Eine Woche mit Bruder Rafael – Über die Demut (7/7)

Ach, wer denkt an weiße Kullen wenn ich meinen Jesus nackt an einem Kreuz sehe! …
Wer denkt daran, von den Menschen geachtet zu werden, wenn ich meinen Jesus sehe, wie Er von seinen Freunden vergessen und auf dem Kreuzweg verachtet und angespieen wird? …
Wer ist darauf bedacht, mit Klugheit vorzugehen, wenn wir Jesus mit einem Umhang und dem Zepter eines Wahnsinnigen
sehen?…
Herr, Herr, ich möchte dieser Wahnsinnige sein …
Und das Lachen und Spotten entgegennehmen, das dir galt …
Ich möchte, Herr, dieser Wahnsinnige sein …
Ich weiß nicht, was ich da sage, ich armer Trappistenoblate, von dessen Leben du erwartest, dass es im Schweigen, in Dunkelheit in Einfachheit verläuft …
Dein Wille, Herr, geschehe!

Geistliche Übungen mit Bruder Rafael

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Eine Woche mit Bruder Rafael – Über die Demut (6/7)

Selige Torheit Christi, die die Tränen in Perlen verwandelt und uns das Kreuz lieben lässt!
Ja, dann wird Freude wach; die Freude dessen, der nur für Gott lebt, nur auf Gott vertraut, nur auf Gott seine Hoffnung setzt. Und diese Freude macht keinen Lärm; es ist die gelassene Freude der Seele, die auf der Erde lebt und sie trotzdem kaum berührt; die nichts von der Welt erwartet. Es ist die Freude dessen, der für Christus lebt, der von Maria träumt.
Und dann, lieber Bruder was soll ich Dir sagen?
Ich kann nicht reden und noch weniger schreiben.

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Eine Woche mit Bruder Rafael – Über die Demut (5/7)

Sehr oft weinte – dort [im Trappistenkloster] – ein armer Mönch vor einem Kreuz.

Die Welt sagte ihm: Du bist ein Tor;
Freudentränen zu weinen ist Wahnsinn;
dein Leben vergeht sinnlos in Schweigen und Buße.
Wozu das Kreuz lieben, wenn das Leben so schön und die Freiheit so verheißungsvoll und nicht düster ist?

Aber der Trappist weinte und weinte, und seine Tränen waren solch wohltuende Seufzer für sein Herz, und er legte sie
mit so viel Liebe Maria zu Füßen, dass er keine einzige seiner Tränen getauscht hätte für alles Gold der Welt …

Jener Trappist weinte, aber er weinte vor Freude …
Was versteht die Welt von Liebe?

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Eine Woche mit Bruder Rafael – Über die Demut (4/7)

Das ist die Torheit Christi …
Mit fest auf Jesus gerichtetem Blick denken sie nicht einmal mehr ans Essen. Sie fürchten weder Kälte noch demütigende Armut. Die Liebe zu ihren Eltern und Geschwistern hält die liebenden Verehrer Jesu nicht auf …
Gott allein! … Nur Er! …
Das ist der einzige Gedanke, der sie beherrscht …
Es ist das Wunder, das die Torheit der Liebe bewirkt.
Die Welt und ihre Bewohner vergehen. Die Menschen denken weiterhin an die Zukunft ihrer Besitztümer, an ihre Geschäfte,
an ihre Krankheiten. Sie klammern sich an die Erde, auf der sie Ruhe suchen. Sie leiden, wenn sie diese Ruhe nicht finden,
und weinen, wenn sie sie verlassen müssen … In Wirklichkeit sind sie die Törichten, obwohl die Welt unter Torheit versteht,
wenn jemand die Armut, die Verachtung, die Krankheit und das Kreuz liebt.
Wie soll die Welt auch – so klug, so weise, so voll im Recht – einen derartigen Unsinn begreifen? Ich mache nicht den Versuch,
mich mit ihr auseinanderzusetzen; es bringt nichts, und es ist unnötig.

