenn die Seele fühlt, dass sie von einem Übel betroffen wird, dann ist sie darüber missgestimmt, dass ihr etwas mangelt; das ist die Traurigkeit. Sie möchte sofort davon frei werden und sieht sich nach Mitteln dafür um. Soweit handelt sie richtig, denn jedermann sucht sein Wohl und flieht, was er für ein Übel hält.

Sucht nun die Seele nach Mitteln zur Befreiung vom Übel, weil sie Gott liebt, so wird sie sich darum geduldig, demütig, sanftmütig und ruhig bemühen und die Befreiung mehr von der Güte der Vorsehung Gottes erhoffen als von ihrem eigenen Bemühen, ihrer Anstrengung und Geschicklichkeit. Strebt sie diese Befreiung aber aus Eigenliebe an, so wird sie sich auf der Suche nach den geeigneten Mitteln aufregen und erhitzen, als ob ihr Wohl mehr von ihr selbst als von Gott abhinge. Ich sage nicht, dass sie das denkt, sondern ich sage, sie regt sich auf, als ob sie so dächte.

Findet sie nun nicht, was sie wünscht, dann kommt große Unruhe und Ungeduld über sie. Das Übel weicht nicht, es wird im Gegenteil schlimmer, die Seele wird zutiefst geängstigt und verzagt. Mut und Kraft schwinden dahin, sodass ihr das Übel schließlich unüberwindlich scheint. So gebiert die anfangs vernünftige Traurigkeit die Unruhe, diese Unruhe wieder bewirkt ein Wachsen der Traurigkeit, die dann äußerst gefährlich wird.

Die Unruhe ist nach der Sünde das größte Übel, das eine Seele treffen kann. Wie Bürgerkriege und Aufstände einen Staat ruinieren und so schwächen, dass er einem Feind von außen keinen Widerstand mehr zu leisten vermag, so verliert auch die Seele durch Verwirrung und Unruhe die Kraft, bereits erworbene Tugenden zu bewahren, und damit auch die Fähigkeit, den Versuchungen des Feindes zu widerstehen, der dann sehr eifrig bemüht ist, in diesen aufgewühlten Wassern zu fischen.

Die Unruhe entspringt dem ungeordneten Wunsch nach Befreiung von einem schmerzlich empfundenen Übel oder nach Erlangung von heiß ersehnten Gütern. Dabei verschlimmert nichts so sehr das Übel, rückt nichts so sehr das ersehnte Gut in die Ferne wie Unruhe und Hast. Die Vögel verstricken sich in den Netzen, weil sie hin- und herflattern, um zu entkommen, unruhig um sich schlagen und sich dadurch nur noch mehr verfangen.

Wenn dich also der Wunsch bedrängt, von einem Übel befreit zu werden oder ein Gut zu gewinnen, so beruhige vor allem deinen Geist, mäßige Urteil und Verlangen, dann bemühe dich in aller Ruhe darum, indem du die dafür geeigneten Mittel anwendest. Wenn ich „ruhig“ sage, meine ich nicht nachlässig, sondern ohne Hast, ohne Aufregung und Unruhe. Handelst du nicht so, dann wirst du, statt dein Ziel zu erreichen, alles zugrunde richten und selbst noch mehr in Verwirrung geraten.

Meine Seele ist stets in meiner Hand, o Herr, ich habe Dein Gesetz nicht vergessen“, betete David (Ps 119,109). Prüfe dich täglich mehrmals, wenigstens am Morgen und am Abend, ob du deine Seele in der Hand hast oder ob irgendeine Leidenschaft oder Unruhe sie deiner Kontrolle entzogen hat. Schau, ob das Herz deinen Befehlen gehorcht oder ihnen ausweicht und sich in ungeordnete Affekte der Liebe oder des Hasses, der Sehnsucht und Furcht, des Ärgers oder der Freude verwickelt hat. Ist dein Herz in die Irre gegangen, dann geh es vor allem suchen, führe es ganz behutsam in die Gegenwart Gottes zurück und stelle von neuem deine Affekte und Wünsche unter den Gehorsam, unter die Führung seines göttlichen Willens. Wer einen kostbaren Gegenstand zu verlieren fürchtet, hält ihn stets sorgsam in der Hand; so wollen auch wir wie der Psalmist beten: „Mein Gott, meine Seele ist gefährdet, deshalb trage ich sie in meinen Händen, so habe ich Dein heiliges Gesetz nicht vergessen.

Gestatte nie deinen Wünschen, auch nicht unwichtigen, dich zu beunruhigen. Nach kleinen würden auch große und wichtige Wünsche in deinem Herzen einen geeigneten Nährboden finden für Unruhe und Aufregung. Fühlst du Unruhe über dich kommen, so bete zu Gott, sei entschlossen, keinem deiner Wünsche nachzugeben, bevor sich die Unruhe gelegt hat, außer es handelt sich um etwas Unaufschiebbares. In diesem Fall musst du mit ruhig-festem Bemühen den stürmischen Wünschen Einhalt gebieten, sie beruhigen und mäßigen, soweit es dir möglich ist, und dann die Sache ausführen, nicht nach deinen Wünschen, sondern nach der Vernunft.

Kannst du die Unruhe deinem Seelenführer oder sonst einem vertrauten und frommen Freund offenbaren, dann darfst du versichert sein, dass du bald die Ruhe finden wirst. Denn die Mitteilung seelischer Schwierigkeiten wirkt auf die Seele, wie der Aderlass auf den fiebernden Körper, sie ist das Beste aller Heilmittel. Deshalb gab auch der heilige König Ludwig seinem Sohn den Rat: „Fühlst du dich im Herzen irgendwie beklemmt, sag es sogleich deinem Beichtvater oder einem anderen guten Menschen, und du wirst gestärkt werden, um dein Leid leichter zu tragen.“

Franz von Sales. Philothea

Bischof Franz von Sales schreibt seine Philothea

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Tugenden im Wohlergehen und in der Trübsal

Voll Mitgefühl nehme ich an den vielen bitteren Schmerzen Anteil, die Sie erleiden, und doch wird mir viel Trost daraus, zu wissen, daß Sie im Geist der Ergebung leiden. Meine liebe […], die Tugenden, die im Wohlergehen wachsen, sind gewöhnlich zart und schwach, die aber in der Trübsal geboren werden, sind stark und fest, so wie man auch sagt, daß die besten Weine zwischen Steinen wachsen.

Ich bete, daß Gott immerdar inmitten Ihres Herzens sei, damit es inmitten so vieler Schicksalsschläge nicht erschüttert werde und daß er, der Sie an seinem Kreuz teilhaben läßt, Ihnen auch sein heiliges Dulden und diese göttliche Liebe zuteil werden lasse, die Heimsuchungen so wertvoll machen.

Ich werde nie aufhören, den Beistand dieses ewigen Vaters auf eine Tochter herabzuflehen, die ich achte und liebe wie meine Mutter. So bin ich […] ganz der Ihre in Unserem Herrn …

(Franz von Sales, Bd. 6, S. 370)

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Gebet – nichts ist besser

Nichts ist geeigneter,
unseren Verstand von Unwissenheit
und unseren Willen
von seinen verderbten Anhänglichkeiten
zu reinigen,
als das Gebet,
das unseren Verstand in die Helle göttlichen Lichtes rückt
und unseren Willen der Wärme göttlicher Liebe aussetzt.

Das Gebet ist die segensreiche Quelle,
deren belebende Wasser die Pflänzchen
unserer guten Wünsche zum Grünen und Blühen bringen,
jeden Makel von unserer Seele hinwegspülen
und das von Leidenschaft erhitzte Herz abkühlen.

(Philothea II,1)

Franz von Sales, Philothea. Titelseite der ersten Ausgabe 1609

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Herz-Jesu-Freitag + Feurige Herzensgebete

Erhebe dich also oft zu Gott durch kurze, feurige Herzensgebete.

Bewundere Seine Schönheit,
bitte Ihn um Hilfe,
wirf dich im Geiste am Fuß des Kreuzes nieder,
bete seine Güte an,
befrage Ihn oft über dein Seelenheil,
schenke Ihm deine Seele von neuem,
richte deine Augen auf Seine Liebe.

Reiche Ihm die Hand, wie ein Kind dem Vater, dass Er dich führe;
lege Ihn auf dein Herz wie ein Blumenstrauß;
richte Ihn in deiner Seele auf wie eine Standarte …
und erwecke eine lebhafte, zärtliche Liebe zum göttlichen Bräutigam.

(Franz von Sales. Philothea II,13)

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