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Eine Woche mit Bruder Rafael – Über die Demut (3/7)

Selig die Trauernden, sagte Jesus, als Er auf Erden am Ufer des Sees weilte und Ihm eine Menge von Kranken, Lahmen, Armen und Sündern folgte …
Und ich glaube, dass sie – als sie ihre vom Weinen gezeichneten Augen auf Jesus richteten – fröhlich lachten und ihre Gebrechen und ihr Elend priesen, weil sie das waren, was sie mit Jesus verband. Und Jesus blickte sie an mit jener Milde, die eine ganze Welt eroberte, und ließ sich lieben von den Armen, Betrübten, Kranken und Sündern …
Und Jesus heilte und Jesus tröstete und Jesus, der milde Jesus, verzieh. Das Schauspiel wiederholt sich. Nichts hat sich geändert, außer dass Jesus nicht mehr sichtbar am See von Tiberias weilt …
Jesus ist im Tabernakel gegenwärtig; dort empfängt Er seine Freunde; dort tröstet und heilt Er sie, dort verzeiht ihnen …
Welch große Vertrautheit Jesu mit denen, die weinen!
Selige Tränen, seliges Leid und selige Krankheiten, die unser Schatz sind. Sie sind das Einzige, was wir besitzen und was uns zu Jesus führt, denn unsere geringe Liebe zu Ihm ist so schwach und klein, dass sie alleine nicht ausreicht! …
Welche Freude, sich von Gott geliebt zu wissen, zu seinen Freunden zu zählen! Welche Freude, Ihm Schritt für Schritt in Jerusalem zu folgen – mit festem Blick auf sein göttliches Antlitz!
Welche Freude, sogar unser eigenes Elend zu preisen, das die Ursache dafür war, dass Jesus den Blickkontakt zu uns suchte, um so zu unserm Herzen zu gelangen und uns zu heilen und zu verzeihen … und uns zu lieben bis zum Tod am Kreuz!

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Eine Woche mit Bruder Rafael – Über die Demut (2/7)

Wie groß ist die Freude am Leben, wenn man Gott besitzt, und Gott allein!
Wie unbedeutend werden die Probleme, die uns das Leben bereitet, Probleme, deren Lösung zu finden ist … in Gott allein!
Nein, sag mir nicht, was die Weisen dieser Welt sagen! …
Du weißt schon, was sie reden. Wozu soll ich es Dir wiederholen? …
Sind wir nicht so verblieben, dass wir wahnsinnig werden wollen?
Seien wir also verrückt, auch wenn uns die Welt für
töricht und unvernünftig hält! … Was soll’s?
Gott sieht alles, und mehr Torheit und Unvernunft gibt es in einem Weisen dieser Welt, als in einer Million Seelen, die von der Torheit Christi befallen sind.

„Selige Torheit, die uns fern von der Anhänglichkeit an die Erde leben lässt und bewirkt, dass wir die Leiden dieser Verbannung durch den verheißungsvollen Kristall der Hoffnung sehen, der sicheren Hoffnung auf einen ruhmreichen, glänzenden Tag, der nicht auf sich warten lassen wird! …
Selige Torheit Christi, die uns die Eitelkeit und Unbedeutsamkeit unseres Leidens erkennen lässt! Sie verwandelt die bitteren
Tränen in süßen Gesang und die unangenehmen Dinge des Lebens in sanfte Ketten, die uns mit Jesus verbinden …

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Eine Woche mit Bruder Rafael – Über die Demut (1/7)

Demut ist –
vollkommenste Demut, wenn ich (…)
mehr mit dem armen Christus Armut will und erwähle als Reichtum,
Schmähungen mit dem davon erfüllten Christus mehr als Ehren,
und mehr zu wünschen, als nichtig und töricht
um Christi willen angesehen zu werden,
der als erster dafür gehalten wurde,
denn als weise und klug in dieser Welt.

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